I. Teil 1. Bildung Universität Theologie. in Würzburg

April 29, 2016 | Author: Nicole Schulze | Category: N/A
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I. Teil 1.

Bildung – Universität – Theologie in Würzburg Geschichte der Theologischen Fakultät in Würzburg

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Inhaltsverzeichnis:

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Geschichte der Theologischen Fakultät in Würzburg

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1.

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Die theologische Bildung in Würzburg im Mittelalter Exkurs: Die Domschule in Würzburg Exkurs: Die Domscholaster Exkurs: Theologiegeschichtliche und hagiographische Zeugnisse aus dem mittelalterlichen Würzburg bis zur ersten Universität

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2. Die erste Universität in Würzburg 2.1. Die Rektoren und Professoren der ersten Universität

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3.

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Das Residuum. Von der Gründeruniversität zur Neugegründeten Universität Exkurs: Die Domprediger Reihenfolge der Domtheologen / Domprediger / Theologieprofessoren

Die Universität des Julius Echter in Würzburg (Academia Iulia).: Wirsbergs Anfang – Echters Vollendung 4.1. Das Pädagogium von 1561 4.2. Echters Initiativen zur Neuen Universität Exkurs: Frühhumanismus und Bistumshistoriographie 4.

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5. Die jesuitische theologische Fakultät in Würzburg 1582-1773 5.1. Neue Impulse für die Universität unter Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (1642-1673) Exkurs: Theologia Wirceburgensis

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6.

Die Zeit nach den Jesuiten, die Zeit der Aufklärung 1773 bis 1803 Exkurs: Die Unterrichtssprache Latein Exkurs: Philosophie als notwendige Voraussetzung nicht nur für Theologen Exkurs: Die Stellung der theologischen Fakultät zu Kant Exkurs: Aufklärung und literarisches Leben: Die Zeitschriften

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Von der Julius-Universität zur Julius-Maximilians-Universität

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7.

61 65

73 73 75

8. Die theologische Fakultät im 19. Jahrhundert 8.1. Die Germaniker und die Theologische Fakultät 8.2. Differenzierung der theologischen Fakultät und Ausbau des Lehrkörpers Exkurs: Die Theologische Fakultät und das 1. Vatikanische Konzil Exkurs: Kleriker als Philologen

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9.

Die theologische Fakultät im 20. Jahrhundert Die Universitätsverfassung vom 3.März 1921 9.1. Die theologische Fakultät in der Zeit des Nationalsozialismus Die Schließung der Theologischen Fakultät 1935

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10.

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Der Neubeginn nach 1945 Der Lehrkörper der Theologischen Fakultät nach dem Neuanfang 10.1. Das Kollegium der Katholisch-Theologischen Fakultät im Jahre 1951 10.2. Der Ausbau der Fakultät Wissenschaftliche Assistenten und Lehraufträge

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Exkurs: Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) Exkurs: Die Würzburger Synode (1971-1975) Exkurs: Graduiertenkolleg ‚Geschlechterdifferenz in religiösen Symbolsystemen‟ Exkurs: Zur Evangelischen Theologie in Würzburg

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11 .

Der Jahresbericht des Bayerischen Obersten Rechnungshofes von 1997 und die Folgen

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12.

Die Seminarbibliotheken der Katholisch-Theologischen Fakultät

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13.

Wichtige staatskirchenrechtliche Vereinbarungen für die Theologischen Fakultäten in Deutschland bzw. Bayern

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14.

Die theologische Fakultät und das Priesterseminar

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15.

Die Katholische Akademie Domschule. Theologie im Fernkurs

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16.

Freunde und Förderer der Katholisch-Theologischen Fakultät

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17.

Reihe „Würzburger Theologie“ (WTh)

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18.

Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz (GSiK)

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Abkürzungs- und Literaturverzeichnis siehe unter:

http://www.ludwig-k-walter.de

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Geschichte der Theologischen Fakultät in Würzburg 1. Die theologische Bildung in Würzburg im Mittelalter Die Anfänge der Theologie in Würzburg gehen zurück in die Zeit der Bistumsgründung 742 durch Bonifatius und in die Zeit des ersten Bischofs von Würzburg, den angelsächsischen Benediktiner Burkard (742-753). Die Quellen berichten von theologischen Auseinandersetzungen der großen abendländischen Theologie, die in Würzburg ihren Niederschlag fanden und Kilian und seine Mitarbeiter („et socii“), die irischen Missionare des Würzburger Raumes, werden darin einbezogen. Der angelsächsische Bischof Burkard leitete von seinem Domkloster aus das Bistum. Kirchliche Organisation und liturgische Weisungen gingen vom Bischof aus, der im wesentlichen römischen Traditionen folgte. Im Umkreis des Bischofs entstand am Dom eine Schule, die antike weltche Bildung und theologisches Denken vermittelte. Als Sitz des Domklerus gründete Burkard I. (742-753) das Benediktinerkloster St. Maria, Andreas und Magnus zu Würzburg. Unter dem 3. Bischof von Würzburg, Bischof Berowelf (768/69-800), wurde der Umzug des Domklerus vom Andreaskloster in das rechtsmainische neue Domstift vollzogen. Das Andreaskloster selbst wurde dann 1464 unter Bischof Johann III. von Grumbach (1455-1466) in das Ritterstift St. Burkard umgewandelt. (ehem. Portal der Würzburger Domschule; Foto privat)

Die genaueren Anfänge der eigentlichen Würzburger Domschule liegen im Dunkeln. Aber es gibt frühe Zeugnisse theologischer Gelehrsamkeit der Würzburger Bischöfe vom 8. bis zum 10. Jahrhundert in der Würzburger Dombibliothek., die uns in den „Libri s. Kyliani“ jedenfalls noch teilweise überliefert wird. Was hier an propädeutischer und theologischer Literatur (noch) vorhanden ist, geht über die Notwendigkeiten des liturgischen Alltages hinaus, denn es spiegelt die Beschäftigung mit den theologischen

Zeitfragen der lateinischen Kirche wieder.1 Der Leiter der Domschule war der Domscholaster. Die ersten überlieferten Namen müssen aus verschiedenen Gründen ausgeschieden werden. Mit Stephan von Novarra finden wir Mitte des 10. Jahrhunderts sichere historische Überlieferung unter Bischof Poppo I. von Würzburg (941-961). Zunächst erscheint der Domscholaster in freier Anstellung, von außen gerufen, später kam er aus dem Domkapitel, das auch eine Ausbildung an auswärtigen Schulen und Universitäten ermöglichte. Innerhalb des Domkapitels gewann der Domscholaster eine herausragende Stellung („Dignität“), die ihn zum Leiter des gesamten kirchlichen Schulwesens im Bistum machte. Aus dem 15. Jahrhundert ist bekannt, daß der eigentliche Lehrer den Titel Domschulmeister (Praeceptor, Ludimagister, Ludimoderator, Ludidirektor u. ä. ) trug und Magister der Theologie war. Als Mitarbeiter des Domschulmeisters fungierten der Baccalaureus (Unterlehrer),d er 1

Vgl. zum Folgenden insgesamt die Arbeiten von Hans Thurn: Thurn, H.: Die Würzburger Dombibliothek des frühen Mittelalters. In: WDGBl 54,1992,55-67; H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? In: Würzburgs Domschule in alter und neuer Zeit. Hrsg. von G. Koch u. J. Pretscher. Würzburg 1990.- S. 11-33; L. K. Walter: Die theologischen Streitigkeiten des Frühmittelalters und ihre Widerspiegelung in der Würzburger Kirche des 8. und 9. Jahrhunderts. In: WDGBl 56,1994,13-26

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Locatus und der Substitutus. Das Konzil von Trient (1545-1563) verlangte, daß der Domscholaster Doktor der Theologie oder des kanonischen Rechts ist und den Unterricht in der Regel wieder selbst leitet.2 Der Domschule und den Schulen in den Klöstern nachgebildet, haben sich seit dem 11./12. Jahrhundert die sog. Stiftsschulen mit eigenen Lehrern der humanistischen und theologischen Bildung entwickelt. In Würzburg gründete Bischof Heinrich I. (995/61018) als bischöfliches Eigenstift vor 1002 im Norden der Stadt das Stift St. Jahannes Baptist in Haug und im südlichen Teil um 1012 das Kollegiatstift St. Peter, Paul und Stephan. Bischof Adalbero (1045-1090) wandelte wahrscheinlich 1057 dieses Kollegiatstift St. Peter in eine Benediktinerabtei um und stiftete 1057 oder 1058 das Kollegiatstift St. Maria und Allerheiligen, genannt Neumünster. Wahrscheinlich transferierte er die Chorherren von St. Peter in dieses neue Stift und besetzte St. Peter mit Mönchen aus Münsterschwarzach. Parallel zu den Stiften existierten die Klosterschulen mit ihrer eigenen und internen klösterlichen Ausbildung und Erziehung, die sich durchhielt, auch wenn vor Ort eine Universität errichtet wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert pflegten manche der Klöster ein eigenes Hausstudium, teils an Stelle des Universitätsstudiums, teils als Vorbereitung auf jenes, teils aber auch in Vorbereitung auf eine Graduierung an der Universität. Manche Würzburger Klöster beherbergten bedeutende Gelehrte; z. B. schrieb Albertus Magnus im Würzburger Dominikanerkloster 1264-1266 seine Kommentare zum Lukasund Markus-Evangelium. Im Augustinerkloster wirkte als Rektor des theologischen Studiums Hermann von Schildesche (gest. 1357), ein fruchtbarer und eigenständiger Theologe mit mehr als 30 Werken theologischen und kanonistischen Inhalts.3 Noch in die Zeit der ersten Universität reicht die Lebenszeit des im Rufe der Heiligkeit und Gelehrsamkeit 1450 in Würzburg verstorbenen Franziskanerminoriten Johannes Sintram. Er überließ dem Würzburger Franziskanerkloster eine Sammlung mit eigenen Werken und Predigtmaterialien in 61 Handschriften. Johannes Trithemius, der das spätmittelalterliche Geistesleben nachhaltig beeinflußte, starb als Abt des Würzburger Schottenklosters 1516. Ebenfalls im Schottenkloster war ab 1741 der belesene Benediktinermönch aus St. Stephan P. Ignaz Gropp Prior; er verfaßte 1741-1750 die für Würzburg bedeutsame „Collectio novissima scriptorum et rerum Wirceburgensium a saeculo XVI. XVII: et XVIII. hactenus gestarum“. Den im 14. Jahrhundert aufkommenden Universitätsgründungen im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation versuchte sich der Würzburger Bischof möglichst bald anzuschließen. Johann von Egloffstein († 1411) versuchte um 1400 in einer für Würzburg und die Gesamtkirche schwierigen Zeit ein Generalstudium einzurichten mit päpstlichen Privilegien nach dem Vorbild Bolognas und anderer Universitäten. Aber wir sehen, dass die Universitätstheologie ihre eigene Entwicklung, ihren eigenen Sinn und ihre eigenen Probleme entwickelte.4 Die Universitäten dienten einer besonderen Art der Bildung. Was Klosterschulen und sonstige geistliche Pflanzstätten nicht boten, erlangten seit dem Hochmittelalter Adelige und Nichtadelige an den Universitäten, seien es die philosophischen, naturwissenschaftli2

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Vgl. H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters; religionis et rei publicae seminarium? In: Würzburger Domschule in alter und neuer Zeit. Würzburg 1990.- S. 11-33; Fr. Merzbacher: Die Dignitäten in den Statuten des Würzburger Domkapitels. In: WDGBl 37/38,1975/76,359-377 A. Zumkeller: Hermann von Schildesche O.E.S.A. (†8. Juli 1357). Würzburg 1957; Ders.: Magister Hermann von Schildesche OESA (+8.Juli 1357), der Generalvikar des Bistums Würzburg. In: WDGBl 20,1958,127-139; Ders.: Schrifttum und Lehre des Hermann von Schildesche O.S.A (+1357). Würzburg 1959; Ders.: Wiedergefundene exegetische Werke des Hermann von Schildesche. In: Augustinianum 1,1961,236-272 Vgl. H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? In: Würzburgs Domschule in alter und neuer Zeit. Hrsg. von G. Koch u. J. Pretscher. Würzburg 1990.- S. 11-33; L. K. Walter: Die theologischen Streitigkeiten des Frühmittelalters und ihre Widerspiegelung in der Würzburger Kirche des 8. und 9. Jahrhunderts. Ein theologiegeschichtlicher Versuch. In: WDGBl 56,1994,13-26

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chen, philologischen oder musischen Grundlagen der Artes, die Strenge der Jurisprudenz, die historischen und praktischen Erfahrungen der Medizin oder auch die Vielfalt der Theologie. Die mittelalterliche Universitätsbildung trennte Gebildete von Ungebildeten, krönte jedes wissenschaftliche Streben. Das Theologiestudium aber war die „Spitze und Krone aller Wissenschaft“; der sterbliche Mensch vermag „durch beharrliches Streben die Perle der Wissenschaft zu erringen ... sie macht überdies jenen Gott ähnlich und führt dazu, die Geheimnisse der Welt klar zu erkennen. Sie hilft den Ungelehrten, sie hebt die in tiefster Niedrigkeit Geborenen zu Höchsten empor“.5 Die wissenschaftlichen Studien sind es, „durch welche die Verehrung des göttlichen Namens und unser hl. kath. Glaube verbreitet, die Gerechtigkeit gepflegt, das Wohl des Einzelnen und der Gesamtheit befördert, und die gesamte Lage des menschlichen Lebens günstiger gestaltet wird.“6 Auch die Würzburger Universitätsgründung war nicht ein Ausfluß der Domschule oder der hiesigen Stifts- oder Klosterschulen zum Zwecke der normalen Ausbildung des Klerus. Die Theologische Fakultät der ersten Universitätsgründung in Würzburg verfolgte noch nicht die Ziele, die für Julius Echter, zwei Jahrhunderte später, wichtig waren. Ihre Begründung lag noch im mittelalterlichen Bildungswesen. „Die Theologischen Fakultäten an den Universitäten (im Mittelalter) dienten nicht der Ausbildung der normalen Seelsorgsgeistlichkeit; sie waren vielmehr denen vorbehalten, die akademische Grade erlangen wollten .... Die eigentlichen Pflanzschulen der Kleriker waren die Lateinschulen und die Häuser der Geistlichen.“ 7 Machilek faßt die Situation zusammen: „Bis in das 16. Jahrhundert gab es keine festen Regelungen des theologischen Studiums. Die propädeutischen Studien konnten an lateinischen Pfarr- und Stadtschulen sowie Dom-, Stifts- und Klosterschulen erfolgen. Die von den Theologen und Kanonisten für die Weihe zum Priester und die Übernahme eines Amtes gestellten Anforderungen in Bezug auf die Kenntnisse für den Vollzug der kirchlichen Funktionen, die Erteilung des katechetischen Unterrichts sowie die Predigt waren im späten Mittelalter lange sehr niedrig angesetzt ... im 15. Jahrhundert mehren sich die auf eine Verbesserung dieses Zustandes abzielenden Synodalbeschlüsse. Gemäß einem Statut der Mainzer Provinzialsynode von 1423 sollte niemand zur Weihe zugelassen werden, der nicht sorgfältig auf sein Wissen hin geprüft wurde; Allgemein gilt, dass Synodalbeschlüsse dieser Art kaum durchgesetzt wurden.“ 8 Auch die oben angesprochenen immer wieder stattfindenden Provinzial- und Diözesansynoden verbanden mit der Forderung auf bessere theologische Bildung des Klerus nicht die Empfehlung des Universitätsstudiums.9 Auch später sah man aus diesen Gründen noch keine Veranlassung den Besuch der Universitäten zu fordern. „Der Vorschlag des Erzbischofs (von Mainz) Sebastian von Heusenstamm auf der Mainzer Provinzialsynode von 1549, den Besuch der Mainzer Universität, die allein noch der Kirche treu geblieben war, für alle Theologen der Kirchenprovinz verbindlich zu machen, wurde abgelehnt.“ 10 Selbst die auf den Konzilien von Vienne (1311-1312) und Basel (1431-1437) verordnete Einrichtung von Lehrstühlen auf den großen Universitäten für die biblisch-orientalischen Sprachen Hebräisch, Arabisch, Aramäisch, und in Basel um Griechisch erweitert, geschah 5 6

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Braun, C,: Geschichte der Heranbildung des Klerus in der Diöcese Würzburg seit ihrer Gründung bis zur Gegenwart. Würzburg 1889, S. 67; Pedraglia: Alma Julia S. 7 Braun, C,: Geschichte der Heranbildung des Klerus in der Diöcese Würzburg seit ihrer Gründung bis zur Gegenwart. Würzburg 1889, S. 52 (Papst Bonifaz IX. in der Gründungsurkunde vom 20. Dez. 1402, Wegele Urkundenbuch Nr. 2) Kl. Ganzer: Das Trienter Konzil und die Errichtung von Priesterseminarien. In: Kl. Ganzer: Kirche auf dem Weg durch die Zeit. Münster 1997.- S. 475-487, hier S. 476. Ganzer annotiert hierzu F. W. Oedinger: Über die Bildung der Geistlichen im späten Mittelalter. Köln 1953; H. Jedin: Die Bedeutung des Tridentinischen Dekretes über die Priesterseminare für das Leben der Kirche. In: Theologie und Glaube 54,1964,181-186 Fr. Machilek: Die bischöfliche Reformtätigkeit. Die Diözesansynoden. In: HBKG I/1, S. 466-484, hier S. 481f. Vgl. Fr. X. Himmelstein: Synodicon Herbipolense. Würzburg 1855; P. Th. Lang: Die Synoden in der alten Diözese Würzburg. In: Rottenburger Jb für KG 5,1986,71-84 A. Brück: Art. Mainz. 3) Universität. In: LThK2 6, Sp. 1304

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nicht aus wissenschaftlichen theologischen Gründen, sondern aus missionarischem Eifer. Man sollte die Juden und Muslime besser verstehen lernen, um sie bekehren zu können.11 Würzburger Studenten finden wir im 14. Jahrhundert insbesondere in Bologna, Paris, Heidelberg, Erfurt, Köln, Basel, Prag und Wien.12 Eine Besonderheit für Würzburger Studenten stellen die Freiplätze in Perugia dar. Nicola Capocchi, Dr. iur. utr. in Perugia, Bischof von Frascati, 1350 Kardinal, Päpstlicher Legat für Deutschland, Frankreich und Spanien, 1358 Archidiakon zu Würzburg, stiftete 1362 das Collegium zur alten Weisheit (Domus veteris sapientiae, della sapienza vecchia) zu Perugia als Konvikt für vermögenslose Studierende in Perugia. Würzburg erhielt 2 Freiplätze, die von Bischof und Domkapitel präsentiert wurden. Ende des 15. Jahrhunderts wurde den Würzburger Studenten die Aufnahme verweigert. Im 16. Jahrhundert schickten die betroffenen Hochstifte keine Studenten mehr. Als Ende des 17. Jahrhunderts sich eine finanzielle Besserung einstellte, die Anzahl der Freiplätze aber halbiert wurde, schickte Würzburg trotz Einladung keine Studenten mehr, obwohl der Domdekan und spätere Fürstbischof Christoph 13 Franz von Hutten sich dafür einsetzte.

Aus dieser Situation heraus müssen wir die Gründung eines Generalstudiums mit einer theologischen Fakultät in Würzburg betrachten. --Der folgende Überblick erhebt jedoch keinen Anspruch auf vollständige Dolumentation der Geschichte der Theologischen Fakultät der Universität Würzburg. Die Darstellung kann nicht die Geschichte der Theologischen Fakultät in all ihren Facetten beschreiben, schon gar nicht die großen und kleinen theologiegeschichtlichen Linien der allgemeinen Theologie nachzeichnen. Selbst die Beziehungen der Theologischen Fakultät zur Gesamtuniversität oder zur Würzburger Gesellschaft können nur angedeutet werden. Und für die Entwicklung der einzelnen theologischen Disziplinen in Würzburg bleiben nur Stichpunkte. Wir versuchen, in aller Kürze einen historischen Längsschnitt mit wichtigen Eckpunkten zu geben. Das Wichtige dieser Veröffentlichung sollen die Verzeichnisse der Lehrenden und der Graduierte der Theologischen Fakultät Würzburg sein. Dekrete der Ökumenischen Konzilien. Besorgt von Giuseppe Alberigo u.a.. 3. Aufl. Bd. 2. Paderborn u.a. 2000.- S. 379f., 483; Fr. W. Oediger: Über die Bildung der Geistlichen im späten Mittelalter. Leiden, Köln 1953.- S. 35 („Eine Befruchtung der Theologie ist durch ihn (d.h. durch den Konzilsbeschluß) weder erstrebt worden noch davon ausgegangen“); J. Schwering: Die Idee der drei heiligen Sprachen im Mittelalter. 1925. In: FS Aug. Sauer zum 70. Geb. d. Gelehrten am 12. Oktober 1925 dargebr. von R. Backmann [u.a.]. Stuttgart 1925; A. Kleinhans: Der Studiengang der Professoren der Heiligen Schrift im 13.und 14. Jahrhundert. In: Biblica 14,1933,381-399; Th. Freudenberger: Würzburg im Papstschisma zur Zeit des Konzils von Basel 1439-1443. In: WDGBl 50,1988,83-97 12 L. Weiß: Baseler Studenten aus dem Bistum Würzburg (1460-1529). In. WDGBl 16/17,1955,229-245; L. Weiß: Würzburger Bistumsangehörige als Weihekandidaten in Merseburg 1470-1556. In: WDGBl 18/19,1957,148-195.- Würzburger Studenten in Erfurt siehe Wegele I, S. 28f., 39ff.; in Wittenberg siehe Wegele I, S. 51ff, 60 Anm. 2, 80 Anm. 1; in Ingolstadt siehe Wegele I, S. 67 Anm. 2, 80 Anm. 2; in Wien siehe Braun I S. 187ff.; J. Fr. Abert: Aus der Geschichte der ersten Würzburger Universität unter Bischof Johann von Egloffstein. In: AU 63,1922,S. 4f. (Studierende aus der Würzburger Diözese im 14. Jh. in Heidelberg, Erfurt, Prag, Bologna, Paris, Köln, Wien); Fr. Weigle: Deutsche Studenten in Italien. In: Quellen und Forschungen aus ital. Archiven und Bibliotheken 32,1942,110-188; K. Borchardt: Zum Universitätsstudium Würzburger Domherren in der Frühen Neuzeit. In: Universität Würzburg und Wissenschaft in der Neuzeit. Würzburg 1998.- S. 151-168; C. Braun: Geschichte der Heranbildung des Klerus in der Diöcese Wirzburg seit ihrer Gründung bis zur Gegenwart. Wirzburg 1889.. Teil 1, S.54ff., 71ff.; Vgl. auch H. Schlereth: Studenten aus Mellrichstadt an europäischen Universitäten bis zur Gründung der Universität Würzburg (1582). In: WDGBl 44,1982,31-94, 31-94 13 Vgl. Fr. A. Reuß: Die Stiftung für Würzburgische Alumnen im Hause der alten Weisheit zu Perugia. Würzburg 1855.- S. 97-106 (aus: Katholische Wochenschrift; 3,7); K. Borchardt: Zu den zwei Würzburger Kanonisten in Perugia (14. – 18. Jahrhundert). In: Ius et historia. Festgabe für Rudolf Wiegand zu seinem 60. Geburtstag von seinen Schülern, Mitarbeitern und Freunden. Würzburg 1989; Die Matrikel der deutschen Nation in Perugia (1579-1727). Ergänzt nach den Promotionsakten, den Consiliarwahllisten und der Matrikel der Universität Perugia im Zeitraum von 1489-1791. Hrsg. und erläut. von Fritz Weigle. Tübingen 1956 11

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Exkurs: Die Domschule in Würzburg Das Studium der Theologie kann man in der Gründungszeit des Würzburger Bistums nicht von der Heranbildung des Klerus bzw. des Ordensklerus losgelöst sehen. Der Bischof war das Zentrum um den sich Theologie formierte und in ottonisch-salischer Zeit gewannen die an den mittelalterlichen Bi-schofskirchen entstandenen Domschulen ihre führende Rolle im Bereich der Bildung, zunächst unbestritten in den Disziplinen der Septem artes liberales, aber schon bald und äußerst gewichtig in der Kanonistik. Schon bis in die Spätantike zurückreichend gab es theologische Bildung in den Klöstern, auch in den Frauenklöstern. Aus der Zeit der Würzburger Bischöfe Berowelfs (768/69-800) und Wolfgars (810-832) sind nicht wenige in und für Frauenklöster der Umgebung Würzburgs geschriebene Codices erhalten.14 (ehemaliges Eingangsportal im Kreuzgang des Würzburger Domes; Foto privat)

G. Bernt beginnt – wohl untertreibend – sein Kapitel über die „Lateinische Literatur des Mittelalters in Franken“ im Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte damit: „Zeugnisse wissenschaftlicher und auch literarischer Interessen sind im Bistum Würzburg aus allen Epochen überliefert; freilich lassen sich Zusammenhänge über längere Zeiträume mit Schulen von eigener Prägung kaum verfolgen. Bildungsstätten von europäischem Ruf sind im Würzburger Sprengel ebenso wenig ansässig gewesen wie eine der großen Leuchten mittelalterlicher lateinischer Literatur. An geistlicher Erbauungsliteratur ist vor allem Hagiographisches und Homiletisches zu finden.“ 15 Ähnlich urteilt F.-J. Schmale im Handbuch der bayerischen Geschichte.16 Die überaus reichen Bestände der Dombibliothek aus der Zeit vom 8. bis zum 10. Jahrhundert zeigen jedoch auch, wenn man ihren Bestand theologiegeschichtlich analysiert, dass die Würzburger Kirche durchaus auf der Höhe der Zeit war, theologisch mitsprechen konnte und dies in den Konzilien und Synoden höchstwahrscheinlich auch tat. Freilich „Eigenproduktionen“, wie etwa die eines Alkuin oder Hrabanus Maurus, suchen wir vergeblich. Da die Anfänge der Würzburger Domschule im Dunkeln liegen, bietet sich nach Hans Thurn an, mit jenem Mann zu beginnen, der das Bistum Würzburg im Jahre 742 gegründet hat.17 Bonifatius hatte in den Benediktinerklöstern Exeter und Nursling (Südwesteng14

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H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? In: Würzburgs Domschule in alter und neuer Zeit. Hrsg. von G. Koch u. J. Pretscher. Würzburg 1990.- S. 16; I. Heeg-Engelhardt: Die Frauenklöster. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 272-294; J. Petersohn: Frankens Domschulen im Hochmittelalter. In: MfrJGuK 45,1993,1-8 G. Bernt: § 67. Das Bistum Würzburg. In: HBKG, Bd. I,2.- S. 815ff.; J. Petersohn: Frankens Domschulen im Hochmittelalter.In: MfrJGuK 45,1993,1-8; G. Koch: In den Künsten dem Leben begegnen. Die Begegnung von Kirche und Künsten als Teil des Kulturauftrags einer Katholischen Akademie, dargestellt am Beispiel der Domschule Würzburg. In: Kirche und Glaube, Politik und Kultur in Franken. Festgabe für Klaus Wittstadt. In: WDGBl 62/63,2001,889-910; R. Blanck: Weltdarstellung und Weltbild in Würzburg und Bamberg vom 8. bis zum Ende des 12. Jahrhunderts. Bamberg: 1968.-176 S., zugl. Würzburg, Univ., Phil.Fak., Diss.; Th. Frenz: Das Schulwesen des Mittelalters bis ca. 1200. Gesamtdarstellung. In: HGBB, Bd. 1. Bad Heilbrunn 1991.- S. 81-133; Kh. König: Das Schulwesen von ca. 1200 bis zur Reformation. Franken. In: HGBB, Bd. 1. Bad Heilbrunn 1991.- S. 195-232 F.-J. Schmale in: HBG, Bd. 3,1. § 11: Bildung und Wissenschaft, lateinische Literatur, geistige Strömungen. Hrsg. v. M. Spindler. München 1971.- S.113ff., hier S. 125 („Der literarische Beitrag Würzburgs beschränkt sich auf zwei, höchstens drei hagiographische Werke aus der Mitte des 9. Jh.“) H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? In: Würzburgs Domschule in alter und neuer Zeit. Hrsg. von G. Koch u. J.

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land) eine gründliche Ausbildung erfahren; er war auch Leiter der Klosterschule von Nursling gewesen und später Abt. Bonifatius, der mit der Bibel, den Kirchenvätern und den synodalen Canones vertraut war, verfasste auch eine Grammatik, der er die Ars maior des Donat im wesentlichen zugrunde legte. Nicht nur seine Grammatik, sondern auch seine Dichtung legt Zeugnis ab von seiner humanistischen Bildung. Doch Grammatik war nicht nur Sprachschulung, sondern für den Theologen auch deshalb wichtig, weil nur der grammatikalisch Gebildete das Evangelium richtig lesen konnte.18 Von dem ersten Bischof von Würzburg, Burghard, wissen wir aus seiner jüngeren Vita nur Topisches zu seiner Bildung. Die ersten Scholastici des Domklerus aus der Zeit Burghards mit Namen Nandulf, Gunheri und Abo, die Amrhein (Reihenfolge S. 42-44) zu kennen glaubt, werden von H. Thurn nicht bestätigt. Doch die umfassende theologische und canonistische Bildung Burghards steht für Thurn außer Frage, wenn er den Bestand der Dombibliothek analysiert. Bischof Burghard hatte auch das Andreaskloster zu einer entsprechenden Bildungsstätte ausgebaut.19 Burghards Nachfolger, der Benediktiner Megingoz war vor seiner Berufung zum Bischof von Würzburg Leiter der Klosterschule in Fritzlar. Für den guten Ruf der Würzburger Domschule unter Bischof Berowelf spricht die Tatsache, dass Karl der Große ihm die Ausbildung der Missionare für den Missionssprengel Paderborn auftrug und die ersten Paderborner Bischöfe Hathumar und Badurad aus dem Würzburger Domklerus berufen wurden. Die Domschule in Würzburg war die wichtigste Ausbildungsstätte zunächst für den Klerus Ostfrankens, dann für die Diözese Würzburg.20 Aus der Zeit um 800 besitzen wir den ersten Katalog der Dombibliothek, der von der hohen Wertschätzung der ersten Würzburger Bischöfe für die theologische Bildung und für eine umfassende Ausbildung und ein fundiertes Wissen spricht. Zwei besonders wichtige Dokumente der Zeit ergänzen den bisherigen Befund. Einmal kann die Würzburger Dombibliothek die weitaus älteste Überlieferung der „Epistola de litteris colendis“ von Karl dem Gr. aufweisen. In seinem Brief über die Wissenschaftspflege (entstanden zwischen 780 und 800) geht es ihm nicht nur um religiöse Lebensführung in den Bistümern und Klöstern, sondern auch um die Pflege der Wissenschaft und um die rechte Lehre. 21 Im zweiten Dokument von Karl d. Gr., im Capitulare de examinandis ecclesiasticis (Erlass über die Examinierung des Klerus), vermutlich aus dem Jahre 802, ist ein Minimalkatalog theologischer Anforderungen für den Klerus gegeben.22 Das Programm, das Karl für die Kleriker aufstellte, bestimmte fortan die theologische Ausbildung: „Erforderlich ist die Befähigung, Messe lesen zu können, die Psalmen zu beherrschen, das Stundengebet verrichten zu können. Insbesondere ist die Kenntnis von speziellen Messformularen gefordert. Der Geistliche muss imstande sein, an Laien das Glaubensbekenntnis, das Va-

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Pretscher. Würzburg 1990.- S. 11-33; C. R. G. Braun: Geschichte der Heranbildung des Klerus in der Diöcese Wirzburg seit ihrer Gründung bis zur Gegenwart. Wirzburg 1889, hier Braun I, S. 33ff.; Würzburgs Domschule in alter und neuer Zeit. Hrsg. von Günter Koch und Josef Pretscher. Würzburg 1990.- 168 S.; A. Wendehorst: Stadt und Kirche. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 255-271, hier S. 268ff. F. W. Oediger: Über die Bildung der Geistlichen im späten Mittelalter. 1953.- S. 31 („Zumal die Grammatik, der Unterricht in der lateinischen Sprache, war für den Kleriker unentbehrlich“) und S. 48 („jener Bischof, der gestand, niemals Grammatik gelernt und den Donat gelesen zu haben, wurde abgesetzt“); Chenue, M. D.: Grammaire et théologie au XIIe et XIIIe siècle. In: AHDL 10,1935,5ff.; Fr. Dechant: Die theologische Rezeption der artes liberales und die Entwicklung des Philosophiebegriffs in theologischen Programmschriften des Mittelalters von Alkuin bis Bonaventura. St. Ottilien: EOS 1993. Zugl. Diss. theol. Bamberg 1990/91; Braun I, S. 319 „Das Konzil von Trient hatte zunächst nur den Unterricht in der Grammatik als Vorbild für das Studium der hl. Schrift gefordert.“ Flachenecker S. 895 unter Verweis auf Prinz: Frühes Mönchtum im Frankenreich S. 246; A. Wendehorst: Strukturelemente des Bistums Würzburg im frühen und hohen Mittelalter. Klöster, Stifte, Pfarreien. In: FreibDiözArch 111 (3.F.=43),1991,5-29 A. Wendehorst: Stadt und Kirche. In Geschichte der Stadt Würzburg. Bd. 1. 2001.- S. 268 Flachenecker S. 895 H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 17; Flachenecker S. 895; Fr. W. Oediger: Über die Bildung der Geistlichen im späten Mittelalter. Leiden, Köln 1953.- S. 46ff. (3. Kap. Das notwendige Wissen)

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terunser weiterzuvermitteln und auch zu erklären. Er muß predigen können, wozu es auch der Kenntnis der Väterhomilien (Predigten der Kirchenväter) bedarf. Die Kenntnis von Gregors d. Gr. Regula pastoralis (Programmschrift über ideale Seelenhirten) ist erforderlich, um den seelsorgerischen Pflichten nachkommen zu können. Ein besonders wichtiger Punkt ist die Abnahme der Beichte, die Auferlegung der Buße, überhaupt der Umgang mit sündigen Menschen. Dies kann nur geleistet werden, wenn sich der Priester eingehend mit den Canones beschäftigt hat. Es ist ganz selbstverständlich, dass sich der theologische Unterricht an der Domschule zu Würzburg nach diesen Anforderungen ausrichten musste.“ 23 Würzburgs Domschule erlebte unter Bischof Hunbert (833-842) eine äußerst fruchtbare Zeit. Intensive Kontakte zu Hrabanus Maurus nach Fulda und eifriges Bemühen um dessen Bibelkommentare kennzeichnen den Willen nach theologischer Bildung. Die Dombibliothek verzeichnet 36 Handschriften als Neuzugänge für diese Zeit. In ihr entwickelte sich auch eine eigene Schreibschule. Ähnlich interessiert führte Humberts Nachfolger Bischof Gozbald (842-855) – er stand 830 bis 833 der königlichen Kapelle und der Kanzlei vor - die Würzburger Domschule zu neuer Blüte. Zu seinen Schülern zählen Ermerich von Ellwangen (Bischof von Passau 866-872) und Arn (Bischof von Würzburg 855-892). Ein erster Niedergang bzw. Stillstand scheint sich unter Bischof Arn (855-892) eingestellt zu haben. Äußere Gründe mögen dazu beigetragen haben. Zwei literarische Quellen beleuchten die bildungsgeschichtliche Bedeutung der Domschule und die Interna ihres Schulbetriebes. Der Worms/Würzburger Schulstreit (11. Jh., 1. H.) Zwischen der Würzburger Domschule oder der Schule des Benediktinerklosters St. Burkard in Würzburg und der Wormser Domschule kam es ca. 1031 oder 1035-1039 (Kempf), sicher zwischen 1012 bis 1047 (Bulst) zu einem Schulstreit. „In Brief 15 der älteren Wormser Briefsammlung berichten die Schüler des Wormser Domscholasters Ebo im Jahre 1031 von einem Streit der Wormser mit den Würzburgern ‚exercitii causa‟. Schuld sei ein schlimmer Mönch, der, aus Worms entlaufen, sich zu Würzburg jenseits des Maines in einem Kloster niedergelassen habe. Brief 26 (um 1032): Die Schüler des Metropolitansitzes, d. h. von Mainz, teilen den Wormsern mit, sie wollten keine Partei ergreifen. Brief 42 (um 1035): Der Wormser Scholasticus Ebo bittet einen Unbekannten, er möge sich bei Bischof Azecho dafür verwenden, dass man ihm nicht das Entweichen des Schülers Hunfried, der sich zusammen mit einem Bayern, der ihn dazu angestiftet hatte, nach Würzburg begeben hatte, ankreide“ In der Würzburger Erwiderung (erhalten in Clm 19412, pag. 199-216) wird ausgeführt: „Würzburg (die Stadt der ‚wirze‟= Würze) habe die Heilmittel gegen Dummheit, es bilde vollendete Schüler aus. Die lasterhaften und ungebildeten Schüler sollten nach Würzburg gehen, hier fänden sie Besserung. Hier stünde ein Lehrer, eine Säule der Kirche, zur Verfügung, wie es keinen anderen auf der Welt gäbe. Er ist ein großer Dichter, er durchdringt die Heilige Schrift, er besitzt die Fülle der Tugend. Er ist beredt, versteht sich auf das Fach Grammatik, überhaupt auf die septem artes liberales. Er ist ein glänzender Pädagoge, studiert rastlos. Von allen Seiten strömen die Schüler herbei. Der Scholasticus wird ob seiner Verdienste – nach langem Leben – den Lohn des Himmelreiches empfangen.“ Hans Thurn urteilt über den Schulstreit: „auch wenn es sich nur um Übungsstücke handeln sollte, wenn der Worms/Würzburger Schulstreit als solcher nicht ernst zu nehmen sein sollte. Die Domschule muß damals jedenfalls hochangesehen gewesen sein: Der Anonymus Haserensis pries sicher nicht ohne Grund für etwa die 30er Jahre des 11. Jh. den Würzburger Magister Pernolfus als >famosus< (hochangesehen).“ 24 23

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H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 13f.; A. Wendehorst: Wer konnte im Mittelalter lesen und schreiben? In: Schule und Studium im Wandel des hohen und späten Mittelalters. Sigmaringen 1986.-S. 9-33 H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 25ff. mit ausführlicher Beschreibung und Literatur; Flachenecker S. 910f.; J. Kempf: Zur Kulturgeschichte Frankens während der sächsischen und salischen Kaiser. Mit einem

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„Einen Einblick in die Verhältnisse der Domschule (um 1500) geben erst (wieder) die Colloquia (Unterhaltungen) des Petrus Popo25, die der Zeit nicht lange nach 1500 entstammen. Über den Verfasser (er weilte zeitweise zusammen mit dem Humanisten Cuspinian in Würzburg) ist wenig bekannt, vor allem wissen wir nicht, ob er Domscholasticus war oder nicht. Seine Schrift macht deutlich, dass zu Beginn der Neuzeit erhebliche Spannungen zwischen der Würzburger Domschule und der Schule von Stift Neumünster bestanden. Eines verband jedoch beide: Die Ausbildung in den weltlichen Wissenschaften wurde nie isoliert gesehen, die theologische und moralische wurde immer damit kombiniert.“ 26 Das Inhaltsverzeichnis im Vorderdeckel der den Streit überliefernden Handschrift lautet: Dictum magistri petri popon contra scolasticum in Novo Monasterio Herbipolensi. Carmen ad dei genitricem magistri popon. In dieser Streitschrift wird Partei genommen für die Ausbildung in der Domschule; sie ist auf der Seite des modernen Humanismus, sie fördert die Disputierkunst und die Dichter. Über den Verfasser erfahren wir in der Schrift keine Einzelheiten. Daß er Domscholasticus war, ist eher unwahrscheinlich, weil diese Dignität dem Adel vorbehalten war. Eine Verbindung zu Cuspinian bzw. Schweinfurt erschließt sich aus dem Inhalt der Schrift, denn der Studiosus Graccus, der aus Schweinfurt kommt, wird von Curcius, einem Schüler der Neumünsterschule, auf die Vorzüge der Neumünsterschule aufmerksam gemacht. Ähnlich in der 2. Szene: Clodius von der Schweinfurter Schule wird vom Neumünsterschüler Fuscus über Neumünster belehrt. Der Domschüler Marcus entwickelt dann das Schulprogramm der Domschule mit viel Erfolg.

Exkurs: Die Domscholaster.

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Der Domscholaster war der Leiter der Domschule. Entsprechend forderte der Bischof von ihm eine gelehrte Ausbildung. Zunächst erschien er in freier Anstellung, später kam er aus dem Domkapitel, das auch seine Ausbildung an auswärtigen Schulen und Universitäten ermöglichte. Innerhalb des Domkapitels gewann der Domscholaster eine herausragende Stellung („Dignität“), die ihn zum Leiter des gesamten kirchlichen Schulwesens im Bistum machte.28 Aus dem 15. Jahrhundert ist bekannt, dass der eigentliche Lehrer den Titel Domschulmeister (Praeceptor, Ludimagister, Ludimoderator, Ludirektor u. ä.) trug und Magister der Theologie war. Als Mitarbeiter des Domschulmeisters fungierten der

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Exkurs: Über einen Schulstreit zwischen Würzburg und Worms im 11. Jh. In: Jahresbericht über das kgl. Neue Gymnasium zu Würzburg f. d. Schuljahr 1914/15. Würzburg: 1915. Beilage; F.-J. Schmale: Bildung und Wissenschaft, lateinische Literatur, geistige Strömungen. In: HBG, Bd. 3,1: München 1971.- S. 124; Die ältere Wormser Briefsammlung. Bearb. von W. Bulst. Weimar 1949 (MGH, Die Briefe der deutschen Kaiserzeit; 3) Magistri Petri Poponis Colloquia de Scholis Herbipolensibus. Ein Beitrag zur Vorgeschichte der Würzburger Hochschule als Festgabe zu deren dreihundertjährigem Jubiläum aus einer Handschrift des XV. Jahrhunderts erstmals herausgegeben von Georg Schepss. Würzburg 1882). [nach Clm 18910, Bl. 26a32a aus dem Benediktinerkloster Tegernsee von 1498, weitere Eintragungen: 1478, 1492, 1494, 1495]; Carmina Varia Poponis (Cod. Vindobon. 3111, Bl. 253-259, s. XV) (als Besitzer und Schreiber dieser Handschrift nimmt Schepps den Cuspinian d.i. Johann Spiesshaimer aus Schweinfurt an); G. Schepss: Die Gedichte des Magisters Petrus Popon. Ein Beitrag zur fränkischen Gelehrtengeschichte des 15. Jahrhunderts.In: AU 27,1884,277-300. (Vita des Domschullehrers, Beziehung zu Schweinfurt; sein Schüler Cuspinian 1480-90?; Text von 9 lat. Gedichten); L. Sprandel-Krafft: Bildungshorizont eines fränkischen Landpfarrers und Büchersammlers. Eine Divisio philosophiae vom späten 15. Jahrhundert. In: Kirche und Glaube, Politik und Kultur in Franken. Festgabe. In: WDGBl 62/63,2001,303-325 H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 29 Reihenfolge der Domscholaster nach A. Amrhein: Reihenfolge der Mitglieder des adeligen Domstiftes zu Wirzburg. II, 330 ff.; H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 11-33; Braun I, S. 44ff. LThK2 3, Sp. 501; LThK3 3, Sp. 330; R. Düchting: Die lateinische Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Stuttgart 2001.- S. 450-458

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Baccalaureus (Unterlehrer), der Locatus und der Substitutus. 29 Das Konzil von Trient verlangte, dass der Domscholaster Dr. der Theologie oder des kanonischen Rechts war und den Unterricht in der Regel wieder selbst leite. Die ersten Domscholaster, die August Amrhein aufzählt, halten der kritischen Untersuchung nicht stand. Hans Thurn schied sie mit guten Gründen aus. Wir übernehmen die nummerierte Aufzählung von Amrhein, setzen aber die ungesicherten Personen in kursive Schrift: 1. Nandolf, Domscholaster, um 750 (Amrhein: Reihenfolge I, S. 42) 2.. Gundheri, Domscholaster, um 750-780 (Amrhein: Reihenfolge I, S. 42) 3. Abo, Domscholaster, um 790 (Amrhein: Reihenfolge I, S.44) 4. Ruathelmus, Domscholaster, 829 (Amrhein: Reihenfolge I, S. 45) 5. Berner, Domscholaster, 850 (Amrhein: Reihenfolge I, S.46) 6. Tiso, Domscholaster, nach 850 (Amrhein: Reihenfolge I, S.46) 7. Demarlandus Franco, Domscholaster, um 900 (Amrhein:Reihenfolge I, S. 46) 8. Stephan von Novara: der erste nachweisbare Domscholastikus30 Geboren in Novara, studierte er in Pavia, lehrte dann in Pavia und Novara. König Otto I. nahm ihn wohl 951 mit nach Deutschland. Bischof Poppo I. von Würzburg (941-961) gewann ihn ca. 951 als Leiter seiner Domschule. „Die seit Jahrzehnten nicht mehr erwähnte und offenbar zur Bedeutungslosigkeit herabgesunkene Würzburger Domschule erfährt neue Belebung durch die wohl im Einvernehmen mit dem König und vielleicht auf dessen Veranlassung vor 956 erfolgte Berufung Stephans von Novara als Lehrer, dessen Ruhm Poppos Bruder Heinrich mit seinem Freund Wolfgang veranlasst, die Reichenauer mit der Würzburger Schule zu vertauschen.“ 31 Aber Wolfgang geriet mit Stephan über die Auslegung einer Stelle aus dem Werk des spätantiken Dichters Martianus Capella über die freien Künste so in Streit, dass Stephan den Wolfgang aus seinem Unterricht ausschloß. Am 16. Juli 970 verließ Stephan Würzburg, um in seine Heimat Novara zurückzukehren. Seine wenigen Bücher vermachte er der Dombibliothek, seine sonstige Habe den geistlichen Mitbrüdern. Davon berichtet der Distichon, der in UBW M.p.th.f.6 überliefert ist. „Es ist schwer, sich von Stephans Gelehrsamkeit ein genaueres Bild zu machen, denn außer zwei Epitaphien und einem Gedicht hat er nichts Eigenes hinterlassen, an sonstigen Nachrichten über ihn besitzen wir nur einige Stellen in Otlohs Leben des hl. Wolfgang.“ 32 Werke: - Distichen (in UBW M.p.th.f.6, Bl. 115v Abschiedsgedicht an Würzburg, carm. I) - 2 Epitaphien (carm. II: für sich selber; carm. III: für seinen Vater) - Passio s. Kiliani maior(?) 9. Hengrunius, Domscholaster, 970-980 (Amrhein: Reihenfolge I, S. 48) 29 30

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Braun I, S. 79; H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 29; H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 21f. (hier auch die deutsche Übersetzung des Distichons zu seinem Abschied); Bernt S. 816; Flachenecker 907f.; O. Meyer: Der Würzburger Domscholaster Stephan von Novara und seine Gesinnungsgenossen in der geistigen Auseinandersetzung ihrer Zeit. In: Ders.: Varia Franconiae Historica. Bd. 2, Würzburg 1981, S. 753-767; Amrhein: Reihenfolge I, S. 47; R. M. Herkenrath (Studien zum Magistertitel in der frühen Stauferzeit. In: MIÖG 88,1980,3-35, hier S. 34f.) bestätigt auch für das 12. Jahrhundert „Im Deutschland des 12. Jahrhunderts wurden auch Kleriker nichtdeutscher Herkunft als Domscholaster oder als Leiter von Stiftsschulen in die Kapitel aufgenommen“; so z. B. war Präpositinus aus Cremona von 1195 bis 1203 Domscholaster in Mainz; R. Düchting: Die lateinische Literatur. Stuttgart 2001.- S. 454 Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I, S. 62f., 66 F.-J. Schmale: Bildung und Wissenschaft, lateinische Literatur, geistige Strömungen. In: HBG, Bd. 3,1: München 1971.- S. 121

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10.Gerbotus, Domscholaster, nach 980 (Amrhein: Reihenfolge I, S. 49) Pernolfus, Dom-Magister „famosus“ (11. Jh., 1. H.) Vom Anonymus Haserensis wurde er als „Magister und philosophus“ bezeichnet. Er lehrte zur Zeit des Bischofs Macelinus/Meginhard (1018-1034) um 1030 in Würzburg. Er war durch seine Auslegung der Heiligen Schrift und seinen Unterricht in den Artes liberales, besonders der Grammatik, berühmt. „Ein Würzburger Schreiber verwies daher stolz auf das weite Einzugsgebiet der Schüler, die aus ganz Sachsen, Bayern und Schwaben nach Würzburg kamen.“ 33 Pernolfus wird in Verbindung gebracht mit dem oben beschriebenen Schulstreit zwischen Würzburg und Worms. Domschulmeister David34 Aus Irland stammend, wohl von Bischof Erlung (1105-1121) nach Würzburg als Domscholaster gerufen, 1108/09-1120 in Würzburg; später Bischof von Bangor (11201139). mit ihm werden in Zusammenhang gebracht: - Bericht über den Romzug Heinrichs V.; verloren! - sog. Fränkischer Kompilator; eventuell unter Davids Verantwortung vor 1110 entstanden komputistische und musiktheoretische Texte 11. Gotzelinus, Domscholaster, 1131-1140/1144 (Amrhein: Reihenfolge I, S. 65) 12. Heinrich I. (Graf von Bergen), Domscholaster 1144 bis 1159 (Amrhein: Reihenfolge I, S. 77), dann Bischof. Amrhein scheint hier einigen Verwechslungen erlegen zu sein, die Herkenrath korrigierte. Dieser kam zu folgender Reihenfolge: Statt Heinrich I. (Graf von Bergen) müsste Heinrich scholasticus (urkundlich erwähnt 1142-1165) genannt werden. Darnach gab es den Domscholaster Persius (nach den Urkunden 1156-1163), den Amrhein nicht kennt. Johannes Gallus, Gottfried (Graf von Hohenlohe) und Heinrich Caseus setzen die Reihenfolge dann fort.35 13. Domscholaster Johannes Gallus (Gallicus)36 In Würzburg tätig 1163 bis nach dem 23. November 1176. Er schenkte seinen ‚Brüdern‟: X marcas Silber und einige Bücher: „Nomina autem librorum hec sunt: Instituta et Sidonius in uno volumine. Codex vetus digestum et novum digestum in duo volumina divisum. Liber authenticorum et liber novellarum in uno volumine. Langobarda, Summa codicis et Paucopalia in uno volumine. Decreta Gratiani.“ Johannes Gallus schenkte also 33

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Flachenecker S. 900, 908-911; H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 27; Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I. S. 91 H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 27; Flachenecker S. 911; Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I, S. 128 Wendehorst kennt diesen Heinrich I. Graf von Berg nicht. Heinrich II. von Stühlingen (1159-1165), den eine spätere Bezeichnung auch comes de Berg et Andechs zuweist, erklärt Wendehorst als Verwechslung mit Heinrich III. von Berg (1191-1197); er müßte also ausgeschieden und durch Heinrich scholasticus ersetzt werden; vgl. A. Wendehorst: Das Bistum Würzburg I: Die Bischofsreihe bis 1254. 1962.- S. 162, 179ff.; Rainer M. Herkenrath nennt folgende Reihenfolge von Domscholaster: Heinricus scholasticus, nachgewiesen in Urkunden unter Bischof Embricho 1142, 1144, 1150/51, 1165; sein Nachfolger als Domscholaster: Persius scholasticus, nachgewiesen in Urkunden 1156, 1158, 1160; wird 1163 Domdechant; sein Nachfolger als Domscholaster: Johannes, unter Bischof Reginhard (1171-1186); bis zu seinem Tod am 23.10.1178; sein Nachfolger als Domscholaster: Gottfried, scholasticus bis 1190, Dompropst 1192, zum Bischof gewählt 1197, aber gestorben vor der Weihe im selben Jahr; dessen Nachfolger wird schließlich Heinrich Caseus, erstmals in Urkunden von 1195 erwähnt; zum Bischof gewählt 1202/03, gestorben am 13. Juli 1207; R. M. Herkenrath: Studien zum Magistertitel in der frühen Stauferzeit. In: MIÖG 88,1980,3-35 Flachenecker S. 911; Amrhein: Reihenfolge I, S. 85; H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 27; H. Knaus: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz. Bd. 4,2: Bistum Würzburg. München 1979.- S. 988f.

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juristische/kanonistische Bücher. Unter diesen Büchern verdienen besonderes Interesse die ‚Decreta Gratiani‟. Gratian, der Kamaldulensermönch, hatte um 1142 seine ‚Concordia discordantium canonum‟ fertiggestellt, jenes Werk, das ihm den Beinamen ‚Vater der kirchlichen Rechtsgeschichte‟ einbrachte. Wir sehen, dass neueste Kanonistik recht bald in Würzburg rezipiert wurde. Von der Frühscholastik finden wir in den Quellen der Domschule recht wenig. Das Stift Neumünster in Würzburg und die Würzburger Klöster, und hier besonders das Dominikanerkloster, scheinen sich dann, ein Jahrhundert später, nach den Zeugnissen ihrer Bibliotheken deutlich davon abzuheben. Daß Johannes nicht nur Kanonistik lehrte, zeigt seine liturgische Hnterlassenschaft: - Kiliansliturgie mit Kilianshymnus „Adoranda Veneranda“ (An. Hymn. 55 (1922) Nr. 213, S. 239-241) - Sermo de s. Kiliano. (UBW M.p.th.f.125; Thurn II,2, S. 13) 14. Gottfrid (Graf von Hohenlohe), Domscholaster 1179-1190, dann Dompropst und 1197 Bischof Gottfried II.; † 1197. Zeitgenössische Nachrichten über seine Herkunft fehlen.37 Wir kennen hochrangige Zeugnisse aus dieser Zeit, in denen der Domscholaster als Institution gefordert wird: Das III. Laterankonzil von 1179 forderte Magister an Kathedralkirchen und für die Klöster: „Die Kirche Gottes ist verpflichtet, wie eine liebevolle Mutter für die Bedürftigen zu sorgen, und zwar was die leiblichen Belange und das geistige Wachstum betrifft. Damit nun den Armen, denen die Unterstützung durch die Mittel der Eltern fehlt, nicht die Möglichkeit vorenthalten bleibe, zu studieren und sich fortzubilden, wird an jeder einzelnen Kathedralkirche für einen Magister, der die Kleriker dieser Kirche und arme Studenten unentgeltlich unterrichtet, ein hinreichendes Benefizium bereitgestellt, wodurch der Lebensunterhalt des Lehrers gesichert wird und den Lernenden der Weg zur Wissenschaft offensteht. In den anderen Kirchen und Klöstern, wo zu früheren Zeiten etwas für diesen Zweck bestimmt war, wird der alte Zustand wiederhergestellt. Für die Lehrerlaubnis darf niemand eine Gebühr erheben oder mit Berufung auf eine Gewohnheit von den Lehrenden etwas einfordem. Auch darf niemand einem geeigneten Lehrer die erbetene Lehrerlaubnis versagen.“ 38 Domscholaster und Magister sind notwendig zur Bildung des Klerus: Das IV. Laterankonzil von 1215 wiederholt – ‚aus gegebenen Anlaß‟ - diese Forderung und macht die Aufgaben des Magisters deutlich: „Da dies aber in vielen Kirchen überhaupt nicht beachtet wird, bekräftigen wir das genannte Statut und fügen noch hinzu: Nicht nur in jeder Kathedralkirche, sondern auch in anderen Kirchen mit hinreichenden Mitteln wird vom Kirchenoberen ein geeigneter Magister bestellt. Er muß vom Kapitel oder dem größeren und gesünderen Teil gewählt werden und unterrichtet die Kleriker dieser und anderer Kirchen unentgeltlich in Grammatik und anderen Fächern, wie es seiner Fähigkeit entspricht. Natürlich hat die Metropolitankirche trotzdem einen Theologen, der die Priester und andere in der Heiligen Schrift unterweist und sie besonders mit dem vertraut macht, was allgemein zur Seelsorge gehört. Jedem Magister werden vom Kapitel die Einkünfte einer Einzelpfründe zugewiesen. Ebensoviel steht dem Theologen von seiten des Metropoliten zu. Er wird deshalb nicht schon Kanoniker, sondern erhält seine Einkünfte nur für die Dauer seiner Lehrtätigkeit. Wird die Metropolitankirche durch zwei Magister zu sehr belastet, dann kommt sie, wie 37 38

Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I, S. 183; Amrhein: Reihenfolge I, S. 98 Dekrete der Ökumenischen Konzilien. Besorgt von Giuseppe Alberigo u.a.. 3. Aufl. Bd. 2. Paderborn u.a. 2000 S. 220; Wendehorst erwähnt keine Teilnahme des Würzburger Bischofs Reginhard von Abenberg (1171-1186) am Konzil.

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soeben geregelt, für den Theologen auf, während man den Grammatiklehrer in einer anderen Kirche ihrer Stadt oder Diözese, die dazu in der Lage ist, versorgen lässt.“ 39 Bischof Otto von Lobdeburg (1207-1223) nahm an diesem Konzil, auf dem diese Forderung erhoben wurde, teil.40 Von den 70 Dekreten des 4. Laterankonzils ist wenig in den handschriftlichen Quellen der Dombiliothek und in der Würzburger Bistumsgeschichte zu registrieren. In Würzburg gibt es keinen Hinweis auf die pantheistischen Irrlehren des Pariser Theologen Amalrich von Bena († 1205/07), auf die Katharer und Albigenser, oder auch auf Joachim von Fiore († 1202). Die Forderung nach einer jährlichen Provinzialsynode blieb eine Forderung, doch haben wir in Würzburg eine ganze Reihe von Provinzial- und Diözesansynoden, Hoftagen und Reichstagen zu verzeichnen. Die Synode von 4. Mai 1329 kämpfte dann gegen die Waldenser und ihre Anhänger und forderte die Aufhebung der Beginen und Begarden ... Die Würzburger Geschichte im 13. und 14. Jahrhundert ist angefüllt mit den schismatischen Bischofswahlen, dem Kampf der Würzburger Bürger und Zünfte mit ihren Bischöfen und dem Klerus. Nicht selten wird das Interdikt sei es vom Papst oder vom Bischof verhängt. Die Pest und die Geißler ziehen durch das Land. Es wird zum Kreuzzug gepredigt. Die jüdischen Bürger wurden mal verfolgt mal konnten sie sich durch Sondersteuern freikaufen. Immer wieder forderten die Würzburger Synoden die Reform des Klerus, z. B. in den 42 Konstitutionen des Concilium mixtum vom 16. März 1287. Wesentlich mehr Informationen zu den theologischen und kirchengeschichtlichen Geschehnissen der Zeit bieten die Bibliotheksbestände der Bibliothek des Dominikanerklosters in Würzburg. Während die Dombiliothek im wesentlichen nur Jura und Kanonistik überliefert, finden wir bei den Dominikanern fast nur Einschlägiges zur Theologiegeschichte.41 Ähnlich fruchtbar für die Theologiegeschichte stellen sich auch die Bestände vom Stift Neumünster dar, auch wenn der Bestand wesentlich kleiner ist. Der Bibliothekskatalog von 1233 zeigt umfangreichen Besitz an Texten der heidnischen Antike.42 Das Manuale des Michael de Leone bietet dann Einzigartiges. 15. Bischof Heinrich IV. (Caseus) von Hessberg (1202/03-1207)43 Er studierte wahrscheinlich in Paris. Vor seiner Bischofswahl war er Domscholaster 1195. (Amrhein: Reihenfolge I, S. 86f.) 16. Albert, Domscholaster 1203-1209; gest. 16.4.1213 (Amrhein: Reihenfolge I, S. 108) 17. Everardus, Domscholaster 15. Jan. 1213; † 29.9.vor 1215 (Amrhein: Reihenfolge I, S. 109) 18. Boppo von Trimberg, Domscholaster, 23.8.1215-1220, dann Domdekan bzw. Dompropst zu Mainz (Amrhein: Reihenfolge I, S. 112) 19. Degenhard von Hüningen, Domscholaster, 1220-Mai 1243, Propst in St. Haug (Amrhein: Reihenfolge I, S. 112) 20. Arnold Camerarius, Domscholaster, 1246 - 26. April 1248 (Amrhein: Reihenfolge I, S. 114) 21. Magr. Walther von Tannenberg, Domscholaster, † 31. Okt. 1249 (Amrhein: Reihenfolge I, S. 116f.) 22. Burkard von Ebersberg, Domscholaster, 10. Aug. 1250, resigniert 1260, Propst im St. Haug (Amrhein: Reihenfolge I, S. 120) 39 40 41

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a.a.O. S. 240 Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I. S. 204ff. H. Thurn: Die Handschriften des Würzburger Dominikanerkonvents an der Universitätsbibliothek Würzburg. In: WDGBl 29,1967,5-87; Ders. Die Handschriften der Universitätsbibliothek Würzburg. Bd. 4. Die Handschriften der kleineren Provenienzen und Fragmente. Wiesbaden 1965.- S.91-93 H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 28; Katalog ed. von Knaus S. 999-1002 Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I, S. 201ff.; H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 28

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Die Universität in Paris ist um 1200 aus den Pariser Schulen entstanden. Sie prägte den Unterricht in Philosophie und Theologie mit ihrer sog. Scholastischen Methode. Eine ungeheuere Fülle an Wissensstoff erschloß sich aus den Übersetzungen aus dem Arabischen und Griechischen. Ganz besonders wichtig für die Verbreitung der Pariser Scholastik waren die beiden Mendikantenorden, die Dominikaner und die Franziskaner. Würzburg scheint für sie und die übrigen Orden für so wichtig erachtet worden zu sein, dass sich im Laufe des 13. Jahrhunderts alle wichtigen Orden hier niederließen und zum Teil ein eigenes Studium eröffneten.44 23. Bischof Berthold II. von Sternberg (1274-1287)45 Vor seiner (möglicherweise von Albertus Magnus unterstützten) Bischofswahl war er seit 17.8.1260 Domscholast; (Amrhein: Reihenfolge I. S. 123) 24. Konrad von Thurne, Domscholaster, 15. Juni 1262-1266 (Amrhein: Reihenfolge I. S. 131) 25. Magr. Rudolph von Hurnheim, Domscholaster, 29. Nov. 1275-1288 (Amrhein: Reihenfolge I. S. 142) 26. Albert, Graf von Löwenstein, Domscholaster, 25. Jan. 1290 - 1297/8; gestorben 12.3.1297 oder 1298 (Amrhein: Reihenfolge I. S. 138) 27. Bischof Wolfram I. von Grumbach (1322-1333)46 Kanonikus am Dom 1267, 1292 Propst am Stift Neumünster, seit dem 30.3.1298 Domscholaster; 1317 ist er in Bologna immatrikuliert, zum Bischof gewählt 1322, die Weihe erfolgte erst 1324; † 6.7.1333 (Grab im Dom zu Würzburg) (Amrhein: Reihenfolge I. S. 148) 28. Albert von Wilnau, Domscholaster, 9. Jan. 1310; † 5. Okt. 1325 (Amrhein: Reihenfolge I. S. 146) 29. Rudolph von Rotenstein, Domscholaster, 27. Okt. 1328; † 14. Okt. 1337 (Amrhein: Reihenfolge I. S. 172) 30. Albert von Ebersberg, Domscholaster, 30. Juni 1338-20. 3. 1353 (Amrhein: Reihenfolge I. S. 188) 31. Heinrich von Reinstein, gen. von Trimberg, Domscholaster, 8. Aug. 1366; † 19.3. vor 1376 (Amrhein: Reihenfolge I. S. 208) 32. Konrad IV. von Reinstein jun., Domscholaster, 7. Juli 1381; † 26.7.1400 (Amrhein: Reihenfolge I. S. 227) 33. Friedrich, Graf von Wertheim, Domscholaster; † 4. Juni 1417 (Amrhein: Reihenfolge I. S. 234) 34. Heinrich von Gräfendorf, Domscholaster; † 22. März 1420 (Amrhein: Reihenfolge I. S. 241) 47 35. Johann von Malkoz, Domscholaster; † 14. Sept. 1439 (Amrhein: Reihenfolge I. S. 245) 36. Bischof Rudolph II. von Scherenberg (1466-1495)48 Er war vor seiner Bischofswahl Scholast und Generalvikar. (Amrhein: Reihenfolge I, S. 270) Bischof Rudolph II. von Scherenberg und sein Nachfolger Lorenz von Bibra (1495-1519) haben sich besondere Verdienste erworben durch die Beauftragung hervorragender Buchdrucker, zuverlässige liturgische und diözesane Texte (Brevier, Missale, Rituale, Synodalstatuten) für das Bistum zu erstellen. Die Bemühungen um die Hebung der Bildung 44

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G. Link: Klosterbuch der Diöcese Würzburg. 2 Bde. Würzburg 1876 (die bei Link angegebenen Gründungsjahre sind korrekturbedürftig!); Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I, bes. S. 223; A. Wendehorst: Stadt und Kirche. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Bd. 1.- S.265ff. (Johanniter bereits seit 1195 nachweisbar, Deutscher Orden 1224/1226, Franziskaner 1221, Dominikaner um 1230, Augustiner 1263, Karmeliten um 1260, die Kartäuser dann erst 1352) H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 28; Wendehorst: Das Bistum Würzburg. II S. 20ff.; Amrhein: Reihenfolge. Nr. 400 S. 123 Wendehorst: Das Bistum Würzburg. II S. 50ff.; H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 28 Vgl. unten im Kapitel „Das Residuum“ Wendehorst: Bistum Würzburg. 3. Die Bischofsreihe von 1455 bis 1617. Berlin u.a. 1978.-S. 20-51

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des Seelsorgeklerus brachten zahlreiche hervorragende liturgische Bücher hervor. Scherenbergs erster Druckauftrag ging 1477 nach Speyer an den Drucker und Verleger Peter Drach, der im Auftrag des Bischofs einen Ordinarius missae Herbipolensis fertig stellte. Noch fruchtbarer für die Diözese sollte aber dann der in Würzburg tätig werdende „Hofbuchdrucker“ Georg Reyser sein, der in den fünfundzwanzig Jahren seiner Würzburger Tätigkeit ein umfangreiches typographisches Gesamtwerk hinterließ.49 37. Arnold von Brenden, Domscholaster; † 27. Febr. 1484 (Amrhein: Reihenfolge I, S. 271) Möglicherweise ist hier Cuspinian einzureihen, wenn auch nur als Lehrer an der Domschule. Einer Tätigkeit als Domscholaster steht entgegen, dass die Mitgliedschaft im Domkapitel die adelige Abstammung voraussetzte. Cuspinian (Spieshaymer)50 Johann Spiesshaimer geboren 1473 in Schweinfurt, war möglicherweise zunächst Lehrer an der Würzburger Domschule 1491-1492; er ging 1492 nach Wien, wurde dort 1508 Professor für Poetik und Rhetorik in Nachfolge von Celtis, Führer des Wiener Humanistenkreises; er erwarb sich besondere Verdienste um die Türkenabwehr; † 19.4. 1529 in Wien 38. Wilhelm von Grumbach d. Ä., Domscholaster; † 20. April 1493 (Amrhein: Reihenfolge II, S. 114) 39. Georg von Lichtenstein, Domscholaster seit 1484 oder 1498; † 12. Okt. 1508 (Amrhein: Reihenfolge II, S. 144) 40. Konrad von Thüngen, Domscholaster 1508-1519, dann Bischof (Amrhein: Reihenfolge II, S.242) 41. Johann von Guttenberg, Domscholaster 1519-1522, dann Domdekan (Amrhein: Reihenfolge II, S. 262f.) 42. Wipert von Grumbach, Domscholaster 1519; † 8. Aug. 1525 (Amrhein: Reihenfolge II, S. 82) 43. Martin von Truchseß von Pommersfelden, Domscholaster 1526-1531 (Amrhein: Reihenfolge II, S. 257) 44. Eucharius von Thüngen, Domscholaster 1531; † 1. Aug. 1540 (Amrhein: Reihenfolge II, S. 38) 49

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H. Engelhart: Die frühesten Druckausgaben des Missale Herbipolense (1481-1503). Ein Beitrag zu einem „Census“ der liturgischen Drucke aus der Offizin Georg Reysers in Würzburg. In: WDGBl 62/63,2001,69-174 (Kirche und Glaube. FS für Klaus Wittstadt zum 65. Geb.); Vgl. auch: E. Bünz: Die Druckkunst im Dienst der kirchlichen Verwaltung: Ein Würzburger Dispensformular von 1487. In: Forschungen zur bayerischen und fränkischen Geschichte. Peter Herde zum 65. Geburtstag von Freunden, Schülern und Kollegen dargebracht. Hrsg. von Karl Borchardt und Enno Bünz. Würzburg 1998.S. 227-247; In diesen Zusammenhang gehört auch die Arbeit von L. Sprandel-Krafft: Die spätgotischen Einbände an den Inkunabeln der Universitätsbibliothek Würzburg. Eine Dokumentation. Würzburg 2000; dazu die Veröffentlichung von H. Engelhart: Neue Forschungen zum spätgotischen Bucheinband; Bemerkungen zu Lore Sprandel-Krafft, Die spätgotischen Einbände an den Inkunabeln der Universitätsbibliothek Würzburg. In: Kirche und Glaube – Politik und Kultur in Franken. Festgabe für Klaus Wittstadt. Würzburg (WDGBl 62/63) 2001 S. 1121-1131; Zur Würzburger Theologiegeschichte gehören aber auch Arbeiten wie: H. Engelhart: Die Würzburger Buchmalerei im hohen Mittelalter. Untersuchungen zu einer Gruppe illuminierter Handschriften aus der Werkstatt der Würzburger Dominikanerbibel von 1246. Teil 1 und 2. Würzburg 1987; ergibt sich doch aus dieser Untersuchung, dass Würzburg insbesondere gegen Ende der Regierungszeit Hermanns I. von Lobdeburg (1225-1254) ein geistiges Zentrum war, in dem sich die neuen Orden niederließen, in der eine ständige Fluktuation von Geitlischen und Studierenden zu beobachten ist und „Erst aus dieser besonderen Situation heraus wird die Illuminierung des Rashi-Kommentars in unserer christlichen Werkstätte verständlich. Sie konnte ja nur im unmittelbaren Kontakt zwischen den jüdischen Auftraggebern und den christlichen Malern ausgeführt werden“. H. Engelhart: Die Würzburger Buchmalerei im hohen Mittelalter. S. 319 LThK2 3, Sp. 111; LThK3 2, Sp. 1362; NDB 2, 450ff.; A. Kraus in: HBG III/1 564 (Biographie bei Aschbach II, 284-309)

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45. Martin von Ussigheim, Domscholaster 5. Aug. 1540; † 27. Mai 1546 (Amrhein: Reihenfolge II, S. 144f.) 46. Heinrich von Würzburg, Domscholaster 29. Mai 1546; † 28. Juni 1555 (Amrhein: Reihenfolge II, S. 71) 47. Michael von Lichtenstein, Domscholaster 1555-1564 (Amrhein: Reihenfolge II, S. 77) 48. Johann Egenolph von Knöringen, Domscholaster 24. Nov. 1564, resignierte 1569. „Er machte seine Universitätsstudien zu Freiburg i. Br., wohin er sich am 31. Okt. 1560 zum zweiten Mal begab; Kapitular 1561, Scholastikus 20. Nov. 1564, richtete damals die Domschule neu ein und wies derselben bestimmte Einkünfte zu, wie aus der Inschrift des Schulportales („RELIGIONIS ET REIPUBLICAE SEMINARIUM“) im Domkreuzgang („D.O.M.//CUM AD DEI LAUDEM ET REIPUB(LICAE) HUIUS FOELICEM DIUTURNI-TATEM NON MINUS PERTI-NEAT IUVENTUTEM UNA CUM PIETATE BONIS LITERIS PROBISQUE MOR(CORR.I)-BUS INSTITUI QUAM URBEM MOENIBUS CINGI AC FIRMA-RI TUTISSIMUM QUIPPE PRAESIDIUM LONGAE INCO-LUMITATIS IN PRUDENTUM VIRORUM CONSILIIS ET SAPIENTIA OMNIUM RERUM ADMINISTRATIONE POSITUM EST QUARE IOANNES EGOLPHUS EX NOBILI ET EQUESTRI A KNÖRINGEN E(CORR. F)AMILIA NATUS HUI(US) TEMPLI SCHOLASTICUS ET AUGUSTANUS CANONICUS HANC SCHOLA(M) ET MUSAR(UM) DOMICILIUM AUTHORITATE SUMMI HUI(US) TEMPLI SENAT(US) EX OFFICIO QUO FU(N)GEBATUR LEGIBUS REFORMARI AC CERTIS QUIBUSDAM REDDITIB(US) DOTAVIT OPUSQUE PRAESE(N)S SUIS SUMPTIB(US) P(ONI) C(URAVIT). ANI(CORR. N)O CHRI. MD.LXV“)

zu ersehen ist, resignierte aber die Scholasterie i. J. 1569. Johann Egenolph von Knöringen war zugleich Domherr zu Augsburg und Kanonikus zu Ellwangen und wurde am 18. Mai 1573 zum Fürstbischof in Augsburg gewählt, starb aber nach kurzer Regierung schon am 4. Juni 1575.“ 51 49. Julius Echter von Mespelbrunn, Domscholaster 1569-1571, 1570 zugl. Domdekan (Amrhein: Reihenfolge II, S. 177ff.) 50. Neithard von Thüngen, Domscholaster 11. Sept. 1571-1574, dann Domdekan (Amrhein: Reihenfolge II, S. 218ff.) 51. Wilhelm von Schutzpar, gen. Milchling, Domscholaster 4. Jan. 1574-29.6.1591 (Amrhein: Reihenfolge II, S. 83) Mit der Gründung des Pädagogiums unter Friedrich von Wirsberg, dem JesuitenGymnasium und der Neugründung der Universität unter Julius Echter veränderte sich das Wesen der Domschule; sie ging nicht unter, sondern blieb erhalten, freilich mit anderem Aufgabenbereich. Mit dem Untergang der alten Domkapitel in der Säkularisation verschwand das Amt des Domscholasters. 51

Amrhein: Reihenfolge II, S. 53; „1564 wurde der spätere Bischof von Augsburg, Egolph von Knöringen, zum Würzburger Domscholaster bestellt. Er ging unter diesen Umständen (Das Wirsberger Pädagogium hatte 1563/64 seinen Lehrbetrieb eingestellt), da nicht absehbar war, ob die bischöfliche Schule wieder erstehen würde, unverzüglich an eine grundlegende Reform der Domschule, was auch den Interessen der Bürgerschft und des Domkapitels entsprach; diese war 1565 abgeschlossen“. H.-P. Baum: Das konfessionelle Zeitalter (1525-1617). In: Geschichte der Stadt Würzburg. Bd. 2, S. 76; Dt. Übersetzung der Inschrift: „Da es ebenso zur Ehre Gottes und zum glücklichen Fortbestand unseres Staates dient, dass die Jugend zugleich in Frömmigkeit und schönen Künsten, wie in guten Sitten erzogen werde, wie, dass die Stadt mit Mauern umgeben und befestigt werde, weil ja die sicherste Gewähr für einen dauernden Wohlstand in den Ratschlägen kluger Männer und in einer weisen Verwaltung des Staatswesens liegt, deshalb hat Johann Eckolph aus der adeligen und Ritterfamilie v. Knöringen, Scholasticus dieser Kirche und Kanonikus von Augsburg, diese Schule und Heimstätte der Musen, nach dem Rate des hohen Senates dieser Kirche, kraft des Amtes, das er innehatte, durch neue Satzungen hergestellt, mit gewissen und sicheren Einkünften ausgestattet und das gegenwärtige Werk (Portal) auf eigene Kosten errichten lassen im Jahre 1565.“ (nach Val. Clem. Hessdörfer: Der Dom zu Würzburg und seine Denkmäler. Würzburg 1907.- S. 117); O. Bucher: Die humanistischen und gegenreformatorischen Bestrebungen Johann Egolfs von Knöringen (1537-1575) vor seiner Wahl zum Bischof von Augsburg. In: HJb 74,1955,242-251; Th. Henner: Portal der alten Domschule im Kreuzgang des Doms zu Würzburg. In: Altfränkische Bilder. Würzburg 3,1897; E. Soder v. G.: Spurensuche zu einer Geschichte der Würzburger Domschule ab 1500. In: Würzburgs Domschule in alter und neuer Zeit. Würzburg 1990.- S. 34-58, bes. S. 40f.

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„Die Reihenfolge der Domscholaster – nun mit veränderten Aufgaben – läuft durch bis 1803, bis zu Säkularisation; wir finden große Namen darin für die Neuzeit (Angehörige der Familien von Thüngen, Guttenberg, Grumbach, Truchseß von Pommersfelden, von Mespelbrunn, Fuchs von Dornheim, von Hutten, Groß von Trockau, von Dalberg. Der letzte Scholasticus soll genannt sein: Johann Philipp Nepomuk Graf von Elz, genannt von Stromberg). Das Jahr 1803 brachte das Ende für eine Institution, die – lange Zeit allein dastehend in der Diözese – die theologische und weltliche Ausbildung von Männern geleitet hat, die eine führende Rolle im eigenen Sprengel, z. T. auch außerhalb desselben, gespielt haben. Es handelt sich um ein wirkliches ‚Seminarium theologiae et rei publicae‟.“ 52

Exkurs: Theologische und hagiographische Zeugnisse aus dem mittelalterlichen Würzburg bis zur ersten Universität. Es ist hinreichend betont worden, dass Würzburg während des Mittelalters wenig eigenständische Theologie hervorgebracht hat. Die Handbücher bieten aber dann doch eine ganze Fülle von hagiographischen, bistumsgeschichtlichen und literarischen Zeugnissen aus dem Mittelalter bis zur frühen Neuzeit, besonders wenn man das klösterliche Umfeld im alten Hochstift von Amorbach über Tauberbischofsheim, von Ebrach bis Heilsbronn einbezieht. Es fehlte jedoch das Zentrum in dem sich große Theologie hätte bilden können, etwa ein theologisch interessierter Domklerus mit entsprechendem Bischof oder eine die Zeiten überdauernde Hohe Schule wie etwa in Köln oder Heidelberg. Wie es sich bei der Untersuchung der Bibliotheksbestände der Würzburg Stifte und Klöster herausstellte, wurde in diesen Bereichen, teils im verborgenen, jedoch kontinuierlich auch Theologie betrieben. Das Stift Neumünster oder das Kloster der Augustiner sind hierfür gute Beispiele. Die Zeugnisse der ersten Jahrhunderte des Bistums Würzburg zeigen eine theologische Haltung, die im Sammeln und Bewahren des Überkommenen ihre Erfüllung fand. Die ersten Zeugnisse theologischer Tätigkeit, wenn wir so wollen, kamen aus dem Bereich der Bistumshagiographie.

Die wichtigsten hagiographischen Zeugnisse für Würzburg: Anonymus: Passio s. Kiliani minor (BHL 4660)53 Als Entstehungszeit wird 788 anläßlich der Translatio (Dienemann S. 111-192) oder 840 (Levison: SSRer Merov 5. S. 713) angenommen.54 Anonymus (Stephan von Novara?): Passio s. Kiliani maior, 10. Jh., 2. Drittel (BHL 4661)55 Petersohn hält es nicht für ausgeschlossen, daß Stephan von Novara der Verfasser der Passio major ist. Anonymus: Vita s. Burkardi (BHL 1483)56 52 53 54

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H. Thurn a.a.O. S. 30; Amrhein: Reihenfolge II, S. 331f.; Emmerich S. 3-10; Bernt S. 816; J. Petersohn: Zur geographisch-politischen Terminologie und Datierung der Passio maior sancti Kiliani. In: Festschrift A. Wendehorst I (=JFLF 52/53) 1992,25-34 Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I, S. 12; A. Bigelmair: Die Gründung des Bistums Würzburg. In: WDGBl 2/1,1934,1-18; J. Dienemann: Der Kult des hl. Kilian im 8. und 9. Jahrhundert. 1955; A. Bigelmair: Die Passio des hl. Kilian und seiner Gefährten. In: WDGBl 14/15,1952/53,1-25. 16/17,1954/55,104-130; Fr. Emmerich: Der hl. Kilian, Regionarbischof und Martyrer historisch-kritisch dargestellt. Würzburg 1896; ausführliche Literaturhinweise siehe: L. K. Walter: St. Kilian. Schrifttumsverzeichnis zu Martyrium und Kult der Frankenapostel und zur Gründung des Bistums Würzburg. Würzburg 1989 (Nachtrag 1990) Emmerich S. 11-25; Bernt S. 816; J. Petersohn: Zur geographisch-politischen Terminologie und Datierung der Passio maior sancti Kiliani. In: FS Wendehorst (=JbffrLf 52/53) 1992,25-34, hier S. 34)

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Vita Burchardi ep. Herbipol. saec. IX auctore anonymo. In: MGH SS XV 1 p. 47-50. In: AA SS 14.Oct. VI,573-575 Ekkehard von Aura OSB († 23.1. nach 1125)57 - Vita s. Burkhardi II (BHL 1484, um 1108/13).- Vita alia Burchardi saec. XII auctore Eingilhardo. (Vita S. Burchardi. Hrsg. von Fr. Bendel. Paderborn: 1912; dt. Übersetzung von Joachim Schmitt. In: WDGBl 48,1986,19-89). Diese Vita ist dem Abt Pilgrim von St. Burkard gewidmet und stellt eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte Würzburgs im 8. Jahrhundert dar. Dazu verfasste er noch: - Chronik: Eine fränkisch-deutsche Volks- und Kaisergeschichte, die Bischof Erlung möglicherweise dem 1114 in Mainz vermählten kaiserlichen Paar Heinrich V. und Mathilde von England übergab.58 Hugo von Trimberg wird bei den Autoren des unterfränkischen Raumes oft mitbehandelt, ist aber nur bedingt mit Würzburg zu verbinden. Hier also nur als Annotation.59 Nach eigenen Angaben verfaßte er 7 dt. und 5 lat. Werke, davon sind erhalten : - Laurea Sanctorum (Heiligenleben für die Schuljugend); ferner: - Solsequium (stellt Exempel für den Prediger zusammen) - Registrum multorum auctorum (ein Autoren- und Werkverzeichnis von Vergil bis in die Zeit um 1300 und auch ein Verzeichnis der eigenen Werke) - Renner (ein weit verbreitetes Lehrgedicht mit Schilderung der sieben Hauptsün- den und Beispielen) Johannes von Lauterbach OSB60 Mönch in St. Stephan in Würzburg seit 1348, Domkaplan; 56

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Kl. Wittstadt: Die älteste Lebensbeschreibung des heiligen Burkard – Lateinischer Text und deutsche Übersetzung in WDGBl 48,1986,7-17; J. Petersohn: Zur geographisch-politischen Terminologie und Datierung der Passio maior sancti Kiliani. In: FS Wendehorst (JbffrLf 52/53,1992,25-34, hier S. 31f.); Bernt S. 816 Edelfreier Herkunft, vielleicht aus der Familie der bayerischen Aribonen oder doch wenigstens mit diesen verwandt, nahm 1101/02 an der Kreuzfahrt Welfs von Bayern teil; 1102 weilte er in Rom, war dann Mönch in Tegernsee um 1102/03 und im Bamberger Michaelskloster 1105 (‚Chronik‟); 1. Abt von Aura (von Bischof Otto von Bamberg gegründet), bis 1113 war er häufig im Würzburger Kloster St. Burkard (‚Vita Burchardi‟), 1107 erstellt er die 2. Fassung der Chronik, 1114-1117 die 3. Fassung; gest. am 23.1. nach 1125; Bernt S. 818ff.; Flachenecker S. 911; VL 2 2, Sp. 443ff. („kann heute aus der Benutzung noch vorhandener Quellen die Zuverlässigkeit der Berichterstattung aufgewiesen werden, durch die das Werk zu einer der wichtigsten Quellen der Geschichte Würzburgs im 8. Jahrhundert wird.“ Sp. 447); A. Wendehorst: Burghard Bischof von Würzburg. In: Fränkische Lebensbilder 1,1967,1-9; H. Wagner: Das Urkundenverzeichnis des Klosters Aura a. d. Saale von 1556. In: WDGBl 47,1985,107-148; Th. Frenz: Ekkehard von Aura († 1126). In: Fränk. Lebensbilder 11,1984, S. 1-10; O. Meyer: Ein Ire Domscholaster in Würzburg um 1100. In: Schweinfurter Mainleite 1994,2, S. 4-9; N. Reininger: Die Benediktiner-Abtei Aura an der fränkischen Saale und der berühmte Geschichtsschreiber des Mittelalters Ekkehardus, erster Abt derselben. Würzburg 1862 Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I, S. 128; F.-J. Schmale: Bildung und Wissenschaft, lateinische Literatur, geistige Strömungen. In: HBG, Bd. 3,1: München 19171.- S.141 („Die Chronik des Bayern Ekkehard von Aura vertrat in hirsauischem Geist unter Absehung von allen rechtlichen Problemen und Formen die unbedingte Einheit von Papsttum und Königtum unter Vorrang des Papsttums. Die Kaiserchronik für Kaiser Heinrich V., die man als eine Streitschrift im Gewand einer Chronik betrachten könnte, weil sie mit Entschiedenheit das Investiturrecht des Königs vertritt, sieht in dem Bestreiten dieser Rechte durch den Papst den ausschließlichen Konfliktgegenstand und wird dadurch in die Lage versetzt, eine positive Haltung sowohl zum Königtum wie auch zum Papsttum einzunehmen, da Rechtsfrage und religiöse Aspekte unterschieden und auseinandergehalten werden.“); zu Ekkehard von Aura vgl. UBW M.p.h.q.2 (Thurn II,1, S. 85); M.ch.f.236 (Thurn II,2, S. 86) Geboren um 1230 in Oberwerrn/Ufr. Als Laie Rektor der Stiftsschule von St. Gangolf in Bamberg, er verstarb wohl bald nach 1313; VL2 4, Sp. 268ff.; LThK2 5, Sp. 520; LThK3 5, Sp. 313; R.. Düchting: Die lateinische Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 455 Bernt S. 820; VL2 4, Sp. 668f.

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er verfasste: - Vita S. Kiliani episcopi, Franconiae apostoli et patroni, ac sociorum eius Colonati presbyteri, et Totnani diaconi martyrum. Metrice. (BHL=4662; UBW M.p.misc.f.6, Cap. XII, fol. 43r-44v; Thurn IV, 37; Ed. F. Emmerich: Der hl. Kilian. Würzburg 1896.- S. 28-37; in leonischen Hexametern (nach der Passio maior) - Vita Burghardi [nach Ekkehard von Aura]. (UBW M.p.misc.f.6, Cap. XII, fol. 44v47r; Thurn IV, 38; Ed. F. Emmerich: Der hl. Kilian. Würzburg 1896.- S. 28-37)

Aus dem weiten Bereich theologischer Zeugnisse bis zur ersten Würzburger Universität heben wir hervor:

Aus der frühen Zeit in Fortsetzung der aus der Dombibliothek ersichtlichen theologischen Literatur ist uns in einer Handschrift aus der Dombibliothek in Würzburg eine ahd. Beichtformel „Die Würzburger Beicht“ überliefert. Der Text ist im 9. Jahrhundert geschrieben und stammt, wie Josef Hofmann feststellte, direkt vom St. Galler Cod. 1193 ab: Trohtine gote almahtigen bigiho mina sunta.61 Die Aufzählung aller denkbarer Sünden bestätigt den klösterlichen Benutzerkreis. Mit Würzburg verbindet den Text der Eintrag im Band der Dombibliothek ohne Näheres aussagen zu können. „Um das Jahr 934 stund der Klosterschule zu St. Andreas (dem heutigen Ritterstift St. Burkard) der Benediktiner-Mönch Reinhard vor; mit vielem Eifer und Glücke verbreitete er die Wissenschaften unter seinen Schülern. Reinhard war ein Theolog, Philosoph, Mathematiker, ein Kenner der Ton- und Dichtkunst. Nebst vielen anderen Schriften, die dem Abte Trithemius, der diese Nachricht gibt (Chron. Hirsaug. Tom. I ad An. 934) nicht zu Gesichte gekommen sind, schrieb er über die Quadratur des Zirkels, über des Aristoteles Kategorien, von der Musik und Dichtkunst, wider die Anthropomorphiten, über Salomons hohes Lied, von der Auferstehung der Todten ectc.“ 62 Etwas später, unter Bischof Hugo (983-990) wirkte am St. Andreas-Kloster in Würzburg Froumund von Tegernsee.63 Bekannt wurde er bes. durch seine Briefsammlung „Briefe an Abt Ruotker von St. Burkard“ über den klösterlichen Bücherbestand, den Bischof Hugo vermehrte.64 Abt Ellinger von Tegernsee OSB (vor 997)65 erhielt seine Ausbildung in Augsburg, Würz61

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M.p.th.f.24, fol. 1r-1v; B. Bischof u. J. Hofmann: Libri sancti Kyliani. Die Würzburger Schreibschule und die Dombibliothek im VIII. und IX. Jahrhundert. Würzburg 1952.- S.134; VL2 10, Sp. 1453f.; H. Brunner: Würzburg als Literaturstadt im Mittelalter. In: Blick, Sonderausgabe 2002, S. 29; A. Wendehorst: Stadt und Kirche. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 255-271, hier S. 268 Bönicke I S. 7 Geboren um 960 in Süddeutschland, wirkte er am St.Andreas-Kloster in Würzburg unter Bischof Hugo (983-990), kam dann bald nach 990 nach St. Pantaleon in Köln; vorrübergehend war er tätig auch im Salvatorkloster in Feuchtwangen 993-995, ging dann ins Kloster Tegernsee und wurde um 1005 Priester; LThK3 4, Sp. 176; VL2 2, Sp. 978ff.; Flachenecker S. 908 J. Kempf: Zur Kulturgeschichte Frankens während der sächsischen und salischen Kaiser. 1915 (Programm des K. Neuen Gymnasiums Würzburg für das Studienjahr 1914/15); „In Konkurrenz zur Domschule entstand in dem von Bischof Hugo reformierten Kloster St. Andreas (Burghard) eine zweite Schule. An ihr hielt sich der bekannte Lehrer und Dichter Froumund aus dem Kloster Tegernsee auf (vor 1000), der vorübergehend auch im Salvatorkloster in Feuchtwangen weilte. In einem Brief an Abt Ruotker von St. Burghard berichtet Froumund über den klösterlichen Bücherbestand, der von Bischof Hugo eine Vermehrung erfahren durfte.“ (Flachenecker S. 908); Froumund preist die Schule von St. Burkard „Apologia pro Schola Wirtzeburgensi eiusque Magistro adversus quendam calumniatorem“ (ex Cod. Froumundi in Pez, Thesaur. Anectot. Tom. VI. pag. 189-199); M. Wieland: Historische Darstellung des Stiftes St. Burkard zu Würzburg. In: AU 15,I,1861,43-114 Geboren um 975/980, Schüler Froumunds; Ausbildung in Augsburg, Würzburg und Bamberg, Abt in Tegernsee 1017-1026 (von seinen Mönchen zur Abdankung gezwungen) und (wiedereingesetzt vom hl. Godehard von Hildesheim) 1032-1041 (durch Bischof Nizzo von Freising abgesetzt); er errichtete 1031 das Benediktinerkloster Benediktbeuern neu und schloß Tegernsee der Gorzer Reform an; 1041 durch Bischof Nizzo von Freising wiederum abgesetzt; † 5.2.(13.5.) 1056. Erhebung der Gebeine 1218; Vgl. Briefe (MG Ep. Sel. III; Tegenseer Briefsammlung); LThK 2 3, Sp. 826; LThK3 3, Sp. 607; VL2 2, Sp. 504ff. („Die von Ellinger selbst verfassten Werke sind nicht von seiner Hand geschrieben, sondern von anderen Tegernseer Mönchen. Sie befinden sich in dem von Froumund um 1005 angelegten Briefcodex (München clm 19412)“; Flachenecker S. 902 mit Anm. 143; B. Schmeidler: Abt Ellinger von Tegernsee: 1017-1026 und 1031-1041. München 1938.- S. 130

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burg und Bamberg; in Tegernsee war er ein Schüler Froumunds. Ellinger war zwischen 1012 und 1016 Lehrer und Schreiber in Würzburg und Bamberg; er wird als Schreiber zweier Oxforder Handschriften des Psalmenkommentars von Bruno (Oxford, Rawlinson G 163 und Laud. lat. 96) in Erwägung gezogen.66 Der Benediktiner Theoderich von Amorbach (Fleury)67 verfasste um 1010 in Amorbach die „Illatio S. Benedicti“ über die Beisetzung der Reliquien in Fleury, wo Theoderich um 980/90 weilte. Für das Bistum Würzburg wichtig wurde seine Einbindung in die allgemeine Mönchsreform. „Die Reformbewegung, die von Lothringen her in das Reich eindrang ... fand im Würzburger Sprengel allem Anschein nach erst mit Bischof Hugo (983-990) Eingang. Hugo reformierte das längst darniederliegende und vielleicht schon von Bischof Berowelf in ein Kanonikerstift umgewandelte Andreas-Kloster, indem er es wieder Mönchen übergab, mit Besitz, Geräten und Büchern ausstattete und am 14. Oktober 986 die Gebeine des hl. Burchard dorthin überführte, der jetzt zum neuen Patron des Klosters wurde. Die Reformbestrebungen gewannen unter dem folgenden Bischof Bernward offensichtlich an Intensität; denn wenn Bernward die Übertragung auch der letzten Klöster in seinem Sprengel – darunter so alte und ehemals bedeutende wie Neustadt, Amorbach, Münsterschwarzach – an das Bistum erreichte, zum Teil mit Hilfe von Fälschungen, die sie als ehemals würzburgisches Eigentum ‚erwiesen‟, so bedeutete das zunächst einmal Vermehrung der bischöflichen Macht, aber den Gewinn der Jurisdiktionsgewalt nutzte Bernward doch zur Durchsetzung der Reform. Wenigstens Amorbach ist um 990 durch eine Reform von Lorsch aus an die lothringische Bewegung angeschlossen worden. Weniger für Bernwards Bildungsstand als für seine Reformgesinnung zeugt es, dass ihm der Priester und Mönch Theoderich von Fleury die ‚Libelli de consuetudinibus et statutis monasterii Floriacensis duo‟ übersandte.“ 68 Der wandernde Mönch hat von Amorbach aus zur Reform beigetragen. „Die Reform scheint in Franken überhaupt nicht zu einer nennenswerten Belebung wissenschaftlicher Bestrebungen geführt zu haben.“ 69 Aber von Amorbach aus wirkte die Mönchsreform z. B. auch nach Bamberg, denn aus Amorbach kamen die ersten Mönche und der erste Abt des 1015 gegründeten Klosters auf dem Michelsberg bei Bamberg. Gerade das Kloster auf dem Michelsberg ist Zeuge dafür, dass moralischreligiöse Reform hinführen kann zu wissenschafliche und literarischen Leistungen.70 Würzburg wird im 11. Jahrhundert als Bildungsstätte positiv erwähnt: „In der Stadt am Main erhielten berühmte Kleriker ihre Ausbildung. Zu nennen wären der Eichstätter Bischof Heribert (1022-1042), der mit dem Kölner Erzbischof Heribert (999-1021) und dem Würzburger Bischof Heinrich I. (995/6-1018) verwandt war. Als Neffe des Würzburger Bischofs besuchte Heribert die dortige Domschule; der Herrieder Anonymus rühmt seine Meisterschaft in der Dichtkunst, die sich in sechs Hymnen zeigt. Die ferner erwähnten fünf Mariengebete konnten bisher nicht gefunden werden.“ 71 Und so 66 67

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H. Knaus: Der heilige Bruno von Würzburg und sein Psalmenkommentar. In: WDGBl 37/38,1975,145 Geboren um 960 in Deutschland, clericus, Benediktiner in Fleury um 980/990, Aufenthalt in Rom 1002, in Montecassino 1005, dann in Amorbach 1010 und eventuell in Fulda; das Todesdatum ist unbekannt. Von ihm sind außer der Illatio (BHL 1122, um 1010/1018, Dümmler: Theoderich. S. 3-9,23-28) ein Kommentar zu den Katholischen Briefen (nur z. T. ediert! Dümmler: Theoderich. S. 28-38; UBW M.p.th.f.44,1r-107v) und ein Jakobusbrief-Kommentar bekannt (Dümmler: Theoderich. Einleitung S. 15); Schneider S. 625; Bernt 817ff.; VL2 9, Sp. 747; E. Dümmler: Über Leben und Schriften des Mönches Theoderich (von Amorbach). Abh.d.Kgl.Preuß.Ak.d.Wiss. Berlin 1894. 2. Abh. S. 1-38; A. Wendehorst: Zur Geschichte der Amorbacher Abtei-Bibliothek. In: (Stadt) Amorbach. Beiträge zu Kultur und Geschichte von Abtei, Stadt und Herrschaft. Würzburg 1953.- S.101-120, hier S. 104 F.-J. Schmale: Bildung und Wissenschaft, lateinische Literatur, geistige Strömungen. In: HBG, Bd. 3,1: München 1971.- S.122 Schmale ebenda S. 123 Zur Bamberger Domschule vgl. F.-J. Schmale: Bildung und Wissenschaft, lateinische Literatur, geistige Strömungen. In: HBG, Bd. 3,1: München 19171.- S.127ff. Flachenecker S. 909

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resummiert Flachenecker: „Würzburg blieb, so viel sich aus den dürftigen Nachrichten erschließen lässt, auch im 11. Jahrhundert ein Ort mit hoher Bildungstradition.“ 72 Bischof Heinrich I. (995/6-1018) gründete vor 1002 das Kollegiatstift Haug in Würzburg, 1012 das Stift St. Peter, Paul und St. Stephan; er wirkte als Klosterreformer und kümmerte sich um die Sakraltopographie des Bistums Würzburg; 1007 wurde das Bistum Bamberg mit 30 Großpfarreien gegründet.73 „Bischof Heinrich lässt ein Evangeliar der Dombibliothek aus der Fuldaer Malschule des 9. Jahrhunderts (jetzt UBW M.p.th.f.66) prachtvoll binden ... und darin die alten Würzburger Markbeschreibungen von 779 ... eintragen.“ 74 Bischof Bruno (1034-1045)75 In den Prolegomena zur Werkausgabe bei Migne bringt der Herausgeber Heinrich Denzinger den Hinweis, dass Bruno Schüler des ‚Bernulfus‟ (Pernolfus) an der Domschule war. In den Jahren 1027-1034, also kurz vor seiner Erhebung auf den Würzburger Bischofssitz war Bruno Leiter der kaiserlichen Kanzlei für Italien. Während früher das unter Brunos Namen überlieferte exegetische Schrifttum weitgehend Bruno abgesprochen wurde, setzte sich Knaus überzeugend für die Autorschaft Brunos was den Psalmenkommentar angeht, ein. - Psalmenkommentar (PL 142,39-530) - Komm. Hohes Lied (PL 142,529-558) - weitere exegetische und katechetische Werke (PL 142,557-568), jetzt Bruno abgesprochen.76 Bischof Adalbero (1045-1090)77 Geboren um 1010, ausgebildet an der Domschule in Würzburg, gründete er als Bischof das Kollegiatstift Neumünster 1057/58 in Würzburg, wobei er das Kollegiatstift St. Peter, Paul und Stephan zu Würzburg in eine Benediktinerabtei umwandelte und mit Mönchen aus Münsterschwarzach besetzte; die Chorherren des Kollegiatstiftes transferierte er in das neugegründete Stift Neumünster. Als Hauptvertreter der Gorzer Reformbewegung reformierte er u.a. 1047 Münsterschwarzach und wandelte das Stift in Lambach 1056 in ein Benediktinerkloster um, das er mit Mönchen aus Münsterschwarzach besetzte. Er starb am 6.10.1090 in Lambach. Seit 1883 ist sein Kult anerkannt. Zunächst die Politik des Königs Heinrich IV. unterstützend, stellte Adalbero sich später voll auf die Seite des Papstes Gregor VII. Trotz seines wechselvollen politischen Schicksals – er wurde lange Zeit aus dem Bistum vertrieben – unterstützte er eifrig die klösterlichen Reformen. In der Zeit seiner Absetzung wurde vom König Heinrich IV. der Bamberger Domkanoniker (Scholaster, Propst?) Meginhard II. (Meinhard von Bamberg, † 72 73 74 75

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Flachenecker S. 908; H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 28 Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I, S. 74ff.; A. Wendehorst: Heinrich I. († 1018), Bischof von Würzburg. In: Fränkische Lebensbilder 17,1998,1-8 Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I, S. 87 Bernt S. 818; Th 1(17); Wendehorst: Das Bistum Würzburg. 1., S. 92ff.; LThK 3 2, Sp. 734; G. Wegner: Kirchenjahr und Messfeier in der Würzburger Domliturgie des späten Mittelalters. Würzburg 1970.S.10 H. Knaus: Der heilige Bruno von Würzburg und sein Psalmenkommentar. In: WDGBl 37/38,1975,143147; D. van den Eynde: Literary Note on the earliest scholastic commentarii in psalmos. In: Franciscan Studies 14,1954,147ff. Wendehorst: Das Bistum Würzburg. 1., S.100ff.; LThK 2 1, Sp. 120; LThK3 1, Sp. 127; H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 27; P. Schöffel: Neumünster und Dom. In: Ders.: Herbipolis sacra. Würzburg 1948.- S. 56ff., hier bes. S.79ff.; A. Wendehorst: Im Ringen zwischen Kaiser und Papst. In: Unterfränkische Geschichte. Bd. 1. 1989.- S. 310f.; A. Wendehorst: Das Stift Neumünster in Würzburg in der Literaturgeschichte des Mittelalters. In: Studien zum weltlichen Kollegiatstift in Deutschland. Hrsg. von J. Crusius. Göttingen 1995; A. Wendehorst: Eine neue Quelle zur Geschichte Adalberos von Würzburg (110451090). In: ZfbayLG 60,1997,434-435

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20. 6.1088) als Bischof von Würzburg (1085-1088) eingesetzt, ein Mann der im Urteil seiner Zeitgenossen als vir doctissimus und scholasticus galt. Von Meinhard sind 66 Briefe (wobei die Briefform eine klassische Stilübung ist, um einen wissenschaftlichen Inhalt zu befördern) und ein Traktat ‚De fide‟ erhalten. Erdmann kennt noch weitere Schriften, die verloren gegangen sind: De maxima propositione (ein grammatikalisches Werk), Explanationes in Canticum Canticorum, De speculatione summi boni. Meinhard sprach sich gegen die symbolisch-spiritualistische Eucharistielehre Berengars von Tour (gest. 1088) aus, die mehrfach verurteilt wurde (zuletzt 1051 in Paris).78 Der Benediktinermönch Marianus Scotus, der 1059 in Würzburg zum Priester geweiht wurde und dann in Mainz Inkluse bei St. Martin wurde, verfasste eine Weltchronik, die Quellenwert für die Zeit Papst Gregors VII. (1073-1085) und zu Bischof Adalbero hat.79 Als Schreiber, an der Domschule an der auch Magister Pernolfus unterrichtete, wirkte in Würzburg unter dem Bischof Meginhard I. (1018-1034) der berühmte Othloh80, seit 1032 Mönch im Kloster St. Emmeram in Regensburg. In seiner Vita s. Wolfgangi berichtet er von dem Streit zwischen Stephan von Novara mit Wolfgang, dem späteren Bischof von Regensburg, über die Auslegung des Martinus Capella, der zur Folge hatte, dass Wolfgang die Würzburger Domschule verlassen musste.81 Um die gleiche Zeit bestand unter Abt Wolfher (1026-1046) in Münsterswchwarzach eine bedeutende Schreibschule mit neun noch nachweisbaren Schreibern.82 Ein sonst unbekannter Würzburger Kleriker, der sich Asilo83 nennt, verfasste eine mathematisch-theologische Abhandlung „De aggregatione naturalium numerorum” Nach Othloh handelt es sich um ein Zahlenkampfspiel (Rithmimachia = Zahlen als Symbole göttlichen Wissens) aus dem 2. Viertel des 11. Jh. aus der Zeit des Dommagisters Pernolfus. Asilo deutete auch seinen Namen indem er die mittleren 3 Buchstaben herausließ und dann las: A-O (Anfang und Ende); was könnte bedeutsamer sein? Bischof Erlung (1105-1121), ein Enkel des obengenannten Gegenbischofs Meginhard II., schrieb eine Totenklage „Vita Henrici IV.“ (Ed. MGH.SS. rer. Germ. in usum 78

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Wendehorst: Das Bistum Würzburg I S. 117ff.; C. Erdmann: Die Briefe Meinhards von Bamberg. In: NA 49,1931,232-431; C. Erdmann: Studien zur Briefliteratur Deutschlands im 11. Jahrhundert. 1938.- S. 22f.; M. Gerwing: Theologie im Mittelalter. 2. Aufl. Paderborn 2002. S. 55 Geboren 1028 in Irland, 1056 Mönch in St. Martin in Köln, dann in Paderborn und Fulda, 1059 wurde er in Würzburg Priester, nach 1069 Inkluse bei St. Martin in Mainz; † 22.12.1082 (1083?); Weltchronik (Cod. Vat. Pal. 830; PL 147,623-796; SS 5 S. 564); LThK2 7, Sp. 52; LThK3 6, Sp. 1362 (Marianus von Mainz); , A.-D. v. d. Brincken: Marianus Scottus als Universalhistoriker. In: Die Iren und Europa. S.986f. Geboren um 1010 im Bistum Freising, Mönch im Kloster St. Emmeram in Regensburg 1032, wirkte unter Meginhard I. (1018-1034) als Schreiber in Würzburg an der Domschule, an der auch Magister Pernolfus unterrichtete, 1062-1066 lebte er in Fulda, 1066 in Amorbach; † wohl bald nach 1070 in Regensburg; Othlohs Werke sind zum größten Teil in Migne PL 146,1-434 ediert; Schneider S. 626ff., hier Werke; Bernt S. 816f.; Flachenecker S. 901f.; Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I, S. 91; A. Wendehorst: Zur Geschichte der Amorbacher Abtei-Bibliothek. In: (Stadt) Amorbach. Beiträge zu Kultur und Geschichte von Abtei, Stadt und Herrschaft. Würzburg 1953.- S.101-120, hier S. 104f.; VL2 3, Sp. 658ff.; LThK2 7, Sp. 1298f.; LThK3 7, Sp. 1216; B. Bischoff: Literarisches und künstlerisches Leben in St. Emmeram (Regensburg) während des frühen und hohen Mittelalters. In: StMGBO 51,1933,116ff.; B. Bischoff: Über unbekannte Handschriften und Werke Otlohs von St. Emmeram. In: StMGBO 54,1936,15ff. ed. von K. Strecker in: MG Poetae. Bd. 5 Fesz. 2. Berlin 1939 S. 554f.; O. Meyer: Varia Franconica. Bd. 2.- S. 753-763 Flachenecker S. 904; A. Wendehorst: Zur Münsterschwarzacher Geschichtsschreibung im Mittelalter. In: Dt. Archiv f.Erf.d.MA 16,1960,224-226 VL2 1, Sp. 508 (Asilo von Würzburg: Quinque genera inequalitatis); Bünz: Erfand der spätere Bischof Adalbero von Würzburg das Zahlenkampfspiel? Überlegungen zur Würzburger Domschule in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 49,1993,189-199 (Bünz hält den Würzburger Domherren Asilo ‚höchstwahrscheinlich‟ für den Erfinder des im Mittalalter weit verbreiteten Zahlenkampfspiels); Flachenecker S. 900f.; Amrhein (Reihenfolge. I, S. 52) kennt einen Domdechanten Aselo, der vor dem 17. November 1069 starb.

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scholarum 58; 3. Aufl. 1899; Neudr. 1990; Schmale: Kaiser Heinrich IV., 408-467) für den geliebten Herrscher und Förderer Meginhards; ein für Bischof Adalbero und den Investiturstreit wichtiges Werk.84 Bischof Embricho von Würzburg, (1127-1146)85 Embricho war in Frankreich oder vielleicht in Italien ausgebildet worden. Er errichtete für die wandernden Schottenmönche das Benediktinerkloster „Schottenkloster“ in Würzburg und weihte, nach Trithemius, Makarius am 3.9.1139 zum ersten Abt dieses Klosters; er starb am 10.(11.)11.1146 zu Aquileia. Seine Werke: - Confessio, wohl gegen Ende seines Lebens verf. (An. Hymn. 33,1899,234-237), in 102 leoninischen Hexametern („mit großer Heftigkeit klagt er sich fast aller erdenklicher Sünden an; voll Reue und voll Furcht vor dem Gericht setzt er seine Hoffnung auf Christi Erlösungswerk und Barmherherzigkeit und gedenkt des Beispiels vieler biblischer Sünder“) - Leichenrede auf Bischof Otto von Bamberg (nach Herbord von Michelsberg) (PL 173, 1361-1364) - Vita Mahumeti (PL 171, Sp. 1343-1366) Norbert von Xanten hielt sich am 11. April 1126 in Würzburg auf; seine Predigt im Dom bewirkte die Gründung des Praemonstratenserklosters Oberzell bei Würzburg. Presbyter Johannes aus Würzburg I86 Er ist nur bekannt aus seinem Werk, das seinem ‚socius et domesticus Dietricus‟ gewidmet ist. - Descriptio Terrae Sanctae. Bericht über die Stätten des Heiligen Landes, beruhend auf seinen eigenen Besuch von ca. 1160/70 (UBW M.ch.q.73; 17. Jh.; PL 155,10531090) Albertus Magnus87 Albert wurde geboren um 1193; er starb 1280; in Würzburg ist er nachweisbar zwischen 4.12.1264 und 1266; mit großer Wahrscheinlichkeit entstanden von ihm in Würzburg: - Kommentar zum Lukasevangelium. (UBW M.p.th.f.8) - Kommentar zum Markusevangelium. (ging bei oder schon vor der Säkularisation verloren) 84

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Geboren um 1145/50 in Ostfranken, Enkel des obengenannten Gegenbischofs Meginhard II., erhielt seine Ausbildung in Bamberg und Lüttich, Domherr in Bamberg, Kanzler Heinrichs IV. 1103-1105, ab 1105 Bischof von Würzburg.; † 28.(30.) 12.1121 wohl in Würzburg (Grab in Münsterschwarzach). Mit seinem Onkel Meginhard verband ihn die sprachliche Ausdrucksweise und die Kenntnis der antiken Autoren; Bernt S. 818; Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I, S.126ff.; VL 2 2, Sp. 602ff.; K. Pivec: Studien und Forschungen zur Ausgabe des Codex Udalrici. In: MIÖG 45,1931,409ff., hier bes. S. 464ff.; R. Düchting: Die lateinische Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Stuttgart 2001.- Bd. 1, S. 454 Bernt S. 819; Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I, S. 140ff., korrigiert im Band II S. IX Bischof Embricho als Verfasser der Vita Mahumeti; LThK2 3, Sp. 844; LThK3 3, Sp. 622 (Wendehorst); A. Wendehorst: Bischof Embricho. In: Fränkische Lebensbilder 2,1968, S. 1-7 Bernt S. 819; VL2 4,822-824; J. B. Wirthmüller: Ueber den Presbyter Johannes. In: Chilianeum. N.F. 1,1869,466-476 Schneider S. 695f.; LThK2 1, Sp. 285ff.; LThK3 1, Sp. 338; A. Wendehorst: Die Bestrebungen Alberts des Großen um eine rechte Ordnung in Welt und Kirche. Zwei Beiträge zur Rechtsgeschichte und Kirchengeschichte des 13. Jahrhunderts. Phil. Diss. Würzburg 1951; A. Wendehorst: Die Nachrichten des Würzburger Dominikaners Andreas Pfaff über Albertus Magnus. In: WDGBl 14/15,1952,304-307 (mit der einschlägigen Literaturübersicht); P. J. Jörg: Albertus Magnus und Würzburg. In: MfrJGuK 2,1950,53-77; M. Gerwing: Theologie im Mittelalter. Personen und Stationen theologisch-spiritueller Suchbewegung im mittelalterlichen Deutschland. 2. Aufl. Paderborn [u.a.] 2002, S. 132ff.

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Einiges theologische Interesse erweckte der Propst von Triefenstein, zur Diözese Würzburg gehörend, Folmar von Triefenstein CSA (1146-1181) mit seinem Angriff auf die Eucharistielehre Gerhohs von Reichersberg († 1169). Folmar schloß sich der Kontroverse des Bischofs von Bamberg Eberhard II. mit Gerhoh an. Der Reichstag von Würzburg hatte sich gegen den in Doppelwahl vom 1159 aufgestellten Papst Alexander III. gestellt, für den sich aber Gerhoh entschieden hatte. So vermischte sich kirchenpolitik mit Christologie. Folmar schrieb gegen Gerhoh „De carne et anima Christi“ (1162/63) und Gerhoh antwortete darauf mit „De gloria et honore filii hominis“. (1163). Folmar verfiel in das andere Extrem und näherte sich dem Adoptianismus.88 Theologie und Literatur, geistliche und weltliche Dichtung sind in der mittelalterlichen Literatur oft ineinader verflochten. Lateinische und später auch deutsche Literatur geben Zeugnis von einem manchmal breiten, manchmal schmalen Strom religiösen Schrifttums. Untrennbar mit Würzburg verbunden ist der berühmteste und bedeutendste Lieddichter des deutschen Mittelalters Walther von der Vogelweide (um 1170 bis um 1230).89 Sein erstes Kreuzlied fingiert wahrscheinlich die Ankunft im Hl. Land, das zweite und die Elegie werben für die Kreuzfahrt. Der Leich preist Maria und die Heilslehre, der erste Reichstonspruch stilisiert den Lebenskonflikt der drei ritterlichen Wertgebiete summum bonum, honestum, utile. Magister Heinrich von Würzburg (der Poet), Kanonikus am Stift Neumünster in Würzburg, gest. vor 26.11.1265, könnte Albertus Magnus aus dessen Aufenthalt im Würzburger Dominikanerkloster 1264-1266 gekannt haben; er verfaßte ein theologiegeschichtlich interessantes, vielleicht ironisches, vielleicht apologetisches Dialoggedicht über die Römische Kurie.90 Oder hat er die Würzburger Kirche als bischöflicher Notar im Blick gehabt? Heinrich V. von Leiningen, Bischof von Speyer zog aufgrund einer päpstlichen Exspektanz 1255 in Würzburg ein (er wurde 1256 entsetzt), während der 1254 vom Domkapitel gewählte Iring von Reinstein-Homburg noch lebte. Weitere Werke sind bekannt, aber verloren. 88

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Schneider S. 653, 658; LThK2 4, Sp. 193f.; LThK3 10, Sp. 224 (Triefenstein, Folkmar von Triefenstein); LThK2 4, Sp. 725f. (Gerhoh von Reichersberg); „Das erste Zeichen des hereinbrechenden Verfalls sehen wir in dem Umstande, dass Bamberg den Kampf aufnehmen und durchführen musste, als Abt Folmer von Triefenstein, das doch nur eine Tagreise von hier entfernt ist, um das Jahr 1148 seine falsche Lehre über die Eucharistie (‚adoptianisch‟) vorzutragen begann.“ Braun I, S. 37; M. Grabmann: Geschichte der katholischen Theologie seit dem Ausgang der Väterzeit. S. 43f. Geboren um 1170, um 1190 am Babenbergerhof zu Wien als Schüler Reinmars, um 1220 erhielt er ein Lehen bei Würzburg; † 1230. Grab in Würzburg im Kreuzgang des Neumünsters. (Grabinschrift bei Michel de Leone: Manuale. M.p.misc.f. 6, Cap. IX, fol. 31v; Thurn IV, 36; Ed. Grauert a.a.O. S. 366f.; Michael de Leone: Hausbuch. Bl. 212v; auf deutsch: Hausbuch. Bl. 191v); LThK 2 10, Sp. 951; LThK3 10, Sp. 972; VL2 10, Sp. 665ff.; Lit. nur in Auswahl: Walther von der Vogelweide. Epoche – Werk – Wirkung. Hrsg. von H. Brunner u. a. München 1996; J. Fr. Abert: Walter von der Vogelweide und Würzburg. In: Die Mainlande 3,1952,49-51; F. A. Reuß: Walther von der Vogelweide. Eine biographische Skizze. Mit e. lithogr. Abb. Würzburg: Bonitas-Bauer 1843.- 16 S., 1 Abb; H. Brunner: Würzburg als Literaturstadt im Mittelalter. In: Vom Großen Löwenhof zur Universität. Würzburg und die deutsche Literatur im Spätmittelalter. Wiesbaden 2000.- S. 11-14, hier S. 12; H. Brunner: Die deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 466ff.; M. G. Scholz: Walther von der Vogelweide. Stuttgart, Weimar 1999; Wendehorst, A.: Das Stift Neumünster in Würzburg in der Literaturgeschichte des Mittelalters. In: Studien zum weltlichen Kollegiatstift in Deutschland. Hrsg. von J. Crusius. Göttingen 1995.- S. 264ff. De statu curiae romanae. 1264 (UBW M.misc.f.6,49r-58r, Mitte 14. Jh.); Bernt S. 819; VL 2 3, Sp. 924926; LThK2 5, Sp. 199; A. Amrhein: Magister Heinricus Poeta, bischöflicher Notar, Canonikus in Ansbach und im Neumünster zu Würzburg, seine Dichternamen und Dichtungen 1231-1270. Würzburg 1933 (Dass. unter dem Titel: Magister Heinricus Poeta, der tugendhafte Schreiber, bischöfl. Notar ... Dissertation zum Goldenen Doktorjubiläum. Würzburg: Fränk. Ges. Dr. 1933.- 31 S.); H. Grauert: Magister Heinrich der Poet in Würzburg und die römische Kurie. In: Kgl. Bay. Akad. d. Wiss., phil.-hist. Kl. 27,1912,1-2, 441f.; H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters: religionis et rei publicae seminarium? S. 27; Wendehorst: Neumünster. S. 463f. (mit Lit.); Wendehorst, A.: Das Stift Neumünster in Würzburg in der Literaturgeschichte des Mittelalters. In: Studien zum weltlichen Kollegiatstift in Deutschland. Hrsg. von J. Crusius. Göttingen 1995.- S. 261

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„Der bedeutendste Literat, den Würzburg hervorgebracht hat“, Konrad von Würzburg schrieb vieles auch mit religiösem Bezug, aber er wirkte nicht in Würzburg, sondern am Niederrhein und später in Basel.91 Zu den bekannteren Dichtungen des 13. und 14. Jahrhundert bei denen sich Geistliches und Weltliches zum Teil vereint findet gehören auch: Der Lied- und Spruchdichter Reinmar von Zweter92, der Minnesänger Otto von Botenlauben d. Ä.93, die Verserzählung über die Treue der Ehefrau des Ruprecht von Würzburg94, Johann von Würzburg II der Autor des „Wilhelm von Österreich.“ 95 Hugo von Trimberg96 verfasste nach eigenen Angaben 7 dt. und 5 lat. Werke, davon sind erhalten: „Laurea Sanctorum“ (Heiligenleben für die Schuljugend); „Solsequium“ (stellt Exempel für den Prediger zusammen); „Registrum multorum auctorum“ (ein Autoren- und Werkverzeichnis von Vergil bis in die Zeit um 1300 und auch ein Verzeichnis der eigenen Werke); „Renner“ (ein weit verbreitetes Lehrgedicht mit Schilderung der sieben Hauptsünden und Beispielen). Konrad von Brundelsheim (Prossels-heim) war Abt im Zisterzienserkloster Heilsbronn 1303-1306 und 1317-1321. Heilsbronn war eine filia von Ebrach, gegr. 1132 von Bischof Otto von Bamberg. Konrad wurde lange für Soccus bzw. für den Mönch von Heilsbronn gehalten. Von ihm sind überliefert: „Sermones Socci“ (zwischen 1306 und 1317, umfangreichste Predigtsammlung des Spätmittelalters, über 220 Hss, mehrere Frühdrucke; die Verfasserfrage ist noch ungeklärt). Ihm zugeschrieben wurde auch: „De modo proficiendi in religione“ (eine Unterweisung für die Novizen, in Clm 2689, f. 66v).97 Der sogenannte Mönch von Heilsbronn, also vielleicht identisch mit Konrad von Brundelsheim, verfasste, stark beeinflusst von Bernhard von Clairvaux, das „Buch von den sechs Namen des Fronleichnams“ (Ed. J. F. L. Th. Merzdorf: Mönch von Heilsbronn. 1870.- S. 3-80); ferner, abhängig von den Sermones Socci, das „Buch der sieben Grade“ (Ed. Merzdorf a.a.O. S. 71-125), eine Betrachtung über das Gebet und eine - Betrachtung über die Vermählung der Seele mit Gott. Nur bedingt gehört in unsere Aufzählung auch der Zisterziensermönch Konrad von Ebrach (um 1235-1287). Nach seinem Eintritt in das Kloster Ebrach verbrachte er die Zeit seiner Ausbildung und seiner Wirkung weitab in Paris, Bologna, Prag und Wien. Dort gewann er seine theologische Bedeutung, die auch auf das Kloster Ebrach übertragen 91

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VL2 5,1985,272-304; Pörnbacher S. 845; LThK2 6, Sp. 475; LThK3 6,Sp. 287; H. Brunner: Konrad von Würzburg. Seine Zeit, sein Werk, seine Wirkung. Marbach 1989; H. Brunner: Konrad von Würzburg (ca. 1230-1287) In: Fränkische Lebensbilder. 12, 1986, 14-27; H. Brunner: Würzburgs bedeutendster Dichter Konrad von Würzburg. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von U. Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 459-462; R. Brandt: Konrad von Würzburg. Darmstadt 1987; R. Brandt: Literatur zu Konrad von Würzburg 1987-1996. In: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen 236,1999,344-369 VL2 7, Sp. 1198; Wendehorst, A.: Das Stift Neumünster in Würzburg in der Literaturgeschichte des Mittelalters. In: Studien zum weltlichen Kollegiatstift in Deutschland. Hrsg. von J. Crusius. Göttingen 1995.- S. 267f.; für das Folgende übersichtlich: H. Brunner: Die deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 466-479, hier S.472ff. VL2 7, Sp. 208ff.; Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I S. 218; Otto von Botenlauben. Minnesänger, Kreuzfahrer, Klostergründer. Würzburg 1994 VL2 8, Sp. 418f.; H. Brunner: Würzburg als Literaturstadt im Mittelalter. In: Vom Großen Löwenhof zur Universität. Würzburg und die deutsche Literatur im Spätmittelalter. Wiesbaden 2000.- S. 12 VL2 4, Sp. 824ff.; LThK3 6, Sp. 474 (Kreuzzugsdichtung); H. Brunner: Würzburg als Literaturstadt im Mittelalter. In: Vom Großen Löwenhof zur Universität. Würzburg und die deutsche Literatur im Spätmittelalter. Wiesbaden 2000.- S. 12 Geboren um 1230 in Oberwerrn/Ufr. Als Laie Rektor der Stiftsschule von St. Gangolf in Bamberg, er verstarb wohl bald nach 1313; VL2 4, Sp. 268ff.; LThK2 5, Sp. 520; LThK3 5, Sp.5, Sp. 313; R. Düchting: Die lateinische Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 455 LThK2 6, Sp. 462; LThK2 5, Sp. 147f (vielleicht identisch mit dem Abt von Heilsbronn Konrad von Brundelsheim); LThK2 9, Sp. 842f. (Soccus); LThK3 11, Sp. 158; VL2 5, Sp. 147f.; Schneider S. 702 (BG)

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wurde.98 Konrad wird als scharfsinniger Denker bezeichnet; er schätzte Augustinus, Gregor von Rimini und Heinrich von Gent; er zitierte dh. er kannte alle theologischen und scholastischen Größen: Anselm von Canterbury, Bernhard von Clairvaux, Richard von St. Viktor, Wilhelm von Auxerrre, Thomas von Aquin und auch Duns Scotus; er wußte, dass Thomas von Aquin in der Summa Theologiae manche Stellen seines Sentenzenkommentars korrigierte. Auch wenn Konrad von Ebrach nicht unbedingt als selbständiger Denker zu gelten hat, er zeigt sich aber doch als gründlich informiert über die Theologie seiner Zeit. Nicht wenig theologische Werke hat der herausragende deutsche Literatursammler der Epoche Michael de Leone (um 1300-1355) in seinen beiden Sammelbänden im „Manuale“ (UBW M.p.misc.f.6) und im „Hausbuch“ (UB München 2° cod. ms. 731) überliefert.99 Im Manuale sammelte er u. a. mehrere Werke von Hermanns de Schildesche, die sog. Katechetischen Hauptstücke und die Kommentare des Thomas von Aquin dazu, Hildegards Prophetie und ein Verzeichnis ihrer Schriften, Gebete und Segenssprüche besonders gegen die Pest, die Viten des Hl. Kilian und des Hl. Burkard von Johannes von Luterbeck, Lupolds de Bebenburg „Ritmaticum“, Otto Baldemanns „Von dem Romschen Riche eyn Clage“, Heinrichs (Poeta) „De statu Romanae Curiae“ und schließlich Historisches zum Stift Neumünster. Im Hausbuch begegnet uns manches wieder, zum Beispiel die Katechetischen Hauptstücke, aber darüber hinaus sind von besonderem Interesse die 46 Lieder Walthers von der Vogelweide und seine Grabinschrift und die Lieder Reimars. Mit gutem Recht darf man den Augustinertheologen Hermann von Schildesche in die Würzburger Theologiegeschichte einreihen. Adolar Zumkeller erforschte detailliert Leben und Werk.100 98

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Geboren um 1330, Herkunft unbekannt, trat unter Abt Heinrich II. (1344-1349) in Ebrach ein, studierte in Paris um 1355, dann in Bologna, las dort die Sentenzen 1368/69, Magister 1370, in Prag weilte er 1376-1384, in Wien 1385; dort war er beteiligt an der Ausarbeitung der Statuten der dortigen Theologischen Fakultät, Papst Urban VI. erhob ihn zum Abt von Morimund unter Beibehaltung der Professur; er war beauftragt als Visitator der romtreuen Zisterzen in Deutschland und Skandinavien; gestorben ist er 1399. Von ihm sind handschriftlich überliefert: Sentenzenkommentar (überliefert als Reportatio aus Bologna und aus Prag); De cognitione animae Christi; Tractatus de contractibus (?); Compendium de confessione; Sermones (10 Predigten); Moraltheologische Traktate; Schneider S. 717ff.; Bernt S. 822; VL2 5, Sp. 160-162; LThK2 6, Sp. 462f.; LThK3 6, Sp. 275; A. Zumkeller: Der Zisterziensertheologe Konrad von Ebrach im Kampf um Thomas von Aquin. In: Cist 56,1949,1-24 VL2 6, Sp. 491-503; Bernt S. 820; A. Ruland: Die Ebracher Handschrift des Michael de Leone mit Einschaltung der wichtigsten Stücke. In: AU 13,1854,H.1.2,111-210; A. Ruland: Die Würzburger Handschrift der kgl. Universitätsbibliothek zu München. In: AU 11,1851, H.2.3,1-66 (mit ausführlicher Inhaltsangabe des Hausbuches); Thurn IV, S. 31ff. (mit ausführlicher Inhaltsangabe des Manuale); P. Keyser: Michael de Leone († 1355) und seine literarische Sammlung. Würzburg: 1966.-186 S., zugl. Würzburg, Phil. Fak. Diss.1964; J. Kurz: Michael de Leone. Ein Beitrag zur Geistes- und Kulturgeschichte des 14. Jahrhunderts. München: 1955.-166 Bl., zugl. München, Phil. Fak. Diss 1955; G. Lamping: Michael de Leone. In: Fränkische Lebensbilder 4,1971,87; G. Spönlein: Michael de Leones Addiciones zum 10. Kapitel des Libellus de zelo christiane religionis veterum principum Germanorum des Lupold von Bebenburg. In: WDGBl 31,1969,214-220; Wendehorst, A.: Das Stift Neumünster in Würzburg in der Literaturgeschichte des Mittelalters. In: Studien zum weltlichen Kollegiatstift in Deutschland. Hrsg. von J. Crusius. Göttingen 1995.- S. 262ff.; H. Brunner: Der wichtigste Literatursammler des 14. Jahrhunderts: Michael de Leone. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von U. Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 463-465; R. Leng: Der Große Löwenhof, das ‚Hausbuch‟ des Michael de Leone und die erste Würzburger Universität. In: Würzburg, der große Löwenhof und die deutsche Literatur des Spätmittelalters. Hrsg. von Horst Brunner. Wiesbaden 2004.- S. 153-182; P. Rückert: Michael de Leone als Pfarrer von Bettingen am Main. In: Würzburg, der große Löwenhof und die deutsche Literatur des Spätmittelalters. Hrsg. von Horst Brunner. Wiesbaden 2004.- S. 183-197; Chr. Bertelsmeier-Kierst: Das ‚Hausbuch‟ des Michael de Leone. Zu Programm und Struktur der Sammlung. In: Würzburg, der große Löwenhof und die deutsche Literatur des Spätmittelalters. Hrsg. von Horst Brunner. Wiesbaden 2004.- S. 199-210 Bernt S. 820f.; LThK2 5, Sp. 253; LThK3 4, Sp. 1446; Wendehorst: Das Bistum Würzburg. II S. 65; Th. Beckmann(†), A. Zumkeller: Geschichte des Würzburger Augustinerklosters von der Gründung im Jahre 1262 bis zur Gegenwart. S. 42ff.; A. Zumkeller: Hermann von Schildesche O.E.S.A. († 8. Juli 1357). Würzburg 1957; A. Zumkeller: Der Traktat des Hermann von Schildesche OESA "De conceptione gloriosae Virginis Mariae". In: WDGBl 22,1960,20-65; A. Zumkeller: Magister Hermann von Schildesche OESA († 8. Juli 1357), der Generalvikar des Bistums Würzburg. In: WDGBl 20,1958,127-139; A. Zumkeller: Manuskripte von Werken der Autoren des Augustiner-Eremitenordens in mitteleuropäischen Bibliotheken. Würzburg 1966; A. Zumkeller: Schrifttum und Lehre des Hermann von Schildesche

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Geboren um 1290 in Schildesche/Bielefeld, Eintritt ins Augustinerkloster Herford, Lektor in Magdeburg und Erfurt 1320, Dr. theol. Paris 1334, Provinzial 1337-1339, Lektor in Würzburg seit ca. 1340, 1. Generalvikar des von Otto II. von Wolfskehl 1340 neu eingeführten Instituts des Vicarius in spiritualibus spätestens seit 1342; gestorben 1357 als Rektor des theologischen Studiums im Kloster in Würzburg. Hermann von Schildesche war ein erfolgreicher Kanonist der Diözese Würzburg und ein fruchtbarer und eigenständiger Theologe mit mehr als 30 Werken theologischen und kanonistischen Inhaltes. Hermann von Schildesche, Michael de Leone und Lupold von Bebenburg stehen miteinander in enger Beziehung. Viele der Werke Lupolds von Bebenburg und Hermanns von Schildesche liegen uns in den Sammelhandschriften des Michael de Leone vor. Während Lupold die kaiserliche kirchenpolitische Richtung mit viel Erfolg vertrat, unterstützte Hermann in Wort und Schrift die kuriale Position: „die Kirche sei in jeder Hinsicht unabhängig von weltlicher Gewalt, diese aber von der Kirche abhängig.“ Aus Paris dürfte er die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariens mitgebracht haben, die dort besonders von Johannes Duns Scotus vertreten worden war.101 Werke (in Auswahl): - Speculum manuale sacerdotum (M.ch.q.23, fol. 56r-64r; Thurn III,2 S. 86; M.p.misc.f. 6, Cap. X, fol. 32r-35r; Thurn IV, 36; Ed. Hain Nr. 14516-14523; Zumkeller: Manuskripte Nr.391, S. 187-193) - Tractatus de Conceptione Virginis gloriosae. (Ed. von A. Zumkeller in: WDGBl 22,1960,20-65; die älteste in Dtl. verfaßte Schrift über die Unbefleckte Empfängnis, geschrieben in Würzburg um 1350, eine Abschrift ist gewidmet seinem treuesten Freund Lupold von Bebenburg) - Tractatus contra haereticos negantes immunitatem, ca. 1372 (UBW M.p.misc.f.6, Cap. I, fol. 67v-68v; Thurn IV, 40; Zumkeller: Hermanni de Scildis Tractatus contra haereticos negantes immunitatem. Würzburg 1970) - Claustrum animae (in Würzburg) - Compendium de quattuor sensibus Sacrae Scripturae (von Michael de Leone angeregt) - Tractatus contra Leonistas seu Pauperes de Lugduno et eorum sequaces dicentes missae comparationem esse speciem simoniae, unediert; gegen Konrad Hager aus Dinkesbühl, in Würzburg ansässig, laycus litteratus, wie er in einem am 4. Februar 1342 ausgefertigten Notariatsinstrument bezüglich der von ihm gestandenen und abgeschworenen Irrtümer namens Bischof Ottos von Wolfskehl bezeichnet wird. (Patschovsky S. 769; Zumkeller: Schrifttum und Lehre 101-113 Nr. 24; Ders. Manuskripte 185f. Nr. 387) - Introductorium Juris. - Diviso metrica ac generalis descriptio totius philosophiae ac omnium artium (Michael de Leone gewidmet. (UBW M.p.misc.f. 6, Cap. VI, fol. 21v-23r; Thurn IV, 34; Ed. Zumkeller: Schrifttum S. 130-132) - Postilla super Cantica (1349 in Würzburg vollendet; Inhaltsverzeichnis ediert von Zumkeller: Wiedergefundene Werke. 245-262) - Breviloquium de expositione Misse. (UBW M.p.misc.f. 6, Cap. I, fol. 2r-10r; Zumkeller: Schrifttum und Lehre S. 11-23; Ders. Manuskripte S. 185, Nr. 386)

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O.S.A. († 1357). Würzburg 1959.-VIII, 316 S.; A. Zumkeller: Hermann von Schildesche. In: VL 2 3, Sp. 1107-1112; A.Zumkeller: Der Augustinermagister Hermann von Schildesche. In: Fränkische Lebensbilder 7,1977,12-32 (mit erschöpfender Werk- und Literaturliste); A. Zumkeller: Wiedergefundene exegetische Werke des Hermann von Schildesche. In: Augustinianum 1,1961,236-272; Wendehorst, A.: Das Stift Neumünster in Würzburg in der Literaturgeschichte des Mittelalters. In: Studien zum weltlichen Kollegiatstift in Deutschland. Hrsg. von J. Crusius. Göttingen 1995.- S. 263; H. Thurn: Die Papierhandschriften der ehemaligen Dombibliothek. Wiesbaden 1981 (Die Handschriften der Universitätsbibliothek Würzburg; 3,2); H. Thurn: Die Handschriften der kleinen Provenienzen und Fragmente. Wiesbaden 1990. (Die Handschriften der Universitätsbibliothek Würzburg; 4) Wendehorst, A.: Stadt und Kirche. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 255-271, hier S. 260; LThK2 10, Sp. 467ff.; LThK3 10, Sp. 376f.

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- Vaterunser-Auslegung (Inhaltsverzeichnis und Exzerpte bei Zumkeller: Wiedergefundene Werke. S. 460ff.) - Ave-Maria-Erklärung (Inhaltsverzeichnis und Exzerpte bei Zumkeller: Wiedergefundene Werke. S. 486ff.) - Predigten (1 in dt. Sprache) und 11 Predigten zum Hohelied-Zyklus, unediert (Zumkeller: Manuskripte Nr. 379, 393, 395) - Tractatus gegen die Geißler, verloren (Zumkeller: Schrifttum und Lehre 100 Nr. 23) Zu den bedeutenderen Kanonisten des 14. Jahrhunderts zählt der Würzburger Domherr und spätere Bischof von Bamberg Lupold III. von Bebenburg.102 „Der Domherr Lupold von Bebenburg, der über seine Stimmabgabe bei der Bischofswahl hinaus den kaiserlichen Kandidaten Hermann Hummel von Lichtenberg unterstützte, vertrat den Standpunkt, daß der von den Kurfürsten zum König gewählte allein auf Grund seiner Wahl über alle Gewalt im Reiche verfüge. Der Gewählte bedürfe zur Ausübung dieser Gewalt nicht der Approbation des Papstes, und die Kaiserkrönung verleihe keine Rechte, die der König nicht vorher schon gehabt habe. Die entgegengesetzte, kurialistische Position vertrat der Augustinermagister Hermann von Schilde-sche.“ 103 Ihm werden wichtige dogmatisch/kanonistische Werke zugeschrieben: - De juribus regni et imperii. ca. 1339 (Begründung der Rechte eines erwählten dt. Königs ohne päpstliche Approbation) - Libellus de zelo christianae religionis veterum principum Germanorum. ca. 1340 - Ritmaticum querulosum et lamentosum dictamen de modernis cursibus et defectibus regni ac imperii Romanorum, cum commentario. ca. 1342 (UBW M.p.misc.f.6, Cap. XI, fol. 37v-39v; Thurn IV, 37; Ed. A. Senger: Lupold von Bebenburg. Bamberg 1905.- S. 149-160) - Liber privilegiorum. (Urkunden Würzburg betreffend; UBW M.p.misc.f.6) Die deutsche Umdichtung des Ritmaticum querulosum des Lupold von Bebenburg) lieferte Otto Baldemann von Karlstadt in seinem Werk „Von dem Romschen Riche eyn Clage“, das er am 29.9.1341 beendete.104 Eine im 14. und 15. Jahrhundert sehr beliebte Sammlung geistlicher Lehren, Legenden und Sprüchen, vor allem mystischer Natur, aus Kirchenvätern und mittelalterlichen Autoren stellte der Zisterziensermönch Engelhard von Ebrach zusammen.105 Unter dem Titel ‚Aequipollarius‟, verfasste Konrad Bart oder Vatt, ebenfalls ein Mönch aus Ebrach, noch vor 1400, eine Predigtsammlung, die ungedruckt blieb. Es handelt sich um Predigten in einfacher Sprache für den Landprediger.106 Hermann von Schildesche, Michael de Leone und Lupold von Bebenburg führen hin zu den Gelehrten der ersten Universität: Bakkalaureus in decretis und Dr. Johann Ambundi, studierter Jurist und Generalvikar, Winand von Steeg, ebenfalls ein Jurist und späterer Generalvikar, Bartholomäus Frowein, ein Jurist und Theologe aus dem Zisterzienserkloster Ebrach, die Augustiner Johannes von Karlstadt und Gerlach von Alsfeld, der Dominikaner Johann von Münnerstadt, der Karmelit Magister Waltherus, Johann Adolfi aus dem Stift Haug, Heinrich von Gulpen und schließlich der Jursit Dr. Johannes Zantfurt. 102

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Geboren um 1300, Studium in Bologna 1316, Dr. jur. can., Rückkehr nach Würzburg ca. 1322/25, Domkanoniker in Würzburg, Mainz und Bamberg, Archidiakon von Schweinfurt, Offizial 1332, Bischof von Bamberg 1353; † 1363; Bernt S. 821; VL2 5, Sp. 1071-1078; NDB 15,524; LThK2 6, Sp. 1218; LThK3 6, Sp. 1124 S. Krüger: Lupold von Bebenburg. In: Fränkische Lebensbilder N.F. 4,1971,49-86; A. Senger: Lupold von Bebenburg. Bamberg 1905; K. J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg: 1978.- S. 53 mit Anm. 71 S. 320 Wendehorst, A.: Stadt und Kirche. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 255-271, hier S. 260 UBW M.p.misc. f.6, Cap. XII, fol. 40r-42v (im Hausbuch des Michael de Leone ist handschriftlich eingefügt „clericus plebanus in Ostheym prope Osschafenburg“); Thurn IV, 37; Ed. E. Valli: Von dem romschen riche eyn clage. Helsinki. 1957.- S. 77-93; VL2 1, Sp. 582-584 VL2 2, Sp. 555f.; Bernt S. 820 Bernt S. 820; VL2 1, Sp. 606-608

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2. Die erste Universität in Würzburg Johann von Egloffstein war es, der als Würzburger Dompropst im Januar 1400 als Oberbefehlshaber der bischöflichen Truppen und der fränkischen Adeligen in der Schlacht von Bergtheim bei Würzburg gegen die Truppen der Würzburger Bürger und Söldner einen grausamen Sieg errungen hatte. Der bereits kranke Bischof von Würzburg Gerhard von Schwarzburg (1372-1400) ließ alle Anführer enthaupten oder im Main ertränken.107 Der Streit zwischen Bürgerschaft bzw. Zünfte und Bischof schwelte schon lange: es ging um die erstrebte Reichsfreiheit der Stadt, um immer weitere Sondersteuern des Bischofs und des Domkapitels; dabei hatte sich König Wenzel mal auf die Seite der Bürger, mal auf die Seite des Bischofs gestellt; und es ging aktuell um ein Interdikt, das der Bischof über die Stadt verhängt hatte; schließlich ging es ganz einfach um die Hungersnot in der Stadt, weshalb die Bürger den Getreidevorrat des Bischofs in Bergtheim plündern wollten. In diese Situation hinein wurde Johann von Egloffstein von einem Teil des Domkapitels zum Bischof von Würzburg gewählt. Die Entscheidung für ihn und gegen den anderen Kandidaten; Eberhard von Wertheim; fällte Ruprecht von der Pfalz (1400-1410), der von den 4 rheinischen Kurfürsten zum deutschen König gewählt worden war und dessen Wahl der Papst zu Rom Bonifaz IX. 1403 bestätigte.108 Die an der Würzburger Universitätsgründung beteiligten Personen stehen in der römischen Allianz. Bonifaz IX. (1389-1404) erkannte Ruprecht als römischen König an und Ruprecht wiederum verhalf Johann von Egloffstein zum Bischofsstuhl in Würzburg. Im Großen Abendländischem Schisma stand Würzburg also auf der Seite der römischen Päpste. Selbst als der Erzbischof Johann von Mainz – Würzburg gehörte zu seiner Kirchenprovinz - 1405 die Gegner des Königs im Marbacher Bund vereinigte und sich für die Avignonisch / Pisaner Obedienz (Alexander V. und Johannes XXIII.) entschied, blieb der Bischof von Würzburg bei der Römischen Obedienz (Innozenz VII., Gregor XII.). Insofern muss man aber auch den Hinweis in der Gründungsbulle, dass ein Studium nach dem Muster von Bologna eingerichtet werden soll, richtig deuten. Es fehlt der Name von Paris, den man für ein theologisches Studium an erster Stelle vermuten würde. Paris aber beherbergte in diesem Großen Abendländischen Schisma die Hauptvertreter des Konziliarismus (Petrus d‟Ailly, Johannes Gerson). Die deutschen Studenten und Professoren hatten Paris verlassen (müssen) und wechselten nach Wien (1385) und an die neuen Universitäten 1385 in Heidelberg oder Köln (1388). Bologna war vor allem durch sein juristisches Studium bekannt, doch hatte es seit dem Ende des 13. Jahrhunderts auch eine Artistenfakultät und seit 1360 auch eine Theologische Fakultät. In Bologna hatten im 14. Jahrhundert eine Reihe von Würzburger Domherren und Bürger studiert. Man kannte in Würzburg also die Verhältnisse in Bologna.109 107 108

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W. Dettelbacher: Würzburg, ein Gang durch seine Vergangenheit. Würzburg 1974 S. 58f. Amrhein: Reihenfolge I S. 118ff. 232. 250; „Am 30. Januar (1401) zu Mergentheim schreibt König Ruprecht (Pfalzgraf zu Rhein, am 21. August 1400 von den 3 geistlichen Fürsten, Johann von Mainz, Friedrich von Köln und Wernher zu Trier, nachdem sie den König Wenzel abgesetzt hatten, zu einem römischen König gewählt und am 6. Januar 1401 gekrönt. Er starb am 18. Mai 1410 zu Oppenheim. Er ist begraben in der Hl. Geist Kirche in Heidelberg) dem Papste, er möge die Wahl Johanns von Egloffstein zum Bischof von Würzburg bestätigen“. K. G. Scharold: Auszüge aus den Urkunden des römischen Königs Ruprecht in Beziehung auf das ehemalige Fürstbisthum Würzburg. In: AU 6, H.1,1840,1; W. Engel: Würzburg und Avignon. In: ZSRG Kann 37,1951,303-359; R. Borkowsky: Johann I. von Egloffstein. Phil. Diss. Würzburg 1921; NDB 10, S. 544; F. A. Reuß: Johann von Egloffstein, Bischof von Würzburg und Herzog zu Franken, Stifter der ersten Hochschule in Würzburg. Würzburg 1847 (mit den Gründungsprivilegien); Fr. X. Wegele: Johann I. von Egloffstein. In: ADB 14, 442 G. C. Knod: Deutsche Studenten in Bologna 1289-1562. Berlin 1898; E. Friedländer, C. Malagola: Acta nationis Germanicae universitatis Bononiensis. Berlin 1887; F. Ehrle: I più antichi statuti della Facoltà teologica dell‟ università di Bologna. Roma 1932; F. Ehrle.: Gli statuti delle facoltà teologica di Bologna del 1364. In: Biblioteca de „L‟arcigimasio“ Ser. II. Bologna 1925; „Zu den wichtigsten Bestimmungen des Würzburger Generalkapitels (der Augustiner), die am 19. Mai (1391), dem Freitag nach Pfingsten publiziert wurden, gehörte das Verbot, in Paris oder an einem anderem Ort im Gebiet der avignonesischen Obödienz zu studieren oder dort gar die theologischen Grade zu erwerben. Ausnahmen sollte nur der Ordensgeneral und das Generalkapitel gewähren dürfen. Gleichzeitig bemühten sich

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Johann von Egloffstein erwirkte am 10. Dezember 1402 von Papst Bonifaz IX. (13891404) das Privileg eines Studium Generale nach dem Vorbild des Studiums in Bologna. In dieser Urkunde wird auch dem Bischof oder –sede vacante- dem vom Domkapitel eingesetzten „vicarium in spiritualibus“ das Recht eingeräumt, die nach den Gewohnheiten des Generalstudiums zum Magisterium oder Doktorat Würdigen zu prüfen, das Lizentiat zu erteilen, sowie Magister und Doktores zu promovieren. In Bologna hatte seit 1219 der Archidiakon der Kathedrale das Recht der Verleihung der Licentia docendi. In Würzburg war der Archidiakon des Domstifts gleichzeitig Dompropst. In Bologna wurden Studenten zu Rektoren gewählt. Davon kann in Würzburg keine Rede sein: Albert von Hessberg, Günter von der Kere, die ersten Rektoren, waren Mitglieder des Domkapitels; Johannes von Zantfurt, 1413 Rektor, war Generalvikar und Professor.110 Eine Immatrikulation Johanns von Egloffstein 1390 in Heidelberg gilt als sicher, jedoch unsicher ist ein Eintrag in Prag, wenn auch nicht unmöglich.111 Die Würzburger Gründung reiht sich ein in die erste Welle der deutschen Universitätsgründungen: Prag (1348), Wien (1365), Heidelberg (1385), Köln (1388), Erfurt (1379/89), Würzburg (1402), Leipzig (1409), Freiburg (1455/56), Ingolstadt (1472) und Tübingen (1477). Somit könnte die Gründung eines Studium Generale in Würzburg die Fortsetzung eines Zeitgeistes bedeuten unter Berücksichtigung dessen, dass Paris oder Prag theologisch nicht mehr so orthodox erschienen, wie es Johann von Egloffstein wünschte. Der spätere Chronist Lorenz Fries († 1550) rechnet zu den Gründen, die Bischof Johann von Egloffstein zur Gründung eines Studium Generale bewogen hätten, auch den wirtschaftlichen Nutzen, den er für Stadt und Land erhoffte.112 Aus der Gründungsbulle können wir folgende Motive herauslesen: die Verehrung des göttlichen Namens und die Verbreitung unseres heiligen. katholischen Glaubens, die die Kapitelsväter, die Studienmöglichkeiten für die Ordensmitglieder im Bereich der römischen Obödienz zu fördern. So gründeten sie in Bologna neben dem Universitätsstudium ein ordenseigenes „studium generale“ und beschlossen außerdem, das Kölner Generalstudium des Ordens der 1388 gegründeten Universität zu inkorporieren“ Th. Beckmann († ), A. Zumkeller: Geschichte des Würzburger Augustinerklosters von der Gründung im Jahre 1262 bis zur Gegenwart. Würzburg 2001.- S. 67; A. Zumkeller: Das Generalkapitel des Augustinerordens zu Würzburg im Mai 1391. In: WDGBl 26,1964,126-130 110 J. Fr. Abert: Aus der Geschichte der ersten Würzburger Universität unter Bischof Johann von Egloffstein. In: AU 63,1923,1-32; P. Baumgart: Die Anfänge der Universität Würzburg. In: MfrJb 30,1978,9-24; L. Boehm: Hochschulinitiativen in Würzburg-Bamberg-Aschaffenburg. In: HBG, Bd. 3,1. München 1971.-§ 74, S. 653-660; R. Endres: Schulen, Universität und Bibliotheken. In: Unterfränkische Geschichte. Bd. 2: Vom hohen Mittelalter bis zum Beginn des konfessionellen Zeitalters. Hrsg. von Peter Kolb u. Ernst-Günter Krenig. Würzburg 1991.- S. 531-546; R. Leng: Der Große Löwenhof, das ‚Hausbuch‟ des Michael de Leone und die erste Würzburger Universität. In: Würzburg, der große Löwenhof und die deutsche Literatur des Spätmittelalters. Hrsg. von Horst Brunner. Wiesbaden 2004.S. 153-182; R. Leng: Die Erstgründung der Universität im Jahre 1402. In: Blick. Sonderausgabe 2002.- S. 11-17 (mit Abb.); Fr. Machilek: Zur Geschichte der älteren Universität Würzburg. In: WDGBl 34,1972,157-168; J. Schellakowsky: Aus der Frühzeit der Universität Würzburg – Die Universitätsgründungen Johanns I. von Egloffstein (1402) und Julius Echters von Mespelbrunn (1582). In: Zwischen Korporation und Konfrontation. Beiträge zur Würzburger Universitäts- und Studentengeschichte. Hrsg. von Bernhard Grün, Johannes Schellakowsky, Matthias Stickler, Peter A. Süß. Köln 1999.- S. 14-37; A. Schmidt: Zur Geschichte der älteren Universität Würzburg. In: WDGBl 11/12,1949/50,85-102; J. Schneider: Würzburg zur Zeit der ersten Universitätsgründung. In: Blick. Sonderausgabe 2002.- S. 2-10; Fr. X. Wegele: Geschichte der Universität Würzburg. Teil I: Geschichte; Teil II: Urkundenbuch. Würzburg 1882 (Grundlegend bis zur Säkularisation); A. Wendehorst: Schulen und Studium im sozialen Wandel des hohen und späten Mittelalters. T.1.2. Hrsg.v. Johannes Fried. Sigmaringen 1986.-654 S.; Kl. Wittstadt: Eine spätmittelalterliche Bildungsinitiative mit Zukunft. In: Blick. Sonderausgabe 2002.- S.1723; S. Zeißner: Der große Löwenhof. In: Mainfr. Jahrbücher 5,1953,115-133 111 A. Wendehorst: Das Bistum Würzburg. Teil 2: Die Bischofsreihe von 1254 bis 1455. Berlin 1969, S. 128 112 L. Fries: Chronik der Bischöfe von Würzburg 792-1495. Bd. 3: Von Gerhard von Schwarzburg bis Johann II. von Brunn (1372-1440). Bearb. von Christoph Bauer u.a. Würzburg 1999.- S. 101; R. Leng: Die Erstgründung der Universität im Jahre 1402. In: Blick. Sonderausgabe 2002.-: S.12

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Pflege der Gerechtigkeit, die Förderung des Wohles des Einzelnen und der Gesamtheit, und die Verbesserung der gesamten Lage des menschlichen Lebens. Der Bulle Bonifaz IX. für das Studium Generale in Würzburg kann man ein gewisses pastorales Anliegen nicht absprechen, jedoch die spätere Intention der Echterschen Gründung, nämlich die Heranbildung eines tüchtigen Seelsorgeklerus, wird noch kaum erkennbar. Abert vermutete, dass neben anderen kirchenpolitischen Gründen es ganz einfach Johanns Wunsch war, seine Verwaltungs- und Hofbeamten selbst und unter seiner Kontrolle ausbilden zu lassen.113 Machilek hat dann besonders die Rolle Prags und Erfurts ausführlicher dargestellt.114 Wir haben keine Studienordnungen der ersten Würzburger Universität und wissen damit auch nicht, ob sie tatsächlich nach der Universität von Bologna ausgerichtet war, ob sich die akademischen Grade nach Bologna oder doch nach Paris richteten. In der Bulle des Papstes für Würzburg werden als akademische Grade der Magister in Theologia, der Doktor in legibus und die Licentia erwähnt, aber kein Baccalaureat. Dies mag mehr für eine Ausrichtung nach Bologna sprechen, das kein Baccalariat im strengen Sinne kannte. Dagegen spricht man in Paris vom Magister in Theologia statt vom Doktor der Theologie. Beachtenswert erscheint, dass Bologna erst 1360 eine Theologische Fakultät bekommen hatte, aber in Würzburg sollte die Theologische Fakultät eine der vier Fakultäten sein, die das Studium Generale begründeten.115 Bedeutsam muss aber auf jeden Fall sein, dass Johann von Egloffstein seine Bulle vom Römischen Papst und nicht von Benedikt XIII., dem Papst aus Avignon, erhielt. Die Universität in Paris, voll verstrickt in das große Abendländische Schisma, bot keine Gewähr als Bezugsuniversität für den römischen Papst. Die Entscheidung für Bologna und Bonifaz IX. war also eine bewusste Entscheidung des Bischofs Johann von Egloffstein für den Papst in Rom.116 Der Einrichtung Johanns von Egloffstein fehlt eine königliche Bestätigung. Es ist vermutet worden, dass der neue deutsche König deswegen kein Privileg ausstellte, weil er eine Konkurrenz zu seiner Gründung in Heidelberg befürchtete. Es bleibt bei der Vermutung. Ein königliches/kaiserliches Privileg war keineswegs notwendig. Wichtig war das päpstliche Privileg, weil durch dieses die Umwidmung von Pfründen zugunsten der neu zu ernennenden Professoren ermöglicht wurde.117 Zwischen Egloffstein und König Ruprecht scheint weiterhin ein gutes Verhältnis bestanden zu haben, denn als König Ruprecht am 18.5.1410 in Landeskron bei Oppenheim 113 114 115

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J. Abert: Aus der Geschichte der ersten Würzburger Universität unter Bischof Johann von Egloffstein. S. 4f. Fr. Machilek: Zur Geschichte der älteren Universität Würzburg. In: WDGBl 34,1972,157-168 Wegele II Nr. 2 S. 5; G. Kaufmann: Geschichte der deutschen Universitäten. I. S. 352ff.: die akademischen Grade. (Bologna S. 362; Paris S. 358); II S. 277ff.: Die Grade der Theologischen Fakultät.- Zur Unterscheidung zwischen Modus Parisiensis und Modus Italicus siehe: B. Duhr Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge. 1. Bd. Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im XVI. Jahrhundert. Freiburg i. Br. 1907.- S. 272ff.; A. Zumkeller: Das Kölner Augustinerkloster und sein Generalstudium im 14. Jahrhundert - eine Keimzelle der theologischen Fakultät der neuen Universität. In: Die Kölner Universität im Mittelalter. Hrsg. von A. Zimmermann. Berlin, New York 1989.- S. 357365 Erfurt, das sein Privileg ursprünglich vom Avignenser Papst erhalten hatte, ließ sich ein zweites Privileg vom Römischen Papst ausstellen. Vgl. dazu G. Kaufmann: Geschichte der deutschen Universitäten. II S. 419ff., bes. S. 429ff.: Die deutschen Universitäten und das Schisma; Zum Thema Würzburg und Avignon siehe auch: R. Weigand und Hans Thurn: Der Kurienprozeß (1365-1366) des (späteren Domdekans) Nikolaus von Malkos um seine Würzburger Domherrnstelle. In: WDGBl 46,1984,61-72; J. P. Kirsch: Ein Prozeß gegen Bischof und Domkapitel von Würzburg an der päpstlichen Kurie im 14. Jahrhundert. In: RQ 21,1907,67-96; W. Engel: Würzburg und Avignon. In: ZSRG Kan 35,1948,150-200 So J. Fr. Abert: Aus der Geschichte der ersten Würzburger Universität unter Bischof Johann von Egloffstein. S. 10; ihm folgen O. Meyer und Kl. Wittstadt; dagegen W. Dettelbacher: Würzburg ein Gang durch die Geschichte.1974 S. 59: „König Ruprecht von der Pfalz (1400-1410), der eben sein Silbergeschirr bei den Würzburger Juden verpfändet hatte, verlieh der Universität dieselben Freiheiten, die Friedrich Barbarossa 1158 Bologna verliehen hatte.“

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starb, ließ Bischof Johann von Egloffstein im Dom zu Würzburg am 9.6.1410 ein Totenamt lesen und Winand von Steeg (vielleicht als Generalvikar, sicher als Mitglied der Universität) durfte in Anwesenheit zahlreicher Vornehmen die Leichenpredigt halten. „Bemerkenswert ist, wie er die kirchenpolitische Haltung des Verstorbenen verteidigt, der sich durch sein Festhalten an dem römischen Papst Gregor XII. in Gegensatz zu dem Konzil von Pisa gestellt hatte“ 118 Abert bestätigt Wegeles Meinung, dass Egloffstein vom Domkapitel tatkräftig unterstützt wurde, sieht diese Unterstützung aber nur am Anfang der Unternehmung: da standen ihm Henricus de Smalcaldia, magister und baccalaureus in decretis, Chorherr in Neumünster, der Generalvikar Johannes Ambundi, decretorum doctor, Arnold Herwig, Kanoniker im Stift Neumünster und sein Küchenmeister, der Dompfarrer Albert von Hessberg jun. († 6.1.1404), der erste Rektor, und Günther von der Kere († 16.11.1407), der folgende Rektor und ebenfalls Mitglied des Domkapitels bei der Einrichtung zur Seite.119 Die Vorlesungen und Übungen sollen im alten Zentrum von Würzburg und zwar für die Artes im Hof zum Katzenwicker (Maxstraße), für die Juristen im Hof zum Großen Löwen (Dominikanergasse) und für die Theologen im Hof der Dechantei des Neumünsterstiftes stattgefunden haben.120 2.1. Die Rektoren und Professoren der ersten Universität Als erster Rektor wirkte im SS 1403 Albert von Hessberg, Mitglied des Domkapitels; er starb vor dem Ende des 2. Rektorats am 7. März 1404. Ob er als Lehrer tätig war ist unsicher.121 Im SS 1406 war möglicherweise Peter von Treysa Rektor. Günther von der Kere, ebenfalls Mitglied des Domkapitels, wurde 1406/07 Rektor; er starb am 16. November 1407 vor Ablauf des 2. Rektorats; ob er auch als Lehrer tätig war, ist ebenso fraglich wie bei Albert von Hessberg, da er keine akademischen Grade besaß.

Als Lehrer sollen gewirkt haben: A) als Lehrer der Theologie: - Johann A(m)bundi, Prof. der Heiligen Schrift und des Kanonischen Rechts, vor 1413 - Bartholomäus Frö(o)wein SOCist, Lehrer der Hl. Schrift und Dogmatik, las Sentenzen und Hl. Schrift - Peter von Treysa, 1406 als Prof. der Theologie in einer Urkunde vom 6.6.1406 genannt; SS 1406 Rektor (?) - Nikolaus Gentz OSA, ein Baccalaureus der Theologie aus Erfurt, übersiedelte mit päpstlicher Erlaubnis 1405 nach Würzburg und hielt wahrscheinlich erst dort seine Sentenzenvorlesung bevor er zum Magister/Doktor der Theologie promoviert wurde. 118

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Winand von Steeg: Sermo habitus feria secunda ante Viti anno domini 1410 de exequiis illustrissimi Romanorum regis Ruperti viri christianissimi in presencia domini Herbipolensis, aliorum episcoporum, prelatorum et clericorum, comitum et quasi omnium nobilium terre Franconie et Exequias convocatorum et multidunine populi in ecclesia Herbipolensi recitatus. In: Lapis angularis, Pars I (Landesbibliothek Kassel, Ms theol. Fol 19); E. Bünz: Winand von Steeg. In: Rheinische Lebensbilder 15,1995,43-64; O. Meyer: Die Universität Würzburg von 1420 und ihr Professor Winand von Steeg. In: Varia Franconiae Historica. Bd. 3. Würzburg 1986.- S. 1115-1127; A. Schmidt: Leichenpredigt auf König Ruprecht von der Pfalz, gehalten im Dome zu Würzburg am 9. Juni 1410 von Winand von Steeg. In: WDGBl 14/15,1952/53,337-342 (mit Text); A. Schmidt: Zur Geschichte der älteren Universität Würzburg. S. 95f. Wendehorst: Neumünster S. 501; J. Fr. Abert: Aus der Geschichte der ersten Würzburger Universität unter Bischof Johann von Egloffstein. S. 7ff., 10, 13-16; UBW M.ch.f.62, fol. 278-279; A. Amrhein: Reihenfolge I S. 228 Nr. 687; A. Schmidt: Zur Geschichte der älteren Universität Würzburg. In: WDGBl 11/12,1949/50, 88, 91 I. Denzinger: Einige Notizen über den Hof Katzenwicker.In: AU 10,1850,H.2.3,264-299 A. Amrhein: Reihenfolge der Mitglieder des adeligen Domstiftes zu Wirzburg. Würzburg 1889 (AU 32,1889) Bd. I, S. 228 Nr. 687.

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- Johannes Leonis OFM-Provinzial wurde 1407 in der Franziskanerkirche zum Dr. theol. promoviert. Ob er dann als Lehrer in Würzburg tätig war, ist nicht gesichert. - Magister Waltherus OCarm; 1409 als professor sacrae pagine in Urkunden er- wähnt - Johannes von Karlstadt, OSA; Weihbischof122 - Gerlach von Alsfeld OSA, sacre theologiae professor, Dr. theol. um 1415 in Erfurt; 1419 in Würzburg als Theologe am Domstift und Domprediger; ihm folgt: - Johannes von Münnerstadt OP, 20.12.1427 Prof. und Domprediger auf 3 Jahre; einziger Prof. des Generalstudiums zu dieser Zeit. B) als Lehrer des canonischen Rechts: - Winand Ort von Steeg, hielt kirchenrechtliche, aber keine theologischen Vorlesungen von 1403 bis 1411 - Heinrich von Gulpen OSB, Mag. art.; decretorum doctor - Johann Adolfi, Lic. in decretis, Prof. 1412 - Johann Zantfurt, doctor decretorum, Lehrer des kanon. Rechts, ermordet 1413 Kraft von Schwarzach, decretorum doctor und Ludwig Phuzinger, in utroque iure baccalaureus kommen in derselben Gutachtensammlung vor, die Heinrich von Gulpen und Gerlach von Alsfeld 1423/24 erstellten; von einer Universitätsbeteiligung wissen wir nichts.123 C) als Lehrer der Artistenfakultät124: - Albert Retz, vor 1412; ging dann nach Erfurt - Johann Zurcher, Bacc. art. in Würzburg; als Domvikar 1415 in Bamberg bzeugt; gestorben vor dem 30.1.1425 In der Bulle vom 4.1.1406 (ausgestellt in Viterbo) beauftragte Papst Innozenz VII. (14041406) den Bischof von Augsburg, den Domdekan von Mainz und den Dekan von Stift Haug in Würzburg mit dem persönlichen, wirtschaftlichen und juristischen Schutz der neuen Schule und ihrer Personen in Würzburg.125 Am 2.10.1410 stellte Johann von Egloffstein ein Privileg für die von ihm gegründete hohe Schule aus. Wegele nennt es den nachträglich ausgestellten Stiftungsbrief. Darin wies er der Universität bestimmte Einkünfte zu, mehr auf seine Kosten als auf die des Domkapitels und er versuchte das Domkapitel stärker in die Universität einzubinden. An Stelle des Bischofs, der oft verhindert ist, erhielt der Domdekan oder sein Stellvertreter das Recht der Verleihung des Magisteroder Doktortitels. Der Domdekan Otto von Milz siegelte dieses Privileg mit.126 Mit gleichem Datum verpflichteten sich der Rektor, die Professoren und die Studierenden, die ihnen vom Bischof verliehenen Privilegien zu beobachten.127 Auch der Bürgermeister und der Rat der Stadt Würzburg versprechen mit gleichem Datum, die Privilegien der Hochschule aufrecht zu erhalten und die Lehrer und Schüler derselben zu beschützen.128 122

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A. Zumkeller: Die Pflege der Studien bei den Würzburger Augustinern von den Anfängen bis zur Gegenwart. In: WDGBl 54,1992,177-193; A. Zumkeller: Urkunden und Regesten zur Geschichte der Augustinerklöster Würzburg und Münnerstadt, bearb. v. Adolar Zumkeller OSA. Würzburg 1966/67.- Nr. 230; Braun I, S. 51f. München, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Geh. Hausarchiv, Hs. 12 mit den Bildnissen von Winand von Steeg (Selbstbildnis), Gerlach von Alsfeld und Heinrich von Gulpen. Ein Zusammenhang mit der Universität ist nicht direkt erkennbar; A. Schmidt: Zur Geschichte der älteren Universität Würzburg. In: WDGBl 11/12,1949/50,90f.; R. Leng: Die Erstgründung der Universität im Jahre 1402. In: Blick. Sonderausgabe 2002.- S. 11-16 (mit den Abbildungen aus der Münchner Handschrift) Zu beiden Artisten: Fr. Machilek: Zur Geschichte der älteren Universität Würzburg. S. 161 Wegele II Nr. 3, S. 6ff. Wegele II Nr. 4, S. 8ff.; Wegele II Nr. 5, S. 13f. Wegele II Nr. 6, S. 14ff.. A. Schmidt: Zur Geschichte der älteren Universität Würzburg. In: WDGBl 11/12, 1949/50, 86ff.

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Kaum unterrichtet sind wir darüber, wer hier in Würzburg studierte. Mit Ausnahme der beiden Ordensangehörigen Nikolaus Gentz aus dem Augustinerorden und Johannes Leonis, dem Franziskanerprovinzial, die hier zu Doktoren der Theologie promoviert wurden, kennen wir keine Studierenden mit Namen.129 Der gute Ruf der neuen Universität wurde stark angezweifelt, wie uns der Vers deutlich machen soll, den uns Trithemius überliefert: „Balnea, census, amor, lis, alea, crapula, clamor: Impediunt multum Herbipoli studium.“ Wegele trägt die Information nach, dass obiges Distychon schon vor 1355 entstanden ist, denn es finde sich schon in der Originalhandschrift des Michael de Leone.130 Um es schon hier zu sagen, auch die von Trithemius (unter dem Jahre 1402) erwähnte förmliche Verlegung der Würzburger Hohen Schule nach Erfurt und den Weggang der Würzburger Studenten dahin, findet Wegele in den Quellen nicht bestätigt, auch wenn Fries und Gropp diese Nachricht des Trithemius wiederholen. „Es waren Namen von gutem Klang und Männer von wissenschaftlicher Bedeutung, die jene erste Würzburger Hochschule in nicht geringer Zahl um sich sammelte. Trotzdem setzte bereits seit 1411, verstärkt seit 1412/13, ein unaufhaltsamer Niedergang der jungen Schöpfung ein. Es war kein plötzliches Aufhören mit einem Schlag ... noch in den 20er Jahren des 15. Jahrhunderts hielt man die Fiktion der Hochschule in Würzburg aufrecht. Im Jahre 1419 sprach Papst Martin V. in einer feierlichen Bulle von dem „Studium Generale“, das in Würzburg blühe; man redete noch 1427 in einer Urkunde davon, als ob die Universität immer noch („adhuc“) bestehe; es lebten noch Lehrer der Hochschule in Würzburg und dozierten wohl auch daselbst vor einem schwindenden Hörerkreise, wie Magister Johannes Adolfi, Frater Johann von Münnerstadt, Magister Gerlach von Alsfeld u. a.“ 131 Am 22.11.1411 starb Johann von Egloffstein ohne daß sein Studium generale innere und äußere Stabilität erlangte. Zum Niedergang hat sicher geführt das geringe Finanzkapital, die unzulängliche Dotation der Universitätseinrichtung132, das Versäumnis, die Pfründe auf ewige Zeiten zu reservieren; dazu kamen Münzverschlechterung133, und auch der Streit Johanns von Egloffstein mit der Stadt und mit seinem Domkapitel. 134 Der Vertrag Johanns mit dem Domkapitel vom 2.10.1410 hat sicher die Wogen geglättet, aber mit dem Tod Johanns von Egloffstein 1411 und dem an der Universität wenig interessierten Nachfolger Johann von Brunn (gewählt im Dez. 1411, providiert am 18.3.1412) scheint der Niedergang begonnen zu haben. Für den am 30.11.1413 ermordeten Rektor Johannes Zantfurt wurde kein Nachfolger gewählt. Aloys Schmidt betrachtet die Universität spätestens im Jahre 1419 als aufgehoben und beruft sich dabei auf den Traktat Winands von Steeg „Adamas colluctantium aquilarum“ aus diesem Jahr. Darin bemerkt der Verfasser, dass das Studium in Würzburg aufgehoben sei.135 Aus den Quellen lassen sich zwei theologische Promotionen der 1. Universität erheben: 129

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R. Chr. Schwinges: Deutsche Universitätsbesucher im 14. und 15. Jahrhundert. Studien zur Sozialgeschichte des Alten Reiches. Stuttgart 1986.-(Veröff.d.Inst.f.europ.Gesch.Mainz. Abtl. Universalgesch.;123; Beitr. z. Sozial- u. Verf.gesch. d. Alten Reiches;6.) Trithemius: Ann. Hirs. p. 295; Wegele I, S. VIII Anm. 1, S. 23 mit Anm. 1; Vgl. A. Ruland: Die Würzburger Handschrift der k. Universitäts-Bibliothek zu München. In: AU 11,H.2/3, 1851,27; J. Kurz: Michael de Leone. Ein Beitrag zur Geistes- und Kulturgeschichte des 14. Jahrhunderts. München: 1955.166 Bl. Zugl München, Univ., Phil.Fak., Diss 1955; G. Lamping: Michael de Leone. In: Fränkische Lebensbilder 4,1971,87 J. Fr. Abert: Aus der Geschichte der ersten Würzburger Universität unter Bischof Johann von Egloffstein. S. 24f. „Im Jahre 1406 bezifferte Papst Innozenz VII. die Schuldenlast des Hochstifts mit der gewaltigen Summe von 2,5 Millionen Gulden“. R. Leng: Die Erstgründung der Universität im Jahre 1402. S. 12 A. Schmidt: Zur Geschichte der älteren Universität Würzburg. In: WDGBl 11/12,1949/ 50,87 Am 22. Mai 1408 ließ Johann 7 Domherren verhaften und auf das Schloss Marienberg abführen; darunter waren: Eberhard Graf von Wertheim, der bei der Bischofswahl mit Johann von Egloffstein gleich gelegen hatte und nur durch Entscheid des Königs Ruprecht aufgeben musste; Konrad Zobel von Giebelstadt zu Guttenberg; Konrad von der Kere, der Ältere, Landrichter des Herzogtums Franken; Theoderich von Giech, Otto von Egloffstein; Werner von Hagen u.a; vgl. Amrhein: Rheihenfolge I, S.243f. A. Schmidt: Zur Geschichte der älteren Universität Würzburg. In: WDGBl 11/12,1949/ 50,88

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Der Augustiner Nikolaus Gentz, Bacc. aus Erfurt, übersiedelte mit päpstlicher Erlaubnis nach Würzburg, um hier 1405 zum Doktor der Theologie promoviert zu werden. Jedenfalls wird er, nach Erfurt zurückgekehrt, „in Herbipoli doctoratus“ in die Fakultät aufgenommen.136 Aber auch die Quellen der Franziskanerminoriten berichten von einer Promotion in Würzburg. „Item anno dni. MCCCCVII fuit capitulum in Herbipoli, in quo magistratus est rev. Pater Johannes Leonis minister completo ibidem pro magisterio suo curso anno officii sui XVI.“ Johannes Leonis OFM wurde also 1407 in der Franziskanerkirche zum Dr. theol. promoviert. „Wie denn auch B. Müller [in seiner „Chronica de ortu et progressu almae provinciae Argentinensis, quae per superiorem Germaniam sacra est b. Elisabethae, Fratrum Minorum S. P. Francisci Conventualium“ von 1703] ausdrücklich sagt, der Provinzial habe den Doktorgrad ‚in universitate Herbip. propugnatis publice difficilioribus quaestionibus‟ erlangt.“ 137 3. Das Residuum Von der Gründeruniversität zur Neugegründeten Universität Das Domkapitel von Würzburg, wohl doch interessiert an der Bildung des Klerus, scheint sich für einen anderen Weg als den des Studium Generale entschieden zu haben. Es gründete ein Institut, das die Lehrtradition der Universität mit den Bedürfnissen der Seelsorgeausbildung des Klerus und der Verkündigung in der Predigt (und nur damit) verbinden sollte. Für die Universität stellte sich dieses Institut als Residuum der Universität dar, indem es wenigstens für die Theologische Fakultät den Anschein eines Fortbestehens ermöglichte. Wie weit sich das Domkapitel an dem Aufblühen der Predigerstellen etwa in Städten wie Nürnberg und Bamberg orientierte, lässt sich nicht mehr eindeutig belegen; die Parallele ist aber nicht zu übersehen. „In Würzburg konnte man vorerst die Kosten für die Errichtung einer solchen (Prediger)Pfründe sparen, weil sich ein hervorragender Lehrer der um 1402 gegründeten neuen Universität, Winand Ort von Steeg, unentgeltlich für die Domkanzel zur Verfügung stellt, spätestens seit 1407.“ 138 Braun hält es in diesem Zusammenhang für wichtig festzuhalten, daß das Ordenskapitel der Franziskanerminoriten von 1411 beschloß, die oberdeutsche Provinz, der das Würzburger Kloster angehört, solle ihre Studenten nach Oxford, Cambridge, Erfurt, Orleans, Gran (Esztergon), Wien, Pisa, Köln, Rom und Assissi schicken; von einem Würzburger Studium ist keine Rede mehr.139 Bernhard Pedraglia, und ihm schlossen sich manch andere an, deutete das Verhalten der Würzburger Bischöfe in der Folgezeit so, dass die Universität – wenigstens die Theologische Fakultät – bis zur Neubelebung in der Echterschen Universität nie aufgehört hätte zu existieren. Es wird berichtet, dass der Fürstbischof selbstverständlich für sich das Recht in Anspruch nahm, Leute zu graduieren.140 Und die erneuerten Privilegien des 136

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E. Kleineidam: Universitas studii Erfordensis...T. I. 1964.- S. 268; 2. Aufl. 1969.- S. 394; A. Zumkeller: Die Pflege der Studien bei den Würzburger Augustinern von den Anfängen bis zur Gegenwart. In: WDGBl 54,1992,180; Th. Beckmann († ), A. Zumkeller: Geschichte des Würzburger Augustinerklosters von der Gründung im Jahre 1262 bis zur Gegenwart. Würzburg 2001.- S. 72 K. Eubel: Geschichte der oberdeutschen (Straßburger) Minoriten-Provinz. Würzburg 1886.- S. 164 mit Anm. 708 Wegele I, S. 27f.; Th. Freudenberger: Der Würzburger Domprediger Dr. Johann Reyss. S. 9; zu den Prädikaturstiftungen s. a. Fr. Machilek in: HBKG. Bd. I. 1999.- § 33, S. 509ff. Braun I, S. 52, weist hin auf die Anm 148 bei K. Eubel: Geschichte der oberdeutschen MinoritenProvinz. Würzburg 1886 B. Pedraglia: Alma Julia. Ein Gedenkblatt zur Feier des 300jährigen Jubiläums der Julius-MaximiliansUniversität zu Würzburg. Würzburg 1882.- 28 S. Eine ähnliche Situation schildert G. Kaufmann von Parma; dort ließ eine Art Doktorenkollegium der Juristen eine Promotionsfakultät fortbestehen. Vgl. G. Kaufmann: Geschichte der deutschen Universitäten. Bd. I. Stuttgart/Graz 1888/1958.- S. 236ff.; Wegele I, S. 29 („die Schöpfung war trotz ihrer kurzen Dauer gleichwohl nicht verloren, ein Residuum

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Papstes von 1575 betonen ja, dass es sich um eine Neubelebung einer ehemals gegründeten Hohen Schule handele.141

Exkurs: Der Domprediger – Der Domtheologe Jenes von Wegele und Pedraglia beschriebene Residuum, das an die 1. Universität anschloss, bestand darin, dass Bischof Johann von Brunn das Domkapitel am 19. 10. 1419 verpflichtete, „einen Magister oder, falls ein solcher nicht zur Verfügung stehe, wenigstens einen Lizentiaten oder Baccalaureus der Theologie anzustellen, der dem neuen Officium praedicandi et legendi vorstehen sollte.“ 142 Die vom Domkapitel berufenen Domprediger sollten also auch die akademische Qualifikation eines Universitätslehrers haben. Es ist aber nicht zu übersehen, dass das Ziel, weshalb Johann von Egloffstein eine Universität errichten wollte, nämlich der Erwerb akademischer Grade, sich nun eindeutig auf die Ausbildung des Klerus und die Unterweisung des Volkes verschoben hatte. Das Domkapitel, dem die Forschung die Hauptschuld am Zusammenbruch der neuen Universität zurechnet, nahm es selbst in die Hand, für die Ausbildung der angehenden Kleriker zu sorgen. „Der dafür verantwortliche Mann, der Domscholaster Heinrich von Gräfendorf tat, was in seinen Kräften stand. Mit Zustimmung des Domkapitels verfügte er, dass die Einkünfte seiner zahlreichen Obleigüter von Petri Cathedra (22. Februar) 1419 an zehn Jahre lang zum Ankauf von Zinsgütern verwendet werden sollten. Der Ertrag sollte dann zur Besoldung eines Magisters oder Baccalaureus der Theologie oder einer anderen genügend vorgebildeten Lehrkraft dienen, die mit der Abhaltung von theologischen Vorlesungen an der Würzburger Domkirche betraut werden und gemeinsam mit dem Domscholaster die regelmäßigen Prüfungen der Weihekandidaten vornehmen sollte.“ 143 Dem Domkapitel gefiel zwar der Plan, aber es war genötigt, eine baldige Lösung zu finden: „Der Bischof soll die reiche Pfarrei Marktbibart dem Domkapitel inkorporieren mit der Auflage, aus den Einkünften den Inhaber des neuen Doppelamtes (Officium legendi et officium praedicandi) zu besolden. Bischof Johann von Brunn ging auf diesen Vorschlag ein. Am 19. Oktober 1419 vollzog er kraft seiner ordentlichen Gewalt die Inkorporation und verpflichtete zugleich das Domkapitel, einen Magister oder, falls ein solcher nicht zur Verfügung stehe, wenigstens einen Lizentiaten oder Baccalaureus der Theologie anzustellen, der dem neuen Officium praedicandi vorstehen sollte.“ 144

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in den theologischen Studien blieb ja doch zurück“); Kl. Wittstadt: Eine spätmittelalterliche Bildungsinitiative mit Zukunft. In: Blick. Sonderausgabe 2002.- S. 17-23 Scheps spricht von einem „Fortvegetieren einer Theologischen Fakultät nach 1413“ und verweist auf Trithemius (unter dem Jahr 1392!): „His temporibus Gymnasium universale, quod noviter ante paucos annos in Civitate Francorum Orientalium Herbipoli fuerat institutum, propter dissensiones continuas, quae inter Cives et Episcopum vertebantur, valde coepit debilitari: unde consilio inter se habito magistri atque Doctores de translatione eius ad Erfordiam Maguntinae Dioecesis oppidum Romani Pontificis impetravere censum. Unde mox ab eo tempore Bonifacio Papa IX. annuente domus in Erpfurd pro susceptione Scholasticorum comparari et aedificari coeperunt: manente tamen apud Herbipolim Gymnasio cum privilegiis, et Conservatorijs suis (quorum unus fuit Decanus S. Joannis in Haagis) usque ad secundum annum Friderici Abbatis, ut loco inferius conveniente plenius dicemus. De causis vero desolationis memorati Herbipolensis Gymnasij, sic quidam eo tempore dixit: Balnea, Census, amor, lis, alea, crapula, clamor: Impediunt multum Herbipolense studium“. Trithemius spricht also von einem „gymnasium universale“. Kaiser Maximilian dagegen bestätigt und erhebt die in der fränkischen Bischofsmetropole bestehenden Schuleinrichtungen als studium universale et gymnasium, d. h. als Universität und damit verbundene Lateinschule. Vgl. Trithemius: Annales Hirsaugenses. St. Gallen 1690.- Bd. 2 S. 295f; G. Schepss: Magistri Petri Poponis Colloquia de scholis Herbipolensibus. Ein Beitrag zur Vorgeschichte der Würzburger Hochschule als Festgabe zu deren dreihundertjährigem Jubiläum aus einer Handschrift des XV. Jahrhunderts. Würzburg 1882.- S. 16 Anm. 29; P. Baumgart: 400 Jahre Privilegierung der Julius-Universität zu Würzburg (1575-1975). 1975.- S. XVIII; Zu den irrigen Jahresangaben des Trithemius siehe schon Wegele I, S. 22ff. Th.: Freudenberger: Der Würzburger Domprediger Dr. Johann Reyss. S. 11; Kl. Wittstadt: Eine spätmittelalterliche Bildungsinitiative mit Zukunft. S. 22; A. Zumkeller: Die Pflege der Studien bei den Würzburger Augustinern von den Anfängen bis zur Gegenwart. In: WDGBl 54,1992,177-193. Th.: Freudenberger: Der Würzburger Domprediger Dr. Johann Reyss. S. 10 Zur Besoldung des Dompredigers dienten also die am 19. Oktober 1419 dem Domkapitel inkorporierte Pfarrei Marktbibart, sowie dann auch die aus den Obleigütern angesammelten Gelder des 1420 verstorbenen Domscholaster Heinrich von Gräfendorf und aus verschiedenen Zustiftungen aus den Ver-

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Zur Besoldung des Dompredigers dienten also die am 19. Oktober 1419 dem Domkapitel inkorporierte Pfarrei Marktbibart, sowie dann auch die aus den Obleigütern angesammelten Gelder des 1420 verstorbenen Domscholaster Heinrich von Gräfendorf und aus verschiedenen Zustiftungen aus den Vermächtnissen verschiedener Domherren, z.B. Totengedächtnisse.145 Das Domkapitel berief am 4.11.1419 den Augustiner Gerlach von Alsfeld, der um 1413 in Erfurt zum Magister der Theologie promoviert worden war und der an der 1. Universität möglicherweise - Zumkeller bestreitet dies - schon Lehrer der Heiligen Schrift gewesen war. „Er verband die Lehrtradition der Universität mit dem neuen Amt. Seine Aufgaben sollten darin bestehen, Vorlesungen in der Theologie abzuhalten, in der Volkssprache zu predigen und schließlich die Fortbildung des Klerus in besonderen Vorträgen zu übernehmen.“ 146 Dazu gehörte auch die Prüfung der Weihekandidaten zusammen mit dem Domscholaster. Gerlach von Alsfeld starb wohl 1427. Sein Nachfolger wurde am 20.12.1427 der Dominikaner Johannes von Münnerstadt, ein Baccalaureus aus Köln.147 Zu den Dingen, die der Domprediger auch als Aufgabe hatte, gehörte die Unterweisung und Prüfung des Seelsorgeklerus. Der Seelsorgeklerus wiederum hatte neben den liturgischen Handlungen die ‚Katechetischen Hauptstücke‟ weiterzugeben und auch in bestimmten Fällen abzufragen. In der Würzburger Synode, die Gottfried IV. Schenk von Limburg (1443-1455) am 17. April 1453 abhielt, verpflichtete der Bischof die Pfarrer ausdrücklich, den Gläubigen an den Sonntagen die Texte des Vaterunsers, des Ave Maria, des Glaubensbekenntnisses und der Zehn Gebote – die Katechetischen Hauptstücke - zu explizieren. Wer diese Texte nicht rezitieren könne, dürfe, außer im Notfall, nicht zu den Sakramenten zugelassen werden.148 Diese Anweisung dürfte auf Mainzer Ursprünge zurückgehen. Wir finden sie noch in einem Missale Moguntinum, das Peter Drach 1517 und 1520 in Speyer herausbrachte, nach den Cautelae und vor dem 1. Adventsonntag. Die sogenannten „Katechetischen Hauptstücke“ sind hier noch umfangreicher: Glaubensbekenntnis, 10 Gebote, 9 „fremde“ Sünden, 8 Seligkeiten, 7 Todsünden, 7 Sakramente, 7 Gaben des Hl. Geistes, 7 Sünden wider den Hl. Geist, 7 geistliche Werke der Barmherzigkeit, 7 Vaterunser-Bitten, 5 äußere Sinne, 4 „himmelschreiende“ Sünden, 4 Kardinaltugenden, 3 Theologische Tugenden und 2 Hauptgebote. Dieser kleine Katechismus findet sich in den Beichtbüchern und Agenden in ähnlicher Form immer wieder. Immer wieder wurde die Pfarrgeistlichkeit in Synoden und in den Handbüchern für die Seelsorge aufgefordert, den Gläubigen am Sonntag diese Katechetischen Hauptstücke vorzutragen, damit sie auswendig gelernt werden konnten.149 mächtnissen verschiedener Domherren, z.B. Totengedächtnisse; Th.: Freudenberger: Der Würzburger Domprediger Dr. Johann Reyss. S. 10f. 145 146

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Th.: Freudenberger: Der Würzburger Domprediger Dr. Johann Reyss. S. 10ff. mit Anm. 23.26.27 Kl. Wittstadt: Eine spätmittelalterliche Bildungsinitiative mit Zukunft. S. 22; Am 14.3.1420 hat das Domkapitel noch näheren Aufschluß darüber gegeben, wie es zu dem Plan der Anstellung des Theologen und Predigers am Würzburger Dom kam. Siehe dazu: Th. Beckmann († ), A. Zumkeller: Geschichte des Würzburger Augustinerklosters von der Gründung im Jahre 1262 bis zur Gegenwart. Würzburg 2001.- S. 83 mit Anm. 450; A. Zumkeller: Die Pflege der Studien bei den Würzburger Augustinern von den Anfängen bis zur Gegenwart. In: WDGBl 54,1992,180f. (widerspricht A. Wendehorst, Gerlach sei Lehrer an der Universität gewesen, da er nicht vor 1413 in Erfurt promoviert wurde. (dazu: A. Wendehorst: Germania Sacra. Das Bistum Würzburg, T. II. Berlin 1969.- S. 139) A. Zumkeller: Die Pflege der Studien bei den Würzburger Augustinern von den Anfängen bis zur Gegenwart. In: WDGBl 54,1992,180f.; Th. Freudenberger: Der Würzburger Domprediger... S. 11; VL2 6, Sp. 779f. Fr. X. Himmelstein: Synodicon Herbipolense. Würzburg 1855.- S. 306; P. Th. Lang: Die Synoden in der alten Diözese Würzburg. In: Rottenburger Jb für KG 5,1986,71-84, hier S. 81; Wendehorst: Das Bistum Würzburg. T. 2: Die Bischofsreihe von 1254 bis 1455. Berlin u.a. 1969.- S.183 Fr. W. Oediger: Über die Bildung der Geistlichen im späten Mittelalter. Leiden 1953.- S. 101ff.; L. K. Walter: Missale Moguntinum und Missale Romanum. In: WDGBl 62/63, 2001,42ff. (Festgabe für Klaus Wittstadt)

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C. Braun hielt freilich den Domprediger nur für einen dürftigen Ersatz für das Universitätsstudium, sodaß diesem weitere Lehrkräfte hätten beigegeben werden müssen. Diese Erzieher des Klerus sieht er in den Weihbischöfen gegeben, die, meist aus den in Würzburg ansässigen Orden genommen, in den Räumlichkeiten der Domschule Unterricht für den zukünftigen Klerus und für die Weltgeistlichen geben konnten.150 Am 20. Juni 1554 genehmigte Papst Julius III. (1550-1555) die Bitte des Bischofs Melchior von Würzburg, dass in den Stiften Neumünster, Haug und St. Burkard an drei Doktoren der Theologie zum Zwecke des orthodoxen theologischen Unterrichts und der Predigt dauernd 3 Pfründe verliehen werden.151 Diese Pfründe dienten dann zum Teil für die Domprediger oder die Lehrer an den höheren Schulen in Würzburg. Reihenfolge der Domtheologen / Domprediger / Theologieprofessoren: (nach: Th. Freudenberger, ergänzt in Kursiv mit K.G. Scharold u.a.)152 Nicht aufgeführt sind hier im Einzelnen alle Weihbischöfe, obwohl sie meist auch theologische Vorlesungen für die Stiftsvikare und den Weltklerus zu halten hatten. Von den Weihbischöfen zwischen 1451 und 1554 glaubt C. Braun nachweisen zu können, dass sie alle berufsmäßig Unterricht gegeben haben.153 ca. 1407-1411 1416 1419 Nov. 4 1427 Dez. 20 1446 1448 1473 1474-1476 150 151

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Winand Ort von Steeg Heinrich Zink, Pf. zu Kitzingen Gerlach von Alsfeld OSA Johannes von Münnerstadt OP Magister Antonius (möglicherweise übernahm er das Amt schon früher) Lic. theol. Johannes Schimmelpfennig aus Fulda Mag. Art., Lic. iur. can. Johann Keller (Hans Kelner) Sigismund Meisterlin (OSB)154

C. Braun: Geschichte der Heranbildung des Klerus in der Diöcese Wirzburg. Bd. 1.- S. 76ff. Text bei Wegele II, Nr. 8 S. 22-26; Th. Freudenberger: Die Anfänge der Doktorpfründe. S. 231f. (Breve „In apostolicae dignitatis‟ vom 20. Juni 1554); Papst Paul V. bestätigte dem Bischof Gottfried (Johann Gottfried von Aschhausen) von Bamberg, Erwählten (vom Papst bestätigt am 12.2.1618!) von Würzburg die Verleihung je eines Canonicats an den drei Stiften Haug, Neumünster und St. Burkard an je einen Doktor und Lehrer der Theologie. Rom 17.Febr. 1618. Wegele II, Nr. 95; H. Wagner: Die Äbte von St. Burkard zu Würzburg im Mittelalter. In: WDGBl 50,1988,11-41; M. Wieland: Historische Darstellung des Stiftes St. Burkard zu Würzburg. In: AU 15, H.2.3,1861,1-178, hier 50, 173; H. Wagner: Die Äbte von St. Burkard zu Würzburg im Mittelalter. In: WDGBl 50,1988,11-41 nach: Th. Freudenberger: Der Würzburger Domprediger Dr. Johann Reyss. S. 14ff.; ergänzt in Kursiv u.a. mit K. G. Scharold: Geschichte und Beschreibung des St. Kilians-Doms oder der bischöflichen Kathedralkirche zu Würzburg. In: AU 4,1837,H.1,1-148, 2 Taf. (mit der Reihe der Domprediger 1416-1805); Fr. Machilek: BKG § 31 Die Domkapitel. c) Reformbedürftigkeit und Reformansätze. Die Domprädikaturen. Bd. 1,1 S. 492; Wenigstens am Rande sei erinnert an die liturgischen Bestrebungen, die in den Drucken der liturgischen Büchern zum Ausdruck kam. Vgl. H. Engelhart: Die frühesten Druckausgaben des Missale Herbipolense (1481-1503). Ein Beitrag zu einem “Census” der liturgischen Drucke aus der Offizin Georg Reysers in Würzburg. In : Kirche und Glaube – Politik und Kultur in Franken. Festgabe für Klaus Wittstadt zum 65. Geburtstag. Würzburg 2001.- S. 69-174 (WDGBl 62/63); A. Wendehorst: Stadt und Kirche. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 255-271, hier S. 270f. Johann Hutterl OFM (1451-1478), Georg Antworter OFM (1479-1499), Kaspar Grünwald OP (1499-1512), Johann Pettendorfer (1512-1523, wurde protestantisch), Paulus Huthen (unsicher, ob er Vorlesungen hielt), Johannes Reutter OCarm (1528-1536), Augustinus Marius CSA (1536-1543), Georg Flach OSB (1543-1564). Braun I, S. 77f. Benediktinermönch aus der Abtei St. Ulrich und Afra in Augsburg bis 1457, Studium in Italien, Aufenthalt in St. Gallen, in Murbach Novizenmeister und Bibliothekar, Ruffach im Elsaß, Ruf nach Würzburg im Frühjahr 1474 oder gegen Ende 1475, unzufrieden mit der Besoldung bewirbt er sich um ein päpstliches Benedfizium, bevor die dispens erteilt wurde (7.5.1476, bekam er die Würzburger Pfarrei Laudenbach (am 29.3.1476 schon erwähnt), im Oktober 1481 Tausch mit Gründlach bei Nürnberg, Streit mit dem Würzburger Stadtrat wegen einer Predigt (30.11.1476) in der er den vom Stadtrat bestellten Pfleger des Bürgerspitals vorwarf in die eigene Tasche zu wirtschaften, wohl 1477 Prediger an St. Sebald in Nürnberg, doch er bewarb sich nochmals um die Predigerstelle in Würzburg; gest. 18.12.1483; Th. Freudenberger: Der Würzburger Domprediger Dr. Johann Reyss. S. 33f.; VL 2 6,

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1475-1476 1477 ca. 1478 1481 1484-1489 ca. 1488 19.9.1503 12.11.1517 Juli 1520 3.2.1522 1525 1526 1527-28 1529

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P. J. Bosch OP155 Dr. Johannes, gen. Kaisersberg; er hatte die Predigerstelle in Würzburg bereits angenommen, aber unter dem Einfluß des Straßburger Peter Schott d. Ä. nicht angetreten, sondern ließ sich in Straßburg nieder.156 Benedikt Elwanger aus Nürnberg157 Wilhelm Burkard Seitz 158 Bacc. theol. Johann Steinbach (spätestens Pfingsten 1490) Dr. Johann Reyss (1457-11.7. bzw. Vor 18.8.1517)159 (der für die Nachfolge vorgeschlagene Andreas Bodenstein aus Karlstadt wurde wegen stimmlicher Probleme nicht in die engere Wahl genommen) Lic. theol. Johann Neubaur160 Paulus Speratus (gest. 1551)161 Johannes Poliander, 1524 nach Nürnberg (gest. 1541) 162 Johann Haner163 M. Paulus Hagen, Augustiner-Prior 164 Thomas Plum, Prior des Dominikanerklosters Weihbischof Johann Reuter OCarm (WB 29.7.1528-† 8.2.1536) oder Augustinus Marius165

Sp. 356-366; LThK3 7, Sp.74; A. Wendehorst: Stadt und Kirche. In: Die Geschichte der Stadt Würzburg. Bd.1, S. 271 mit Anm. 142 L. Sprandel-Krafft: Über die Bibliothek der Würzburger Dominikaner am Ende des Mittelalters. In: WDGBl 48,1986,393 LThK2 4, Sp. 606f.; LThK3 4, Sp. 364f.; BBKL 2, Sp. 194f.; VL2 II, 8ff.; V, 251; Th. Freudenberger: Der Würzburger Domprediger Dr. Johann Reyß. S. 34f.; L. Weiß: Baseler Studenten aus dem Bistum Würzburg (1460-1529). S.232 (inskribiert im SS 1471); U. Israel: Johannes Geiler von Kaysersberg (1445-1510). Der Straßburger Münsterprediger als Rechtsreformer. Berlin 1997; zgl. Diss. Berlin 1995; Kl. Wittstadt: Seelsorge und Frömmigkeit im frühneuzeitlichen Würzburg (1525-1814). In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd.2, Stuttgart 2004.- S. 333 Fr. Machilek: Astronomie und Astrologie. Sternforschung und Sternglaube im Verständnis von Johannes Regiomontanus und Benedikt Ellwanger. In: Pirkheimer-Jahrbuch 1989/90, S. 11-32, hier S. 25; Fr. Machilek: HBKG § 31 Die Domkapitel. c) Reformbedürftigkeit und Reformansätze. Die Domprädikaturen. Bd. 1,1 S. 492.- Zu seinen Büchern siehe L. Sprandel-Krafft: Bibliotheken im Bereich des Würzburger Domstifts nach Inkunabeln. In: WDGBl 54,1992,207ff., hier S.229f.; Kl. Wittstadt: Seelsorge und Frömmigkeit im frühneuzeitlichen Würzburg (1525-1814). In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd.2, Stuttgart 2004.- S. 333 K.G. Scharold: Dr. Martin Luthers Reformation in nächster Beziehung auf das damalige Bistum Würzburg. Würzburg 1824 „Spätestens im Jahr 1503 wird ihm das Amt des Dompredigers übertragen. Damit erhält er zugleich den theologischen Lehrstuhl, den das Domkapitel zur Ausbildung des Priesternachwuchses der Diözese im Jahre 1419 nach dem Zusammenbruch der ersten Würzburger Universität errichtet hatte.“ Th. Freudenberger: Der Würzburger Domprediger Dr. Johann Reyss. S. 124f., 117f.; Zu seinen Büchern siehe L. Sprandel-Krafft: Bibliotheken im Bereich des Würzburger Domstifts nach Inkunabeln. In: WDGBl 54,1992,207ff., hier S.230; Kl. Wittstadt: Seelsorge und Frömmigkeit im frühneuzeitlichen Würzburg (1525-1814). In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd.2, Stuttgart 2004.- S. 333 Th. Freudenberger: Der Würzburger Domprediger Dr. Johann Reyss. S. 118 Th. Kolde: P. Speratus und J. Poliander als Domprediger in Würzburg. In: Beiträge zur bayerischen KG 6,1900,4975; LThK2 9, Sp. 960f.; ADB 35, 123-135; H-J. König: Paul Speratus. In: Lebensbilder aus Schwaben und Franken 9,1963,18-39; Wendehorst: Neumünster S. 557 LThK2 8, Sp. 588f.; ADB 26,388f.; Fr. Spitta: Zur Lebensgeschichte Johann Polianders. In: ZKG 29,1908,389-395; Wendehorst: Neumünster S.558 M. Sehi: Die Bettelorden in der Seelsorgsgeschichte der Stadt und des Bistums Würzburg bis zum Konzil von Trient. Würzburg 1981.- S. 408 (Bartholomäus Arnoldi von Usingen verteidigte in seinem Libellus de plenariis conciliis die irrigen Auffassungen des Dompredigers von 1524-1526 Johann Haner); A. Zumkeller: Urkunden und Regesten zur Geschichte der Augustinerklöster Würzburg und Münnerstadt, bearb. v. Adolar Zumkeller OSA. 2 Teilbände. Würzburg 1966/67.- I, Nr. 492, 495-497, 505,508f.. nach A. Zumkeller: Die Pflege der Studien. S. 183, war Jakob Leipold OSA von 1525 bis 1547 Prior des Würzburger Konventes Marius leistete seinen Amtseid als Domprediger am 17.7.1529. „Marius eröffnete, wie es seine Pflicht war, eine regelmäßige Predigttätigkeit, von der uns noch einige Stücke erhalten sind; es sind dies seine Fastenpredigten des Jah-

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1530 1536 1543 1552 1553-1560 1559 1561/2 1563 1567 1567 1568 1571 1576 1584-1599 1590-1593 1607 1613

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ein Augustiner-Mönch Jakob Einfalt OFMConv 166 Dr. Michael Wagner 167 Weihbischof Georg Flach OSB 168; P. Endres Seifried OESA, Augustinerprior 169 M. Paul Jäger, Prediger zu Ochsenfurt Dietrich Appel, OP- Prior Prior der Prediger oder des Karmelitenklosters abwechselnd Hofprediger Wilhelm Viridis („wegen Unfleißes entlassen und provisorisch durch Dr. Sebastian Kellermann ersetzt“) Dr. Sebastian Kellermann SJ 170 Christian Rivius (Riccius) SJ171 Dr. Sebastian Kellermann mit Lic. Martius und Dr. Christianus (Rivius) abwechselnd ohne festen Prediger, aushilfsweise Jesuiten Balthasar König, bis 1586 172 P. Adam Nydenus SJ 173 P. Martin Digasser OFM, Guardian174 P. Thomas OFM P. Matthäus Rimäus SJ 175

res 1531, in denen er über die Sakramente der Buße und des Altares sprach, wobei er deren einzelne Teile genau erklärte. Dabei sind alt- und neutestamentliche Texte zugrunde gelegt; die ersteren überwiegen stark. Außerdem kennen wir noch ungedruckte Homilien über das Matthäusevangelium (Kap. 8-11), die im Sommer 1533 als Predigten für Sonn- und Festtage verwendet wurden“. (S. 91).- Marius wurde 1536 Weihbischof und legte das Amt des Dompredigers nieder. Er starb am 25.11.1543.- J. Birkner: Augustinus Marius, Weihbischof von Freising, Basel und Würzburg (1485-1543). Ein Lebensbild. Münster: Aschendorff 1930.-XII,126 S.; Zugl. Würzburg, Univ., Theol. Fak., Diss. 1931 (mit BG); Th. Mauerhoff-Henke: Der Uhu und der Weihbischof - zu einer Schrift des Augustinus Marius. In: Kirche und Glaube, Politik und Kultur in Franken. Festgabe für Klaus Wittstadt zum 65. Geb. In:: WDGBl 62/63,2001,185-194; N. Reininger: Die Weihbischöfe von Würzburg. In: AU 18,1865,106ff., 111ff. „Im Jahre 1536 war vom Würzburger Domkapitel als Domprediger daselbst der Minorit Jakob Einfalt aus Kolmar angestellt worden gegen einen Gehalt von 80 fl., der 1539 erhöht wurde, und mit dem Vorbehalte einer vierteljährigen Aufkündigung, dann unter der ausdrücklichen und für die damalige Zusammensetzung des Würzburger Domkapitels sehr bezeichnenden Bedingung, dass er „in causis haereticis weder disputiere noch schreibe.“ Einfalt wurde bald sehr beliebt und starb zu Würzburg am 19. Juli 1549. In seinem Nekrolog wird er bezeichnet als ‚Dr. theol., Lektor, Cathedr. Herbip. Concionator, Cust. Sueviae Custos ac huius loci guardianus‟“. Vgl. K. Eubel: Geschichte der oberdeutschen (Straßburger) Minoriten-Provinz. 1886.- Anm 558; Th. Freudenberger: Die Anfänge der Doktorpfründe der Universität Würzburg. S.194f. († 19.7.1543?); Im Dienst an der Gemeinde. Würzburg 1972.- S. 218. 229 († 19.6.1543) Th. Freudenberger: Der Würzburger Domprediger P. Andreas Sigifridus OSA (1553-1561). In: Scientia Augustiniana. FS für Adolar Zumkeller, hrsg. von C.P. Mayer und W. Eckermann. 1975.- S. 641-685 (mit Vita und BG); Th. Freudenberger: Die Anfänge der Doktorpfründe der Universität Würzburg. S.244ff., 274 N. Reininger: Die Weihbischöfe von Würzburg. Würzburg 1865.- S. 159-170 Th. Freudenberger: Der Würzburger Domprediger P. Andreas Sigifridus OSA (1553-1561). In: Scientia Augustiniana. FS für Adolar Zumkeller, hrsg. von C.P. Mayer und W. Eckermann. 1975.- S. 641-685; A. Zumkeller: Die Pflege der Studien bei den Würzburger Augustinern von den Anfängen bis zur Gegenwart. In: WDGBl 54,1992,177-193, hier S. 185 (Bacc. theol. Köln 1552, Domprediger 17.11.1553, Winter 1558/59 auch Prior, ab 1560 krank; gest. 23.1.1562!); A. Zumkeller: Urkunden und Regesten zur Geschichte der Augustinerklöster Würzburg und Münnerstadt, bearb. v. A. Z. Würzburg 1966/67.- 981 S., 24 Abb.; Th. Beckmann († ), A. Zumkeller: Geschichte des Würzburger Augustinerklosters von der Gründung im Jahre 1262 bis zur Gegenwart. Würzburg 2001.- S. 130; A. Zumkeller: Der Verlust der Manuskripte des nichtsäkularisierten Würzburger Augustinerklosters in den Zeiten der Säkularisation. In: WDGBl 56,1994,379-390 (hier seine Werke, die auch in der Würzburger Augustinerbibliothek einst vorhanden waren) Th. Freudenberger: Annales Collegii Herbipolensis Societatis Jesu. S. 175 mit Anm. 21a Th. Freudenberger: Annales Collegii Herbipolensis Societatis Jesu. S. 182 mit Anm. 64 Th. Freudenberger: Aus der Studienzeit Liborius Wagners. S. 91 mit Anm. 25 Th. Freudenberger: Annales Collegii Herbipolensis Societatis Jesu. S. 196 mit Anm. 158 K. Eubel: Geschichte der oberdeutschen (Straßburger) Minoriten-Provinz. Würzburg 1886.- S. 90, 124, 168f., 560*, 561*, 739*, 743* Th. Freudenberger: Annales Collegii Herbipolensis Societatis Jesu. S. 209, 210

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1622-1625 1626 1631 1632 1633 1658 1686 1699 1724/ 1729/ 1730 1739 1746 1753 1764 1797 1805

P. Georg Vogler SJ, concionator cathedralis, praefectus scholarum, visitator carceris, confessarius.176 P. Iohannes Maier SJ concionator summi templi, praefectus inferiorum classium et confessarius templi, praefectus sodalitatis civicae.177 verweist wegen der Besatzung durch die Schweden Generalsuperintendent Dr. Christoph Schleupner, Augsburger Konfession M. Adam Harmann, Pf. in Königshofen i. Gr. und Mag. Johann Fr. Pertsch, Augsburger Konfession P. Cornäus SJ P. Leßle SJ P. Philipp Haßfurter SJ, P. Friedrich Neubeck SJ P. Christoph Voß SJ P. Christoph Voß SJ P. Christoph Voß SJ P. Nikolaus Finnberger SJ P. Johann Preis SJ P. Marquard Kretz SJ 178 P. Winter SJ (bis 1796), P. Heinrich Maitre (gest. 1784 als Ex-SJ) Kaspar Heinrich Burkard, Pf. zu Ebersbach Dr. Michael Erhard, Weltpriester (1821 Domkap.)

Das Institut des Domtheologen hielt sich durch auch in den Zeiten als die theologische Fakultät die eigentliche Schulung des Klerus übernahm. Die Aufgaben änderten sich; das officium praedicandi trat in den Vordergrund. Das Konkordat vom 5. Juni 1817 zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Baiern sah im Artikel III Abs. 2 vor: „Bei jedem Capitel werden die Erzbischöfe und Bischöfe nach Vorschrift des heiligen Conciliums von Trient aus den Canonikern einen als Theologen und einen zweyten als Pönitentiar aufstellen.“ 179 Dieser Passus war im Bayerischen Konkordat von 1924 nicht mehr enthalten. Der Codex Iuris Canonici von 1917 kennt jedoch den Theologus canonicus (Domtheologen) im can. 398, im CIC von 1983 can. 507/508 ist er nicht mehr vorgeschrieben. „Das Amt des Domtheologen hat sich wohl überlebt“, kommentieren die Herausgeber.180 4. Die Universität des Julius Echter in Würzburg (Academia Iulia)

Wirsbergs Anfang – Echters Vollendung Äußerst heftig, aber nicht allzu lange hatte der Bauernkrieg die Würzburger Region erschüttert. Ein gewisser Humanismus hatte sich um die Mäzenaten Sebastian von Rotenhan181, Erasmus Neustetter, genannt Stürmer182, Egolf von Knöringen183 und Daniel 176

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Th. Freudenberger: Aus der Studienzeit Liborius Wagners. In: WDGBl 43,1981,97 mit Anm. 12, 110ff. (in den Personalkatalogen von 1622, 1624 und 1625 aber nicht mehr 1626 bezeugt) Th. Freudenberger: Aus der Studienzeit Liborius Wagners. In: WDGBl 43,1981,113 (im Persoalkatalog von 1626 bezeugt) B-S IV, Sp. 1238 H. Ammerich: Das Bayerische Konkordat 1817. 2000 S. II. CIC/1917 can. 398. Lehrbuch des Kirchenrechts auf Grund des Codex Iuris Canonici. Begr. von Eduard Eichmann† , Neu bearb. und hrsg. von Klaus Mörsdorf. 10. Aufl. Bd. 1. München [u.a.] 1959.- S. 440, 447f.; Handbuch des katholischen Kirchenrechts. Hrsg. von Joseph Listl u.a. Regensburg 1983 S. 379

*um 1478 in Rentweinsdorf/Ufr., aus der Familie der fränkischen Reichsritter von Rotenhan, stud. Erfurt, Ingolstadt und Rechtswissenschaft in Bologna, Dr. jur., Assessor am Reichskammergericht in Speyer, 1519 „Das Francken Landt“, berühmte Landkarte von Peter Apian 1533 als Holzschnitt herausgegeben, 1524 Mitglied im Reichsregiment des Fränkischen Reichskreises, unter Bischof Konrad II. von Thüngen in Würzburg Oberhofmeister, entscheidend beteiligt an der Niederschlagung des Baueraufstandes; † 1534 in Rentweinsdorf. Vgl. ADB 29, S. 299-301; NDB 22,S. 102f.; http://de.wikipedia.org/wiki/Sebastian_von_ Rotenhan

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Stiebar184 wieder gefunden. Dieser Humanismus ging bei den Bürgern und dem höheren Klerus, wie auch in anderen Städten, einher mit viel Sympatie für die neu aufkommenden reformatorischen Ideen. Das Schulsystem in Würzburg, bestehend aus der Domschule, den Stifts- und Klosterschulen und den Trivial- und Lateinschulen, scheint kontinuierlich existiert zu haben, ohne das bieten zu können, was Humanismus, Reformation, Konzil und (kurfürstlicher) Staat forderten. Es galt zu sorgen für die Anhebung der allgemeinen, auch literarischen, Bildung, für einen hinreichend gebildeten Klerus für die Seelsorge und immer wichtiger werdend, vor Ort geschulte Beamte für den Staat bereit zustellen.185 182

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*7.11.1522 Schönfeld bei Bayreuth/Ofr., aus oberfränkischer Ritterchaft, humanistische Ausbildung durch seinen Großonkel, den Würzburger Gelehrten, Humanisten und Domherrn Daniel Stiebar (15031555), der zu Erasmus von Rotterdam, Joachim Camerarius (1500-1574) u. a. Humanisten in enger Beziehung stand, 1540 bis 1543 Bildungsreisen durch Italien (Universität Bologna 1543), den Niederlanden (1540 Universität Leiden) und Frankreich, 20.12.1544 Subdiakonat, Kan. im Ritterstift St. Burkard 15381547, 1552 Domkapitular in Würzburg, 1559 Propst des Stiftes Haug in Würzburg, Mäzen der Literaten und Künstler u.a. von Petrus Lotichius Secundus (1528-1560), dem Arzt Johann Posthius (15371597), und dem Niederländer Franciscus Modius (1556-1597), literarische Tätigkeit, Landrichter des Herzogtums Franken 1559-1564, 1561 auch Domdekan in Bamberg, 1565 Propst des Stiftes St. Gangolph, seit 1545 Stiftsherr, 1551 Dekan und 1583 Propst des Stiftes Comburg bei Schwäbisch Hall, wo er zahlreiche Neubauten und eine Gelehrtenbibliothek errichtete, 1564 Domdekan in Würzburg, resign. 1570, Gegnerschaft zu Friedrich von Wirsberg und der Berufung der Jesuiten für das Würzburger Schul- und Universitätsprojekt, Rückzug aus Würzburg 1570 nach Comburg, unter Fürstbischof Julius Echter 1589/90 Rektor der Universität; † 3.12.1594, Grab und Epitaph im Dom zu Würzburg, Leichenpredigt von Nikolaus Serarius SJ (1555-1609); er stiftete ein Stipendium für vier Studierende der Theologie, sowie 1000 Gulden der Bibliothek der Würzburger Jesuiten;vgl. ADB 23, S. 557; BBKL XXI, Sp. 1047-1054; Amrhein: Reihenfolge. II, S. 22; St. Römmelt: Erasmus Neustetter, gen. Stürmer (1523-1594) Domherr zu Würzburg und Propst des Stiftes Comburg. In: Fränk. Lebensbilder 18. Neustadt/Aisch 2000.- S. 33-54; Fr. Baron (Hrsg.): Joachim Camerarius (1500-1574). Beiträge zur Geschichte des Humanismus im Zeitalter der Reformation. München 1978; P. Baumgart: Bildungswesen und Geistesleben (ca. 1525-1814). In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd.2, Stuttgart 2004.- S. 351-381 Johann Egenolph von Knöringen (1537-1575), stud. Freiburg/Br., Domkap. in Würzburg 1561, Scholasticus 20.11.1564, resign.als Scholasticus 1569, zugl. Domherr in Augsburg, Kanonikus in Ellwangen, am 18.5.1573 Fürstbischof in Augsburg; † 4.6.1575. Als Domscholaster bemühte sich Egenolph vor allem um eine Reform der Würzburger Domschule. Vgl. Amrhein: Reihenfolge II, S. 53; Weiteres siehe unten im folgenden Kapitel. *1503 als Daniel Stibar von Buttenheim zu Gassenfurth, stud. Löwen, Subdiakon in Würzburg 22.5.1529, Domkapitular 1530, Propst im Stift Haug zu Würzburg 1536, Landrichter des Herzogtums Franken 1538, Propst in Comburg Okt. 1545, Propst in Neumünster in Würzburg 1546, Dompropst in Würzburg Dez. 1552, auch Domherr in Eichstätt und Bamberg (1543); † 6.8.1555 (Grabplatte im Dom zu Würzburg); vgl. Amrhein: Reihenfolge. II, S. 110, Nr. 1109.- Stiebar pflegte eine lange Freundschaft mit Joachim Camerarius, Philipp Melanchton und Erasmus von Rotterdam, er förderte den Leibarzt von Melchior Zobel und Dichter Johannes Sinapius (Senf, um 1505-1561) und den Schlüchterner Dichter Petrus Lotichius Secundus (1528-1560). Neustetter prägte das literarische Leben mit durch die Freundschaft mit dem bischöflichen Leibarzt Johannes Posthius (1537-1597), dem Niederländer Poeten Franciscus Modius (1556-1597); er stand in Kontakt mit Jacob Micyllus, Paulus Melissus, Konrad Dinner (um 1540-nach 1596) und Caspar Stüblin (1526-1562), die beiden letzteren wirkten als Lehrer am neuen Pädagogium Wirsbergs, und dem Historiker Nikolaus Cisner. Vgl. U. Schlegelmilch: Lateinische und deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd.2. Stuttgart 2004.- S. 713; H.-P. Baum: Das konfessionelle Zeitalter (1525-1617). In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 2.- S. 50-96; P. Baumgart: Die Julius-Universität zu Würzburg als Typus einer Hochschule im konfessionellen Zeitalter. In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Hrsg. von Peter Baumgart. Neustadt a.d.Aisch 1982.- S. 3-29; P. Baumgart: Die Universität Würzburg als Gründung des konfessionellen Zeitalters. In: Beiträge zu Kirche, Staat und Geistesleben. FS für Günter Christ zum 65. Geb. Hrsg. von Josef Schröder. Stuttgart 1994.- S. 245-260; P. Baumgart: Gymnasium und Universität im Zeichen des Konfessionalismus. In: Ufr. Geschichte Bd. 3, Würzburg 1995.S. 251-276; P. Baumgart: Universitätsgründungen im konfessionellen Zeitalter: Würzburg und Helmstedt. In: Beiträge zu Problemen deutscher Universitätsgründungen der frühen Neuzeit. Hrsg. von Peter Baumgart u. N. Hammerstein. Nendeln 1978.- S. 191-215; P. Baumgart: Typen deutscher Universitätsgründungen im konfessionellen Zeitalter. Würzburg und Helmstedt im Vergleich. In: WDGBl 69,2007,49-70; Fr. Kleinehagenbrock: Würzburg als Gegenreformatorisches Zentrum. In: WDGBl 67,2005,63-77; M. Rudersdorf: Konfessionalisierung und Reichskirche. Der Würzburger Universitäts-

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4.1. Das Pädagogium von 1561 Noch wurde im Konzil von Trient (1545-1563) heftig disputiert, als Bischof Friedrich von Wirsberg am 28. April 1561 im aufgelassenen Klarissenkloster St. Agnes mit den Professoren Konrad Dinner186 und Kaspar Stüblin187 aus Freiburg ein Pädagogium errichtete. Dazu kamen Paulus Altdorfer188 für den Hebräisch-Unterricht (mit Anschlag am 22.1.1562 vermeldete er davon) und Johann Bischof „Episcopius“ (Anstellungs-dekret vom 8.5.1561) für die unterste Klasse189. Dies geschah z. T. gegen die Opposition des Domkapitels, „das in Übereinstimmung mit der Würzburger Bürgerschaft eigene Schulpläne für eine ‚gemeine Schule‟ beim Dom verfolgte,“ 190 und auch schon gegen den geplanten Einsatz der Jesuiten.191 Dr. theol. Anton Rescius (Resch) OP begann 1563 mit Psaltervorlesungen.192

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gründer Julius Echter von Mespelbrunn als Typus eines geistlichen Fürsten im Reich (1545-1617). In: Universität Würzburg und Wissenschaft in der Neuzeit. Würzburg 1998.- S. 37-61; H. E. Specker: Die Reformtätigkeit der Würzburger Fürstbischöfe Friedrich von Wirsberg (1558-1578) und Julius Echter von Mespelbrunn (1573-1617). In: WDGBl 27,1965,29-125; P. Süß: Kleine Geschichte der Würzburger Julius-Maximilians-Universität. Würzburg 2002; Universität Würzburg und Wissenschaft in der Neuzeit. Beiträge zur Bildungsgeschichte. Gewidmet Peter Baumgart anlässlich seines 65. Geburtstages. Hrsg. von Peter Herde und Anton Schindling unter Mitarbeit von Matthias Asche. Würzburg 1998; A. Wendehorst: Das Bistum Würzburg. T. 3. Die Bischofsreihe von 1455 bis 1617. Berlin 1978; A. Wendehorst: Stadt und Kirche. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 255-271, Bd. 2. 2004.- S. 308-326; Kl. Wittstadt: Seelsorge und Frömmigkeit im frühneuzeitlichen Würzburg 1525-1814. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 2.- S. 327-348 E. Schubert: Conrad Dinner. Ein Beitrag zur geistigen und sozialen Umwelt des Späthumanismus in Würzburg. In: JffL 33,1973,213-238; H. Ruth: Das Personen- und Ämtergefüge der Universität Freiburg (1520-1620).Diss. phil. Freiburg 2001 (Dinner lehrte Grammatik in Freiburg 1559-1561) Isabel-Dorothea Jahn: Kaspar Stiblin: Commentariolus de Eudaemonensium Republica (Basel 1555). Regensburg 1994; E. Kleinschmidt: Humanistische Frauenbildung in der frühen Neuzeit. Gaspar Stiblins „Coropaedia“ (1555). In: Zs für dt. Altertum und dt. Literatur 127,1998,427-442; H. Ruth: Das Personen- und Ämtergefüge der Universität Freiburg (1520-1620). Diss. phil. Freiburg 2001 (Stüblin lehrte Grammatik in Freiburg 1551-1553) K. J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg 1978.- S. 11 mit Anm. 16, 17, 24 S. 304 Fr. Merzbacher: Zur Lebensgeschichte des Magisters Johannes Episcopius. In: WDGBl 16/17,1954/55,371-374; Johann Bischof (Episcopius): Büchlein von der Statt Würtzburg. UBW M.ch.o.6; Wegele II, Nr. 16, S. 35, Nr. 20, Nr. 21, S. 42f.; P. Baumgart: Bildungswesen und Geistesleben (ca. 1525-1814). In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd.2, Stuttgart 2004.- S. 353; I. Denzinger: Geschichte des Clarissenklosters zu St. Agnes. In: AU 13,1854,1-110; R. Endres: Schulen und Hochschulen. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 313-321; Th. Freudenberger: Die Fürstbischöfe von Würzburg und das Konzil von Basel. Münster/W. 1989; Th. Freudenberger: Die Würzburger Weihematrikel der Jahre 1520 bis 1552. Würzburg 1990; Kl. Ganzer: Aspekte der katholischen Reformbewegungen im 16. Jahrhundert. Stuttgart 1991, auch in: Kirche auf dem Weg durch die Zeit. Münster 1997.- S. 181-211; Kl. Ganzer: Das Konzil von Trient und die theologische Dimension der katholischen Konfessionalisierung. In: Die katholische Konfessionalisierung. Wissenschaftliches Symposion der Gesellschaft zur Herausgabe des Corpus Catholicorum und des Vereins für Reformationsgeschichte 1993, hrsg. von Wolfgang Reinhard u. Heinz Schilling. Münster 1995.- S.50-69, auch in: Kirche auf dem Weg durch die Zeit. Münster 1997.- S. 499-518; Br. Giesecke: Friedrich von Wirsberg (27. April 1558 bis 12. November 1573), Bischof von Würzburg und Herzog von Franken. Der Beginn der Gegenreformation im Bistum Würzburg. Würzburg 1978; Kl. Guth: Die Würzburger Kirche in der Begegnung und Auseinandersetzung mit der Lehre Luthers. In: Unterfränkische Geschichte. Hrsg. von Peter Kolb u. Ernst-Günter Krenig. Bd. III, S. 17-61; E. G. Krenig: Collegium Fridericianum. Die Begründung des gymnas. Schulwesens unter Fb. Friedrich v. Wirsberg. In: Lebendige Tradition (Festschrift z. 400 Jahrfeier des Wirsberg-Gymnasiums. Würzburg 1961) 1-22; E.-G. Krenig: Das Hochstift Würzburg in den Jahrzehnten der Gegenreformation. In: Unterfränkische Geschichte. Hrsg. von Peter Kolb u. Ernst-Günter Krenig. Bd. III, S. 165-218; S. Merkle: Das Konzil von Trient und die Universitäten. Rektoratsrede zur Feier des 323jährigen Bestehens der Julius-Maximilians-Universität zu Würzburg, zugleich zum Gedächtnis von Schillers 100. Todestag. Geh. am 11.Mai 1905. (in: S. Merkle: Ausgewählte Reden und Aufsätze. Würzburg 1965.- S. 244-270); U. Schlegelmilch: Lateinische und deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Bd. 2: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. Stuttgart 2004.- S.703-728, hier S. 707

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Laurentius Albert (*um 1540 Neustadt b. Coburg - † nach 1583), den Grammatiker, vermutet Keller auch in Würzburg.193 Ende 1563 stellte das Pädagogium aber den Betrieb wieder ein. Die Quellen machen den schwachen Besuch der Schule verantwortlich; aber auch äußere Umstände dürften dazu beigetragen haben, wie etwa der Grumbachsche Überfall auf Würzburg oder die Pest in Würzburg in den Jahren 1563 und 1564. Zur gleichen Zeit aber wurde auf Betreiben des Kapitels die alte Domschule reformiert. Daran tat sich besonders der Domscholaster Johann Egenolph von Knöringen hervor.194 Friedrich von Wirsberg aber verfolgte sein Ziel eines Studium generale weiter. Nun aber mit Blick auf die Mithilfe des am 27.9.1540 vom Papst bestätigten Ordens der Gesellschaft Jesu. Im Unterschied zur Universitätsgründung Johanns von Egloffstein waren jetzt die Gründe für ein neues Studium Generale fest umrissen. Für die Bildung der Adeligen und Bürger sollten heimische Schulen errichtet werden. Es sollte ein tüchtiger, in Schulen geprüfter Seelsorgeklerus herangezogen werden. Der Staat brauchte eigene Juristen. Historiker, Philologen und Mediziner spielten eine wichtige Rolle im neuen Humanismus. Dazu musste der Universität ein Pädagogium/Gymnasium vorgeschaltet werden, in dem die Jugendlichen die nötige humanistische Bildung mit Dialektik, Rhetorik, Poetik, Grammatik, Latein, Griechisch, Mathematik etc. erlernen konnten. In unserer Arbeit klammern wir die nicht-theologischen Bereiche aus, um uns auf die Entwicklung der theologischen Fakultät zu konzentrieren. Die Jesuiten hatten bereits eine relativ feste Form des Studiums in ihren Konstitutionen. Dieser Norm mussten sich auch Wirsberg und später Echter beugen, als sie die Jesuiten für den Aufbau des neuen Schulsystems und der Universität riefen. 195 192

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Am 25.10.1561 fand die erste philosophische Disputation im Agnetenkloster statt. Als Praeses fungierte Kaspar Stüblin und als Opponenten Weihbischof Flach, Dr. Bernhard Mylius, Konrad Dimmer und Nikolaus Regius; vgl. G. J. Keller: Die Gründung des Gymnasiums zu Würzburg. Programm zum Schlusse des Studienjahres 1849/50. Würzburg 1850 (mit „Catalogus lectionum et exercitationum“ des Gymnasiums von 1567); N. Reininger: Die Weihbischöfe von Würzburg. Würzburg 1865. S.171; B. Pedraglia: Alma Julia. Ein Gedenkblatt zur Feier des 300jährigen Jubiläums der Julius-MaximiliansUniversität zu Würzburg. Würzburg 1882; zu Rescius vgl. „Biogramme“; Unklar ist die von Keller und Pedraglia zitierte Stelle aus einem Brief Friedrichs von Wirsberg an Petrus Canisius in Augsburg vom 3.5.1561 (Beilage Nro. I bei Keller; Wegele II, Nr. 15), wonach er seinen Weihbischof zum Doctor sowie einen Collegiatkanoniker zum Licentiaten der Theologie promoviert habe („Interim tamen ne ab hac parte ecclesia nostra omnino destituta esset, suffraganeum nostrum theologiae doctorem et alium quendam in una collegiatarum ecclesiarum civitatis nostrae canonicum theologiae licentiatum promovimus, ut donec de alia commoditate prospicerimus, onus docendi et interpretandi sacras literas susciperet“. Infrage kämen Flach oder Rescius. WB Flach wurde 1543 in Ingolstadt zum Dr. theol. promoviert; am 25. Mai 1561 nahm er als Opponent an einer öffentlichen philosophischen Disputation in Beisein des Fürstbischofs teil; er starb am 15.12.1564. Rescius (Resch) wurde erst 1567 Weihbischof.Reininger: Weihbischöfe S. 159 ff. .J. Keller: Die Gründung des Gymnasiums zu Würzburg. Programm zum Schlusse des Studienjahres 1849/50. Würzburg 1850, S. 14; ADB 24, S. 509f.; NDB 1, S. 148 C. Braun: Geschichte der Heranbildung des Klerus in der Diözese Würzburg. I. S. 113 mit Anm. 1.; Wegele II Nr. 34 S. 62; Braun korrigiert Wegele von Ende 1563 auf Ende 1564; O. Bucher: Die humanistischen und gegenreformatorischen Bestrebungen Johann Egolfs von Knöringen (1537-1575) vor seiner Wahl zum Bischof von Augsburg. In: HJb 74,1955,242-251 Freudenberger annotiert hierzu Cl. Englander: Das Werden des Würzburger Collegs der Societas Jesu. In: WDGBl 14/15,1952/53,519-536; Zur Ratio studiorum der Jesuiten von 1599: Ratio studiorum et institutiones scholasticae Societatis Jesu per Germaniam olim vigentes. Hrsg. von Georg Pachtler. Reprod. Ed. 1887-1894 (MGPaedagogica; V); Das VI. Kapitel bei Duhr behandelt „Schulen und Studium“ (B. Duhr: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge. 1. Bd. Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im XVI. Jahrhundert. Freiburg i. Br. 1907.- S.237ff.; 280ff.); B. Duhr: Die Studienordnung der Gesellschaft Jesu. Freiburg/Br. 1896; LThK² 8, Sp. 1006f.; LThK³ 8, Sp. 842f.; J. Hansen: Rheinische Akten zur Geschichte des Jesuitenordens 1542-1582. Bonn 1896; K. Hengst: Jesuiten an Universitäten und Jesuitenuniversitäten. Zur Geschichte der Universitäten in der Oberdeutschen und Rheinischen Provinz der Gesellschaft Jesu im Zeitalter der konfessionellen Auseinandersetzung. Paderborn [u.a.] 1981; H.-W.: Bergerhausen: Zwei Universitäten im konfessionellen Zeitalter im Vergleich – Würzburg und Köln. In: Universität Würzburg und Wissenschaft in der Neuzeit. Würzburg

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„Das wichtigste Ziel der Würzburger Bischöfe bei ihren Verhandlungen mit Petrus Canisius und dem Jesuitenorden seit 1559 war die Heranbildung eines tüchtigen Seelsorgsklerus, der sowohl durch untadelige Lebensführung Achtung und Vertrauen bei den Gläubigen gewinnen konnte als auch durch wissenschaftliches Studium auf seine Aufgaben bei der Wiederherstellung eines geordneten kirchlichen Lebens in bestmöglicher Weise vorbereitet war. Während bis dahin nur wenige Söhne begüterter Eltern oder Inhaber einträglicher Stiftspfründe die Kosten eines mehrjährigen Besuchs auswärtiger Universitäten aufzubringen vermochten, sollte in Zukunft kein Kleriker in der Seelsorge eingesetzt werden, der nicht in gründlichem Hochschulstudium sich die nötige Geistesbildung und ausreichende philosophisch-theologische Kenntnisse erworben hatte.“ 196 Nach langwierigen Verhandlungen mit Canisius, dem Provinzial der rheinischen Ordensprovinz der Jesuiten und dem Ordensgeneral Francisco de Borja kamen die ersten 18 Jesuiten am 23.10.1567 nach Würzburg. Sie blieben 6 Tage als Gäste des Fürstbischofs auf dem Marienberg. Am 29.10.1567 zogen die ersten Jesuiten in das neue Kolleg im Agnetenkloster ein und eröffneten am 15.11.1567 feierlich die neue Schule.197 Der Fürstbischof empfahl in seinem „Anschreiben“ vom 20.10.1567 diese neue Schule (wie schon 1561 das Pädagogium) den Adeligen des Bistums, er drängte in einem weiteren „Anschreiben“ zum Schulbesuch auch dadurch, dass er „auch diejenigen, so geistliche beneficien und pfründen haben sub poena privationis und verlierung solicher pfründen schuldig sein sollen, diese unser new angerichte schul zu besuchen“ 198 Der Stiftungsbrief des Fürstbischofs für das Würzburger Jesuitenkolleg ist datiert vom 27.6.1567, für die Errichtung des Jesuitenkollegs durch den Ordensgeneral Franz von Borgia vom 6.2.1568.199 „Den Lehrkörper bildeten sieben Professoren. Neben den drei Klaßleitern der Unterstufe waren Fachlehrer nämlich für Dialektik (P. Georg Halenius), Rhetorik (P. Petrus Peraxylus), Poetik (P. Paulus Saurius) sowie für griechische Sprache (P. Gerhard Pesch) vertreten.“ Der „Catalogus lectionum et exercitationum“ von 1567 sah vor, daß für alle Studierenden der Katechismus des Petrus Canisius in seinen verschiedenen Formen erklärt wird.200

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1998.- S. 75-94; B. Neundorfer: Das katholische Schulwesen. In: HBG Bd. 3,1.-§ 78, 690-702; H.- M. Körner: Das Schulwesen im Hochstift Würzburg in der Echterzeit. In: Universität Würzburg und Wissenschaft in der Neuzeit. Würzburg 1998.- S. 63-94; Fr. Paulsen: Geschichte des gelehrten Unterrichts auf den deutschen Schulen und Universitäten vom Ausgang des Mittelalters bis zur Gegenwart. Mit bes. Rücksicht auf den klassischen Unterricht. Bd. 1. Leipzig 3 1919; E. Schubert: Zur Typologie gegenreformatorischer Universitätsgründungen: Jesuiten in Fulda, Würzburg, Ingolstadt und Dillingen. In: Universität und Gelehrtenstand 1400-1800. Büdinger Vorträge 1966. Hrsg. von Helmuth Rössler und Günther Franz. Limburg/Lahn 1970.- 85ff. Th. Freudenberger: Aus der Studienzeit Liborius Wagners. In: WDGBl 43,1981,87; Kl. Wittstadt: Petrus Canisius und das Anliegen der kirchlichen Reform im Bistum Würzburg. In: Petrus Canisius. Zu seinem 400. Todestag am 21. Dezember 1997. Tagung der Domschule, des Diözesangeschichtsvereins und des Priestervereins Würzburg vom 19. – 21. Dezember 1997. Würzburg 1998.- S. 8-32; K. Hillenbrand: Deformatio – Reformatio. Petrus Canisius und sein Wirken in Würzburg. In: WDGBl 69,2007,27-34 Die für die Seelsorge im Agnetenkloster zuständigen Minoriten wurden 1567 abgefunden und das Kloster den Jesuiten übereignet; die notwendige Inkorporationsurkunde unterzeichnete Papst Gregor XIII: im Jahr 1572. Am 29. Mai 1572 hob Gregor XIII. das Agnetenkloster förmlich auf und einverleibte dasselbe dem Jesuitenkollegium. Vgl. Wegele II Nr. 191 S. 523ff.; Th. Freudenberger korrigiert die Zeitangaben von Wegele, Englander und Krenig (Aus der Studienzeit Liborius Wagners. In: WDGBl 43,1981,88 mit Anm. 9); R. Weigand: Dokumente zur frühen Geschichte des Priesterseminars und der Universität Würzburg. In: WDGBl 37/38,1975,393-410, hier bes. S. 394f. Wegele II, Nr. 33, S. 59f. und Nr. 34, S. 61f. Wegele II, Nr. 32 und Nr. 35 G.J. Keller: Die Gründung des Gymnasiums zu Würzburg durch den Fürstbischof Friedrich von Wirsberg. Würzburg 1850.- S. 18; .; Der „Catalogus lectionum et exercitationum“ von 1567 ist abgedruckt bei G. J. Keller S. 18ff. und Wegele I, S. 118 Anm. 4; K.-J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg: 1978.- S. 5f.

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Neben der neuen Schule bestanden aber die Domschule und die 3 Stiftsschulen (St. Burkard, Neumünster, Haug) weiter.201 Wirsberg starb am 12.November 1573. Am 1. Dezember 1573 wurde Julius Echter zum Fürstbischof gewählt.202 4.2. Echters Initiativen zur Neuen Universität Julius Echter bemühte sich bei den Jesuiten sogleich um weitere Professoren für den theologischen Studienbereich. Die Jesuiten verweigerten die Aufstockung unter Hinweis auf ihre Konstitutionen; theologische Lehrstühle dürften nicht außerhalb einer Universität errichtet werden. Erst als Julius Echter das päpstliche und auch das kaiserliche Privileg für ein Studium Generale vorweisen konnte, erteilte der Jesuitengeneral Mercurian die Erlaubnis, dass in Würzburg ein vollständiger Lehrkurs der Philosophie begonnen und Vorlesungen über positive und scholastische Theologie gehalten werden durften. Noch geschah dies im Rahmen des Gymnasiums.203 Papst Gregor XIII. (13.5.1572-10.4.1585) galt als großer Freund der Wissenschaft, der kirchlichen Erziehung und der Jesuiten; er half entscheidend bei der Gründung der 201

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Wegele I, S. 82ff.; H. Thurn: Die Würzburger Dombibliothek des frühen Mittelalters. In: WDGBl 54,1992,55-67; H. Thurn: Die Würzburger Domschule von ihren Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters; religionis et rei publicae seminarium? In: Würzburger Domschule in alter und neuer Zeit. Würzburg 1990.- S. 11-33; A. Wendehorst: Die Benediktinerabtei und das adelige Säkularkanonikerstift St. Burkard in Würzburg. Berlin 2001 (Germania Sacra. NF 40: Das Bistum Würzburg 6) Wendehorst: Das Bistum Würzburg. III. S. 159f.; Julius Echter von Mespelbrunn: Fürstbischof von Würzburg und Herzog von Franken (1573-1617). Eine Festschrift. Hrsg. von Clemens Valentin Hessdörfer. Würzburg 1917; S. Merkle: Eine Klageschrift gegen Fürstbischof Julius Echter aus dem Jahre 1575. Zugleich ein Beitrag zur Charakteristik des fränkischen Gelehrten Lorenz Albrecht. In: AU 41,1899,263-276; S. Merkle: Julius Echter und seine Universität. Festrede geh. bei der Gedenkfeier anl. des 300jährigen Todestages des Fürstbischofs Julius Echter v. M., veranst. v. d. Julius-MaximiliansUniversität zu Würzburg am 26. Juli 1917. Würzburg 1917.- S. 11-31 (in: S. Merkle: Ausgewählte Reden und Aufsätze. Würzburg 1965.- S. 342-360); O. Meyer: Stiftungsuniversitäten mit besonderem Bezug auf Würzburg. In: Varia Franconiae Historica. Bd. II. Würzburg 1981, S. 858-875; H. J. N. Reuschling: Die Regierung des Hochstifts Würzburg 1495-1642. Würzburg 1984; E. Schubert: Materielle und organisatorische Grundlagen der Würzburger Universitätsentwicklung 1582-1821. Neustadt/Aisch 1973; G. Spendel: Julius Echter von Mespelbrunn, Fürstbischof von Würzburg, und die Idee der Universität. In: Julius Echter und seine Zeit. Gedenkschrift aus Anlass des 400. Jahrestages der Wahl des Stifters der Alma Julia zum Fürstbischof von Würzburg am 1. Dezember 1573. Hrsg. von Friedrich Merzbacher. Würzburg 1973.- S. 149-173 Bischof Julius hatte P. Gregor XIII. um die Erlaubnis ersucht, jenen Studenten, die an der Würzburger Schule den philosophischen Lehrgang abgeschlossen hatten, Baccalaureat und Magistrat verleihen zu dürfen. Der Papst lehnte ab, „weil an der Schule die Vorlesungen noch nicht stattfänden, die zur Verteilung der Titel berechtigten“. Am 1.3.1575 erbat Julius vom Ordensgeneral P. Eberhard Mercurian deshalb 4 Professoren; dieser lehnte ab: „durch die Konstitutionen des Ordens sei ihm untersagt, die Errichtung von theologischen Lehrstühlen außerhalb der Universität zuzulassen“; vgl. Th. Freudenberger: Aus der Studienzeit Liborius Wagners. In: WDGBl 43,1981,88. Anm. 9 und S. 90; „Aus den folgenden Eintragungen in den Annales geht hervor, dass Julius eigentlich schon 1574 das Wirsberg‟sche „Gymnasium“ erweitern und mit besonderen (Universitäts-) Privilegien bedenken lassen wollte. Dabei brauchte er nur die Initiative seines Vorgängers wieder aufzugreifen und mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit zu Ende zu führen. Julius hat sogar allen Ernstes versucht, bereits auf Ostern 1574 mit dem ganzen philosophischen Kurs und theologischen Vorlesungen aus der Summa Theologica des Thomas von Aquin zu beginnen.“ Vgl. R. Weigand: Dokumente zur frühen Geschichte des Priesterseminars und der Universität Würzburg. In: WDGBl 37/38,1975,398; „Man mag aber die Sache anpacken, wie man will, man kommt an der Tatsache nicht vorbei, dass die hießige Universität rechtlich nichts anderes war, als ein mit den Rechten einer Universität ausgestattetes und erweitertes Jesuitenkolleg ... Für eine Universität, die weniger kirchlichen Charakter trägt, als das Jesuitenkolleg, gibt es keine Stiftungsurkunde“. Vgl. Braun I, S. 171, 175; Braun beruft sich dabei auf Wegele: „Eine förmliche Stiftungsurkunde für die neue Universität gibt es nicht und hat es in Wahrheit niemals gegeben und zwar ist niemals eine solche gegeben worden, teils weil die ältere Hochschule rechtlich noch als existent betrachtet wurde und teils weil sich mit der Neugründung Schwierigkeiten verknüpften, die zwar nicht mächtig genug waren, sie aufzuhalten, aber es doch nicht für ratsam erscheinen ließen, eine förmliche und ausdrückliche Beurkundung der Stiftung, wie sie sonst wohl üblich war, zu erlassen“. (Wegele I, S. 173)

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Seminarien in allen Ländern. Julius definierte als Ziel seiner Universität: Heranbildung eines tüchtigen Seelsorgeklerus und Wiederherstellung eines geordneten kirchlichen Lebens; er stand in der Intention des Papstes. Am 28.3.1575 erteilte Papst Gregor XIII. das Privileg für die Universität; er erneuerte das Privileg, das Johann von Egloffstein am 10.12.1402 von Papst Bonifaz IX. für ein Studium generale nach dem Vorbild des Studiums in Bologna, Paris und anderer Universitäten Italiens, Galliens und Germaniens erwirkt hatte. „Als wirkliche Neuerung gegenüber dem älteren enthielt das zweite päpstliche Privileg die folgenschwere Verpflichtung zur Ablegung der professio fidei auf das Tridentinum für alle Promovenden und künftigen Professoren. Das Bekenntnis zum ‚rechten Glauben‟, seit 1568 für die katholischen Universitäten als verpflichtende Norm gefordert, reihte die künftige Würzburger Hochschule unter die gegenreformatorischen Universitäten ein. Sie verkörperte zusammen mit Ingolstadt, Dillingen und anderen den Typ der ‚Academia Catholica‟, den das konfessionelle Zeitalter im Reich ebenso hervorgebracht hat wie den Typ der auf ein bestimmtes Bekenntnis festgelegten protestantischen Territorialstaatsuniversität.“ 204 Bereits am 11.5.1575 erteilte Kaiser Maximilian sein Privileg nach den Studien von Heidelberg (gegr. 1386), Ingolstadt (gegr. 1471), Tübingen (gegr. 1477), Freiburg (gegr. 1456) und anderen privilegierten Studien als „studium universale et gymnasium“ und nicht nur als „Minderuniversität“ wie in Straßburg oder Altdorf, die nur den Grad des Magisters und Baccalaureus, nicht aber die Doktorwürde vergeben durften.205 Zunächst blieb man noch im Rahmen eines Gymnasiums und sprach von einer „erweiterten Studienanstalt“. Der feierlicher Eröffnungsgottesdienst der erweiterten Studienanstalt fand am 25.11.1575 statt. Und am 29.11.1575 begannen die theologischen Vorlesungen an der erweiterten Studienanstalt. Zum Lehrpersonal gehörten: - P. Johannes Hasius SJ: für die Sakramentenlehre - P. Leonhard Nussbaum SJ: für den Evangelien-Unterricht - P. Ludwig Hayläus SJ: für das Lehrfach Kasuistik (Casus conscientiae) - für Philosophie (Logik, Ethik, Mathematik) ein weiterer Professor (P. Joannes Redlingius SJ)206 Am 2.1.1582 erfolgte die feierliche Eröffnung der neuen Universität (Stiftungstag), d. h. die feierliche Verkündigung der Privilegien von Papst und Kaiser für die erneuerte Universität durch den Rektor des Jesuitenkollegiums P. Franziskus Rapedius in der Franziskanerkirche.207 Am Donnerstag, den 4. Januar 1582, fand in den Schulräumen der Jesuiten eine Disputation in der Theologie statt; die Thesen hatten die Buße zum Gegenstand und waren bereits vier Wochen vorher in Druck gegeben und verteilt worden.208 Nach dieser 204

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P. Baumgart: 400 Jahre Privilegierung der Julius-Universität zu Würzburg (1575-1975). 1975.- S. XVIf.; vgl. Wegele I, S. 174ff; II, Nr. 43 S. 80ff, 84ff.; Th. Freudenberger: Aus der Studienzeit Liborius Wagners. In: WDGBl 43,1981,90f.; C. Braun: Geschichte der Heranbildung des Klerus. I, S. 169f.; P. Baumgart: Die Anfänge der Universität Würzburg. In: MfrJb 30,1978,9-24; P. Baumgart: Die kaiserlichen Privilegien von 1575 für die Universität Würzburg und Helmstadt. In: WDGBl 35/36,1973/74,319-329. Wegele II Nr. 45 S. 86; Bönicke I S. 48; P. Baumgart: 400 Jahre Privilegierung der Julius-Universität zu Würzburg (1575-1975). 1975.- S.XVIIf.; Th. Frenz: Wann genehmigte Papst Gregor XIII. die Wiederbegründung der Universität Würzburg? In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Neustadt an der Aisch 1982, S. 31-45; Für die wenigen Logiker genügte 1 Professor, der dann Ethik und Mathematik lehren konnte; ein Physiker fehlte; R. Weigand: Dokumente zur frühen Geschichte des Priesterseminars und der Universität Würzburg. In: WDGBl 37/38,1975,400f.; Th. Freudenberger: Annales Collegii Herbipolensis Societatis Jesu. S. 186f. Wegele I, S. 184ff., 192ff., II, Nr. 59 S. 127 f.; M. Sehi: Die Stellung des Würzburger Franziskanerklosters in der Gründungsphase der Julius-Universität. In: WDGBl 44,1982,95-110 Theses theologicae, de paenitentia in genere, sive qua virtus, seu qua sacramentum est. Praes.: P. Georgius Halenius S. J. Resp.: Ioannes Hoffet, Lichtenfeldensis. Wirtzburgi 1581: Aquensis. 44 ungez. S. 8° (Datum 22.11.1581). Das Exemplar der Universitätsbibliothek Würzburg hat einen Holzschnitt mit dem Wappen des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn. (WHS 1 = Sign. neu: 35/Diss 3350). Diese Disputatio scheint keine disputatio pro gradu gewesen zu sein und hätte damit nichts zu tun mit einem „Promotionsrecht des Würzburger Jesuitengymnasiums“. vgl. WHS Vorwort S. 8

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Disputation ernannte Julius „aus eigener Machtvollkommenheit die Dekane der vier Fakultäten, und zwar für die Theologische Fakultät Dr. Anton Rescius, welchen Friedrich v. Wirsberg im J. 1562 als Professor der Theologie von Köln nach Wirzburg gerufen und 1567 zum Weihbischof befördert hatte; für die juristische eine uns ebenfals schon bekannte Persönlichkeit, nämlich Dr. Veit Krepser, welchen er im J. 1580 zu seinem Kanzler erhoben hatte; für die medizinische den Stiftsherrn von Neumünster, Dr. med. Jonas Adlwert, und für die philosophische seinen Generalvikar und Decan von Stift Haug, Michael Suppan, den noch höhere Ehren an der neuen Hochschule erwarteten.“ 209 Dann wählten die anwesenden Graduierten Fürstbischof Julius Echter zum 1. Rektor, dieser ernannte anschließend den Dekan der philosophischen Fakultät zum Prorektor.210 „Am 5. Januar (1582) war die erste Promotion in der philosophischen Fakultät, wozu der Rektor des Jesuitenkollegs außer dem Fürstbischof auch dessen Gast, den Erzherzog und späteren Kaiser Matthias, und den fränkischen Adel eingeladen hatte.“ Braun beruft sich hier auf Gropp; die Ausführungen Schlegelmilchs kennen eine Begebenheit, die sich erst am 20. März 1582 ereignete.211 Wegele verlegte die feierliche Promotion in Anwesenheit des Erzherzogs Matthias auf den 16. März in Anwesenheit von Julius Echter selbst. Als Rektor und zugleich als Kanzler („als welcher er die Genehmigung zur Erteilung des magisteriums zu geben hatte“) habe er die feierliche philosophische Promotion vollzogen. Es wird von mehreren Kandidaten gesprochen.212

Zum Collegium theologorum bei der Eröffnung der Universität gehörten 6 Mitglieder:

Dekan: Anton Rescius (Resch) OP, Dr. theol., Weihbischof, der 1. Dekan der theol. Fakultät, von Echter ernannt. - Sebastian Fabri, Dr. theol. Weltpriester, Geistlicher Rat, Mitglied der Fakultät seit 1582 - Franz Coster SJ; Dr. theol., Provinzial mit Sitz in Mainz, d.h. Gast - Balthasar König, Dr. theol., Weltpriester, Geistlicher Rat, kein o. Prof. - Franz Rapedius SJ, Dr. theol., 21.9.1578 Rektor des SJ Kollegs (1591 Gerhard Lippius) - Georg Schweickard, Lic. theol. Ingolstadt, Kan. Haug, Prediger, Geistl. Rat; 1608/09 Rektor - Johannes Armbruster, Lic. theol. - Joachim Typotius, Lic. theol. Ingolstadt 209 210 211

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Wegele I, S. 198f. Wegele I, S. 200; S. Merkle: Die Matrikel der Universität Würzburg. T.1, Text. München, Leipzig 1922; Teil 2: Personen- und Ortsregister 1582-1830 bearb. von Alfred und Christa Wendehorst. Berlin 1982 C. Braun: Geschichte der Heranbildung des Klerus. I, S. 280; dazu Gropp I S. 60; U. Schlegelmilch berichtet von einer großen Feier am 20. März 1582 bei der 16 Magistri und Baccalaurei promoviert wurden. Dies wären wohl die ersten Promotionen an der neuen Universität. „Im März 1582 besuchte der junge Erzherzog und gewesene Statthalter der Niederlande Matthias auf seiner Rückreise nach Österreich das Jesuitenkolleg in Würzburg. Wie bei derlei Anlässen üblich, wurde er mit einer Begrüßungszeremonie geehrt...Wir besitzen über dieses Ereignis eine lebendige Schilderung aus der Feder des fürstbischöflichen Leibarztes Johannes Posthius, die dieser in einem Brief an den Humanisten Joachim Camerarius d. J. vom 22. März gab: (in der dt. Übers. von Schlegelmilch) ...In seiner Anwesenheit wurden 16 Magister und Baccalaurei am 20. März mit einer großen Feier promoviert...“ U. Schlegelmilch: Successio Christianorum Bavariae Principum. Humanistische Fürstendichtung, politische Aussagen und Ergebnisse landesgeschichtlicher Forschung in den Herrscherepigrammen der „Trophaea Bavarica“. In: Jesuitica. Forschungen zur frühen Geschichte des Jesuitenordens in Bayern bis zur Aufhebung 1773. Hrsg. von Julius Oswald SJ und Rita Haub. München 2001.- S. 255-330, hier S. 270; Schlegelmilch berichtet vom gleichen Datum wie Ruland S. 14; Bönicke (I, S. 55) verbindet diese feierliche Verleihung der akademischen Grade in Philosophie mit der Disputation am 5.1.1582; weiter berichtet er davon, daß die Theologen „schon vorher über auserlesene Sätze von der Buße eine öffentliche Disputation in Gegenwart des Julius gehalten hatten“; Joachim Camerarius (1500-1574). Beiträge zur Geschichte des Humanismus im Zeitalter der Reformation. Hrsg. von Frank Baron. München 1978 Wegele I, S. 200f.; Bönicke S. 54f. Ruland berichtet, dass Serrarius am 20. März 1582 die ersten Doktoren der Artes und der Philosophie promoviert hat. Vgl. Ruland S. 14; P. Baumgart erklärt: “Die ersten Grade verlieh die junge Würzburger Universität am 19. Januar 1582“. Vgl. P. Baumgart: Bildungswesen und Geistesleben (ca. 1525-1814). In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd.2, Stuttgart 2004.- S. 357

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Die überwiegende Mehrheit des Collegiums gehörte also weder zum Jesuitenorden noch zum ordentlichen Lehrkörper, wie Th. Freudenberger analysierte: „Bei der Eröffnung der Universität zählte die Theologische Fakultät nur zwei ordentliche Professoren, die Jesuiten Johannes Hasius und Georg Halenius.“ 213 Hinzu kam mit P. Heer (Weer) bald ein dritter Jesuit;214 die Moraltheologie wurde zunächst auch mit einem Jesuiten (Bronchorst) besetzt. Doch der Ordensgeneral missbilligte diese Stellenvermehrung. Daraufhin berief Julius Echter seinen Hofkaplan Eucharius Sang auf diesen Lehrstuhl. Ab 1620 bis zum Verbot des Jesuitenordens 1773 waren die theologischen Lehrstühle mit Angehörigen des Jesuitenordens besetzt. Selbst darüber hinaus blieben einzelne Jesuitenprofessoren im Amt.215 Immer wieder wird betont, dass Julius Echter selbst und nicht die Jesuiten die Struktur der neu geschaffenen Universität bestimmte. Und Peter Baumgart ergänzt: „Wenn und soweit eine andere Universität überhaupt die künftige Verfassung der Julius-Universität zu Würzburg geprägt hat, dann ist es die unter diesen Ahnen hier nur zufällig aufgeführte herzoglich-bayerische Universität Ingolstadt gewesen. Julius Echter hat nämlich den Statuten, die er seiner Universitätsgründung als Landesherr erst 1587 gab, weder eine Redaktion der Jesuiten, noch gar, wie unlängst vermutet wurde216 eine Kompilation der Freiburger Statuten und der alten Satzungen von 1402(!) zugrunde gelegt, sondern er hat auf Ingolstadt als Modelluniversität zurückgegriffen.“ 217 Die Eröffnung der Universität hatte sich hingezogen. Es gab Probleme wegen der Dotierung des Jesuitenkollegs, die erst durch die sogenannte „Zweite Fundation“ von 1588 und ihrer Annahme durch die Jesuiten von 1591 gelöst wurden und damit nicht nur das Jesuitenkolleg sondern auch die Lehrtätigkeit durch die Jesuiten in Würzburg gesichert wurden..218 Fürstbischof Julius Echter hatte sich durchgesetzt gegen das Domkapitel, gegen die (vielfach protestantisch gewordenen) Landstände, aber auch gegen die Jesuiten, die als Schulträger eine weitgehende Autonomie über die von ihnen betriebenen Bildungseinrichtungen beanspruchten.

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Th. Freudenberger: Aus der Studienzeit Liborius Wagners. In: WDGBl 43,1981,92f.; Freudenberger korrigiert damit Ruland S. 12f. Der Fürstbischof bedrängte die Jesuiten „ut integer sit theologiae cursus“ außer einem Professor der Heiligen Schrift noch 2 Professoren zu stellen, die Thomas erklären sollten. So schickte der P. General den P. Heinrich Heer als 3. Professor neben P. Halenius und P. Hasius. Vgl. Th. Freudenberger: Annales Collegii Herbipolensis Societatis Jesu. S. 189f.; A. Zumkeller: Neuentdeckte Manuskripte mit theologischen und philosophischen Vorlesungen aus der Frühzeit der Julius-Echter-Universität. In: WDGBl 44,1982,111-124 Th. Freudenberger: Aus der Studienzeit Liborius Wagners. In: WDGBl 43,1981,94; K. Werner: Geschichte der apologetischen und polemischen Literatur der christlichen Theologie. 5 Bde. Schaffhausen: 1861-67; K. Werner: Geschichte der katholischen Theologie seit dem Trienter Concil bis zur Gegenwart. München: 1866.- 2. Aufl. 1889. Schubert: Typologie S. 93 P. Baumgart: 400 Jahre Privilegierung der Julius-Universität zu Würzburg (1575-1975). 1975.- S.XIX; aber anders als in Ingolstadt wurden in Würzburg neben Thomas auch immer noch die Sentenzen und die Bibel durch die Bakkalare gelesen. Vgl. dazu A. Seifert: Das höhere Schulwesen, Universitäten und Gymnasien. In: HdtBG, Bd. I. 1996.- S. 197ff., hier S. 270 mit Anm. 370 („In Ingolstadt fand die letzte Sentenzenvorlesung 1565, der letzte Bibel-‚Kurs‟ 1575 statt“); W. Kausch: Geschichte der theologischen Fakultät Ingolstadt im 15. und 16. Jh. (1472-1606). Berlin 1977 Wegele II Nr. 76 S. 203ff.; J. Ahlhaus: Die Finanzierung der Universität Würzburg durch ihren Gründer Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn. In: Aus der Vergangenheit der Universität Würzburg. Festschrift. Hrsg. von M. Buchinger. 1932.- S. 9-41; R. Weigand.: Die zweite Fundation des Würzburger Jesuitenkollegs 1588 und deren Annahme 1591. In: WDGBl 53,1991,215-229; R. Weigand: Dokumente zur frühen Geschichte des Priesterseminars und der Universität Würzburg. In: WDGBl 37/38,1975,403 (verbessert hier Wegele II Nr. 76 S. 203ff.); Th. Freudenberger: Aus der Studienzeit Liborius Wagners. In: WDGBl 43,1981,94; Th. Freudenberger: Die Annales Collegii Herbipolensis Societatis Jesu und ihr Verfasser Johannes Spitznase aus Mühlhausen in Thüringen. In: WDGBl 43,1981,190 mit Anm. 116; 201f.; Merkwürdiges geistliches Regierungs-Decret, als Beytrag zur Geschichte der öffentlichen Lehranstalten im theologischen Fache an der Würzburger Universität vom 16ten Jahrhunderte. In: Beyl.z.d.Neuen Würzburger Gelehrten Anzeigen 1,1799,182-184

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Exkurs:

(Früh-) Humanismus und Bistumshistoriographie Noch in die Zeit der ersten Universität reicht die Lebenszeit des im Rufe der Heiligkeit und Gelehrsamkeit 1450 in Würzburg verstorbenen Franziskanerminoriten Johannes Sintram.219 „Er übergab dem Franziskanerkloster 1444 eine Sammlung von nicht weniger als 61 Handschriften mit Predigtmaterialien, von denen viele, auf eine Reihe deutscher und ausländischer Bibliotheken verteilt, noch heute erhalten sind. Außer deutschen (und lateinischen) Glossen finden sich darin von Sintrams Hand zahlreiche deutsche Predigtverse, ferner eine 1415 erstellte Übersetzung des Hymnus „Gaude virgo maris stella“ sowie das 1405 in 40 schlichten Versen verfaßte Gedicht „Die zehn Gebote und die zehn ägyptischen Plagen“. Darin werden nach dem Vorbild der Schrift „De decem plagis et decem praeceptis“ des Hl. Augustinus aus katechetischen Gründen die Zehn Gebote mit den zehn ägyptischen Plagen verknüpft.“ 220 Seine Predigtsammlung ist nicht im Druck erschienen. Im Würzburger Franziskanerkloster hat sie die Signatur Cod. I 86. Neben und fast ohne den Würzburger Schulbetrieb kam im Würzburger Raum ein gewisser literarischer Frühhumanismus zur Blüte, von dem auch die Colloquia des Petrus Popo Zeugnis geben und der auch theologische Werke hervorbrachte. Einer der esten deutschen Humanisten Albrecht von Eyb war seit 1462 auch Domherr in Würzburg.221 Fast zwei Jahrhunderte nach Hermann von Schildesche schrieb und predigte der Würzburger Augustiner Andreas Sigisfridus.222 In der Würzburger Augustinerbibliothek waren vor ihrer Auflösung 1824 folgende handschriftliche Werke von ihm erhalten: Annotationes in epistolam s. Pauli primam ad Timotheum; De sacramentis; Enarrationes in quindecim psalmos graduales; Variae theses, quas succesive pro gradu cursorio, lectorio ac baccalaureatus defendit, praelectae Coloniae cum facultate theologica 219

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Geboren um 1380 in Würzburg „uff dem Domhoff“, trat er in das Franziskanerkloster in Würzburg ein; er studierte 1403-1404 in Regensburg, 1405 in Ulm, weitere Stationen: 1408 in Straßburg, in Oxford 1412, 1415 in Köln und Reutlingen, 1415 in Schwäbisch Hall, 1420 in Colmar, 1422 in Esslingen („Vocabularius“ vom 17.6.1422, Sintram als Schreiber; Signatur I 87 Franziskanerkloster Würzburg) und Augsburg, Lektor im Kloster in Würzburg 1425, in Schwarzenberg 1435, Guardian im Kloster in Würzburg 1437-1439; † 1450 in Würzburg; LThK2 5, Sp. 1082; VL2 8, Sp. 1284ff.; K. Eubel: Geschichte der oberdt. Minoriten-Provinz. Würzburg 1886.- S. 35 („im Rufe großer Heiligkeit und Gelehrsamkeit, Lektor in verschiedenen Klöstern Deutschlands, Frankreichs und Englands (gest. 1450 zu Würzburg, wo er Guardian war), hinterließ zahlreiche Urkunden seines unermesslichen Fleißes auf Pergament und Papier“); Bernt S. 822; L. Meier OFM: Aufzeichnungen aus vernichteten Handschriften des Würzburger Minoritenklosters. In: ArchFrancHist 44,1951,191-209, hier S. 204ff. mit biographischen Mitteilungen und Handschriftenverzeichnis; H. Brunner: Würzburg als Literaturstadt im Mittelalter. S.34.; H. Brunner: Die deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 466-497, hier S. 475 H. Brunner: Die deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 475 Geboren 1420 auf Schloß Sommersdorf bei Ansbach, studierte in Erfurt, Bologna, Padua, Pavia, 1459 Dr. jur., wurde Domherr in Eichstätt 1444, in Bamberg 1452, in Würzburg 1462, er starb 1475. Seine Werke u.a.: De commendatione dignissimi et divinissimi Eucharistiae sacramenti Oratio. Entstanden 1452 in Bamberg; Margarita poetica. 1459 entst. (UBW M.ch.f.59; Druck: Nürnberg 1472); Spiegel der Sitten. Nürnberg 1474; Schneider S. 729f.; VL2 1,1978,180-186); LThK2 3, Sp. 1324; LThK3 3, Sp. 1138; Albert von Eyb: Brief vom Ehestand.- Albert von Eyb: Brief von der Vorbereitung zum Tod.- G. Gailhofer: Der Humanist Albrecht von Eyb. In: Sammelblatt des HV Eichstätt 42,1927,28-71; M. Herrmann: Albrecht von Eyb und die Frühzeit des deutschen Humanismus.Berlin 1893; M. Herrmann: Albrecht von Eyb. Berlin 1889. Diss. Seyfried war Bakkalaureus der Theologie, Augustinerprior und Domprediger in Würzburg; er starb am 23.1.1562; Th. Freudenberger: Der Würzburger Domprediger P. Andreas Sigifridus OSA. In: Scientia Augustiniana. Festschrift A. Zumkeller OSA. Würzburg 1975.- S. 641-685 mit vita und BG); A. Zumkeller: Der Verlust der Manuskripte des nichtsäkularisierten Würzburger Augustinerklosters in den Zeiten der Säkularisation. In: WDGBl 56,1994,379-390 mit BG; A. Höhn: Chronologia Provinciae Rheno-Suevicae Ordinis FF Eremitarum S. P. Augustini. Würzburg 1744; D. Gesterkamp: Liber mortuorum. Die Verstorbenen der rheinisch-schwäbischen Augustinerprovinz. Würzburg 1972.-224f., Nr. 587

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anno 1550; Tres tomi concionum msc.; Alii tomi in magistrum sententiarum. In der Würzburger Theologiegeschichte rühmend erwähnt wird der Dominikaner und spätere Weihbischof Kaspar Grünwald. Er hielt im Domini-kanerkloster zu Würzburg Vorlesungen für die Vikare der Würzburger Stifte und die Kandidaten des Weltpriesterstandes.223 Der große Streiter gegen die lutherische Theologie Hieronymus Dungersheim (1465-1540) aus Ochsenfurt und Kleriker der Diözese Würzburg lehrte und schrieb vorwiegend in Leipzig.224 Freudenberger zählt im Bibliographischen Anhang 29 Schriften Dungersheims auf, die im Druck erschienen sind, 1 handschriftlich erhaltene Schrift und 22 verschollene Schriften. Zu den bedeutsameren Zeugnissen der geistlichen und theologischen Literatur sind sicher die Werke des Benediktinerabtes Johannes Trithemius (Zeller) zu rechnen.225 Geboren 1462 in Trittenheim bei Trier, studierte er in Köln und Heidelberg, trat in Sponheim 1482 in den Benediktinerorden ein und wurde dort zum Abt gewählt 1483; 1506 berief Bischof Lorenz von Bibra (1495-1519) den mit seinem Konvent in Sponheim zerstrittenen Abt Johannes Trithemius, der das Würzburg Geistesleben nachhaltig beeinflusste, an die Spitze des Schottenklosters St. Jakob in Würzburg; vir trilinguis (Lat., Griech., Hebr.); † 1516.226 Die größeren und wichtigeren Schriften des Trithemius wurden noch in Sponheim verfaßt. Von den in Würzburg geschriebenen und für Würzburg interessanten Werken zählt das „Compendium breve fundationis et reformationis monasterii s. Jacobi ordinis s. Benedicti in suburbio Herbipolensi“ von 1509 und „De miraculis beatissimae Mariae semper virginis in Dettelbach“ von 1511. 223

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Geb. zu Freiburg i. Br., Dr. theol. und Prof. der Theologie in Freiburg, seit 17.6.1492 Inquisitor für die Diözesen Straßburg, Basel und Konstanz, 1498 Weihbischof unter Lorenz von Bibra und öffentlicher Lehrer der Theologie; † 31.10.1512; Bönicke I, S. 30f.; N. Reininger: Die Weihbischöfe von Würzburg. In: AU18,1865,96-99 Geboren am 22.4.1465 in Ochsenfurt, Stadtschule in Ochsenfurt 1472-1479, Domschule in Würzburg unter Mag. Petrus Popo (s. u.), imm. im SS 1484 in Leipzig, Bacc. Art. September 1485, Mag. Art. 1489, Cursor der Theologie 1493, Niedere Weihen am 20.12.1494 in Merseburg, ord. 1495 in Würzburg, Sententiar in Leipzig 1.8.1495, Prediger in Chemnitz zur Aushilfe Herbst 1495, Gast in der Kölner theol. Fak., im WS 1497/98 wieder Sentenzenvorlesung in Leipzig („Epithomata super quattuor libros Magistri Sententiarum. Leipzig 1514“), Consilium der Phil. Fak. 8.10.1499, Prediger am Mariendom in Zwickau 1501, Ablassprediger des Kardinals Peraudi, Dr. theol. am 23.8.1504 in Siena, 1505 wieder Vorlesungen in Philosophie in Leipzig, am 15.1.1506 Aufnahme in die Theol. Fak. und als Kollegiat im Großen Fürstenkolleg, Rektor der Universität für das SS 1510, im Auftrag des Herzogs Georg von Sachsen Stellungnahme gegen die Böhmischen Brüder 1512, gegen den Willen der theol. Fak. in Leipzig und des Bischofs fand 1519 in Leipzig eine Disputation Ecks mit Luther und Karlstadt über den Ablaß statt, die Herzog Georg von Sachsen unterstützt hatte, Briefwechsel mit Luther über den Primat, Kontroverse mit Karlstadt, der Dungersheim einen „spitzhornichten Ochsen“ nannte, die Streitschrift gegen Luther „Dialogus ad Martinum Lutherum“ verbrannten die Wittenberger Studenten, nachdem Luther die päpstliche Bannandrohungsbulle und den Codex juris Canonici am 10.12.1520 öffentlich verbrennen ließ, Dungersheim war seit 1528 mit Cochläus befreundet, er stand mit Kilian Leib in Rebdorf und eventuell mit Trithemius in Verbindung; † 2.3.1540 in Leipzig. LThK 3, Sp. 601; LThK3 3, Sp. 401; Th. Freudenberger: Hieronymus Dungersheim von Ochsenfurt am Main 1465-1540, Theologieprofessor in Leipzig. Leben und Schriften. Münster 1988 (Reformationsgeschichtliche Studien und Texte; 126); Hieronymus Dungersheim: Schriften gegen Luther. Theorismata duodecim contra Lutherum. Articuli sive libelli triginta. Hrsg. und eingel. von Theobald Freudenberger. Münster 1987 LThK2 10, Sp. 366f; LThK3 10, Sp. 263; Wendehorst: Das Bistum Würzburg. III, S. 66; Wegele I, S. 48ff. Schneider S. 747; Bernt S. 822f.; LdMA 5,1991,608; P. Lehmann: Merkwürdigkeiten des Abtes Johannes Trithemius. 1961; K. Arnold: Johannes Trithemius (1462-1516). Würzburg 1971, 2. Aufl. 1991.- S. 228-275; Ders.: Additamenta Thrithemia - Nachträge zu Leben und Werk des Johannes Trithemius, insbesondere zur Schrift „de demonibus". In: WDGBl 37/38,1975/76,239-267; F.W.E.Roth: Studien zum Johann Trithemius-Jubeljahr (1516) 1916. In: StMGBO 37,1916,293-297f. (mit vollständigem Verzeichnis seiner Schriften).; I. Fischer: Der Nachlaß des Abtes Johannes Trithemius von St. Jakob Würzburg. In: AU 67,1928,41-82.; Kl. Ganzer: Zur monastischen Theologie des Johannes Trithemius. In: HJ 101,1981,84-421; A. Ruland: Johannes Trithemius. In: Chilianeum. N.F. 1,1869,44-62;112-121; W. Romberg: Johann Trithemius (1462-1516), Humanist und Magier, Schottenabt zu Würzburg. In: Frankenland 52,2000,184-191

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Eine ganze Reihe von Dichtungen und Dichtern geben Zeugnis vom literarischen Leben in Würzburg ohne daß sich ein Kern erkennen läßt, wie ihn dann die Mäzenaten im (Früh-) Humanismus bildeten. Es mögen aufgeführt werden: Der Lied- und Spruchdichter Reinmar von Zweter227, der Minnesänger Otto von Botenlauben d. Ä.228, die Verserzählung über die Treue der Ehefrau des Ruprecht von Würzburg229, Johann von Würzburg II der Autor des „Wilhelm von Österreich“ 230, die spätmittelalterliche Minnelehre „Die Minneburg“ 231, jener irrtümlich dem Konrad von Würzburg zugeschriebene Schwank „Frau Metze“ eines Verfassers, der sich Der arme Konrad nennt232 und die politische Ereignisdichtung „Vom Würzburger Städtekrieg“ eines urkundlich nicht nachgewiesenen Bernhard von Uissigheim233 oder des Johann Simon „ein ser langes deutsch gedicht von leben, thaten und Wesen Bischof Johanns II. von Brunn (1411-1440)“, das um um 1440 oder bald darnach entstand.234 Unbekannt ist der Verfasser des 1466 verfaßten Reimspruchs „Vom Hasen“, der den kurz vorher gestorbenen Bischof Johann III. von Grumbach schmäht. Aus dem Jahr 1476 stammt der ebenfalls anonyme Spruch „Die Niklashäuser Fahrt“, der Reimspruch von 1493 „Wie Herzog Friedrich zu Würzburg Pfleger werden wollte“. Ein gewisser Pochsfleisch richtet 1499 ein Schmähgedicht gegen die Stadt Heidingsfeld (bei Würzburg damals) „Von den Heidingsfelder Schweizern“. Den Sängern Heinrich Frauenlob (gest. 1318) und seinem Zeitgenossen Regenbogen wird das Streitgedicht „Der Krieg von Würzburg“ zugeschrieben in dem die Vorzüge der Frau bzw. des Mannes gegenübergestellt werden. Lupold Hornung von Rothenburg verfasste ein Lobgedicht auf verstorbene berühmte Liederdichter. Martin Ebenreutter übernahm aus einer verlorenen Sammlung des 15. Jahrhunderts zahlreiche anonym überlieferte Lieder und Reimpaargedichte und schrieb sie in seine Sammelhandschrift am 10. Juni 1530. Der Dominikaner Johannes von Frickenhausen, er war 1449 Prior in Würzburg, schrieb ein Quadragesimale.235 Heinrich von Ekkewind, ebenfalls Dominikaner wirkte als Prediger in der ersten Hälfte des 14. Jh.236 Zu den fränkischen Humanisten zählt Engelhard Fun(c)k („Scintilla“).237 Er stammte aus Schwabach, immatrikulierte sich 1468 in Erfurt, Aufenthalt in Rom seit etwa 1480, 227

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VL2 7, Sp. 1198; A. Wendehorst: Das Stift Neumünster in Würzburg in der Literaturgeschichte des Mittelalters. In: Studien zum weltlichen Kollegiatstift in Deutschland. Hrsg. von J. Crusius. Göttingen 1995.- S. 267f.; für das Folgende übersichtlich: H. Brunner: Die deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 466-479, hier S.472ff. VL2 7, Sp. 208ff.; Wendehorst: Das Bistum Würzburg. I S. 218; Otto von Botenlauben. Minnesänger, Kreuzfahrer, Klostergründer. Würzburg 1994 VL2 8, Sp. 418f.; H. Brunner: Würzburg als Literaturstadt im Mittelalter. In: Vom Großen Löwenhof zur Universität. Würzburg und die deutsche Literatur im Spätmittelalter. Wiesbaden 2000.- S. 12 VL2 4, Sp. 824ff.; LThK3 6, Sp. 474 (Kreuzzugsdichtung); H. Brunner: Würzburg als Literaturstadt im Mittelalter. In: Vom Großen Löwenhof zur Universität. Würzburg und die deutsche Literatur im Spätmittelalter. Wiesbaden 2000.- S. 12 VL2 6, Sp. 566f.; H. Brunner: Würzburg als Literaturstadt im Mittelalter. In: Vom Großen Löwenhof zur Universität. Würzburg und die deutsche Literatur im Spätmittelalter. Wiesbaden 2000.- S. VL2 1, Sp. 454; Würzburg als Literaturstadt im Mittelalter. In: Vom Großen Löwenhof zur Universität. Würzburg und die deutsche Literatur im Spätmittelalter. Wiesbaden 2000.- S. H. Brunner: Würzburg als Literaturstadt im Mittelalter. In: Vom Großen Löwenhof zur Universität.. S. 13; VL2 1, Sp. 774f. Bönicke I, S. 29 („Unter dem Fürsten Johann von Brunn blühete Johann Simon, ein Dichter, der dieses Fürsten merkwürdige Regierung in einem weitläufigen Gedichte geschildert hat. Proben von diesem Gedicht hat Fries in seiner Chronik aufbehalten“); H. Brunner: Die deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 474; VL2 8, Sp. 1257-1259 A. Wendehorst: Stadt und Kirche. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 269 VL2 3, Sp. 718ff.; A. Wendehorst: Stadt und Kirche. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 270 Bönicke I S. 29 („Engelhard Funck, 1500 Dechant in Neumünster, ein Philosoph, Redner, Dichter, Canonist und Schriftausleger schrieb Sinngedichte, schrieb vom Ruhme seines Vaterlandes, und von ei-

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Kanonikus im Stift Neumünster 1485, Stellvertretender Generalvikar in Würzburg 30.5.1497, ab 1500 war er Dekan im Stift Neumünster in Würzburg, Er gilt als Philosoph, Redner, Dichter, Kanonist und Schriftausleger; † 29.11.1513. Willibald Pirckheimer erwähnt ihn im Zusammenhang mit der Würdigung von Dr. Johann Reyß, wobei er Reyß auf eine Stufe mit Giovanni von Mirandola, Geiler von Kaysersberg und dem Stiftsdekan am Neumünster zu Würzburg Dr. Engelhard Funck aus Schwabach stellte.238 Trithemius rühmt ihn, „dass er der einzige sei, welchen er in Wirzburg mit der griechischen Sprache vertraut gefunden habe.“ 239 Auch Wimpfeling empfiehlt seine Gedichte, die überwiegend handschriftlich überliefert sind. In der Universitätsbibliothek Würzburg sind erhalten: Oratio ad clerum Herbipolensem. 1509 (UBW M.ch.q.24,fol.2r-9v; Thurn III,2, S. 88) und Tetrastichon. (UBW M.ch.q.24, fol.10r; Thurn III,2, S. 88). Der Ebracher Zisterzienser Johannes Nibling gilt ebenfalls als fränkischer Humanist.240 Er hinterließ 4 handschriftliche Bände ‚Compilationes‟, die größtenteils aus Predigten, Predigtentwürfen, Gedichten, Briefen, Notizen zur Geschichte und Kulturgeschichte Ebrachs und zur Zeitgeschichte bestehen. Er schrieb u. a. deutsche Marienlieder, ein Annalied in dt. und ein dt. Lied auf St. Katharina. Resignierte als Prior am 3.4.1524; er starb 1526 zu Ebrach. Johannes Ludowici, ein Augustinermönch aus Würzburg (gest. 1480) sammelte und schrieb Predigtreihen für Sonntage und Heiligentage.241 Vom Würzburger Kartäuser aus der Kartause Engelgarten Heinrich Reicher ist eine 1450 kompilierte Papierhandschrift mit der Schrift ‚De divina sapientia, 1450‟ überliefert.242 Und der Baccalaureus und Lektor der Theologie im Würzburger Minoritenkloster Georg Antworter (geb. um 1430, gest. 17.3.1499), seit 25.2.1479 Weihbischof in Würzburg, verfaßte 1482 eine „Belehrung über das Beschwören der Geister“ in Form eines Briefes. Er stützte sich dabei auf den Traktat des Erfurter Kartäusers Jakob von Paradies (1381-1465) „De apparitionibus animarum separatarum“ von 1454.243 Den Humanisten und bedeutenden Dichter Konrad Celtis verbindet mit Würzburg die geographische Herkunft und die vielen engen Beziehungen zu den Würzburger

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nem Ringe, der ihm geschenkt worden etc.“ Trithemius: Cat., Vir. ill. P. 170); NDB 5, S. 732; Jöcher: Gelehrten-Lexikon 2, Sp. 809; Wendehorst: Neumünster S. 345-347, 543; Kl. Arnold: Engelhard Funck (Scintilla). Beiträge zur Biographie eines fränkischen Humanisten. In: JffL 52,1992,367-380 Th. Freudenberger: Der Würzburger Domprediger Dr. Johann Reyss. Münster 1954.- S.116f. Wegele I, S. 51; Trithemius: Epistolae familiares. Frankfurt. 1601 p. 557 (ex Herbipoli 16. August 1507) Geboren ca. 1463 in Volkach/Ufr., Zisterziensermönch in Ebrach, studierte in Heidelberg, erwarb den Magister artium und wurde Bacc. form. theol., Lektor der Theologie im Kloster Ebrach, dort ca. 1500 Prior; ADB 52, S. 615f.; P. Wittmann: Johannes Nibling, Prior in Ebrach und seine Werke. In: StMGBO 17,1896,583-600; 18,1897,68-79, 286-293, 429-438, 598-608; 19,1898,100-107, 271-278; P. Wittmann: Series abbatum monasterii Eberacensis. In: StMGBO 19,1898,630-647; „Zum Bamberger Sprengel gehört das Zisterzienserkloster Ebrach mit seinem Prior Johannes Nibling († 1526), dessen Chroniken und Tagebücher eine „wertvolle Fundgrube“ (Engel) für die Geschichte Ebrachs darstellen, dessen geistliche Lieder allerdings zu Unrecht ganz vergessen sind“. Pörnbacher in: HBG Bd. 2, S. 968; A. Kraus: Gestalten und Bildungskräfte des fränkischen Humanismus. In: HBG Bd. 3/1, S. 556-602; W. Engel: Varia Ebracensia. Aus dem „Hausbuch“ des Priors Johann Nibling. In: WDGBl 11/12,1949/50,213-216; W. Weigand: Geschichte der fränkischen Cistercienser-Abtei Ebrach. Landshut 1834 R. Düchting: Die lateinische Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 456 H. Thurn: Die Handschriften der kleinen Provenienzen und Fragmente. Wiesbaden 1990.- S. XII. Thurn berichtet, dass diese Handschrift 1984 in den Antiquariatshandel kam, „konnte aber infolge des hohen Preises nicht für unsere Bibliothek gewonnen werden.“ K. Eubel: Geschichte der oberdeutschen (Straßburger) Minoriten-Provinz. Würzburg 1886.- S. 188; H. Brunner: Die deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 1. Stuttgart 2001.- S. 475; VL2 1, Sp. 405; J. Werlin: Georg Antworters Belehrung über das Beschwören der Geister. In: Neuphilol. Mitt. 66,1965,210-216 (mit Edition)

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Mäzenaten und Dichtern; die Beachtung in der Theologie bekam er durch seine glaubensund kirchenkritischen Aussagen.244 Nach Celtis wirkten in Würzburg als Übersetzer vorwiegend antiker Autoren, als Gelegenheitsdichter und Historiographen Johannes Episcopius (gest. 1575) und Lorenz Albrecht (um 1540-noch 1583); besonders aber kamen vorher zu Bedeutung der Kanoniker am Stift Neumünster und bischöfliche Sekretär des Bischofs Lorenz‟ von Bibra Johann Sieder (belegt 1478-1501) als Übersetzer der Metamorphosen des Apuleius245, der Sekretär des Bischofs Rudolf von Scherenberg Johann Pfeiffelmann (belegt seit 1472, gest. vor Mai 1527) unter anderem durch die Plutarchübersetzung De mulierum vitutibus („Von den übertrefflichsten und berümptisten frauen“) und Walter Rivius. Zu diesem Kreis zählt auch Hieronymus Schenk von Siemenau. Er verfaßte pädagogische und theologische Schriften und schrieb auch deutsche Lieder.246 Peter Baumgart fasst zusammen: „Die bischöfliche Residenzstadt am Main war weder ein Zentrum des deutschen Humanismus noch wurde sie von der Reformation voll erfasst, aber beide Bewegungen hinterließen dort ihre deutlichen Spuren. Der Humanismus in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen prägt die gelehrte Geistlichkeit seit dem Wirken des Abtes Johannes Trithemius (bis 1516) ebenso wie die von ihr geförderte neulateinische Dichtung.“ 247 Als Förderer und Mäzenaten sind zu nennen der fürstbischöfliche Rat und Oberhofmeister (und Kartograf) Sebastian von Rotenhan (bis 1532), der Würzburger Domdekan Erasmus Neustetter (1523-1594)248, der Domscholaster Egolf von Knöringen und auch der Domkapitular Daniel Stiebar (1503-1555). „Während sich von den eigenen literarischen Arbeiten Neustetters mit Ausnahme einiger Briefe nichts erhalten hat, zählen die von ihm geförderten neulateinischen Dichter zu den wichtigsten ihrer Zeit, sodaß das Würzburg der frühen Echterzeit als „nahezu der Hauptort des deutschen Späthumanismus“ bezeichnet worden ist.“ 249 Stiebar pflegte eine lange FreundGeboren am 1.2.1459 in Wipfeld b. Schweinfurt, stud. Artes und Theologie in Köln und Heidelberg (Mag. Art. 1485), war Schüler Agricolas, lehrte Poetik in Erfurt, Rostock und Leipzig 1486/87, von Kaiser Friedrich III. am 18.4.1487 in Nürnberg zum 1. Deutschen Dichter gekrönt, ao. Prof. der Poetik und Rhetorik in Ingolstadt 1492, Rektor der Domschule in Regensburg 1494, Lehrer der Söhne des Kurfürsten Philipp in Heidelberg 1495/96, o. Prof der Rhetorik und Poetik in Wien 1497; † 4.2.1508 in Wien; LThK2 2 Sp. 991; LThK3 2, Sp. 988; Bönicke I S. 29; NDB 3, S. 181ff.; D. Wuttke: Conradus Celtis Protucius. In: Deutsche Dichter der frühen Neuzeit (1450-1600). Hrsg. von St. Füssel. Berlin 1993.- S. 173-199 245 Fr. Küenzlen: Verwandlungen eines Esels: Apuleius‟ „Metamorphoses“ im frühen 16. Jahrhundert; der Kommentar Filippo Beroaldos d. Ä.; die Übersetzungen von Johann Sieder, Guillaume Michel, Diego López de Cortegana und Agnolo Firenzuola. Heidelberg 2005; B. Plank: Johann Sieders Übersetzung des „Goldenen Esels“ und die frühe deutschsprachige „Metamorphosen“-Rezeption: ein Beitrag zur Wirkungsgeschichte von Apüleius‟ Roman. Tübingen 2004; Wendehorst: Neumünster S. 543; H. Brunner: Die deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Stuttgart 2001.- Bd. 1, S. 478f. 246 Er stammte aus einem verarmten ritterlichen Geschlecht am Obermain und dessen Nebenlinie Garstadt (bei Schweinfurt); nach 1501 lebte er in Würzburg als „miles auratus“ und zählte 1525 zu den Verteidigern der Festung gegen die aufständischen Bauern. Zu seinen Schriften: Kinderzucht. 1502; Von Maria reiner entfaung. 1503; Glossenlied zu „Salve Regina. 1504; Ein epistel in der beweist wirt das not und nutze sei mit geduld anfechtung jn dieser welt zuleiden aus bewerten Schriften. 1504; Honestissime semperque venerandi virginis nobilitatis descriptio. 1504; Kurze Auslegung des 144. Ps. (in: Peter Schwicker: in Septem penitentiarum psalmos elucidatio. Landshut 1514); u.a. ; VL2 8, Sp. 635ff.; H. Brunner: Würzburg als Literaturstadt im Mittelalter. In: Vom Großen Löwenhof zur Universität. Würzburg und die deutsche Literatur im Spätmittelalter. Wiesbaden 2000.- S. 247 P. Baumgart: Bildungswesen und Geistesleben (ca. 1525-1814). In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd.2, Stuttgart 2004.- S. 351 248 St. Römmelt: Erasmus Neustetter, gen. Stürmer (1523-1594) Domherr zu Würzburg und Propst des Stiftes Comburg. In: Fränk. Lebensbilder 18. Neustadt/Aisch 2000.- S. 33-54 249 U. Schlegelmilch: Lateinische und deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd.2. Stuttgart 2004.- S. 713; siehe Schlegelmilch auch für das Folgende; A. Schmid: Die Anfänge der Bistumshistoriographie in den süddeutschen Diözesen im Zeitalter des Humanismus. In: RQ 91,1996,230-262; F. A. Reuß: Gedrängter Abriß der älteren Würzburgischen geschichtlichen Literatur und der öffentlichen Bibliotheken dieses vormaligen Hochstiftes. StAW, HV MS. F.* 144 244

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schaft mit Joachim Camerarius250, Philipp Melanchton und Erasmus von Rotterdam, er förderte den Leibarzt von Melchior Zobel und Dichter Johannes Sinapius (Senf, um 1505-1561)251 und den Schlüchterner Dichter Petrus Lotichius Secundus (1528-1560). Neustetter prägte das literarische Leben mit durch die Freundschaft mit dem bischöflichen Leibarzt Johannes Posthius (1537-1597), dem Dichter Lotichius, dem Niederländer Poeten Franciscus Modius (1556-1597); er stand in Kontakt mit Jacob Micyllus, Paulus Melissus, Konrad Dinner (um 1540-nach 1596) und Caspar Stüblin (1526-1562), die beiden letzteren wirkten als Lehrer am neuen Pädagogium Wirsbergs, und dem Historiker Nikolaus Cisner. Neben dem „Klosterhumanisten“ und Geschichtschreiber Trithemius bildete sich in Würzburg eine nicht ganz unbedeutende Bistumshistoriographie bzw. Hofhistoriographie heraus. Angefangen mit der „Ratschronik der Stadt Würzburg“ des Ungeldschreibers Siegfried von Bacherach, verschiedenen Bischofslisten (z. B. in ÖNB cod. 12662, fol. 169 oder UBW M.ch.f.187) sind als Historiographen zu nennen: Lupold Hornburg, Graf Wilhelm Werner von Zimmern (1485-1575)252, Caspar Brusch (1518-1557)253, Lorenz Fries (1489/91-1550) mit seiner berühmten Bischofschronik bis aufs Jahr 1495 (s.u.), Johann Episcopius (gest. 1575) mit der Reimchronik254, Lorenz Albrecht (Albert, um 1540nach 1583) und seine Chronik255, Johann Sinapius (1505-1561) über den Zobelmord, über den auch Konrad Dinner256, Caspar Stüblin257, Petrus Lotichius Secundus258, und Johannes Major (1533-1600)259 schrieben, Michael Beuther aus Karlstadt (1522-1587) lange Zeit Rat des Bischofs Zobel260, der Würzburger Stadtschreiber (ab 1504) Martin Cronthal über den Bauernkrieg. Im 18. Jahrhundert setzte die Geschichtsschreibung in Würzburg Johann Georg Eckhart (1674-1730), Johann Peter Ludewig (1668-1743) und Ignatius Gropp OSB (1695-1758) fort. Nicht vernachlässigt sollten die Hauschronik der Würzburger Jesuiten für die Jahre 1742 bis 1772, die Hauschronik des Dominikaner Andreas Pfaff und die Chronik des Domvikars Andreas Geißler (1705-1779) werden. Nicht mehr als ein Abriß konnte hier geboten werden. Es ist zu verweisen auf die Arbeiten zum lateinischen und deutschen Schrifttum bis zu den Schriften der Aufklärung unter Joachim Camerarius (1500-1574). Beiträge zur Geschichte des Humanismus im Zeitalter der Reformation. Hrsg. von Frank Baron. München 1978 251 Bönicke I, S. 30f.; R. Düchting: Die Lateinische Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Bd. 1, S. 458 252 Die Würzburger Bischofschronik des Grafen Wilhelm Werner von Zimmern und die Würzburger Geschichtsschreibung des 16. Jahrhunderts. Hrsg. von Wilhelm Engel. Würzburg 1952 253 Magni operis de omnibus Germaniae episcopatibus epitomes tomus primus. Nürnberg 1549; dt. Übersetzung durch Johann Herold. Frankfurt 1551 254 Ein news und schönes Büchlein von der Stat Würtzburg. Rothenburg o.d.T. 1569 255 Chronick ... der fürnembsten Geschicht der Francken. Köln 1571 256 Elegia Conradi Dinneri in miserabilem caedem D. Melchioris Zobelli. Basel; Cl. Wiener: Ex admiratore amator. Ein Blick auf Conrad Dinners poetisches Werk und seinen Adressaten und Protagonisten Abt Johann IV. Burckhardt. In: Benediktines Mönchtum in Franken vm 12. bis zum 17. Jahrhundert. Zum 400. Todestag des Münsterschwarzacher Abtes Johannes IV. Burckhardt (1563-1598) Hrsg. von Elmar Hochholzer. Münsterschwarzach 2000.- S. 15-67; E. Schubert: Conrad Dinner. Ein Beitrag zur geistigen und sozialen Umwelt des Späthumanismus in Würzburg. In: JffL 33,1973,213-238; A. Wendehorst: Mitteilungen aus der Gothaer Handschrift Chart. A. 185 zur Geschichte der Würzburger Bischöfe Konrad von Thüngen (1519-1540) und Melchior Zobel von Giebelstadt (1544-1558). In: WDGBl 35/36,1974,149-167 257 Historia de caede M. Zobell G. Stibline autore.. Basel ???; Satyra in sicarios. 1559; I.-D. Jahn: Kaspar Stiblin: Commentariolus de Eudaemonensium Republica (Basel 1555). Regensburg 1994; E. Kleinschmidt: Humanistische Frauenbildung in der frühen Neuzeit. Gaspar Stiblins „Coropaedia“ (1555). In: Zs für dt. Altertum und dt. Literatur 127,1998,427-442 258 Historica narratio.??? Dt. Gedicht über Grumbach in StAW, HV MS. Q.255 259 Carmen in alastorem W. a Grumbach. 1566 260 Aus seiner Würzburger Zeit bevor er aus reformatorischer Überzeugung nach Heidelberg ging, sind zu erwähnen: Fasti Hebraeorum Atheniensium et Romanorum. Basel 1556; Ephemeris historica. Basel 1556; Calendarium historicum. Frankfurt 1557 250

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J. C. Barthel (1697-1771), Franz Oberthür (1745-1831), Michael Feder (1754-1824), Franz Berg (1753-1821) und schließlich Michael Ignaz Schmidt (1736-1794), von Peter Baumgart, Horst Brunner, Reinhard Düchting und Ulrich Schlegelmilch z. B. in der „Geschichte der Stadt Würzburg“ und in den übrigen Handbüchern.261 Die Universität von 1582 brachte eine wesentlich neue Situation. Jetzt gingen von ihr wesentliche Impulse aus. Wissenschaftliches theologisches Schrifttum hatte ein Zentrum. Und, auch die Jesuiten pflegten die so beliebte Gelegenheitsdichtung.262 5. Die jesuitische Theologische Fakultät in Würzburg 1582-1773 Die Theologische Fakultät hatte fast seit Beginn 1582 und dann auf lange Zeit 4 Lehrstühle. Es gab zwei Lehrstühle für scholastische Theologie, die Dogmatik nach der Summa Theologiae des Thomas von Aquin lasen. Mit dem Lehrstuhl, der sich mit der Heiligen Schrift befasste, war in der Regel der Unterricht in hebräischer Sprache und anderen orientalischen Sprachen verbunden. Der Lehrstuhl für Moraltheologie war der Lehrstuhl für praktische Theologie, d.h. hier wurde der Stoff für den Seelsorger behandelt: Gewissensfälle, einschlägiges kanonisches Recht (meist Eherecht) und Kontroverstheologie. Die ersten Statuten der neugegründeten Universität Würzburg sind datiert vom 15.10.1587.263 Ebenfalls aus dem Jahre 1587 stammen die Statuten der Theologischen Fakultät. Wegele druckt sie von Ruland ab und bemerkt dazu: „Das Original oder die betreffende Abschrift, auf die Ruland p. XI der Vorrede verweist, hat sich nicht finden lassen wollen.“ 264 Die Statuten haben 11 Tituli. Sie beginnen mit den liturgischen/kultischen Vorschriften: am Fest Pauli Bekehrung (25. Januar) sollen alle Mitglieder der Fakultät, Doktoren, Licentiaten, Baccalaurei und Studiosi an einem Gottesdienst in der (Zwölf-) Apostelkirche265 oder in einer anderen von der Fakultät zu bestimmenden Kirche teilnehmen, ebenso prima feria secunda mensis Junii an einem Gottesdienst für die verstorbenen Mitglieder der Fakultät.266 Der zweite Titel der Statuten behandelt die Disziplin bis hin zur Kleiderordnung. Im dritten Kapitel geht es um die Ämter und Pflichten in der Fakultät, d.h. die Lehrstühle, die Disputationen und das Dekanat. „Damit die Studenten unserer Fakultät nicht viele Jahre in den Schulen festgehalten werden, was große Ausgaben verursachen würde, so wird bestimmt, dass der theologische Lehrgang in vier oder höchstens fünf Jahren von unseren Professoren abgeschlossen wird. Wer in diesem Zeitraum die vorgeschriebenen Lektionen fleißig gehört und sich in den Schulakten mit Erfolg geübt hat, kann sich dann um den akademischen Grad bewerben.“ 267 Im dritten Titel werden 4 Lehrstühle „perpetuo“ vorgeschrieben: 2 Lehrstühle sollen scholastische Theologie lehren, der dritte Lehrstuhl Heilige Schrift und der vierte Gewissensfälle, 261

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P. Baumgart: Bildungswesen und Geistesleben (ca. 1525-1814). In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd.2, Stuttgart 2004.- S. 351-381; H. Brunner: Die deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Stuttgart 2001.- Bd. 1, S. 466-479; R. Düchting: Die lateinische Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Stuttgart 2001.Bd.1, S. 450-458; U. Schlegelmilch: Lateinische und deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Bd. 2. Stuttgart 2004.- S.703-728 z.B. die Encaenistica poematia. Kirchweihgedichte der Jesuiten zur Einweihung der Universitätskirche 1591. Vgl. U. Schlegelmilch: Lateinische und deutsche Literatur. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 2. Stuttgart 2004.- S. 716 Wegele II Nr. 70 S. 147; Fr. J. Fröhlich: Über den Geist der Statuten, welche der große Fürstbischof Julius zu Würzburg seiner neubegründeten Universität gab. In: AU 6,1840,H.2,115-167 Wegele II Nr. 71 S. 175ff., hier S. 191; Ruland: Series p. 237-257; der Text wird im Anhang abgedruckt! die Neubaukirche wurde 1591 den 12 Aposteln geweiht. Braun I S. 385 Vgl. dazu auch die Agenda vom Jahre 1748 mit den Festen der Theologischen Fakultät. Abgedruckt bei Wegele im Anhang I S. 497ff. zitiert nach Braun I S. 320; wie Braun im folgenden berichtet, wurden weder die eigentlich vorgesehenen 2 Jahre Philosophie noch die 3 Jahre Theologiestudium streng eingehalten. Außerdem konnten sowohl die Vorlesungen in der Heiligen Schrift als auch die in Moral mit dem letzten Jahr der philosophischen Studien betrieben werden

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kanonisches Recht oder Kontroverstheologie. An den Samstagen (wenigstens an jedem zweiten) soll der Lehrstoff mit den einschlägigen Professoren disputiert werden. Der Rest des 3. Kapitels besteht aus den Vorschriften für die Dekanatswahl. Der Dekan ist jährlich am Fest Pauli Gedächtnis (30. Juni) in geheimer Wahl nach den Vorschriften des Tridentinums aus den Doktoren des Consilium facultatis zu wählen. Die Titel 4 bis 9 befassen sich mit den akademischen Graden. Darüber mehr im 2. Teil des ‚Studiums Herbipolense‟. Die Aufnahme in das Consilium Facultatis ist nach Titel 10 mit einem Obolus und einem Eid auf den katholischen Glauben nach dem Tridentinum verbunden. Der 11. und letzte Titel regelt schließlich die Gebühren und Abgaben bei Erlangung der akademischen Grade, die an den Pedell, an den Kanzler und die übrigen Beteiligten zu leisten sind. Ausdrücklich werden die Jesuiten von allen Abgaben befreit. Der älteste uns erhaltene Lektionskatalog vom Jahre 1604 listet jene Bücher auf, die im 3. Jahr Theologie zu lesen sind: Der erste Scholast (P. Masionus) liest Sakramentenlehre nach Thomas (S. Th. IIIa), der zweite (P. Roestius) Actio humana, Sünde, Gnade (S. Th. Ia IIae). Der dritte Theologe (Christoph Marianus) liest Moraltheologie nach den Zehn Geboten. Der Bibliker schließlich behandelt die hebräische Grammatik nach Bellarmin und die Psalmen.268 An der theologischen Auseinandersetzung zwischen dem Predigerorden und den Jesuiten über die sog. Gnadenhilfen nahmen auch die Würzburger Theologen teil. Sie erstellten ein Gutachten in Form eines Briefes an Papst Clemens VIII.: De Divinae Gratiae vi et efficacia vom 7. Juli 1601. Es unterzeichnen: Filii obedientissimi in Academia Herbipolensi Theologiae Doctores et professores: Weibischof Dr.theol. Eucharius Sang, Generalvikar Lic. theol. Georg Schweickard, Kanonikus im Stift Haug Dr. theol. Erasmus Schaiblein, Geistl. Rat und Kanonikus/Scholasticus im Stift Neumünster Dr. theol. Magnus Schmidt, Domvikar Dr. theol. Nikolaus Gobelius, Subprior im Würzburger Dominikanerkloster Dr. theol. Balthasar Buchner, Concionator Generalis im Franziskanerkloster in Würzburg Dr. theol. Kaspar Levibach, Rektor im Jesuitenkolleg in Würzburg Heinrich Haver, Studienpraefekt im Jesuitenkolleg in Würzburg Hermann Sundorp und die vier Jesuitenprofessoren Petrus Thyraeus, Johannes Pernotus, Martin Becanus und Thomas Mationius (Tossanus Massionus).269 Die Würzburger Theologen sprachen sich in dem Brief gegen die physische Praedeterminatio, also gegen die Vorstellungen des Predigerordens aus. Über den Versuch Herzog Bernhards von Weimar (seit 20. Juni 1633 Herzog von Franken mit den Hochstiften Bamberg und Würzburg), die Wiederherstellung der Universität und des Gymnasiums mit der Anstellung von „qualificirten gelehrten und der ungeenderten Augspurgischen Confession zugethanen redlichen Leuthen“ zu bewerkstelligen und diese aus dem Vermögen der Klöster Ober- und Unterzell und Schwarzach zu besolden, ist der 30jährige Krieg hinweggegangen.270 Wie gestört das Universitätsstudium in Würzburg im 30jährigen Krieg tatsächlich war, lässt sich daran ablesen, dass in der Theologischen Fakultät zwischen 1627 und 1646 keine Graduierungen stattfanden. 1623-1624 war der eine scholastische Lehrstuhl auch un268 269

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Wegele II Nr. 90 S. 225; Keller a.a.O S.18ff. druckt den Lektionskatalog des Gymnasiums von 1567 ab Text bei Ruland S. 258ff; „Der sog. Gnadenstreit bildete die wichtigste innerkatholische Auseinandersetzung um die Gnade im 16./17. Jahrhundert. Die Prediger des Predigerordens verstanden Gnade nicht nur als Bedingung, sondern als Ursache der menschlichen Zustimmung im Sinne einer physischen Vorherbestimmung („praedeterminatio physica“). Die Theologen der Gesellschaft Jesu lehrten im allgemeinen, die Gnade werde dem Menschen stets im gleichen Maße angeboten, wobei Gott durch „scientia media“ um die freie Entscheidungen des Menschen wisse“. H. Denzinger: Enchiridion symbolorum definitionum et declarationum de rebus fidei et morum. 37. Aufl. 1991.- S. 611 Wegele II Nr. 103 S. 266 vom 2. Mai 1634; zum Plan die Alma Julia in eine protestantische Fürstenschule sächsischen Typs umzugestalten und zur Berufung des protestantischen Theologen Georg Calixt aus Helmstedt vgl. P. Baumgart: Bildungswesen und Geistesleben (ca. 1525-1814). In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 2, Stuttgart 2004.- S. 362f.

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besetzt.271 In der Medizin war die Lücke zwischen 1627 und 1642. In der Juristischen Fakultät fanden zwischen 1623 und 1643 nur 2 (1636) und in der Philosophischen Fakultät zwischen 1625 und 1643 nur 1 (1631) Graduierung statt. Wegele weist darauf hin, dass auch im Matrikelbuch der Universität Würzburg eine große Lücke zwischen dem Juli 1631 und dem 1. Oktober 1636 klafft.272 Die Jesuiten, die geflohen waren, kehrten ab 1636 allmählich wieder zurück und nahmen den Unterricht in der gewohnten Weise wieder auf. Allerdings ist uns nur die Lehrtätigkeit des Jesuiten Wolfgang Biber bekannt. „Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass die betreffende Überlieferung in diesem Falle lückenhaft ist.“ 273 Bedauert wurde auch die Flucht von Athanasius Kircher aus Würzburg, der in den Jahren 1629 bis 1631 orientalische Sprachen für die Theologen lehrte. Der Streit um den Dekan der Theologischen Fakultät bildete nach dem Krieg nur ein kurzes Zwischenspiel. „Das schon früher erwähnte Herkommen, dass der Rektor des Jesuitenkollegiums regelmässig Decan der Theologischen Fakultät war, hatte sich nach der Wiederherstellung gleich wieder geltend gemacht: ein Mitglied der Juristen-Fakultät ... Professor Falck brachte diese Angelegenheit im November 1637 im Senate zur Sprache und hob als bedenklich an dieser Praxis namentlich das Eine hervor, dass dies so gehalten werde, wenn der betreffende auch nicht Professor, sondern nur Doktor der Theologie sei und irgend einmal an irgend einer Fakultät gelesen habe. Der Senat trat denn auch unverzüglich in die Erörterung dieser Frage ein, jedoch schloss sich keiner seiner Collegen Falcks Zweifeln über die Zweckmässigkeit und Rechtmässigkeit jenes Herkommens an, er blieb mit seinem Einspruch allein und die übrigen Mitglieder des Senats erklärten die in Frage gestellte Gewohnheit für Gesetz.“ 274 Wegele sieht Professor Falck zwar im Recht mit seiner Anregung, bedauert aber, dass Professor Falck mit seinem Lebenswandel der Sache nicht nützlich war. 1647 wich man von diesem Herkommen ab; Prof. Wolfgang Biber SJ wurde Dekan. 1669 wurde der Versuch gemacht, zur alten Praxis zurückzukehren; P. Caspar Hopf, Rektor des SJ-Kollegs wurde zum Dekan gewählt. Die Juristen und Mediziner widersetzten sich, ihn in den Senat aufzunehmen, weil er nicht auch Professor sei. Doch der Rektor entschied nun zu Gunsten von P. Hopf.275 5.1. Neue Impulse für die Universität unter Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (1642-1673) Johann Philipp von Schönborn wurde am 16. August 1642 zum Fürstbischof von Würzburg gewählt. Mit ihm setzte ein allmählicher Wiederaufstieg der Universität und die Reorganisation des Schulwesens ein. Er erließ am 14. Februar 1661 eine Vorschrift, nach der jeder Weih- und Graduierungskandidat vorher einer ausdrücklichen Prüfung in Kontroverstheologie (circa articulos fidei controversios ex locis S. Scripturae) ablegen musste. Dies galt auch für Religiose.276 Für diese Zeit (ca. 1660-1670) gibt Braun eine Studiendauer für das theologische Studium im engeren Sinne von zweieinhalb, mindestens aber von zwei Jah271

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H. Hoffmann: Nachrichten über Würzburger Theologiestudenten während des Dreißigjährigen Krieges nach einem juliusspitälischen Archivale. In: WDGBl 44,1982,125-146; Während des Dreißigjährigen Krieges übernahmen die Franziskaner den Unterricht am Gymnasium in Würzburg (die Aufführung einer Schulkomödie über den Hl. Christoph am 10. November 1633 im Klostergarten ist überliefert). Vgl. K. Eubel: Geschichte der oberdeutschen (Straßburger) Minoriten-Provinz. Würzburg 1886.- S. 121; M. Sehi (Hrsg.): Im Dienst an der Gemeinde. 1972.- 101 („P. Guardian Johann Wendel erteilte während der Abwesenheit der Jesuiten von Würzburg in dem Franziskanerkloster für die Kleriker und die weltlichen Studenten Philosophieunterricht. Hier dürfte wohl auch der Beginn eines eigenen Hausstudiums zu suchen sein, das viele Jahre bestand.“ „so traten mit dem Herbst 1636 doch sämmtliche Fakultäten in Aktion, begannen ihre Vorlesungen und hielten sogar noch zuvor Promotionen ab.“ (Wegele I, S. 347); Braun II, S. 78; „am 18. April 1632 wurde der letzte Student ins Alumnat aufgenommen, und erst im Jahre 1636 begann wieder die Aufnahme mit elf Studenten“. Vgl. Braun II, S. 3; Wegele I, S. 349 Wegele I, S. 348 Wegele I, S. 364 Wegele II Nr. 111 S. 281f. vom 14. Februar 1661; Braun II, S.132f.

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ren an. „Beinahe Alle mussten Dogmatik zwei Jahre hören; nur wenige gering Talentierte wurden nach dem Studium der Moral (2 Jahre) ausgeweiht.“ 277 „Ein Jahrhundert langsamer Entwicklung“ überschreibt Wegele die Zeit von 1634 bis 1731. 278 Für die Theologische Fakultät war es eine fruchtbare Zeit. Kaum ein Jahr verging ohne dass mehrere Graduierungen stattfanden, insgesamt mehr als 200, und viele davon aus den Orden: Jesuiten, Benediktiner, Augustiner, Praemonstratenser und auch Franziskaner.279 Die Schmausereien und Zechgelage, die auf die Disputationen pro gradu in dieser Zeit zu folgen hatten, scheinen sich allzu missbräuchlich entwickelt zu haben. Der Senat stellte beim Fürsten den Antrag, diesen „Doktorschmaus“ abzuschaffen und der Fakultät zu überlassen, was die beteiligten Professoren erhalten dürften. Johann Philipp genehmigte am 10. 4.1656 diesen Antrag. Johann Philipp von Schönborn, der seit 1647 auch Erzbischof von Mainz und ab 1663 zusätzlich noch Bischof von Worms war, übertrug die Leitung des geistlichen Seminars trotz vieler Anfeindungen seitens des Welt- und Ordensklerus, am 5.1.1654 den Bartholomäern. Er ernannte Dr. theol. et jur. can. Ulrich Rieger zum Regens. 1684 wurde Dr. theol. et jur. can. Philipp Braun zum Regens ernannt; er war der letzte Bartholomäer und leitete das Priesterseminar bis 1693.280 Ganz aus dem Geist der Zeit und bedeutsam für die ganze Geschichte der Universität Würzburg war wohl die Errichtung eines Lehrstuhls für Geschichte im Jahre 1720. Der Lehrstuhl wurde in der Theologischen Fakultät errichtet, wohl weil man in dem in der Theologischen Fakultät Scholastik und Moral lehrenden Jesuiten Johann Seyfried einen geeigneten Mann vorfand. Dieser hatte im Jahre 1712 die „Philosophia Herbipolensis aeternae Episcoporum ... et Franconiae Orientalis ducum memoriae devotum“ herausgegeben. Mit diesem Werk hatte sich Seyfried sicherlich eine Qualifizierung für seine Berufung verschafft. Auf Seyfrieds Intervention hin berief Johann Philipp Franz von Schönborn 1724 dann auch Johann Georg von Eckhard als Hof- und Universitätsbibliothekar und Historiographen; dessen wissenschaftliche Leistung Wegele wesentlich höher einschätzte als diejenige des Jesuiten Johann Seyfried. Eckhards Auftrag lautete, eine Geschichte Ostfrankens, bzw. des Hochstifts Würzburg zu schreiben. Bis zu seinem Tode am 9. Februar 1730 erschienen 2 Bände, die bis ins 10. Jahrhundert reichten. Ihr Titel lautete: Commentarii rerum Franciae Orientalis, und sie erschienen 1729.281 Aus der Fränkischen Landesgeschichtsforschung entwickelte sich in der Folge eine hervorragende Geschichtswissenschaft in Würzburg.282 „Die Epoche der Organisationen und der Aufklärung“ betitelt Wegele (I, S. 414) die Zeit von 1729 bis 1795. Den Geist der neuen Entwicklungen versteht Wegele so: „Was könnte merkwürdiger sein, als ein, auf den Grundsätzen des Mittelalters und theokratischen Fundamenten auf277 278 279 280 281

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Braun II, S.133f.; O. Dürr: Philipp Adolph von Ehrenberg, Bischof von Würzburg (1623-1631). Würzburg Phil. Diss. 1933 Wegele I, S. 345; A. Schäffler: Die erste Säkularfeier im Jahre 1682. In: Würzburger UniversitätsAlmanach. Festausgabe 1932/33 zur 350-Jahr-Feier der Julius-Maximilians-Universität. 1932,35-37 Wegele I, S. 364 R. Weigand: Die Leitung des Priesterseminars Würzburg von 1575 bis 1750. In: Mit der Kirche auf dem Weg. S. 59f. Wegele I, S. 401ff.; II Nr. 131 S. 319f. ; H. Baehrecke: Johann Georg von Eckart. Phil. Diss. 1943; H. Raab: Biographisches über den Würzburger Hofhistoriographen Johann Georg von Eckhart. In: WDGBl 18/19,1956/57,212-216; K.-J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg: 1978.- S. 56ff.; St. Benz: Zwischen Tradition und Kritik. Die katholische Kirchengeschichtsschreibung im barocken Heiligen Römischen Reich. Phil. Diss. ErlangenNürnberg 2000; H. Leskien: Johann Georg von Eckhart (1674-1730). Das Werk eines Vorläufers der Germanistik. Würzburg Phil. Diss. 1965 H. Huss: Die Geschichtswissenschaft an der Universität Würzburg von der Gründung der Universität bis zur Auflösung des Jesuitenordens.Würzburg: 1941.- phil. Diss.; J. Petersohn: Franz Xaver Wegele und die Gründung des Würzburger Historischen Seminars (1857). Mit Quellenbeilagen. In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. 1982.- S.483-537

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gebautes Staatswesen, unter der Leitung einsichtiger und wohlwollender Fürsten den Versuch machen zu sehen, mit dem gährenden und wühlenden Geiste der Neuzeit eine Verständigung suchen zu sehen?“ 283 Der neue Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn (1729-1746) ernannte noch 1729 eine Kommission aus dem Rektor und den vier Dekanen, die Vorschläge für eine als nötig befundene Reform des Studiums an der Universität Würzburg ausarbeiten sollte. Das Ergebnis der Beratungen der Kommission wurde niedergelegt in der neuen Studienordnung vom 4. November 1731 und in einer vermehrten Fassung vom 21. Juli 1734. Dazu gab es noch einen Separatabdruck von 1743.284 Diese neuen Studienordnungen von Friedrich Karl von Schönborn befassen sich mit den Unteren und Oberen Schulen und den vier Fakultäten, wobei dem Studium Historicum ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Vor allem den Juristen und Theologen wird das Studium der Geschichte anbefohlen, für die Theologen sogar in der Form, dass die defensio historiaca als defensio pro prima laurea theologica gilt. Für den Theologen ist das Geschichtsstudium auch notwendig „zur Begründung seiner Lehr nebst der heiligen Schrift“. Aus dem Kapitel über die Theologie greifen wir heraus: „Dass die tractatus in theologia scholastica alle Jahr gantz sollen ausgeführet und zu End gebracht werden, mit Uebergeh- und Einschranckung überflüssiger und zu dem Hauptwerck nicht dienender Fragen und Materien.“ Die defensiones theologicae sollen nicht auf den letzten Monat des Jahres verschoben werden, sondern das ganze Jahr über stattfinden. Dabei soll die eine oder andere „Materie“ völlig ausgearbeitet werden. In der theologia polemica - patristica ist „mit Sorg zu sehen, dass alle ohnehin dem Wort Gottes und dem wahren alten Christenthum widerstrebenden Schändungen und Schmähungen vermeydet und vielmehr darauf gesehen werden möge, damit die rechte Grundsätze des alten katholischen Glaubens wohl gefasset und gegen alle irrige Meynungen kräfftig bevestiget werden.“ Wer graduiert werden oder in die Seelsorge gehen will, muss nachweisen, dass er die theologia moralis gehört hat. Alle Disputationen sollen Thesen aus der Moraltheologie (zu ihr zählte auch die Liturgik, welche die Unterweisung über die Ausspendung der Sakramente beinhaltete) enthalten und alle, die um eine Pfarrei anhalten, sollen darin geprüft werden. Der Bischof empfahl der Theologischen Fakultät die Verwendung guter Bücher zu diesem Stoff und auch die Herausgabe eigener Bücher.285 Die theologia speculativa sei „vera sedes et fundamentum totius fidei et religionis“, aber eigentlich nur für diejenigen, die dazu auch Talent haben. „Das andere ist die theologia, welche zu der Seelsorg geaignet und zu erlernen ist,“ die Theologie, die man anwenden kann: die Polemik, die Moraltheologie und das canonische Recht.286 283 284

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Wegele I, S. 415 Des Hochwürdigsten des Heiligen Römischen Reichs Fürsten und Herrn, Herrn Friderich Carl, Bischoffen zu Bamberg und Wirtzburg ... Verordnung Und Verbesserte Einrichtung Bey Dero Wirtzburgischen Universität. Mit darzu ertheilther Gnädigster Erlaubnis in den Druck gegeben Durch Joh. Jac. Christoph Kleyer. Wirtzburg 1743. 41 Bl.; Otto Meyer (Hrsg.): Friedrich Karl von Schönborn, Fürstbischof von Würzburg und Bamberg: Studienordnung für die Universität Würzburg. Faksimile der 1. Aufl. aus dem Jahr 1743. Würzburg 1980; M. Domarus: Das Bildungswesen in Würzburg unter Friedrich Karl von Schönborn (1729-1746). Phil. Diss. Würzburg 1943; P. A. Süß: "Zu des Landes wahrer Wohlfahrt und Unserer getreuen Unterthanen zeitlichem und ewigen Heyl". Die Würzburger Universität im Vorfeld der Aufklärung: Friedrich Karl von Schönborns Hochschulreform. In: MfrSt 60,1996,43100; Braun II, S. 215ff. Braun II, S. 217 (spricht hier von der Einführung eines neuen Faches: „Um die Einführung dieses neuen Faches zu erleichtern, solle die Fakultät in Erwägung ziehen, ob es nicht zuträglich sei, sich gedruckter guter Bücher bei diesen Vorlesungen zu bedienen, wobei es dann doch jedem Professor frei stehe, seine abweichenden Meinungen aufzeichnen zu lassen.“); J. Theiner: Die Entwicklung der Moraltheologie zur eigenständigen Disziplin. Regensburg 1970 „Am wichtigsten war aber die Zweiteilung des Unterrichts. Der niedere Unterricht (ad doctrinam), sollte für die gewöhnlich Talentierten zur Ausbildung in der praktischen Seelsorge dienen und deshalb sämtliche Traktate aus der Dogmatik, daneben aber noch hauptsächlich Polemik, Moral und Kirchenrecht umfassen. Zum höheren Unterricht und dem studium post doctrinam, sollten nur auserlesene, wenige, besonders talentierte Leute herbeigezogen, und ihnen eine über das Schulstudium hinausgehende Gelehrsamkeit möglich gemacht werden; dahin gehörte also die spekulative Theologie.“ Braun II, S. 217

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Die neue Fassung der Studienordnung von 1734 brachte nichts Neues zur Theologie, vielleicht war sie etwas klarer im Ausdruck.287 Als Anhang an die Neuordnung von 1734 entstand ein „Kurzes Verzeichnis dessen, was an der Universität unentgeltlich gelehrt wird“. Aus der Theologie wird aufgezählt: Canonicum Jus, Hebraica lingua, Theologia moralis, Theologia polemico-positiva, Theologia scholastica. Kirchenrecht hatten die Priesterkandidaten im 3. Studienjahr in der Juristischen Fakultät bei dem Regens und Juristen Joahnn Caspar Barthel (Prof. für Kirchenrecht 1727 bis 1743) zu hören. Mit ihm verbindet man eine romkritische, episkopalistische, dem Febronianismus huldigende Theologie.288 In den Unteren Schulen wird bereits gelehrt die Historia veteris et novi Testamenti necnon quatuor Monarchiarum: Assyriorum, Persarum, Graecorum et Romanorum. Die Historie wird in einem für Jedermann offenen Kolleg gelehrt.289 Die Verordnung des Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn vom 22. September 1742 besagt, dass in der Professur für Geschichte sowohl Profan- als auch Kirchengeschichte gelehrt werden soll und nicht ohne Zustimmung der Jesuiten, d.h. mit Jesuiten zu besetzen ist.290 Anselm Franz von Ingelheim setzte 1747 die Dauer des philosophischen Kurses auf zwei (statt drei) Jahre fest, und verlangte, dass die Professoren der Theologie und Philosophie ihre Vorträge nicht mehr diktieren, sondern Lehrbücher zu Grunde zu legen haben und eifrig über das Vorgetragene disputieren lassen. Dieses Verbot des Diktierens sei 3 Jahre später zum Teil wieder aufgehoben worden und erst 16 Jahre später auch die Aufhebung wieder aufgehoben worden, bemerkt Wegele ohne nähere Quellen anzugeben.291 Bischof Karl Philipp von Greiffenklau (1749-1754) erneuerte die Satzungen für die Universität Würzburg am 4. November 1749. Der Theologischen Fakultät sind 12 Absätze gewidmet. In dem einleitenden Satz drückt er seine Hoffnung aus, dass die Professoren der Theologischen Fakultät nicht ohne triftigen Grund einen häufig beklagten Ortswechsel (die Jesuiten wechselten ihre Dozenten häufig von einer Niederlassung zur anderen) vornehmen. Absatz 1 betont den Vorzug des Erklärens vor dem Diktieren. Die beiden Scholastiker können die Erklärung ihres eigenen Partes auch drucken lassen (§2). 292 Er wünschte, dass der theologische Stoff in 8 Traktaten vorgelegt wird und der Druck ohne Umstände von der öffentlichen Kasse bezahlt wird. § 3: Die Glaubenssätze sollen an dem Wort Gottes, den Konzilien und den Kirchenvätern so befestigt werden, dass für jeden gesunden Schiedsrichter „unsere Theologie“ als unumstößlich begründet ist. § 4: Im Absatz 5 wird betont, dass eine humana et sana philosophia die Glaubenswahrheiten so unterstützen soll, dass der Verstand sie klar erkennt und der Wille sie anziehend findet. Rektor und Dekan müssen den Lektionskatalog approbieren. § 6: Die „theologia polemico287

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Wegele I, S. 415ff.; II Nr. 136 S. 323ff.; II Nr. 143 S. 356ff.; K.-J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg: 1978.- S. 72ff.; Verordnung und verbesserte Einrichtung der wirzburgischen Universität. Druck erst 1743; vgl. Bönicke II, S. 37f.; Wegele II, Nr. 143 S. 356ff. Braun spricht von „gallikanischen Anschauungen“. Braun II, S. 220 Wegele II Nr. 143 Anhang II S. 395f.; P. Baumgart: Bildungswesen und Geistesleben (ca. 1525-1814). In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd.2, Stuttgart 2004.- S. 368 Wegele II Nr. 148 S. 401 Wegele I, S. 433f. (Kürzung des Philosophiestudiums von 3 auf 2 Jahre. Verwendung von Lehrbüchern statt Diktat); Bönicke II S. 122ff. („Mit dem Verlangen des Fürsten stimmten auch die Wünsche vieler Kandidaten überein: denn bey all ihrer Zufriedenheit mit den Traktaten legte sich doch fast ein jeglicher noch einen Schriftsteller bey. Einige wählten den Simonet, andere den Habert, Tourneley, welche beyde den meisten Beyfall fanden, andere den Collet, Billuart, Berti etc. etc. Einige, denen die Gelegenheit dazu günstig war, benutzten Natalis Alexanders fruchtbare Kirchengeschichte, oder Petays vortreffliche Dogmata theologica.“); K.-J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg: 1978.- S. 263 Verwendete Handbücher: Ludwig Habert: Theologia dogmatica et moralis.- Jakob Platel: Synopsis totius cursus theologici. 1678ff., 4. dt. Ausg. 1741; Andere: Tourneley, Collet, Billuart, Berti, Natalis Alexander: KG, Petay: Dogmata theologica; Wegele II, Nr.152 S. 405ff.; Gegen das bloße Diktieren hatte man sich schon frühzeitig bei den Jesuiten ausgesprochen: „sodaß die ganze Vorlesung ein fortgesetztes Diktieren geworden und gleichsam der Lektor zum Diktierer (dictator) und der Hörer zum Schreiber geworden.“ vgl. B. Duhr: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge. 1. Bd. Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im XVI. Jahrhundert. Freiburg i. Br. 1907.- S. 557; Bönicke II S. 123

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scripturistica“ soll sich auf den Originaltext aus den hebräischen, chaldäischen und griechischen Quellen stützen unter Berufung auf das, was schon Friedrich Karl von Schönborn (1731 und 1734) gesagt hat. § 7: In der Moraltheologie soll man sich auf erprobte Autoren stützen, die die Fälle nicht zu streng und nicht zu lax behandeln. § 8: Johann Philipp von Schönborn hatte 1720 dem Jesuiten Johann Seyfried die Geschichtsprofessur übertragen und Friedrich Karl von Schönborn hat auch in seiner 1. Studienordnung von 1731 die Bedeutung des studium historicum betont. Darauf beruft sich nun Karl Philipp von Greiffenklau und schärft ein, dass in einem zweijährigen Kurs die ganze Geschichte abzuhandeln ist und dass genügend Bücher (von Daudes Historia pragmatica) zum Studium angeschafft werden. § 9: Selbst die Vorlesungszeiten werden festgelegt: 7.30 Uhr bis 8.30 Erster Scholastiker, 8.30 Uhr bis 9.30 zweiter Scholastiker, 13 Uhr Moraltheologie, 14 Uhr theologia polemico-scripturistica (Exegese) mit Hebräisch, 15 Uhr Geschichte. § 10: Die Professoren sollen ihre Hörer anhalten, die Bibliothek eifrig zu benutzen. § 11: Mit der Aufforderung an die Professoren es mit den Vorlesungen ernst zu nehmen, ein christliches Leben zu führen und auch ihre Schüler dazu anzuhalten, schließt der theologische Teil der Satzungen. Es ist nicht zu leugnen, dass hier ein reformfreudiger Bischof am Werk war, um gebildete Staatsdiener und eifrige Seelsorger zu erziehen.293 Offensichtlich haben die Reformen der Würzburger Bischöfe besonders in den Fächern Geschichte, Polemik, und die Betonung der Exegese dazu geführt, dass das theologische Studium in Würzburg auch für NichtWürzburger Studenten attraktiv wurde.294 Exkurs: Theologia Wirceburgensis Die bedeutendste Frucht der gewünschten Reformen war das theologische Handbuch aus Würzburg, das unter dem Namen Theologia Wirceburgensis bekannt wurde und weite Verbreitung fand. Martin Grabmann sagt dazu: „das bedeutendste (der theologischen Handbücher der Zeit) ist aber ohne Frage die bekannte, um die Mitte des 18. Jahrhunderts erschienene ‚Theologia Wirceburgensis‟, von dem Würzburger Jesuiten Kilber und seinen Kollegen herausgegeben, welche in gleicher Weise das positive und speculative Element berücksichtigt und in würdiger Weise die alte Theologie in Deutschland abschließt.“ 295 Die Verfasser dieses Kompendiums, das einen umfassenden und vollständigen Cursus der verschiedenen Disziplinen der Theologie enthält und zum Gebrauch bei den akademischen Vorlesungen angelegt war und wohl auch aus solchen hervorgegangen ist, wie Wegele meint, waren die 4 Professoren: Heinrich Kilber, Thomas Holtzclau, Ulrich Munier und Ignaz Neubauer. Den Anstoß, die Traktate/Vorlesungen der scholastischen Theologie im Druck herauszugeben, fanden die Jesuiten in dem Verbot des Fürstbischofs Anselm Franz von Ingelheim von 1747 in den philosophischen und theologischen Vorlesungen den Studenten die Texte zu diktieren und im Wunsch des nächsten Fürstbischofs Karl Philipp von 293 294 295

Bönicke II S. 130ff. Braun II, S. 224, 231 (berichtet von Studenten aus Speyer u.a.) M. Grabmann: Geschichte der katholischen Theologie seit dem Ausgang der Väterzeit. Freiburg i. Br. 1933.- S. 196 (der hier wohl M. J. Scheebens Worte verwendet); Kl. Schilling: Die Kirchenlehre der Theologia Wirceburgensis. Paderborn: Schöningh 1969.- VIII, 172 S. Zugl. Würzburg, Theol. Fak., Diss. 1968; A. S. Stumpf: Kurze Nachrichten von merkwürdigen Gelehrten des Hochstifts Wirzburg. Frankfurt, Leipzig 1794; J. Ranft: Die Stellung der Lehre von der Kirche im dogmatischen System. Aschaffenburg 1927.- S. 104; K. J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg: 1978.- S. 123ff. (mit den verschiedenen Stellungnahmen, bes. Oberthürs Ablehnung); Kl. Wittstadt: „Theologia Wirceburgensis“. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 2.- S. 349-350; Ruland S. 141; Bönicke II, S. 124ff.

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Greiffenklau, geäußert in der Studienordnung von 1749, alle Traktate der Theologie in einem neuen Kompendium herauszugeben, das für die Vorlesungen verwendet werden könnte, statt des unbeliebten bisher verwendeten Lehrbuchs “Synopsis cursus theologici“ des belgischen Jesuiten Jakob Platel († 1681). Dazu kam der eigene Wunsch der Würzburger Jesuiten, ihre Traktate zu veröffentlichen. Unter dem Gesamttitel „Institutiones theologicae“ erschienen ab 1749 in einem 1. Band die Traktate von Ignaz Seitz: De Angelis, de Beatitudine, de Actibus humanis und der Anfang von De legibus (abgebrochen wegen Tod). Der 2. Band enthielt: Ulrich Munier: De incarnatione verbi divini; De jure et justitia; De sacramentis generatim; De Baptismo; De Confirmatione et Eucharistia, De extrema Unctione, De Ordine et De Matrimonio. Heinrich Kilber setzte De legibus (1749) von Seitz fort und ergänzte das Werk mit De virtutibus theologicis (1751, 2. Aufl. 1767), De principiis theologicis (1754 oder 1762, 2. Aufl. 1771), De Deo uno et Trino (1752, 2. Aufl. 1767) und De gratia, justificatione, et merito (1754, 2. Aufl. 1770). Unter dem Titel „Theologia Wirciburgensis“ erschienen dann die Traktate Kilbers aus den „Institutiones“, Ulrich Munier steuerte bei: De incarnatione verbi divini und von Thomas Holtzclau waren: De Deo incarnato. De Iure et Iustitia. (1768). De sacramentis in genere et specie. (1770) und von Ignaz Neubauer: De actibus humanis, De Legibus (1766), De Angelis, De Beatitudine. (1768). Der 14. Band enthielt die Polemik Neubauers «Vera religio vindicata contra omnis generis incredulos». Die Druckausgabe bekam den Titel: RR. PP. S. J. Theologia dogmatica, polemica, scholastica et moralis, praelectionibus publicis in alma Universitate Wirceburgensi accomodata. 14 Bde. Wirzburg 1766 – 1771. (Neue Ausgabe in 10 Bdn. Paris 1852ff.). Das LThK verzeichnet die Theologia Wirceburgensis in der 2. Auflage (Bd. 10, Sp. 1185) unter dem Stichwort „Wirceburgenses“; in der 3. Auflage unter „Theologia Wirceburgensis“ (Bd. 9, Sp. 1435). Im Anschluss an den Traktat De principiis theologicis wird an den Buchbinder die Anweisung gegeben, wie die Traktate zu binden sind. Diese Ordnung soll gleichzeitig wiedergeben wie die Traktate in den 4 Jahren Theologie zu lesen sind.296 Die Abfolge soll sein: Tomus primus continet Tractatum De Deo Uno et Trino. Tomus Secundus continet Tractatum De Iure et Iustitia. Tomus Tertius continet Tractatum De Deo Incarnato. Tomus Quartus continet Tractatum De Legibus et Actibus humanis. Tomus Quintus continet Tractatum De Peccatis et Gratia. Tomus sextus continet Tractatum De Sacramentis in genere et tribus primis in specie. Tomus Septimus continet Tractatum De Principiis et Virtutibus theologicis. Tomus Octavus continet Tractatum De Poenitentia, Extrema unctione, Ordine et Matrimonio. Edmund Voit ergänzte die scholastischen Lehrbücher mit seinem Handbuch zur Moraltheologie „Theologia moralis ex solidis probatorum authorum principiis et variorum casuum fictorum et factorum resolutionibus usitato in scholis ordine ac methodo ad commodiorem usum in Alma Universitate Herbipolensi concinnata. Wirzburg 1750“. Zur Kontroverstheologie gehört auch die von Bischof Adam Friedrich befohlene Handausgabe der Streitschriften der Kirchenväter: „Opera sanctorum Patrum polemica contra gentiles et Iudaeos graece et latine“. Dass die jesuitische Theologie in Würzburg mit dieser Gesamtleistung die Zeichen der Zeit richtig erkannte, lässt sich nicht leugnen. Noch mehr im Blick der aufklärerischen Kritik lag aber der philosophische Unterricht der Jesuiten. Dieser wurde heftigst kritisiert. Wegele erwähnt dazu eine Nachricht aus Oberthürs Autobiographie, wonach Bischof Adam Friedrich von Seinsheim (1755-1779) entschlossen gewesen sei, den jesuitischen Unterricht nicht mehr zu dulden, selbst wenn der Orden nicht aufgehoben worden wäre.297 296 297

Bönicke II S. 172f. Wegele I, S. 445

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Die Systematische Theologie wurde ergänzt durch die neue Exegese. Widenhofer und Zillich entwickelten die Exegese noch aus der Kontroverstheologie und betonten die allegorische Auslegung. Bischof Karl Philipp von Greiffenklau (1749-1754) sprach in seiner erneuerten Universitätssatzung von 1749 noch von der „theologia polemico-scripturistica“, wollte also die Verbindung zwischen Polemik und Exegese noch nicht gelöst wissen. Erst Bischof Adam Friedrich von Seinsheim ernannte am 29.10.1764 den bisherigen Professor der scholastisch-dogmatischen Theologie Heinrich Kilber zum Professor der „sogenannten Heiligen Schrift-Lehre und Auslegung“ und ließ dem Jesuitenkolleg eine Zulage von 200 Reichstalern anweisen.298 Die Begründung für diese „neue Einrichtung“ lautete: „zur Verbesserung und mehrerem Flor des ohnehin zwar auf der hiesigen Universität schon berühmten Studii theologici.“ 299 Kilber war bekannt für seine Kenntnis der orientalischen Sprachen und in seiner, freilich nicht fertiggestellten „Harmonia Evangelistarum“ von 1765 (Novi Testamenti pars prima seu historica, complectens historiam Dominicam ex Concordia Evangeliorum concinnatam, et apostolicam ex actibus apostolorum descriptam. Wirceburgi apud Stahel. 1765) ging er in seiner Exegese vom buchstäblichen Sinn aus.300 Eine wichtige Grundlage für das neue Fach Heiligen Schrift-Lehre und Auslegung hatte P. Franz Xaver Widenhofer SJ mit seinem Lehrbuch der hebräischen Grammatik von 1747 und seinen exegetischen Werken gelegt. Die Polemik sollten jetzt die beiden Professoren der scholastischen Theologie übernehmen.301 Es mag vielleicht auch allgemeine Tendenz der Zeit gewesen sein, die die Bibelexegese von der Kontroversexegese zum Quellenstudium, von der Allegorese zum Wortsinn führte. Jedenfalls warfen die Gegner des jesuitischen Studienwesens den Jesuiten vor, die Exegese der Heiligen Schrift nicht genügend zu betreiben. In Nachfolge von Kilber edierte Holtzclau sein exegetisches Vorlesebuch: Introductio in sacram Paginam. (Institutiones Scripturisticae, usibus eorum, qui S. Scripturae studio vel lege vel voluptate tenentur. Tom. I. Et Prodromus complectens prolegomena in Scripturam S. universam. Wirceburgi 1775).302

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„Die Liebe für das Studium der heiligen Schrift zu beleben, vermehrte Adam Friederich das Gehalt des Professors, ertheilte ihm den Rang vor den übrigen Lehrern in der Theologischen Fakultät, und erneuerte seine beym Antritte der Regierung gegebene Verordnung, vermöge welcher eine öffentliche Disputation über biblische Sätze, gleich andern aus der Dogmatik, den Kandidaten pro Laurea theologica gelten soll.“ Bönicke II, S. 274f. Wegele II Nr. 157 S. 427; „Durch den Abt des Schottenklosters und den Abt des Klosters Oberzell (Loschert) erfuhren die Jesuiten von einem Bittgesuch eines Klerikers einer fränkischen Prälatur an den Fürstbischof, in dem jener die Professur für die Hl. Schrift erbeten habe. Es sei nicht zweifelhaft, dass der Fürstbischof diese den Jesuiten wegnehmen und den Prälaturen übertragen würde, was diesen zur Ehre gereichen würde.“ Die Jesuiten erkannten, dass auch dieser Vorschlag gegen das Studienwesen der Jesuiten insgesamt gerichtet war und verteidigten vor dem Fürstbischof Karl Philipp von GreiffenclauVollraths (1749-1754) die bis dahin bestehende Verbindung zwischen der Professur für Polemik und Exegese bei einem Gespräch am 19. Oktober 1749. „Auch in dem Verordnungstext, auf den man sich einigte, machte der Fürstbischof deutlich, dass in der ‚Theologia Polemico-Scripturistica‟ nichts geändert werde. Die diesbezügliche Verordnung Friedrich Karls von Schönborn (1729-1746) würde immer noch für gut befunden. Wenn aber die Kontroversen, die in der scholastischen Theologie und die, die in der Exegese behandelt würden, nicht mehr ausreichend seien, dann werde der Fürstbischof für eine notwendige Abhilfe Sorge tragen“. Dazu: K. J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg: 1978.- S.94ff. „Kilber betrat daher eine andere Bahne; machte den Anfang seiner Vorlesungen mit einer von ihm verfertigten Harmonia Evangelistarum, setzte seine Stärke in die Erklärung des buchstäblichen Verstandes, wobey er die Chronologie, Naturgeschichte, Erdbeschreibung, die Geschichte der in die jüdischen Begebenheiten verwickelten Nationen und ihre Alterthümer fleißig zu Rathe zog. Das biblische Studium gewann dadurch wieder unter den Kandidaten Freunde“. Vgl. Bönicke II S. 176 K. J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg 1978.- S. 96ff.; Braun II, S. 225 Bönicke II S. 174ff.

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6. Die Zeit nach den Jesuiten, die Zeit der Aufklärung 1773 bis 1803 Gegen die jesuitische Lehrtradition rebellierte der aufklärerische Geist. Die Reformvorschläge zur Verbesserung der Studien in Würzburg fußten auf den Ideen der „katholischen Aufklärung“, wie sie später genannt wurde. Michael Ignaz Schmidt, ein eifriger Gegner der Jesuiten, erstellte 1773 einen Studienplan303 und Franz Oberthür legte 1780 „Gedanken von einer Verbesserung des theol. Studiums auf der hohen Schule zu Würzburg“ vor.304 Etwas später verfasste er „Encyclopaedia et Methodologia“ mit vielen grundlegenden Reformvorschlägen für das Theologiestudium.305 „In Würzburg entwarf Ignaz Schmidt eine neue Studienordnung, die auf Anordnung des Fürstbischofs (Adam Friedrich von Seinsheim) am 24. Oktober 1773 publiziert wurde. Diese ist ... nach dem Geist der Aufklärung geformt. So wird z. B. die Exegese aufgewertet (‚Jeder Kandidat der Theologie muß die vier Jahre hindurch, welche ordentlicher Weise zur Erlernung der Theologie bestimmt sind, die Vorlesungen über die hl. Schrift unausgesetzt besuchen‟), Die Kirchengeschichte wird in die ersten zwei Jahre verlegt, ebenso die Moraltheologie. Die Vorlesungen der Dogmatik dagegen werden von 4 auf 2 Jahre reduziert und in den letzten zwei Jahren gelesen. Kirchenrecht muß von allen besucht werden. Aus der Moral303 304

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Bönicke II S. 226ff. zitiert bei Schwab: Joh. B. Franz Berg. S. 132 Anm. 1 („handschriftlich in den Universitätsacten“); der Text befindet sich in den „Materialien zur Geschichte der Universität Würzburg, Bd. III, Bl. 46r-76v“ in der Universitätsbibliothek Würzburg; Kl. Ganzer: Die Würzburger Theologische Fakultät in der Auseinandersetzung mit den theologischen Zeitströmungen. In: Michael Ignaz Schmidt (1736-1794) in seiner Zeit. Neustadt/Aisch 1996.- S. 25-39; K. J. Lesch: Oberthürs Polemik gegen die Theologie der Jesuiten und seine Bemühungen um eine Reform des Theologiestudiums. In: WDGBl 37/38,1975,64; K. J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg:1978, S. 156ff.; S. Merkle: Die kirchliche Aufklärung im katholischen Deutschland. Eine Abwehr und zugleich ein Beitrag zur Charakterisierung „kirchlicher“ und „unkirchlicher“ Geschichtsschreibung. Berlin 1910; A. Schindling: Die Julius-Universität im Zeitalter der Aufklärung. In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Neustadt/Aisch 1982.-S. 77-127; A. Schindling: Schulen und Universitäten im 16. und 17. Jahrhundert. In: Ecclesia militans, 2, S. 561-570 Bönicke II S. 218ff; E. Klinger: Fortschritt und Unveränderlichkeit. Die Aufklärung und ihre Probleme in der katholischen Dogmatik. In: ZkTh 97,1975,117-126; E. Klinger: Vom Wandel der Theologie im Wandel des Begriffs der Theologie zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Franken. In: WDGBl 37/38,1975,71-76 (FS Theodor Kramer); K. J. Lesch: Oberthürs Polemik gegen die Theologie der Jesuiten und seine Bemühungen um eine Reform des Theologiestudiums. In: WDGBl 37/38,1975,64ff.; K. J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg:1978, S. 156ff.;

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theologie ist der Probabilismus (der Jesuiten) zu verdammen. Offenbar aus Mangel an neuen Lehrbüchern dürfen die schon von den Jesuiten in Dogmatik, Polemik und Moral (Voit) benutzten Lehrbücher weiter verwendet werden. Diese Studienordnung ist zumindest nicht in vollem Umfang realisiert worden, wie aus Bemühungen Oberthürs um eine Studienreform zu schließen ist, die einige Jahre später einsetzt.“ 306 Oberthür erläuterte in seiner Einleitung in die Theologie seine umfassende Studienreform der Theologie. „Philosophie, Ketzerei, Entscheidungen der Kirche, das steife und allzu gebundene Wesen der Academien (Universitäten) haben erst diese Art, die Religion durch Dogmatik, Polemik, Moral zu lehren, eingeführt, so daß mit der Zeit die Bibel ganz ist außer Acht gesetzt worden.“ 307 In seiner 1776 erschienen Schrift ‚Dogmaticae et Polemicae Pars una Theologie revelata‟ wollte Oberthür eine Reform der Dogmatik vorlegen. Seine Einleitung in die Theologie fand nach Braun so schlechte Aufnahme, daß ein geplanter zweiter Band nicht erscheinen konnte. Sie fand ebensowenig das Gefallen des Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal (1779-1795) wie sein Versuch die Dogmatik zu reformieren.308 Oberthürs vielfältige bildungspolitische Aktivitäten können in Würzburg nicht übersehen werden. Sein Anliegen, das Studium der Exegese und der Kirchenväter zu steigern – er selbst legte eine Neuausgabe der Werke des Josephus Flavius und eine Kirchenväterausgabe vor; er regte junge Theologen an, für die Habilitation patristische Themata zu wählen; so wählte Schwab ein Thema über Clemens von Alexandrien – ist heute fast vergessen. Franz Ludwig von Erthal berief am 12. Juli 1785 Franz Berg als ao. Professor auf den Lehrstuhl der Patristik, „den dieser nach dem Vorbild der österreichischen Studienreform Josephs II. für unerlässlich hielt.“ 309 Braun und manche Literatur nach ihm hielt ihn für einen der gefährlichsten Vertreter der Aufklärerei und Freigeisterei in Franken. Mit Oberthür und Feder zählt er ihn zu den „Irrlichtern an der theologhischen Fakultät“; „sein überlegenes Talent und die Beliebtheit bei dem ganzen Schwarm der Aufklärer schützten ihn.“ 310 Welcher Geist in der Fakultät damals herrschte, möchte Braun in dem Gutachten der Theologischen Fakultät Würzburg über die Schrift des Eulogius Schneider: Katechetischer Unterricht in den allgemeinsten Grundsätzen des praktischen Christentums gegeben von Eulogius Schneider, Professor zu Bonn (Bonn und Köln 1790) deutlich machen. Das Buch hatte in Köln das Imprimatur erhalten; eine ungenannte katholische Fakultät hatte geurteilt: „Das ganze System in seiner Bindung ist nichts anderes, als der wahre Philosophismus unserer Zeit unter dem Schatten Jesu Christi“311 und es als „Socinianismus“ qualifiziert. Die Fakultät in Würzburg wurde zum 306

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Braun II, S. 249f. zitiert daraus wie aus einer Verordnung; Bönicke II S. 224ff. zitiert daraus ausführlich; Wegele hat diesen Studienplan nicht in sein Urkundenbuch aufgenommen, mit der Bemerkung, es sei nur ein Entwurf gewesen. Vgl. Wegele I, S. 453 Anm. 2; K. J. Lesch: Oberthürs Polemik gegen die Theologie der Jesuiten und seine Bemühungen um eine Reform des Theologiestudiums. In: WDGBl 37/38,1975,63; dazu auch F. Oberthür: Michael Ignaz Schmidt‟s des Geschichtsschreibers der Deutschen Lebens-Geschichte. Hannover 1802.- S. 116-140; Über Oberthürs Rolle bei der Besetzung von Lehrstühlen in Münster vgl. E. Hegel: Geschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät Münster 1773-1964. 2 Teile. Münster 1966/1971.- T. 1. S. 98ff.; „Im katholischen Deutschland wurde die Universität Würzburg Vorort der neuen (aufklärerischen) Wissenschaftsbewegung. Als seit Mitte des 18. Jahhunderts in den geistlichen Staaten Deutschlands neue Universitäten und Akademien gegründet und bestehende reformiert wurden, orientiert man sich an diesen Vorbildern; künftige Professoren werden zur Ausbildung nach Göttingen und Würzburg gesandt.“ Vgl. E. Hegel T. 1. S. 19f.; P. Baumgart: Michael Ignaz Schmidt (1736-1794) in seiner Zeit. Der aufgeklärte Theologe, Bildungsreformer und "Historiker der Deutschen" aus Franken in neuer Sicht. Beiträge zu einem Symposium vom 27. bis 29. Oktober 1994 in Würzburg. Hrsg. v. Peter Baumgart. Neustadt/Aisch 1996; P. Baumgart: Michael Ignaz Schmidt (1736-1794), Historiker und Theologe. In: Lebensbilder bedeutender Würzburger Professoren. Neustadt a. d. Aisch 1995. S.1-19; A. Berney: Michael Ignaz Schmidt. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Historiographie im Zeitalter der Aufklärung. In: HJb 44,1924,211-239; W. Büttner: Lichte Seiten am Bilde zweier Würzburger Aufklärer. In: WDGBl 14/15, 1952/53, 635-655; H.-M. Körner: Michael Ignaz Schmidt, die Schulreform im Hochstift Würzburg und ihre auswärtigen Vorbilder. In: Michael Ignaz Schmidt (1736-1794) in seiner Zeit. Hrsg. von Peter Baumgart. Neustadt/Aisch 1996.- S. 43-60 zitiert bei Schwab S. 132 Braun II, S. 300 P. Süß: Kleine Geschichte der Würzburger Julius-Maximilians-Universität. Würzburg 2002.- S. 73 Braun II, S. 302f. Braun II, S. 305

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Entscheid angerufen. „Als die Schrift zur Beratung kam, wußten Berg und Feder alles Anstößige zu entschuldigen; mit dem meisten erklärten sie sich schlechtweg einverstanden. Roßhirt fand Einiges für ungenau und unpädagogisch, Anderes für unklar und unverständig, aber nicht anstößig. Wiesner erklärte vieles für keck, anstößig, falsch, unwahr, unhistorisch. Onymus erklärte: Meine unmaßgebliche Meinung ist, daß das Buch als ein christliches Elementarbuch für die Jugend nicht gebraucht werden könne.“ 312 Die Würzburger Fakultät gab ihr Urteil am 9.12.1796 ab; sie sprach den Verfasser mit Stimmenmehrheit (gegen Wiesner und Onymus) frei von „Heterodoxie und Verdacht feindseliger Gesinnungen und Machinationen“ 313, erklärte das Kölner Imprimatur für gerechtfertigt und das Urteil der ungenannten theologischen Fakultät für zu hart. Mit der neuen Studienreform von 1773 wurde in Würzburg nach dem Vorbild von Wien das Fach Pastoraltheologie eingeführt. Die Vorlesungen wurden der Moraltheologie mit Fahrmann (1742-1802) und Rosshirt (1746-1795) übertragen.314 Als der Reichshofrat die Theologische Fakultät Würzburg aufforderte über die Bahrdthische Bibelübersetzung ein theologisches Gutachten zu erstellen, zeichnete sich Andreas Fahrmann als Verfasser aus. Carl Friedrich Bahrdt, ein radikaler protestantischer Aufklärungstheologe, hatte eine Übersetzung des Neuen Testamentes im Geiste der Aufklärungstheologie vorgelegt und darin den Offenbarungscharakter der Bibel völlig beseitigt. Der Reichshofrat verbot nach den Gutachten aus Würzburg und Göttingen die Bahrdtsche Übersetzung.315 Von Franz Ludwig von Erthal stammt auch die Verordnung vom 19.10.1787, daß jeder Professor alle 8 Tage oder höchstens alle 14 Tage Collegia examinatoria und disputatoria abzuhalten habe. Sie hätten sich in Bamberg seit fünf Jahren bewährt und dienten der „Erweckung größeren Eifers bey den Studirenden, Entwicklung der Fähigkeiten, Erweiterung der Begriffe, Befestigung in den erlernten Grundsätzen, näheren Kenntnis der Schüler auf Seiten des Lehrers, der seine Attestaten über ihre Geschicklichkeit nun mit Zuverlässigkeit auszustellen im Stande ist.“ 316 Papst Clemens XIV. (1769-1774) verfügte durch das Breve Dominus ac Redemptor noster vom 21.7.1773 die Aufhebung des Jesuitenordens. Es mag überraschen, dass an der Universität Würzburg eine Reihe von Jesuiten (Holtzclau, Wiesner und Grebner in der theol. Fakultät) auch nach Aufhebung des Ordens als Lehrer bleiben konnten. Bönicke sieht Würzburg beim Ende des „Monopols mit den Wissenschaften“ durch die Jesuiten sehr wohl gerüstet. Es standen bestens ausgebildete Leute für erledigte Lehrstühle zur Verfügung und doch hat Adam Friedrich von Seinsheim nicht alle Jesuiten von den philosophischen und theologischen Lehrstühlen entfernt. Für Bönicke gab es drei Gründe 312 313 314

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Braun II, S. 306. Braun II, S. 306 Ph. Schäfer in HBKG Bd. II. S. 527; siehe dazu auch H. Pompey: Die Pastoraltheologie in Würzburg von 1773-1803. In: WDGBl 37/38,1975,7f.; J. Stelzenberger: A. J. Fahrmann, A. J. Rosshirt, J. M. Feder. Drei Würzburger Moraltheologen der Aufklärungszeit. In: Aus der Vergangenheit der Universität Würzburg. 1932.- S. 268-295; B. Goy: Aufklärung und Volksfrömmigkeit in den Bistümern Würzburg und Bamberg. Würzburg 1969 Theologisches Gutachten über die Bahrdthische Übersetzung des Neuen Testaments. Wirceburgi 1788..Bönicke II, S. 224; J. Stelzenberger: A. J. Fahrmann, A. J. Rosshirt, J. M. Feder. Drei Würzburger Moraltheologen der Aufklärungszeit. S. 269; Vgl. auch: Theologisches Gutachten der Facultäten zu Göttingen ... über die Bahrdtische Übersetzung des N. T. Göttingen 1779; zu Carl Friedrich Bahrdt siehe LThK2 1, Sp. 1193; LThK3 1, Sp. 1357; TRE 5, 132f. Bönicke II, S. 370; Wegele II Nr. 163 S. 432ff.; R. Haaß: Die geistige Haltung der katholischen Universitäten Deutschlands im 18. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte der Aufklärung. Freiburg 1952; „Eine andere vom 19ten Oktober 1787 befiehlt die öfteren Prüfungen der theologischen Kandidaten an, und schreibt die Art vor, nach welcher dieselben anzustellen sind. Dergleichen Collegia examinatoria und disputatoria hat jeder Professor alle Wochen, oder höchstens alle vierzehn Tage auf eine ganze oder halbe Stunde vorzunehmen, den Tag, an welchem, und die Materien, über welche diese Prüfungen gehalten werden, nöthiger Vorbereitung halber vorher anzuzeigen; sämmtliche Kandidaten aber, ihre Absichten mögen nun auf die Seelsorge, oder auf einen anderen geistlichen Stand gerichtet seyn, Landeskinder besonders, werden zu solchen Üebungen jederzeit bereit seyn, und denselben auch emeritierte Theologen, vorzüglich die Supplikanten in das Seminarium, beywohnen.“ Bönicke II S. 369f.

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dafür: „Männer aus diesem Orden, welche bisher der Universität mit Nutzen gedient hatten, und ihre Dienste noch ferner anboten, in Ruhe zu setzen, das vertrug Adam Friedrichs menschenfreundliches Herz nicht. Den bey dieser Veränderung höher angelegten Universitätsfond mit mäßigen Pensionen zu beschweren, das gestattete die Oekonomie nicht; und das an den Orden seit zwey Jahrhunderten gewöhnte Publikum so schnell zu entwöhnen; das duldete die Politik nicht.“ 317 Es werden also sehr nüchterne Gründe für die Weiterbeschäftigung der Jesuiten gegeben. Die Gegner der Jesuiten (Schmidt, Oberthür, Berg) hatten dies sicher anders gesehen. Exkurs: Die Unterrichtssprache Latein Nur allmählich wurde der Wechsel der Unterrichtssprache vom Lateinischen zum Deutschen vollzogen. Auch im 18. Jahrhundert war Latein die Sprache der gelehrten Welt. Für den Wechsel zur deutschen Sprache gab es hohe kirchenpolitische aber auch banale Gründe. „Es ist Thatsache, dass die abgehenden Gymnasiasten von der lateinischen Sprache, die der bevorzugte Unterrichtsgegenstand war, häufig nicht so viel Kenntnis mitbrachten, dass sie den, an der Universität bekanntlich in eben dieser Sprache gehaltenen Vorträgen zu folgen im Stande gewesen wären ... Adam Friedrich ordnete darauf hin im Jahre 1769 eine Visitation des Gymnasiums durch den Regens des geistlichen Seminars, Günther, und Dr. Michael Ign. Schmidt ... an: beide notorische Gegner der Jesuiten ... Das Ergebnis der Visitation war, dass die eben so eifrigen als zähen Väter sich selbst nicht mehr darüber täuschten, dass eine Reformation des Gymnasiums, bzw. Zugeständnisse an die Forderungen der Zeit unvermeidlich seien. Ja sie fürchteten sogar, dass die Maßregel der Visitation auch auf die Theologische und Philosophische Fakultät ausgedehnt werden dürfte.“ 318 Unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (1755-1779) konnten die Aufklärer in der Theologischen Fakultät wie z. B. Franz Oberthür gegen die Jesuiten und ihre Scholastik unangefochten polemisieren. Sein Nachfolger Franz Ludwig von Erthal (1779-1795) hörte mehr auf die Gegner Oberthürs. Er forderte 1781 Oberthür auf, „in Zukunft seinen Vorlesungen gedruckte Bücher zugrunde zu legen und wieder in Latein zu dozieren sowie sich der Kritik an der Scholastik und dem lateinischen Gottesdienst zu enthalten und keine protestantischen Bücher zu empfehlen.“ 319 Auf ihrer Sitzung am 28.3.1786 konnte sich die Theologische Fakultät über die Einführung der deutschen Sprache als Unterrichtssprache noch nicht einigen.320 „Auch in ihrem Berichte an Georg Karl (von Fechenbach, 1795-1802), wie früher an Franz Ludwig, hatte die Kommission die geringe Übung der Kandidaten in der lateinischen Sprache beklagt. Die in lateinischer Sprache angefertigten Aufsätze der Alumnen seien derart, dass zu befürchten stehe, es möchte die lateinische Sprache in gänzlichen Verfall gerathen... Der Fürstbischof versprach deshalb, darauf Be317 318 319 320

Bönicke II S. 191; Zum Folgenden vgl. auch A. Kraus: Das geistliche Franken. In: HBG 3,1. München 1971.- § 72, S.630-643 Wegele I, S. 452; UBW M.ch.o.70: Daniel Günther: Theologia moralis practica. 1779 (Handwerker: Überschau. S. 75) R. Weigand: Das Verhältnis des Priesterseminars Würzburg zur Theologischen Fakultät. In: Mit der Kirche auf dem Weg. Würzburg 1989.- S. 128 „Der Fürstbischof Franz Ludwig erlaubte der philosophischen Fakultät den Gebrauch der deutschen Sprache bei den Vorlesungen und die Frage berührte auch die theologische Fakultät, die in der Fakultätssitzung vom 28. März 1786 sich mit der Frage beschäftigte. Die Meinungen waren geteilt; ‚doch die majora waren dafür, dass die Theologie in allen Fächern deutsch vorgetragen werden solle, weil die theologischen Wissensschaften zur Bildung künftiger Volkslehrer sind, welche sich in allen ihren Verrichtungen der deutschen Sprache bedienen müssen, weil sie sich mit Religion und folglich Heilswahrheiten abgeben, welche zunächst und so warm als möglich ans Herz müssen gelegt werden, wogegen alle künstliche und schwere Methode ein moralisches Hindernis sei‟. Nur zwei Stimmen sprachen dafür, dass die lateinische Sprache beibehalten werden solle; sie beriefen sich darauf, dass die lateinische Sprache die Sprache der Gelehrten sei, für den Fall von deutschen Vorlesungen in den unteren Schulen ganz vernachlässigt würde, die Vulgata, die Canones conciliorum, die sententia Patrum zugrunde gelegt werden müsse, die katholischen Theologen in lateinischer Sprache geschrieben hätten und sich als Konsequenz auch die Abhaltung der Disputationen in deutscher Sprache ergeben würde.“ A. Bigelmair: Die Patrologie an der Universität Würzburg im Zeitalter der Aufklärung. S. 227

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dacht zu nehmen, dass die lat. Sprache bei den Gymnasien mehr kultiviert werde. An die Professoren der Theologischen Fakultät aber richtete er die Weisung, fortan bei ihren Vorlesungen sich wieder der lateinischen Sprache zu bedienen.“321 Die Fakultät erklärte sich dazu bereit, wandte aber ein: „Durch die Verwendung der lateinischen Vorträge als ‚sprachliche Übung‟ werde die theologische Wissenschaft herabgewürdigt und ‚die Professoren der Theologie hätten die Ehre, die Supplemente zur lateinischen Grammatik zu liefern‟. Eine Sprache, so reich und biegsam wie die deutsche, sei ein besseres Organ für die Wissenschaft als jede andere Sprache. Dabei müsse das Latein selbst leiden, da es nicht zu vermeiden sei, statt des römisch-lateinischen Vortrags ein mit Germanismen zersetztes Idiom zu gebrauchen. Bei den jungen Theologen aber werde die Liebe zur Theologie geschwächt und die Neigung zu emigrieren vermehrt.“322 Braun beurteilte: „In lateinischer Sprache konnte man das Wortgeklingel moderner Phrasen und die hochtrabende, unerfahrene junge Leute verblüffende und bestrickende, Gelehrsamkeit im Superlativ verbergende Terminologie der deutschen Philosophie und die so bequeme Benutzung protestantischer Schriften nicht fortsetzen.“ 323 Die Verwendung der lateinischen Sprache in den theologischen Vorlesungen war also ein Politikum zwischen den Aufklärern und den ‚kirchlich Gesinnten‟ oder wie Weigand formulierte „der konservativen Richtung“. Weigand faßte zusammen: „Nachdem ab 1786 die Vorlesungen an der Fakultät meist in deutsch gehalten wurden, verlangte der Bischof jetzt (1800), daß die Vorlesungen in Latein gehalten werden und diese Sprache auch an den Gymnasien mehr gepflegt werde, was einen gewissen konsevativen Grundzug förderte.“ 324 Mit der Säkularisation wurde eine völlig neue Lage geschaffen. Aber erst ab 1856 wurden die ersten Dissertation in deutscher Sprache vorgelegt. Exkurs: Philosophie als notwendige Voraussetzung nicht nur für Theologen Bischof Franz Ludwig von Erthal verordnete am 24.1.1782, „dass bei jetzt angefangenen Studienjahre und in Zukunft keiner unserer Wirzburger Landessöhne zur Besuchung und Anhörung öffentlicher oder Privatkollegien in der Gottes Gelahrtheit, Rechts Gelehrsamkeit und Arzneykunst angenommen werden solle, welcher ein beglaubigtes Zeugnis, dass er den ganzen philosophischen Kurs vollendet, nicht beygebracht haben wird.“ 325 Er führt als Begründung u. a. an, dass zu viele der Studierenden der Medizin, Rechtsgelehrsamkeit und Theologie das Studium der Philosophie nach dem ersten Jahr abbrechen und sogleich Theologie, Recht oder Medizin studieren, obwohl das Philosophiestudium doch auch für sie nützlich wäre.326 321 322 323 324

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Braun II, S. 342 Braun II, S. 343 Braun II, S. 343 R. Weigand: Das Verhältnis des Priesterseminars Würzburg zur Theologischen Fakultät. In: Mit der Kirche auf dem Weg. Würzburg 1989.- S. 131.- Am Vorabend des II. Vatikanischen Konzils erschien die Constitutio Apostolica Johannes‟ XXIII. „Veterum sapientia“ (AAS 54(1962) 129-135; dazu die Ausführungsbestimmungen der Congregatio de Seminariis et Studiorum Universitatibus zur genannten Konstitution. (AAS 54 (1962) 339-362, vgl. bes. Cap. IV). Als diese Ausführungsbestimmungen in Würzburg bekannt wurden, begann Prof. Hasenfuß seine Vorlesung in Latein abzuhalten. Nach mündlicher Überlieferung unter Protest der Studierenden. Ausführlich befasste sich zu dieser Zeit Karl Rahner mit dem Thema: Über das Latein als Kirchensprache. (In: Zeitschrift für kath. Theologie 84,1962,257-299). Welche Bedeutung dem Latein als Konzilssprache zukam, wird deutlich in den Erinnerungen von Hans Küng (Erkämpfte Freiheit. München 2002.- S. 375ff.). Kipa meldete am 24.4.2003: „Der Vatikan will die lateinische Sprache für die katholische Kirche fördern und pflegen. Eine neue Kommission soll demnächst über den Stellenwert von Latein in der Priesterausbildung generell für das Leben der Kirche beraten, betonte Kardinal Zeno am Donnerstag bei einer Konferenz in Rom“. Vgl. auch Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1959-1965). Hrsg. von G. Alberigo, dt. Ausg. hrsg. von Kl. Wittstadt. Bd. 1. Mainz, Leuven 1997.- S. 239ff. Wegele II Nr. 159 S. 429; I S. 471f.; „Die große Wohltat halbjähriger öffentlicher Vorlesungen, welche den protestantischen hohen Schulen so vielen Ruhm verschafften, ist nun auch den Kandidaten der Jurisprudenz und Medizin auf der unserigen vergönnt ... Die Professoren der Philosophie sind gleichfalls auf höchstem Befehl zu halbjährigen, aber Privatvorlesungen bereit“. Bönicke II S. 350; Braun II, S. 308f.; M. Renner: Fuldaer Einfluß auf die Würzburger Schulreform Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthals 1781. In: ZfbayLG 28,1965,368-391 Bönicke II S. 276ff.; Wegele I, S. 471, Wegele II, Nr. 195, S. 428-430

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Am 3. Oktober 1794 verordnete Franz Ludwig die vollständige Trennung des Gymnasiums von der Universität. Die Schüler der obersten Klassen hatten sich bisher bereits an der Universität immatrikulieren können und die Freiheiten der Universitätsangehörigen genießen können. Franz Ludwig zwang seine Landeskinder, wenn sie Dienststellen in der Regierung erhalten wollten, den gesamten gymnasialen Kurs zu absolvieren und die elementare Philosophie also am Gymnasium zu erlernen.327 Das Fach Philosophie zählt auch in der neuesten Diplomprüfungsordnung für Studenten der katholischen Theologie in der Fassung vom 14. Dez. 2004 zu den Prüfungsfächern der theologischen Diplom-Vorprüfung; Seminarteilnahme und Scheinerwerb sind Zulassungsvoraussetzungen.328 Exkurs: Die Stellung der Theologischen Fakultät Würzburg zu Kant Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal (1779-1795) schickte 1792 den Philosophieprofessor P. Maternus Reuss OSB, Benediktiner aus dem Kloster Banz, mit Reisestipendium nach Königsberg zu Kant; er sollte die Einführung der Kant‟schen Philosophie in Würzburg und Bamberg vorantreiben.329 Nicht nur die sogenannten Aufklärer waren durchdrungen von der Kantischen Philosophie. Lehrkörper und Studenten huldigten ihr. „In der Philosophie erfreute sich der Benediktiner M. Reuss, seitdem er sich in Königsberg bei Kant persönlich Rat erholt hatte, unter den Studenten einer solchen Beliebtheit, dass wegen seiner vermeintlichen Verdienste um die Verbreitung der Kantischen Philosophie gelegentlich der Durchreise des Königs von Preußen (1792) die Führer beim Fackelzug der Studenten goldgewirkte Schärpen trugen mit der Aufschrift: ‚Königsberg in Preußen und Wirzburg in Franken vereinigt durch die Philosophie.“ 330 Und: „Es kam auch dazu, dass die Abteien Bildhausen, Bronnbach, Ebrach, Langheim, Schönthal, Theres, auch mehrere Mendikantenorden ihre Klosterlehrer, Prediger und andere fähigen Leute in seine Vorlesungen schickten.“ 331 Kant, Aufklärung, Rationalismus (Locke und Hume), Jansenismus (Quesnel), Febronianismus, Gallikanismus (Barthel, Gregel), französische Belletristik (Regens Günther) vermischten sich so in der Theologie, daß nicht nur die der Kantischen Philosophie feindlich gesinnten Ex-Jesuiten, sondern auch Theologen (z. B. Bergold, Bernardin Bauer SOCist) und einfacher Klerus (‚Academia scientiarum, litterarum et artium‟ mit dem Sigel: J.M.P.L.P.T.P.C.C.) beim Fürstbischof dagegen vorstellig wurden und gegen die zunehmende ‚unkirchliche Gesinnung‟ schrieben. Doch „Franz Ludwig hat den aufgetauchten Bedenken und Angriffen gegenüber fortgesetzt die schützende Hand über ihn (Reuß) gehalten.“ 332 Erst der folgende Fürstbischof Georg Karl von Fechenbach (1795-1808) konnte mit einigem Erfolge die Klagen der Prüfungskommission gegen den Einfluß der Kantischen Philosophie in die Reform des Theologiestudiums einbringen. „Die Theologische Fakultät konnte übrigens selbst die Gefährlichkeit dieser Philosophie nicht in Abrede stellen; denn als im Juli 1800 dieselbe um ein Gutachten darüber aufgefordert wurde, ob die Kant‟sche Lehre nicht gegen die Offenbarung streite, 327 328 329

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Wegele II, Nr. 169, S. 446ff. Vgl. auch das Schreiben der Deutschen Bischofskonferenz vom 22. September 1983: Das Studium der Philosophie im Theologiestudium. (Die Deutschen Bischöfe; 36) [Franz Nik. Bauer:] Die Doctor-Promotion auf der hohen Schule zu Würzburg, den 12ten Julius 1798. Allen orthodoxen und heterodoxen Theologen und Philosophen Teutschlands gewidmet. In: Argus 2,1803,H.1,163-248.(Stellung zu Kant) [zu: R: Bergold, Ehlen, Straßberger, Metz, Gress; Gress hatte die Kant‟sche Philosophie in der Disputation zu verteidigen]; K. E. Motsch: Matern Reuß. Ein Beitrag zur Geschichte des Frühkantianismus an kath. Hochschulen. 1932; L. Boehm: Hochschulinitiativen in Würzburg-Bamberg-Aschaffenburg. In: HBG, Bd. 3,1. München 1971.- § 74, S. 660; Braun II, S. 288, 304f., 320, 342f.; Wegele I, S. 471; K. von Benzel: Dichterische Versuche über Gegenstände der kritischen Philosophie. Würzburg 1794; A. Gress: Die Vernunft fordert die Säkularisation nicht. [ca. 1799] Braun II, S. 304f. Braun II, S. 305, 314; Kant wird auch in anderen Klöstern gelesen. „Etwa im Jahre 1792 besuchte P. Simon Joseph Schmitt, damals Leiter der Philosophie im Franziskanerkloster Miltenberg, die Amorbacher Bibliothek, um Kants „Kritik der reinen Vernunft“ zu entleihen“. A. Wendehorst: Zur Geschichte der Amorbacher Abtei-Bibliothek. In: Amorbach. Beiträge zu Kultur und Geschichte von Abtei, Stadt und Herrschaft. Würzburg 1953.- S.110 Wegele I, 472; Braun II, S. 320

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musste sie diese Frage bejahen.“ 333 Doch die Vorgeschichte war etwas differenzierter, wie Schwab berichtet. „Im Jahre 1793 benützte Berg die von Franz Ludwig veranstaltete Herausgabe der Predigten über die Pflichten der höheren Stände, um in der Vorrede eine Kritik des Kant‟schen Religionsbeweises zu geben.“ 334 Daraufhin bekam Berg von Franz Ludwig den Auftrag (Erlaß vom 5. August 1793), ein Gutachten über Kant‟s „Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ abzugeben. Schwab berichtet, dass er „weder unter den mir zur Durchsicht überlassenen Papieren Franz Ludwig‟s noch im gesammten Nachlasse Berg‟s eine Spur aufzufinden vermochte.“ 335 „Fünf Jahre später machte Berg dasselbe Thema – nur mehr allgemein gehalten – zum Gegenstande eines Universitätsaktes. Am 12. Juli 1798 erhielten nämlich Professor Bergold, Consistorialrath Ehlen, Professor Straßberger, Professor Metz und Subregens Greß die theologische Doktorwürde. Promotor war Berg. Für den öffentlichen Akt hatte er sich und den Doctoranden die Erörterung der Frage bestimmt: welche Veränderungen das Studium der kritischen Philosophie im Cultus und in der Lehre der christlichen Religion hervorgerufen habe. Die Aenderungen in den einzelnen theologischen Disciplinen, Dogmatik, Exegese, Moral, Homiletik u.s.w. hatten die Doctoranden nachzuweisen: den Einfluß auf den Cultus behielt er sich vor. Seine Abhandlung – in fließendem Latein geschrieben – ist noch in der ersten Ausarbeitung vorhanden, und einige Jahre später gab er selbst im apologetischen Interesse einen kurzen – jedoch nicht ganz treuen – Bericht über die Tendenz der Rede.“ 336 Subregens Greß und Professor Metz deuteten die Ausarbeitungen Bergs so, daß er der kritischen Schule die Religion abgesprochen habe. Es wurde also zum Politikum. Deshalb erhielt Berg vom nunmehrigen Fürstbischof Georg Karl von Fechenbach wieder den Auftrag ein unparteiisches Gutachten hierüber zu erstellen, was Berg auch tat. Das Gutachten hat sich im Nachlass Berg‟s erhalten.337 Dieses Gutachten fand (bei den Anti-Kantianern) keine Zustimmung, hatte Berg doch einerseits gefordert, dass das Staats- und Kirchenoberhaupt jede Lehre hemmen müsse, durch welche die christliche Religion zerstört würde, und andererseits, dass der Staat der Philosophie keine Vorschriften machen könne, sie stehe unter ihren eigenen Gesetzen. Doch Berg soll nach Ansicht Schwabs auch mitgespielt haben an einer anonymen Anzeige gegen den allseits bekannten Vertreter der kritischen Philosophie Prof. Metz. Dieser habe „in seinem Compendium der praktischen Philosophie (Würzburg 1800) den Satz aufgestellt (p.6): eine Offenbarung, abgesehen davon, dass ihr Begriff mit dem des Wunders zusammenfalle, also über unsere Erkenntnissphäre hinausliege, könne so lange nicht angenommen werden, bis das Dasein Gottes erwiesen sei.“ 338 Das kantische System wurde zur Gefahr für den Staat durch die Infragestellung der christlichen Religion, es wurde zur absoluten Herausforderung für die katholische Theologie, indem die Existenz Gottes, die übernatürliche Offenbarung und die Hoffnung auf Unsterblichkeit des Menschen eine Frage der Philosophie sein sollte. Auf Vorschlag des geistl. Rates Joseph Fichtl vom 16.3.1800 sollte die Theologische Fakultät ein Gutachten erstellen, „ob und wie fern die Kant‟sche Philosophie überhaupt und die gerügte Stelle insbesondere mit der Offenbarung (bei Metz) und positiven Religion bestehen könne.“ 339 Das Gutachten wurde am 29. Juli 1800 eröffnet, sonderbarerweise überließ die Fakultät die Abfassung des Gutachtens Berg, wobei Schwab aus einem Brief Bergold‟s an Daug vom 20.9.1803 schließt, dass die Mehrzahl der Fakultät nämlich Oberthür, Onymus und Feder 333

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Braun II, S. 342; Mit der Rolle Gregor Zirkels, einem der einflussreichsten Persönlichkeiten der Zeit, beschäftigte sich im Anschluß an August Friedrich Ludwig ausführlich Wolfgang Weiß. Aug. Fr. Ludwig: Weihbischof Zirkel von Würzburg in seiner Stellung zur theologischen Aufklärung und zur kirchlichen Restauration. Ein Beitrag zur Geschichte der katholischen Kirche Deutschlands um die Wende des achtzehnten Jahrhunderts. 2 Bde. Paderborn 1904/1906; W. Weiß: Ein Kirchenmann zwischen Aufklärung, Romantik und Restauration Weihbischof Gregor Zirkel. In: WDGBl 47,1985, 191-215 J. B. Schwab: Franz Berg. S. 380 J. B. Schwab: Franz Berg. S. 382 J. B. Schwab: Franz Berg. S. 382; Berg in: Anti-Argus II S. 47ff ; Quas in Christiane religionis cultu et expositione mutationes criticae philosophiae studium effecerit, quaestionibus inauguralibus explanabitur. Wirceburgi: Nitribitt 1798; [Franz Nik. Bauer:] Die Doctor-Promotion auf der hohen Schule zu Würzburg, den 12 ten Julius 1798. Allen orthodoxen und heterodoxen Theologen und Philosophen Teutschlands gewidmet. In: Argus 2,1803,H.1,163-248. Berg selbst gab einen Auszug in: Anti-Argus II, S. 64 J. B. Schwab: Franz Berg. S. 388 J. B. Schwab: Franz Berg. S. 389f.

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sich für die Vereinbarkeit der Kant‟schen Philosophie mit der Offenbarung ausgesprochen hatten, und nur Berg und Bergold dagegen. Der Fürstbischof zog rigoros die Konsequenzen; er untersagte den Unterricht über die Kantische Philosophie am Gymnasium und gestattete ihn an der Universität privatim auf Verlangen. Mit Schelling gewann die Universität in der Philosophie eine andere Richtung.340 Exkurs: Aufklärung und literarisches Leben: die Zeitschriften Zu den der Aufklärung dienenden Zeitschriften rechnete Braun die „Wirzburger (ab 1793 Würzburger) gelehrte Anzeigen“, ab 1786 „auf Veranlassung der Theologischen Fakultät“ vom Professor für Ästhetik und Homiletik (der „geistlichen Beredsamkeit“ oder der „Kanzelberedsamkeit“ an der Philosophischen Fakultät (Johannes) Bonaventura Andreß herausgegeben; ab 1788 wurde der Theologieprofessor Michael Felder Herausgeber, 1793 wurde der Professor der Philosophie Adam Michael Köl Mitherausgeber, ab 1796 alleiniger Herausgeber.341 Ab 1789 erschien das „Magazin für Prediger zur Beförderung des praktischen Christenthumes und der populären Aufklärung“, fortgesetzt mit „Neues Magazin für Prediger und Seelsorger“, ferner das „Archiv für Kirchen- und Schulsachen“ ab 1804. Alle drei Periodika hatten Andreß zum Herausgeber. Das „Praktisch-theologische Magazin für katholische Geistliche“ gab Professor Feder seit 1799 heraus. Vom Philosophieprofessor A. M. Köl erschien ab 1797 der „Würzburger wöchentliche Anzeiger von gelehrten und anderen gemeinnützigen Gegenständen“. „An Rührigkeit und Fleiß hat es der Sache der Aufklärung demnach nicht gefehlt“, urteilte Braun.342 Aus Anlaß der Jubelfeier von 1782 wurden die Professoren der Theologie zu Geistlichen Räten ernannt.343 In den Abschiedsworten Georg Karls von Fechenbach an die Universität Würzburg am 27.11.1802 anläßlich der Niederlegung der weltlichen Regierung bat und ermahnte der Bischof die würdigen Mitglieder seiner Theologischen Fakultät, „durch ihre Lehre die Reinheit Unserer Religion zu erhalten und wie bisher an der wissenschaftlichen Bildung Unseres Weltpriesterstandes zu arbeiten.“ 344

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J. B. Schwab: Franz Berg. S. 388ff.; Braun II, S. 342; R. Stölzle: Der Philosophische Unterricht an der Universität Würzburg 1762-63 im Urteil eines damaligen Jesuitenzöglings. In: Zs für Gesch. d. Erziehung und des Unterrichts 5,1915, 235-238 Johannes Bonaventura Andreß (Andres, Andress), geb. am 29.5.1743 in Nürnberg, SJ 20.9.1762, Lehrer am Gymnasium in Bamberg, stud. Theol. in Würzburg seit 1771, Eintritt ins Würzburger Klerikalseminar 1773, ord. 14.2.1774, Kpl. in Arnstein, Professor der Rhetorik am Gymnasium in Würzburg, 1783 Professor in der Philosophischen Fakultät Würzburg für Ästetik und Homiletik, seit 1792 mit Pädagogik, Dr. theol. 6.8.1782 ( bei der Feier des 2. Universitätsjubiläums), Mitglied der Schulkommission 1793, geistl. Rat 1795, wirkl. Vikariatsrat bei der Schulkommission, ab 1809 zugleich Direktor der Gymnasien in Würzburg und Münnerstadt, Rücktritt 1816, blieb aber Vikariatsrat; † 16.5.1822 Würzburg.- ADB I, S. 450; J. Krenz: Aufgeklärte Selbstwahrnehmung und protestantische Außensicht. Das Würzburger “Prediger-Magazin” von Bonaventura Andreß in revolutionären bewegten Zeiten 1789-1794. In: WDGBl 67,2005,257-320 Braun II, S. 312; K. J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg: 1978.- S. 294f. Bönicke II, S. 280 Wegele II Nr. 174 S. 457f.

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7. Von der Julius-Universität zur Julius-Maximilians-Universität Kurfürst Maximilian Joseph von Bayern (1756-1825, seit 1806 König von Bayern als Maximilian I. Joseph) hatte durch Besitznahme-Patent vom 22.11.1802 die Regierungsgewalt über die fränkischen Fürstentümer übernommen.345 Die Umwandlung der Universität Würzburg von einer bischöflichen katholischen Universität zu einer interkonfessionellen Universität mit besonderer Betonung der protestantischen Seite unter Federführung des protestantischen Theologen Heinrich Eberhard Gottlob Paulus wurde von Montgelas sehr rasch vollzogen und von Friedrich Reichsgraf von Thürheim als Generalkommissar von Franken und zugleich Universitätskurator durchgeführt. Zunächst hatte es die juristische Fakultät in ihren Vorschlägen zur Verbesserung der Universität vom 23.12.1802 für nützlich erachtet, „es könne zum Flor der Universität und zur Herbeiziehung sowohl protestantischer Studenten aus den kurfürstlichen Landen als vom Ausland her vieles beitragen, wenn einige protestantische Lehrer der Theologie zugleich mit den Obliegenheiten, Ius canonicum nach protestantischen Grundsätzen zu lehren, aufgestellt würden.“ 346 Die Theologische Fakultät hielt zwar die Errichtung protestantisch-theologischer Lehrstühle nicht für dringlich, „sie werde aber die berufenen Lehrer mit Toleranz und Bruderliebe aufnehmen.“ 347 Die Denkschrift des Senats vom April 1803 mit dem Titel „Vorschläge für die Vervollkommnung der Universität“ formulierte dann: „dass auf der Universität zu Würzburg ein protestantischer Professor für Theologie und kanonisches Recht aufgestellt werden.“ 348 Doch die Organisationsakte der Julius-Maximilians-Universität – so ihr neuer Name – des Ministers Montgelas vom 3. 11.1803, in der die Universität Würzburg als eine von zwei Universitäten in Bayern bestehen bleiben sollte, ging weit darüber hinaus.349 345

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Freudenberger: Zur Geschichte der theologischen Fakultät im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. S. 283; I. Aukamp: Fränkische Universitätspolitik des Grafen Maximilian von Montgelas. Ein Beitrag zur Geschichte der fränkischen Hochschulen Altdorf, Erlangen, Würzburg. Diss. Phil. Würzburg 1936; A. Chroust: In: Das Akademische Deutschland. 1930, I,. Bd. S. 413, 416 („Das System des Unterrichts, immer noch in der ‚Ratio studiorum‟ kodifiziert, unterband jeden geistigen Fortschritt“); A. Chroust: Die Universität Würzburg in der ersten bayerischen Zeit (1803-1805). Festrede des Rektors beim Stiftungsfest der Universität Würzburg in deren Aula am 11. Mai 1925. In: Aufsätze und Vorträge zur fränkischen, deutschen und allgemeinen Geschichte; ausgew. u. hrsg. von d. Ges. für fränk. Geschichte. Leipzig 1939.- S.51-64; W. Engelhorn: Der bayerische Staat und die Universität Würzburg im frühen 19. Jahrhundert (1802-1848). In: P. Baumgart (Hrsg.): Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Neustadt/Aisch 1982.- S. 129-178; W. Engelhorn: Die Universität Würzburg 1803-1848. Ein Beitrag zur Verfassungs- und Institutionengeschichte. Neustadt a.d. Aisch: Degener 1987; Philippine Freiin von Hertling: Geschichte der Universität Würzburg von 1802-1806. Phil. Diss. Würzburg 1925; K.-J. Lesch: Die Säkularisation des Hochstifts Würzburg und ihre Folgen für die Theologische Fakultät der Universität Würzburg. Ein Beitrag zum Höhepunkt und Ende der Aufklärungstheologie in Würzburg. In: WDGBl 39,1977,209f.; M. Lochbrunner: Theologie zwischen Kriegsende und Gegenwart. In: HBKG, Bd. 3: Vom Reichsdeputationshauptschluss bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. 1991.- S. 653-672; O. Scheel: Die deutschen Universitäten von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. In: Das Akademische Deutschland. 1930.- I. Bd. S. 31f. (spricht von „konfessioneller Abgeschlossenheit“ der bis Erthal auch Kant zuließ und veranlasste , dass die Kollegien in deutscher Sprache zugelassen wurden); A. Schindling: Deutsche Universitäten in der Neuzeit. Eine Einführung in ihre Erforschung mit Würdigung der Arbeiten von Peter Baumgart. In: Universität Würzburg und Wissenschaft in der Neuzeit. Würzburg 1998.- S.15-35; W. Weiß: Die Säkularisation des Hochstifts Würzburg und ihre Folgen für das kirchliche Selbstverständnis. In: WDGBl 58,1996,201-218 G. Seuffert: Die Universität Würzburg vom 22. November 1802 bis 1. Februar 1806. Zitiert nach Freudenberger: Zur Geschichte der theologischen Fakultät im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. S. 283 G. Seuffert: Die Universität Würzburg vom 22. November 1802 bis 1. Februar 1806, UBW M.ch.f.659,II, Abt. VI 6r Zitiert nach Freudenberger: Zur Geschichte der theologischen Fakultät im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. S. 284; Braun beruft sich auf eine Entschließung des General-Landeskommissärs Graf Thürheim vom 5. Oktober 1803 nach der der Ruhm der Universität Würzburg ausschließlich durch die juridische und medizinische Fakultät begründet wurde, die philosophische und theologische Fakultät sei hinter den Ansprüchen der Zeit zurückgeblieben. Um diese ‚unverantwortliche Lücke‟ zu schließen und ‚für die vielen (?) prot. Unterthanen‟ sollte eine protestantische theologische Fakultät gegründet werden. Vgl. Braun II, S. 35

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Die Fakultäten mit den Dekanen wurden abgeschafft. Die Lehrgegenstände wurden aufgeteilt in allgemeine und besondere Wissenschaften. Die Theologie wurde der „II. Klasse

der besonderen Wissenschaften als Erste Sektion der für die Bildung des religiösen Volkslehrers erforderlichen Kenntnisse“ zugewiesen. Die Lehrgegenstände hie-

ßen: 1. Auslegung und Kritik [bisher Bibelexegese]. 2. Historisch-philoso-phische Darstellung der religiösen Formen oder Dogmen. 3. Geschichte des äußeren religiösen Vereins. 4. alles, was zur unmittelbaren Bildung für den Volksunterricht gehört, wie christliche Moral, Homiletik, Katechetik etc. Lehrkräfte beider christlichen Konfessionen sollten gleichberechtigt nebeneinander unterrichten. Als Vertreter dieser Sektion wurde der protestantische Professor Heinrich Eberhard Gottlob Paulus, der 1803 für die Fächer Auslegung und Kritik, Dogmatik neu berufen wurde, für den Senat aufgestellt. Bis zum nächsten Jahr 1804 wurden noch 3 weitere protestantische Professoren berufen: Friedrich Immanuel Niethammer aus Jena, ein Freund von Paulus für das Fach der Sittenlehre und der Religionsphilosophie (zugleich Übertragung der ersten Pfarrstelle bei der protestantischen Kirche Würzburgs), Christoph David Anton Martini aus Rostock für das Fach Kirchengeschichte und der biblisch-orientalischen Literatur und der erste evangelische Feldprediger in Bayern Karl Heinrich Fuchs als ao. Professor für Homiletik. 350 „Erst mit dem WS 1804/05 war der Ausbau der protestantischen Abteilung der theologischen Sektion mit drei Ordinarien und einem ao. Professor beendet. Paulus behandelte die paulinischen Briefe, Martini las über Jesaias, allgemeine Kirchengeschichte und Dogmengeschichte, Niethammer vertrat die theologische Sittenlehre, Fuchs die Fächer Katechetik und Liturgik.“ 351 Im WS 1805/06 studierten in Würzburg 23 protestantische Theologen. Die Berufungen von Josias Friedrich Christian Loeffler (1752-1816) in Gotha für Kirchengeschichte352, von Heinrich Philipp Konrad Henke (1752-1809) in Helmstedt ebenfalls für Kirchengeschichte353, von Karl Daub (1765-1836) aus Heidelberg für Religionsphilosophie, Auslegung des Alten Testamentes und praktische Theologie zum 1.10.1803354 sowie von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768-1834) aus Stolpe für 349

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Organisationsakte der Julius-Maximilians-Universität. Churfürstlich Fränkisches General Land Commissariat. Graf von Thürheim. München 3. November 1803; Bamberg 11. November 1803. Vgl. Wegele II Nr. 181 S. 467ff.; Th. Freudenberger: Zur Geschichte der theologischen Fakultät im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. S. 315 mit Anm. 124.125; Vgl. „Zusammenstellung der vom Jahre 18021805 für das Bistum Würzburg erlassenen Verordnungen der bayerischen Regierung, welche teils direkt antikirchlichen Charakter tragen, teils in das geistliche Gebiet hinübergreifen“ bei Aug. Fr. Ludwig: Weihbischof Zirkel von Würzburg in seiner Stellung zur theologischen Aufklärung und zur kirchlichen Restauration. Bd. I, Beilage I. S. 334-343; Fr. X. Wegele: Eine Reformation der Universität Wirzburg. Festrede zur Jahresfeier der Stiftung der Julius-Maximilians-Universität am 2. Januar 1863. In: Ders.: Vorträge und Abhandlungen. Hrsg. von R. Graf Du Moulin Eckart. Leipzig 1898.- S. 271-290; zum Namenswechsel der Würzburger Universität: Julius-Universität (Academia Iulia) 1582-1802/03, Churfürstliche Julius-Universität 1803, Julius-Maximilians-Universität 1803/04-1805/06, Kurfürstliche Universität zu Würzburg 1806-1806/07, Großherzogliche Universität zu Würzburg 1807-1814, Königliche Universität zu Würrzburg 1814/15-1838, Königliche Julius-Maximilians-Universität 1838/391840/41, Königlich Bayerische Julius-Maximilians-Universität 1841-1918/19, Julius-Maximilians Universität 1919-1952/53, Bayerische Julius-Maximilians-Universität seit 1953 Th. Freudenberger: Zur Geschichte der theologischen Fakultät im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. S. 283ff.; Karl-J. Lesch Die Säkularisation des Hochstifts Würzburg: Kap. IV D. Die Rekatholisierung der theol. Fak. im Jahr 1809.- S. 227ff.; W. Weiß: Kirche im Umbruch der Säkularisation. Die Diözese Würzburg in der ersten bayerischen Zeit (1802/03-1806). Würzburg 1993.- 380 S.; Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd. 2.- S. 216ff. Th. Freudenberger: Zur Geschichte der theologischen Fakultät im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. S. 292; die Lebensdaten der neuen Professoren finden sich bei den „Biogrammen zum Lehrpersonal“ ADB 19, S. 108f. ADB 11, S. 754f. ADB 4, S. 768; NDB 3, S. 522; BBKL I, Sp. 1231

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theologische Sittenlehre und praktische Theologie355 zum 4.4.1804 hatten sich zerschlagen.356 Durch diese Organisationsakte vom November 1803 war auch jene Entschließung des churfürstlichen General-Landes-Commissariates in Bamberg vom 5 Oktober 1803 hinfällig, die davon sprach, dass eine protestantisch-theologische Fakultät eingerichtet werden sollte.357 Der Bischof, nun Fechenbach, war mit dieser Situation natürlich nicht einverstanden, insbesondere, sofern es um die Ausbildung des Klerus ging. Am 29. November 1804 wurde dem fürstbischöflichen Vikariat ein Plan vorgelegt, nach dem das Kurfürstl. Fränkische General-Land-Commissariat die Ausbildung des Klerus zu übernehmen gedachte, das „Reglement für das geistliche Seminar“. Fürstbischof Georg Karl von Fechenbach berichtet darüber in einem Brief an den Churfürsten Erzkanzler von Dalberg nach Paris am 24. Dezember 1804: „Zu gleicher Zeit ward mir ein Plan zur neuen Verfassung meines Seminars so ziemlich im Tone einer Vorschrift entworfen, von Seiten des Gouvernementes vorgelegt. Derselbe ist mit Vorübergehung der sittlich-religiösen Bildung des Priesters blos auf die wissenschaftliche Bildung des religiösen Volkslehrers und geistlichen Staatsbeamten angelegt, und würde höchstens dienen, Prediger jeder anderen Confession, nur keine katholischen Seelsorger zu erziehen...“ 358 Er deutet auch die Quelle von welcher der Plan stammt: „Dieser Plan ist allem Ansehen nach aus einer protestantischen Feder geflossen, wie dann Prof. und Consistorialrath Niethammer von der Bestimmung des neuen protestantischen Consistoriums in einer Einladungsschrift, die ich hier beilege, etwas gesagt hat.“ 359 Dieses Seminar-Reglement von 1804 wollte das bischöfliche Seminar zu einem „Bildungshaus künftiger Staatsbeamten“ machen; es sollte ja auch „kurfürstliches Seminar“ heißen. Für den Fürstbischof Georg Karl und den Weihbischof Zirkel verschwanden dabei die Ideale und die Spiritualität des „Priesters“.360 Daß einige katholische Theologen der Theologischen Fakultät diese Entwicklung begrüßten, geht aus der Verleihung des Dr. theol. an den protestantischen Orientalisten Christian Friedrich Schnurrer aus Tübingen im Jahre 1805 hervor. Von Seiten der Fakultät war Oberthür die treibende Kraft und Paulus stand mit Schnurrer im lebhaften Briefwechsel.361 355 356 357 358 359

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ADB 31, S. 422-457; BBKL IX, Sp. 253-270 u.a. Th. Freudenberger: Zur Geschichte der theologischen Fakultät im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. S. 286ff. Wegele II Nr. 179 S. 464ff. N. Reininger: Die Weihbischöfe von Würzburg. 1865.- S. 422 abgedruckt bei N. Reininger: Die Weihbischöfe von Würzburg. 1865.- S. 393-421, hier S. 422; Das Reglement führt in dem Kapitel über die Bildung der Alumnen genau die Lehrgegenstände und Kurse des Theologiestudiums auf; Aug. Fr. Ludwig: Weihbischof Zirkel von Würzburg in seiner Stellung zur theologischen Aufklärung und zur kirchlichen Restauration. Bd. 2. Paderborn 1906.- S. 103ff.; P. Baumgart: Bildungsreformen im Hochstift Würzburg unter Mitwirkung Dalbergs. In: Carl von Dalberg. Hrsg. von Karl Hausberg. Regensburg 1995.- S. 251-276; A. Ruland: Die Anschauungen des Dr. Gregor Zirkel und des Professors Dr. Andreas Metz zu Würtzburg über das Verhältnis des Staates zu Kirche. In: AKKR 31,1874,260-309; W. Weiß: Ein Kirchenmann zwischen Aufklärung, Romantik und Restauration: Weihbischof Gregor Zirkel. In: WDGBl 47,1985,191-215 vgl. Braun II, S. 374f. Christian Friedrich Schnurrer, Protestantischer Orientalist aus Tübingen; seit 1775 Ordinarius für morgenländische Sprachen in Tübingen; unter ihm wurde die Orientalistik als Fach unabhängig von der Theologie.- J. B. Schwab: Franz Berg. S. 466: „Welches Vertrauen von Seiten der bischöflichen Behörde konnten Lehrer der kathol. Theologie erwarten, welche die geistige Gütergemeinschaft, die sie mit den protestantischen Theologen der Universität eingegangen, selbst äußerlich damit beurkundeten, dass sie das theologische Doctorat auch an Protestanten, wie 1805 unter dem Dekanate Oberthür‟s an den Orientalisten Schnurrer in Tübingen verliehen?“; Briefe von Prof. Paulus an Schnurrer, in: Karl A. von Reichlin-Meldegg: Heinrich Eberhard Gottlob Paulus und seine Zeit. Bd. 1-2. Stuttgart 1853; Braun II, S. 356: „ Die katholischen Professoren hatten dagegen (Sektion der für die Bildung des religiösen Volkslehrers erforderlichen Kenntnisse statt katholische und protestantische Fakultät) nichts einzuwenden. Sie berieten am 7. August 1804 mit dem protestantischen Theologen Paulus zusammen gemütlich über die Forderung von Prüfungen der Seminar-Kandidaten und dokumentierten ihre Toleranz dadurch, dass sie einem protest. Professor der Theologie in Tübingen das theologische Doktorat erteilten!!“.

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Die Organisationsakte von 1803 brachte für Würzburg erstmals das Institut des Privatdozenten. Es wurden unterschieden: „B. Personale der Lehrer. 1) Es finden ordentliche, ausserordentliche und Privatlehrer statt....4. Die Privatdocenten, welche zur Aushülfe und um Lehrer nachzuziehen gestattet werden, können nur unter folgenden Bedingungen angenommen werden. Sie müssen a) Beweise gegeben haben, dass sie jene allgemeine Gegenstände, welche zum gelehrten Stande vorzüglich erfordert werden, bearbeitet haben, als Philosophie, Philologie etc. b) über die Wissenschaften der ganzen Classe, wenn sie im Fache der allgemeinen Wissenschaften lehren, oder der besonderen Section, wenn sie in einer Wissenschaft der zweyten Classe als Lehrer auftreten wollen, sich strenge prüfen lassen, und darin den academischen Grad nehmen; c) bey dieser Gelegenheit eine Abhandlung ausarbeiten, die den Beyfall des gelehrten Publicums verdient; d) einige öffentliche Vorlesungen halten, und durch dieselben beweisen, dass sie die Gabe des Vortrages besitzen. Entsprechen die nach diesen Prüfungen Angenommenen der Erwartung, so können sie nach Vorschlag der Curatel mit einem Gehalt unterstützt, und sonach weiter mit Vermehrung zu ausserordentlichen und dann zu ordentlichen Lehrern befördert werden.“ 362 Die Organisationsakte des Großherzogs Ferdinand für die Universität Würzburg vom 7.9.1809 löste dann die Rangstufe Privatdozent wieder auf und hielt nur die Rangstufen ordentlicher und außerordentlicher Professor aufrecht. Im Gehalt sind diese beiden Rangstufen nochmals in je 3 Klassen aufgeteilt.363 Die Entschließung vom 21.7.1817 führte das Institut des Privatdozenten jedoch wieder ein. Die Bayerische Entschließung vom 9.7.1827 vereinheitlichte die Bedingungen zum Erwerb des Privatdozentenstatus und am 21.6.1842 wurde eine neue Habilitationsordnung erlassen.364 Erst die „Statuten der Theologischen Facultaet der Universität Würzburg“, bestätigt durch das k. b. Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten vom 29. Juni 1875 und vom 29. Mai und 10. Juni 1877 übernahmen den Ministerialerlaß hinsichtlich Promotion, Habilitation und Privatdozenten von 1842 für die Theologische Fakultät von Würzburg.365 Im Frieden von Pressburg (26.12.1805) war das Fürstentum Würzburg dem Großherzog Ferdinand von Toskana (1769-1824) zugefallen. Auf Antrag des Senats vom 29. Juli 1806 wurde die Einteilung der Universität in Sektionen aufgehoben und die frühere Einteilung in Fakultäten durch Ferdinand wiederhergestellt. Am 7.9.1809 erschien die neue Organisationsakte, die die Vorschläge Zirkels berücksichtigte. Diese Organisationsakte des Großherzogs Ferdinand für die Universität Würzburg vom 7.9.1809 hat neben der oben erwähnten Bestimmung einschneidende Maßnahmen für die Universität Würzburg und die Theologische Fakultät gebracht: „§ 1. Die Universität zu Würzburg ist nach dem Gesetze ihres Stifters und nach der Verfassung des Landes, welchem sie angehört und zunächst gewidmet ist, eine katholische Universität“ .366 „§ 8. Die bisher unter dem Namen der ersten Section von der Classe der besonderen Wissenschaften bestandene Theologische Fakultät ist aufgelöst. An ihre Stelle tritt das - der Aufsicht und Leitung des Bischofs und seines Vikariats untergebene geistliche Seminarium mit allen Rechten und Pflichten einer Fakultät. Der erste Vorsteher des Seminars ist jeweiliger Dekan (wie lange Zeit unter den Jesuiten der Rektor des Jesuitenkollegs), die übrigen dort angestellten und noch anzustellenden Lehrer sind zugleich Professoren der Universität und ordentliche Mitglieder der Theologischen Fakultät. Es ist ihnen die Sorge für das ganze theologische Studium übertragen, welchem künftig auch die Vorlesungen über das canonische Recht beigeordnet sind ... In allem, was die Einrichtung des theologischen Studiums betrifft, erhält die Theologische Facultät einzig nur von dem Bischof und seinem Vikariat die erforderlichen Weisungen ... Nichts destoweniger macht die Theologische Facultät einen ergänzenden Theil der Universität aus. Sie nimmt daher an den Versammlungen des Professorenkollegiums und an öffentlichen Universi362 363 364 365 366

Wegele II Nr. 181 S. 472f.; mit Verordnung vom 9.3.1804 (ARS 1459) Wegele II Nr. 185 S. 514 ARS 1459; W. Engelhorn: Die Würzburger Universität 1803 bis 1848. Neustadt a.d.A. 1987 Abdruck der Statuten im Anhang Wegele II Nr. 185 S. 507; Berg beklagt sich darüber in einem Brief an Prof. Paulus in Heidelberg vom 23. Juli 1811 und polemisiert in zwei Aufsätzen dagegen, die aber nie in Druck gingen. Schwab: Johann B. Franz Berg. S. 455ff.; In der Organisationsakte Montgelas‟ und im Besitzergreifungspatent König Max Joseph‟s von Bayern ist der Titel „Katholische Universität“ nicht vorhanden

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tätsfeierlichkeiten Antheil. Wer die Würde eines Doctor beider Rechte erlangen will, muss sich einer Prüfung bei der Theologischen Facultät aus dem canonischen Rechte unterziehen, und kann von der juridischen Facultät erst alsdann zum Doctor beyder Rechte creirt werden, wenn auch die Theologische Facultät in Ansehung des canonischen Rechtes die Würdigkeit zur Ertheilung des Doctorats beider Rechte ihrerseits erklärt hat. Doctores s.s. theologiae et canonum ist sie für sich allein zu creiren befugt.“ 367 In der OA368vom 7.9.1809 wurde den ordentlichen Lehrern der Rang eines wirklichen Rates erteilt. Die protestantischen Theologen wurden nach dem Frieden von Pressburg am 26.12.1805, in dem das Fürstentum Würzburg an den Kurfürst von Salzburg Erzherzog Ferdinand von Toskana gefallen war, sukzessive entlassen. Niethammer kam als protestantischer Oberschulkommissar für Franken und Konsistorialrat in bayerischen Diensten Ende des WS 1805/06 nach Bamberg, Fuchs als Konsistorialrat ebenfalls nach Bamberg, Martini hielt noch im SS 1806 Vorlesungen über Horaz und bekam dann im WS eine Anstellung in Altdorf. Paulus erhielt schließlich nach der Berufung von Niethammer am 28.2.1807 als Zentral-Schulrat der protestantischen Konfession beim Ministerium des Innern nach München dessen Stelle als Referent in protestantischen Konsistorial- und Schulsachen bei der Landesdirektion in Bamberg. Damit war die protestantische Theologie aus der Universität in Würzburg bis 1968 ausgeschlossen.369 Mit Schreiben vom 7. November 1809 teilte der Dekan der Theologischen Fakultät dem Großherzoglichen Prorektorat der Universität mit, daß sich die Theologische Fakultät konstituiert hat.370 8. Die Theologische Fakultät im 19. Jahrhundert Nach der endgültigen Inbesitznahme Würzburgs durch König Maximilian I. Joseph von Bayern 1814 wurde die Katholisch-Theologische Fakultät am 28. Oktober 1815 wieder 367

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Organisationsakte des Grossherzogs Ferdinand für die Universität Wirzburg. Werneck 7. September 1809 (Wegele II Nr. 185 S. 507ff., hier S. 509f.); Braun II, S. 384ff.; Leinicker wurde erst zugeschrieben die „Rede bey der Einführung der neuen theol. Lehranstalt, gehalten von Padre Cajetano, ordin. Carmel. Discalceat. D. Theologiae lectore emerito“. (1809) o.O.,o.J.; Schwab (Schwab: Joh. B. Franz Berg. S. 453) hält diesen Text für eine „satyrische Rede“, die anfangs für echt gehalten wurde, deren Verfasser aber Direktor Stumpf war. Sie ist abgedruckt bei Karl-J. Lesch: Die Säkularisation des Hochstifts Würzburg. S. 233ff. (aus M.ch.f.600/3: Materialien zur Geschichte der Universität. Bd. 3, fol. 132-143). In der „Rede“ wird die Jesuitentheologie gerühmt und gegen die Aufklärungstheologie polemisiert. Schwab sagt, dass Cajetan Beckert (Barfüserkarmelit, *4.7.1751, prof. 13.12.1770, ord. 24.9.1774; gest. 5.1.1827) selbst die Rede für unecht in öffentlichen Blättern erklärt hat; W. Engelhorn: Die Universität Würzburg 1803-1848. Neustadt a.d. Aisch 1987.- S. 136f. (Cajetan Becker!); Th. Freudenberger: Zur Geschichte der theologischen Fakultät im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. S. 300; Th. Freudenberger: Der Streit um die Befreiung der Alumnen des Würzburger geistlichen Seminars von der Verbindlichkeit, Hörgelder zu zahlen. In: WDGBl 44,1982,211; H. J. Brandt: Eine katholische Universität für Deutschland? Das Ringen der Katholiken in Deutschland um eine Universitätsbildung im 19. Jahrhundert. Köln, Wien 1981; Forschung und Bildung. Aufgaben einer katholischen Universität. Studien hrsg. von Norbert Alfons Luyten OP. Freiburg/Schw. 1965; N.A. Luyten: Idee und Aufgabe einer Katholischen Universität. In: Universität und moderne Welt. Hrsg. von Schwarz. 1962; G. Kaufmann: Zwei katholische und zwei protestantische Universitäten vom 16. –18. Jahrhundert. In: Sitzungsberichte der Bay. Akademie der Wiss., Philos.-Philol. und hist. Klasse. Jg. 1920, 5. Abh.; V. Brander: Aus der neueren Geschichte des Priesterseminars Würzburg: In: WDGBl 14/15,1952/53,725-741.- Instruktion für die am Seminarium angestellten Professoren der theol. Fakultät, betreffend I. den Inhalt und die Form ihrer Vorlesungen und II. das Verhältnis, in welchem sie zu dem Alumnate stehen. Abgedr. bei Aug. Fr. Ludwig: Weihbischof Zirkel von Würzburg in seiner Stellung zur theologischen Aufklärung und zur kirchlichen Restauration. Bd. II, Beilage VI, S. 538-550; M. Weitlauff: Kirche und Theologie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Münchener Theologische Zeitschrift 39,1988,155-180 Vgl. Wegele II, Nr. 185, S. 512 § 13b Th. Freudenberger: Zur Geschichte der theologischen Fakultät im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. S. 293f. ARS 1485

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der Universitätskuratel unterstellt.371 Adam Joseph Onymus wurde reaktiviert und las Dogmatik, ebenso reaktiviert wurde Georg Liborius Eyrich als Professor für Moral- und Pastoraltheologie; gleichzeitig wurde er Regens des Priesterseminars. Kilian Joseph Fischer hatte am 27. August 1813 biblische Exegese und orientalische Sprachen vom verstorbenen Nikolaus Alban Foertsch zunächst provisorisch, am 6. April 1814 als ordentliche Professur übernommen. Am 24. Januar 1810 wurde Johann Michael Leinicker mit der Professur für Kirchengeschichte und dem damit verbundenen Kirchenrecht betraut. P. Thomas Grebner hatte in den Vorlesungen Welt- und Kirchengeschichte, als Universalgeschichte vereint, vorgetragen; seit dem Jahre 1768/69 hielt er die öffentlichen Vorlesungen getrennt in der Theologischen und Juristischen Fakultät. Als ao. Professor versah der Subregens Philipp Adam Warmut vom 3.7.1816 bis zum 14.9.1818 die Fächer Pädagogik, Homiletik und Katechetik. Die folgende Periode bezeichnet Braun mit: „Erweckung und Stärkung des kirchlichen Lebens durch Bischof Friedrich Freiherrn von Groß vom Jahre 1818-1840.“ 372 Für die Darstellung Brauns steht natürlich die Entwicklung des Seminars und die Priesterausbildung im Vordergrund. Und hier haben die Regenten Karl Rutta und dann Franz Georg Benkert sicher viel geleistet. Die Theologische Fakultät agierte nicht immer glücklich und fair. Die Art und Weise, wie man den Orientalisten und Exegeten Kilian Joseph Fischer seiner Ämter enthob, die Entfernung von Schwab und Deppisch aus der Fakultät, werfen weniger freundliche Züge auf den Charakter der handelnden Personen. Jedoch: mit der Amtsenthebung Fischers trat die Theologische Fakultät in einen neuen Abschnitt ihrer Geschichte ein, denn gleichzeitig (am 11.Oktober 1834) sollten Johann Valentin Reissmann die Exegese, der Subregens Joseph Helm die Fächer Moral, Pastoral und kanonisches Recht, und der Germaniker Georg Anton Stahl zunächst Theologische Enzyklopädie und (wegen Krankheit von Bickel) einen Teil der Exegese, aber ab 1838 die Dogmatik übernehmen. Der Übergang zur „Germanikerfraktion“ hatte sich angebahnt.373 8.1. Die Germaniker und die Theologische Fakultät Georg Anton Stahl studierte in Rom als Kollegiat des Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum, war dann von 1834 bis 1840 Professor der Dogmatik in Würzburg bevor er 1840 Bischof von Würzburg wurde.374 Als Bischof versuchte er mit allen Mitteln die von ihm ausgewählten Germaniker in die Theologische Fakultät der Universität Würzburg einzuschleusen. Schwab und Deppisch wurden die Opfer.375 An371

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N. Foertsch: Worin sind die guten Erziehungsanstalten des Fürstenthums Würzburg noch zu verbessern. Beantwortet in zwei gekrönten Preisschriften von Nicolaus Förtsch und Georg Ludwig etc. Würzburg 1808; Th. Freudenberger: Zur Geschichte der theologischen Fakultät im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. 1982.- S. 283-316; K. J. Lesch: Die Säkularisation des Hochstifts Würzburg und ihre Folgen für die Theologische Fakultät der Universität Würzburg. Ein Beitrag zum Höhepunkt und Ende der Aufklärungstheologie in Würzburg. In: WDGBl 39,1977,203-236; W. Weiß: Höhepunkt oder innere Säkularisation? Die fränkischen Klöster im Zeitalter von Barock und Aufklärung. In: WDGBl 60,1998,333-352; W. Weiß: Kirche im Umbruch der Säkularisation. Die Diözese Würzburg in der ersten bayerischen Zeit (1802/03-1806). Würzburg 1993 Braun II, S. 396 (am 16. September 1826 wurde die Errichtung neuer Klöster für männliche Orden erlaubt); L. Scheffczyk: Theologie im Aufbruch und Widerstreit. Die deutsche katholische Theologie im 19. Jahrhundert. Bremen 1965; L. Scheffczyk: Theologie im Aufbruch : Das 19. Jahrhundert. In: HBKG III: Vom Reichsdeputationshauptschluß bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. St. Ottilien 1991.- S. 479-537 Die Anzahl der Promotionen in den angesprochenen Jahren 1818-1840 zeugen nicht gerade von einer blühenden Fakultät. Ohne Fischers Ruf würden noch geringere Zahlen anfallen. P. Schmidt: Das Collegium Germanicum in Rom und die Germaniker. Zur Funktion eines römischen Ausländerseminars (1552-1914). Tübingen 1984; A. Steinhuber: Geschichte des Collegium Germanicum Hungaricum in Rom. 2 Bde. Freiburg/Br. 1895 „mit Schwab sei ihm ‚die Opposition gegen die römische, polemische, jesuitische Methode gemein‟. Zumal mit letzterem Punkt war das eigentliche ‚Vergehen‟ Deppischs umschrieben“. M. Weitlauff: Zur Entstehung des ‚Denzinger‟. S. 151

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ders als Bischof Karl Graf von Reisach in Eichstädt oder Bischof Wilhelm Emmanuel Frh. von Ketteler in Mainz setzt Bischof Stahl auf die Universität als Unterrichtsanstalt für die Klerikerausbildung. Heinrich Denzinger übernahm 1848 als ao. Professor Hermeneutik und neutestamentliche Exegese, las dann ab 1851 in Konkurrenz zu Deppisch Dogmatik, die er 1854 als ordentliche Professur (und 5. Professor der Fakultät) übernahm. Joseph Hergenröther versah ab 1852 in einer ao. Professur Kirchengeschichte, Kirchenrecht mit Patrologie und wurde am 9. Mai 1855 ordentlicher Professor. Andreas Joseph Hähnlein wurde am 11. Januar 1856 mit der Professur für Moral- und Pastoraltheologie betraut. Franz Hettinger fing 1856 als ao. Professor an, wurde 1857 o. Professor für Theologische Einleitungslehre mit Patrologie, übernahm 1867 noch Homiletik und Apologetik, 1884 schließlich trat er offiziell als o. Professor die Nachfolge vom verstorbenen Heinrich Denzinger in Dogmatik an, den er schon seit dessen Krankheit ab 1871 vertreten hatte. Mit Ausnahme von Hähnlein haben sich diese Germaniker einen Namen in der Theologiegeschichte gemacht. „Die drei Gelehrten Hergenröther, Denzinger und Hettinger begründeten den wissenschaftlichen Ruf der Würzburger Theologischen Fakultät um die Mitte des 19. Jahrhunderts und zogen viele Studenten an.“ 376 Doch auch Fischer hatte einen regen Zulauf, und nicht nur bei einheimischen Alumnen. Die Quellen berichten davon, dass auch jüdische Studenten nach Würzburg kamen, um bei Fischer orientalische Philologie zu studieren.377 Das Aufblühen der Theologie in den 60ziger Jahren in Würzburg ist nicht zu übersehen und läßt sich auch an der bedeutenden Zunahme der Graduierungen in Theologie in Würzburg festmachen:

Promotionen:

1800-1809: 12 1810-1819: 3 (bei 5 Alumnen des Priesterseminars Ende 1819)378 1820-1829: 5 (davon bei Fischer 2) 1830-1839: 8 (davon bei Fischer 4) 1840-1849: 5 1850-1859: 4 1860-1869: 26 (davon großenteils bei Hergenröther) 1870-1879: 21 (Hergenröther und Hettinger scheinen als Referenten zu überwiegen)379 Kl. Ganzer: Die Theologische Fakultät der Universität Würzburg im theologischen und kirchenpolitischen Spannungsfeld der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. S. 332; Chr. Binninger: Der Würzburger Kreis. In: Chr. Binninger: Mysterium inhabitationis trinitatis. St. Ottilien 2003.- S. 50-53 [ J. Hergenröther; Fr. Hettinger; H. Denzinger]; D. Peitz: Die Anfänge der Neuscholastik in Deutschland und Italien (1818-1870). Bonn 2006, hier S. 120ff.; W. Weiß: Modernismuskontroverse und Theologenstreit. Die Katholisch-Theologische Fakultät Würzburg in den kirchenpolitischen und theologischen Auseinandersetzungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Würzburg 2000; M Weitlauff: Der Fall des Würzburger Kirchenhistorikers Johann Baptist Schwab (1811-1872). In: Historische Kritik in der Theologie. Beiträge zu ihrer Geschichte. Göttingen 1980.- S. 245-284; M. Weitlauff: Joseph Adam Gustav Hergenröther (1824-1890), Theologe. In: Lebensbilder bedeutender Würzburger Professoren. 1995.S.91-111; M. Weitlauff: Joseph Hergenröther. In: Katholische Theologen Deutschlands im 19. Jahrhundert. Bd. II. München 1975.- S.471-551; M. Weitlauff: Kirche und Theologie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Münchener Theologische Zeitschrift 39,1988,155-180; M. Weitlauff: Zur Entstehung des „Denzinger“. In: ZKG 88,1977,247-263; M. Weitlauff: Zur Entstehung des „Denzinger“. Der Germaniker Dr. Heinrich Joseph Dominikus Denzinger (1819-1883) in den ersten Jahren seines akademischen Wirkens an der Universität Würzburg. In: HJ 96,1978,322; 377 Th. Freudenberger: Der Exeget und Orientalist Kilian Joseph Fischer. In: WDGBl 44,1982,307 Anm. 1a 378 Vgl. Th. Wehner: Die Bemühungen des Bischofs Adam Friedrich von Groß zu Trockau (1818/21-1840) um die Priesterbildung und die kirchliche Erneuerung im Bistum Würzburg. In: Kirche und Glaube – Politik und Kultur in Franken. Würzburg 2001.- S.361-406, hier S. 368; A. Ruland: Die Reformation der katholischen Universität Würzburg. In: HpBl 51,1863,598-621, 641-674 (Entgegnung auf Wegele 1863); Fr. X. Wegele: Eine Reformation der Universität Wirzburg. Festrede zur Jahresfeier der Stiftung der Julius-Maximilians-Universität am 2. Januar 1863. In: Ders.: Vorträge und Abhandlungen. Hrsg. von R. Graf Du Moulin Eckart. Leipzig 1898.- S. 271-290 379 Da die Referenten in den Dissertationen nicht angegeben werden, kann man nur aus den Titeln der Arbeiten den möglichen Bezug zum Referenten erschließen. 376

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1880-1889: 17 1890-1899: 36380 Aus der Aufklärung und der Säkularisation, aus der „Weltanschauung reiner Menschlichkeit“, aus der Befreiung der Kirche von staatlicher Übermacht in Folge der Revolution und aus den politischen Entwicklungen des Vormärz in Bayern und Deutschland heraus führte der Weg bei Klerus und Volk zu neuer Kirchlichkeit, zu neuen Ansätzen für eine christliche Gesellschaftsreform. Die Bewegung ging auch aus vom gläubigen katholischen Volk auf dem Lande und in den kleinen Städten und ihren Seelsorgern. Manche Bischöfe und eine Reihe von Intellektuellen, wie Johann Michael Sailer und seine Schüler, oder Johann Adam Möhler, Johann Joseph Görres und Ignatius Senestrey und andere wurden führend in der sich formenden Katholischen Bewegung Deutschlands im 19. Jahrhundert. Erinnert sei auch an die Entstehung der christlichen bzw. katholischen Studentenvereinigungen und ihr Eintreten für katholisches Studentenleben: Wingolfbund (1830), Unitas (1837), Cartellverband der kath. dt. Studentenverbindungen (1856), Kartellverband der kath. Studenten-Vereine (1866), Verband der wiss. kath. Studentenvereine Unitas (1860). Wallfahrtswesen und Volksmissionen spielten eine wichtige Rolle. Ab 1850 erschien das katholische Sonntagsblatt in Würzburg. Als Organ des Piusvereins wurde ab Januar 1849 für kurze Zeit die katholische Tageszeitung „Würzburger Journal“ verlegt.381 Der Mainzer Domkapitular A. F. Lennig gründete am 23.3.1848 in Mainz den ersten „Piusverein (nach Pius IX.) für religiöse Freiheit“, dem rasch weitere Schwesternvereine in Deutschland folgten. Vom 3. bis 6. Oktober 1848 hielten sie die erste Generalversammlung in Mainz ab, den 1. deutschen Katholikentag. In Reaktion auf den polizeistaatlichen Druck des Vormärz suchte man in Form eines Vereins den in der Säkularisation verlorengegangenen Einfluß des katholischen Teils Deutschlands im Staate wieder zu erlangen. Ab 1872 umging man das Verbot der Vereinsversammlung, indem man unter dem Einfluß des Kulturkampfes die jährlichen Einladungen an „die Katholiken Deutschlands“ richtete. Auch in Würzburg fanden Katholikentage statt: 1864, 1877, 1893 und 1907, vor allem aber konnte Würzburg durch eine der ersten deutschen Bischofskonferenzen glänzen.382 Würzburg hätte durch Kilian Joseph Fischer und die Germaniker sicher eine bedeutendere theologische Rolle spielen können – man vergleiche nur die in dieser Zeit in Würzburg Graduierten oder die Ehrenpromotionen - , wenn nicht innerfakultäre und innerkirchliche Streitigkeiten hemmend gewirkt hätten.

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Zum Vergleich: Die Würzburger Juristische Fakultät nahm 65 Promotionen im Zeitraum von 1815 bis 1885, die Theologische Fakultät 81. Vgl. A. Röpke: Die Würzburger Juristenfakultät von 1815 bis 1914. Würzburg 2001.- S. 78 B. Goy: Aufklärung und Volksfrömmigkeit in den Bistümern Würzburg und Bamberg. Würzburg 1969; Kl. Guth: Liturgie, Volksfrömmigkeit und kirchliche Reform im Zeitalter der Aufklärung. Ein Beitrag zur kirchlichen Aufklärung in den alten Bistümern Bamberg und Würzburg. In: WDGBl 41,1979,1183201; LThK2 6, Sp. 69ff., LThK³ 5, Sp. 1339ff. (Katholikentag); LThK² 8, Sp. 544 (Piusvereine); W. Weiß: Aug. Fr. Ludwig: Weihbischof Zirkel von Würzburg in seiner Stellung zur theologischen Aufklärung und zur kirchlichen Restauration. Ein Beitrag zur Geschichte der katholischen Kirche Deutschlands um die Wende des achtzehnten Jahrhunderts. 2 Bde. Paderborn 1904/1906; Fr. Schnabel: Deutsche Geschichte im neunzehnten Jahrhundert. Bd. 7: Die katholische Kirche in Deutschland. Freiburg 1965; W. Weiß: Ein Kirchenmann zwischen Aufklärung, Romantik und Restauration Weihbischof Gregor Zirkel. In: WDGBl 47,1985, 191-215; W. Weiß: Wandel von Rolle und Selbstverständnis katholischer Landpfarrer des Bistums Würzburg im 19. Jahrhundert.In: JbfVolkskunde NF 11,1988,45-66; Gr. Zirkel: Der Prediger Salomon. Ein Lehrbuch für den Weltbürger. Übers. u. erkl. von Gregor Zirkel. Würzburg 1792; Th. Henner: Die Versammlung der Deutschen Bischöfe zu Würzburg im Jahre 1848. In: 100 Jahre bayerisch, e. Festbuch. Würzburg 1914. S. 335-352. Mit Abb. Franziskanerkirche; R. Lill: Die ersten deutschen Bischofskonferenzen. Freiburg 1964; H. Storz: Staat und Kirche in Deutschland im Lichte der Würzburger Bischofsdenkschrift von 1848. Bonn 1934; LThK³ 2, Sp. 496ff.

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8.2. Differenzierung in der Theologischen Fakultät und Ausbau des Lehrkörpers Die Katholische Aufklärung hatte in Würzburg erreicht, daß das starre Schema der vier theologischen Lehrstühle in der Fakultät, allmählich ergänzt wurde durch einen eigenen Lehrstuhl für Exegese (ohne Polemik) und daß das Fach Geschichte einen eigenen Rang unter den theologischen und nichttheologischen Fächern bekam.383 Im 19. Jahrhundert wurde diese Entwicklung fortgesetzt. Die Arbeit in Seminaren entstand. Den Seminaren wurden Bibliotheken mit eigenen Sachmitteln zugeteilt. Es wurden Preisarbeiten und Stipendien vergeben, um das wissenschaftliche Interesse zu belohnen und zu fördern. Die Pädagogik wurde bis zum Abgang Warmuts als Pfarrer nach Oberpleichfeld am 14. September 1818 in der Theologischen Fakultät gelehrt. Trotz wiederholter Eingaben der Fakultät bekam sie darnach keine Fachvertretung in Pädagogik mehr. Der ao. Professor der Tonkunst Franz Joseph Fröhlich (ernannt am 28.9.1811) wurde betraut mit den Lehrfächern Pädagogik und Didaktik.384 Davon wurde die Theologische Fakultät unterrichtet, weil deren Hörer seine Pädagogik-Vorlesungen besuchen sollten. In seiner Eingabe vom 23.2.1833 erklärte er sich bereit, „Vorträge über spezielle, angewandte Pädagogik und Didaktik mit Eingehen auf die Art des Unterrichts in allen einzelnen Lehrsparten der öffentlichen Schulen an der Universität zu halten, wenn die Alumnen des Klerikalseminars von dem Hören der sogenannten praktischen Pädagogik im Schullehrerseminar (eröffnet am 1.11.1770) entbunden und dafür verpflichtet würden, jene auf der Universität zu besuchen.“385 Es sei unmöglich, über Pädagogik und Didaktik einen Vortrag zu halten, der „für die Kandidaten des Klerikalseminars und des Schullehrerseminars nach ihrem so verschiedenen Bedürfnis und nach der weit mehr abstehenden Kulturstufe beider gleichgenügend sein könnte.“ Das Seminar scheint damit einverstanden gewesen zu sein. „Das Staatsministerium des Innern hatte daraufhin am 25. März 1833 die Kreisregierung beauftragt, anzuordnen, dass die Alumnen künftig die praktische Pädagogik nicht mehr im Lehrerseminar, sondern bei Fröhlich an der Universität zu hören hätten.“ Die vom Subregens Franz Georg Benkert unterstützte Aktion scheint sich in erster Linie gegen den Exegeten Kilian Joseph Fischer gerichtet zu haben. 1867 machte die Theologische Fakultät einen erneuten vergeblichen Versuch, wieder einen pädagogischen Lehrstuhl zu bekommen. Die Allgemeine und wissenschaftliche Pädagogik blieb in der philosophischen Fakultät, auch Pädagogik als Nominalfach in der theol. Fakultät wurde vom Senat am 8.2.1868 abgelehnt, Vorlesungen über das Volksschulwesen könnten gehalten werden. Am 8. Februar 1869 gestand der Senat der Theologischen Fakutät das Recht zu, „für einen Vertreter des Unterrichts über Volksschulwesen aus der Mitte ihrer Fakultät zu sorgen,“ obwohl die allgemeine Pädagogik zur Philosophischen Fakultät gehörte. Seit dem 3.11.1936 bestand in Würzburg die Pädagogische Hochschule. 1951 gab es die fünfklassige Lehrerbildungsanstalt. Das Lehrersbildungsgesetz vom 14.6.1958 gliederte die Pädagogische Hochschule mit Wirkung vom 1.8.1958 der Universität an. Danach erfolgte das Gesetz zur Änderung des Lehrerbildungsgesetzes vom 27.7.1970 (in Kraft am 1.8.1970), das die Eingliederung der PH in die Universität als Fachbereich bis zum 1.8.1972 mit dem Recht der Promotion und Habilitation vorsah. Das Gesetz zur Eingliederung der Pädagogischen Hochschulen in die Landesuniversitäten und der Gesamthochschule Bamberg vom 25.7.1972 bewirkte die Eingliederung der PH mit Wirkung vom 1.8.1972 in die Universität als 7. (Erziehungswissenschaftlicher) Fachbereich. Die Lehrer wurden Zweitmitglieder in dem zugehörigen Fachbereich, aber ohne Promotionsrecht. Erst am 31.8. 1977 bestimmte der Senat die Auflösung des Fachbereichs Erziehungswissenschaft 383 384 385

B. Schneider: „Katholische Aufklärung“. Zum Werden und Wert eines Forschungsbegriffs. In: RHE 3,1998,354-397 ME vom 11.1.1819 die folgenden Zitate bei Th. Freudenberger: Der Exeget und Orientalist Kilian Joseph Fischer. In: WDGBl 44,1982,327

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und die vollständige Integration in die Strukturen und Fachbereiche der Universität zum 1.10.1977.386 Der Lehrstuhl für biblische Exegese war von Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (1755-1779) am 29. Oktober 1764 mit dem Jesuiten Heinrich Kilber besetzt worden.387 Im Vergleich mit anderen deutschen Universitäten (Berlin, Breslau, Halle, Jena, Leipzig) und bayerischen Universitäten (Landshut, Erlangen) und auch im Vergleich mit den anderen Würzburger Fakultäten empfand man die Anzahl der theologischen Professuren in Würzburg, im besonderen in der Betreuung der Exegese, als zu gering. „Das dringendste Anliegen der Theologischen Fakultät musste angesichts der geringen Zahl ihrer Mitglieder der zeitgemäße Ausbau ihres Lehrkörpers sein. Besonders betroffen war Fischer, der als Professor der biblisch-orientalischen Philologie und der gesamten Bibel-Exegese durch seine vielfältigen Lehrverpflichtungen fast übermenschlich belastet war. Bei den Bemühungen der Fakultät um einen zweiten Lehrstuhl der Bibel-Exegese war er zweifellos die treibende Kraft. In seinem zweiten Dekanatsjahr 1822/23 konnte er erreichen, dass die Fakultät einstimmig den Beschluß fasste, beim Senat den Antrag auf Errichtung eines neuen Lehrstuhls einzureichen. Am 8. September 1823 konnte er ihn dem Senat vorlegen.“ 388 Trotz mehrerer Versuche, Johann Bickel wenigstens als ao. Professor für die Exegese genehmigt zu bekommen, gelang dies nur soweit, als dass dieser ab WS 1824/25 als Privatdozent ohne Gehalt vierstündige Vorlesungen über Patrologie nach V. A. Winter und im WS 1825/26 daneben noch dreistündig über die katholischen Briefe lesen konnte. Für Fischer brachte dies keine Entlastung. Auch nicht als Johann Bickel am 22. Januar 1828 zum ordentlichen Professor der Dogmatik und Exegese des Neuen Testaments ernannt wurde, zumal jener seit WS 1833/34 wegen Krankheit nicht mehr lesen konnte. Inzwischen hatte sich der Bischof Friedrich von Groß (1818-1840) von Fischer distanziert, weil er dessen Rechtgläubigkeit anzweifelte, aber auch weil er sich in der Frage der Hörgeldfreiheit der Alumnen von Fischer hintergangen fühlte und deshalb von König Ludwig I. in einem Brief vom 12. August 1834 dessen Abberufung verlangte.389 Am 11. Oktober 1834 verfügte König Ludwig I. Fischers Entlassung unter gleichzeitiger Ernennung seines Nachfolgers Johann Valentin Reißmann und des Germanikers Georg Anton Stahl zum ao. Professor der Dogmatik und Patrologie, sowie des Subregenten Joseph Helm zum Professor für Moral und Pastoral, zunächst provisorisch.390 386

387 388 389

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Vgl. Th. Freudenberger: Der Exeget und Orientalist Kilian Joseph Fischer. Ein Beitrag zur Geschichte der theologischen Fakultät Würzburg in den Jahren 1809 bis 1834. In: WDGBl 44,1982,327; Kl. Ganzer: Die Theologische Fakultät der Universität Würzburg im theologischen und kirchenpolitischen Spannungsfeld der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. S.336; Das Schullehrerseminar in Würzburg wurde am 1.11.1770 eröffnet. Seit 1792 las Bonaventura Andres in der Philosphischen Fakultät Pädagogik und Didaktik. Nach der Organisationsakte von 1803 sollten sich die Theologen neben Pädagogik auch Philologie, medizinische Anthropologie und Landwirtschaft aneignen. Wegele II, Nr. 181; St. Paulus: 200 Jahre Lehrerbildung in Würzburg. Würzburg 1975; St. Paulus: Universität Würzburg und Lehrerbildung. In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Hrsg. von Peter Baumgart. Neustadt a.d.Aisch 1982.- S. 539-564; I. Denzinger: Geschichte des Schulwesens im vormaligen Fürstbisthum Würzburg. UBW M.ch.q.316; A. Riel: Revision des Würzburgischen Schulwesens. 2 Bde. Würzburg, Bamberg 1803/04 Wegele II Nr. 157, S. 427 Th. Freudenberger: Der Exeget und Orientalist Kilian Joseph Fischer. Ein Beitrag zur Geschichte der theologischen Fakultät Würzburg in den Jahren 1809 bis 1834. In: WDGBl 44,1982,306 Abgedruckt bei Th. Freudenberger: Der Exeget und Orientalist Kilian Joseph Fischer. S. 348f. In demselben Brief entwickelt Bischof Friedrich auch „die ehrerbiethigsten Vorschläge zu Beförderung des Theologischen Studiums an der Würzburger Hohen Schule“ und machte Vorschläge über die Verteilung der theologischen Fächer bei 5 bzw. 4 Professoren, wobei er vorher dringend um eine Erhöhung der Zahl der Professoren auf wenigstens 5 bat. „Herr Bischof von Würzburg. Ich habe beschlossen, die theologische Fakultät der Universität Würzburg in einen solchen Stand zu setzen, dass an derselben ein gedeihlicher Erfolg des theologischen Studiums und die Erziehung eines tüchtigen Clerus, der unseren Zeiten so noth thut, erwartet werden könne. Ich habe deshalb vor, den Professor Fischer von der Universität zu entfernen. Ich erwarte nun Ihr Gutachten, wie derselbe zu verwenden sey“. Brief König Ludwigs I. an Friedrich von Groß, Bischof von Würzburg. Bad Brückenau, 16. August 1834. Abgedruckt bei Th. Freudenberger: Der Exeget und Orientalist Kilian Joseph Fischer. Ein Beitrag zur Geschichte der theologischen Fakultät Würzburg in den Jahren 1809 bis 1834. In: WDGBl 44,1982,353

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Erst durch das königliche Dekret vom 28.9.1868 konnte die Trennung der biblischen Exegese erreicht werden, als Peter Schegg o. Professor der neutestamentlichen Exegese und der orientalischen Sprachen (mit Wirkung vom 1.11.1868) auf Vorschlag von Hergenröther unter Zustimmung von Hettinger und Denzinger wurde und Sebastian Reissmann nur mehr Altes Testament und orientalische Sprachen vertreten durfte.391 Unter Professor Scholz, der bereits seit 1881 exegetische Übungen abgehalten hatte, wurde ab 1896/97 ein exegetisches Seminar mit Bibliothek aufgebaut.392 In der Organisationsakte vom 7.9.1809, als die Theologische Fakultät mit dem Priesterseminar vereinigt wurde, wurde die Theologische Fakultät um das Fach Kirchenrecht erweitert, das von der Juristischen in die Theologische Fakultät umgegliedert wurde; der Doktor beider Rechte konnte daher in Zukunft nur in Verbindung mit der Theologischen Fakultät verliehen werden. Für die neugeschaffene Fächerkombination Kirchengeschichte und Kirchenrecht, die bis 1879 bestehen blieb, wurde J. M. Th. Leinicker berufen, der von 1810 bis 1824 beide Fächer vertrat.393 Am 2. November 1879 wurde Joseph Nirschl als o. Professor für Kirchengeschichte und Heinrich Kihn als o. Professor für Kirchenrecht, unter Beibehaltung der Patrologie, der Theologischen Einleitungslehre und der biblischen Hermeneutik, was er schon seit dem 29.8.1874 als ao. Professor vertreten hatte, berufen. Dadurch wurden die Fächer Kirchengeschichte und Kirchenrecht definitiv getrennt. Die Kirchengeschichte bekam mit dem Vorstand Joseph Nirschl am 5.7.1884 ein eigenes Kirchenhistorisches Seminar.394 Als Heinrich Kihn 1904 Domdekan wurde, wurde Kirchenrecht mit Franz Gillmann (ao. Prof. 16.10.1904, o. Prof. 16.8.1911) besetzt und Joseph Sickenberger (1905) hatte die Fächer Patrologie mit Pastoral, Liturgik und christlicher Archäologie zu vertreten.395 Die Statuten des kirchenhistorischen Seminars an der königl. Universität Würzburg sind genehmigt durch höchste Ministerialentschließung vom 5. Juli 1884. Als erster Vorstand fungierte Joseph Nirschl. Bemerkenswert an diesen und den anderen frühen Seminarstatuten ist, dass an Seminarmitglieder mit den besten Leistungen jährlich Stipendien 391 392

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Kl. Ganzer: Die Theologische Fakultät der Universität Würzburg im theologischen und kirchenpolitischen Spannungsfeld der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. S. 338 ARS 1485, ARS 167; Prof. Scholz erbittet mit Schreiben vom 3. Dez. 1896 an den Senat Geld für den Aufbau einer Bibliothek; bisher wären die Studenten angewiesen auf die persönliche Bibliothek von Prof. Scholz bzw. auf die Universitätsbibliothek und die Bibliothek des Seminars. Das Ministerium genehmigt am 8. Febr. 1897 einmalig 400 M; H. Graf Reventlow: Katholische Exegese des Alten Testaments zwischen den Vatikanischen Konzilien. In: Die katholisch-theologischen Disziplinen in Deutschland 1870-1962. Hrsg. von H. Wolf. Paderborn 1999.- S.15-28; H.-W. Seidel: Die Erforschung des Alten Testaments seit der Jahrhundertwende, hrsg. und eingel. von Christoph Dohmen. Frankfurt a. M. 1993; Th. Seidl: Valenzen, Gender, Exkursionen. 10 Jahre Forschung und Lehre am Würzburger ATLehrstuhl. Ein Bericht. In: Brückenschläge. Akademische Theologie und Theologie der Akademien. Fritz Hofmann zum 100. Geburtstag. Hrsg. von Erich Garhammer und Wolfgang Weiß. Würzburg 2002.- S. 98-105 R. Weigand: Das Verhältnis des Priesterseminars Würzburg zur Theologischen Fakultät. In: Mit der Kirche auf dem Weg.1989.-S. 135; Th. Freudenberger: Der Exeget und Orientalist Kilian Joseph Fischer. In: WDGBl 44,1982,271-357, hier S. 274f. ARS 1494 (Statuten des kirchenhistorischen Seminars an der königl. Universität Würzburg. Genehmigt durch höchste Ministerial-Entschließung vom 5. Juli 1884 N: 6931); Heinrich Schrörs, der am 29. Juli 1880 zum Dr. theol. promoviert wurde - seine Arbeit war von Hergenröther initiiert, dann aber weitergegeben an den Nachfolger Nirschl, der sie wegen „zuviel Kritik“ ablehnte; die Fakultät nahm sie trotzdem an - wurde im Herbst 1886 nach Bonn auf den Lehrstuhl für Kirchengeschichte berufen. Seine Forderung bei seiner Berufung nach einem kirchengeschichtlichen Seminar fiel bei der preußischen Regierung auf fruchtbaren Boden. Berlin wollte Seminare mit Bibliotheken einrichten. Schrörs konnte eine der besten kirchenhistorischen Seminarbibliotheken einrichten. Im übrigen hatte das Erzbistum Köln auch seinen „Fall Schrörs“. Vgl. N. Trippen: Heinrich Schrörs (1852-1928). In: Rheinische Lebensbilder 10,179-198 K.-J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg: 1978.- S. 253ff.; B. Haering: Die Kanonistik in Deutschland zwischen dem I. und II. Vatikanischen Konzil. Skizze eines Jahrhunderts Wissenschaftsgeschichte. In: Die katholisch-theologischen Disziplinen in Deutschland zwischen dem I. und II. Vatikanischen Konzil. Paderborn 1999.- S. 321-349

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ausgeschüttet und für Bücheranschaffungen Haushaltsmittel (würden wir heute sagen) bereitgestellt werden sollen. Nach dem Vorbild der österreichischen Studienreform Josephs II. hielt Fürstbischof Erthal einen Lehrstuhl für Patrologie für wichtig.396 Franz Berg wurde am 12. Juli 1785 als ao. Professor für Patrologie berufen. Joseph Hergenröther bekam am 3.11.1852 zunächst „provisorisch“ die ao. Professur für Patrologie; auch bei der Berufung Franz Hettingers (ao. Prof. 1856, o. Prof 1857) wurde Patrologie hier mit Theologischer Einleitung als Fach übertragen. Von Hettinger übernahm Johann B. Wirthmüller 1867 die Fächerkombination Theologische Einleitung, Patrologie und Hermeneutik. 397 Heinrich Kihn setzte die Tradition fort; er wurde 1874 als ao. Professor und 1879 als o. Professor berufen, jetzt mit Kirchenrecht. Joseph Sickenbergers Professur 1905 umfaßte die Fächer Patrologie, christliche Archäologie und Liturgik. Bei Oskar Braun wurde anläßlich seiner Berufung zum o. Professor 1907 die Fächerkombination geändert und der Patrologie das Fach Pastoraltheologie im Sinne von Liturgik beigefügt wurde. Die eigentliche Pastoraltheologie blieb zunächst noch bei der Moraltheologie, vertreten von Franz A. Göpfert. Andreas Bigelmair wurde 1929 ebenfalls für die Fächer Patrologie und Pastoral (Liturgik) berufen; so auch 1939 Johann Zellinger, 1945 Berthold Altaner und noch 1949 Theobald Freudenberger. Erst im Jahre 1953 erreichte die Fakultät einen eigenen Lehrstuhl für Pastoraltheologie mit Heinz Fleckenstein, losgelöst von der Moraltheologie, und erst 1966 gelang die Verselbständigung der Liturgiewissenschaft unter Georg Langgärtner. Mit der Berufung Joseph A. Fischers 1968 bekam der alte Lehrstuhl für Patrologie die Bezeichnung Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Altertums, christliche Archäologie und Patrologie.398 Für ein Patristisches Seminar finden sich Nachweise seit 1885.399 Im Rahmen des Haushaltbudgets sollten Mittel für ein Patristisches Seminar bereitgestellt werden.400 Die Pastoraltheologie im Sinne von Praktischer Theologie mit den Diszipinen Homiletik, Katechetik, Liturgik und Pastoraltheologie im engeren Sinne als Seelsorgetheologie/Pastoralpsychologie, wurde in Abhängigkeit und Abstimmung mit der Rautenstrauchschen österreichischen Reform, beruhend auf dem neuen Studienplan, den Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (1755-1779) umsetzte und der weitgehend auf dem Plan von M. I. Schmidt (von Schmidt auf Wunsch Adam Friedrichs als „Entwurf der Würzburger Schulen-Einrichtung“ 1774 gedruckt) basierte, seit A. J. Fahrmann 1773 an der Universität Würzburg gelehrt, aber anders als in Wien, wo sie einen eigenen Lehrstuhl bekam, in Verbindung mit anderen Fächern. Die Gründe sind nicht ganz klar. „Daß es in Würzburg nicht zu vergleichbaren Konsequenzen (wie in Wien) kam, d. h. zur Errichtung eines eigenständigen Lehrstuhls für Pastoraltheologie, mag 1. an den theologisch und pastoral qualifizierten Regenten und Professoren (Günther, Vornberger, Fahrmann, Rosshirt, Feder) gelegen haben, denen diese Lehrtätigkeit übertragen wurde und 2. an der praxisorientierten Einstellung der anderen Lehrstuhlinhaber der Theologischen Fakultät, z. B. an dem der Aufklärung nehestehenden Dogmatiker Oberthür, den Historikern Schmidt und Berg. Aufgrund dieser Umstände mag die Anbindung der Pastoraltheologie an die Moraltheologie (in Forschung und Lehre) als ausreichend erschienen sein.“ 401 Erst 396

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P. A. Süß: Kleine Geschichte der Würzburger Julius-Maximilians-Universität. Würzburg 2002.- S. 73f.; S. Merkle: Die Vertretung der Kirchengeschichte in Würzburg bis zum Jahre 1879. In: Aus der Vergangenheit der Universität Würzburg. Berlin 1932.- S. 149f. J. B. Wirthmüller: Die moralische Tugend der Religion in ihren unmittelbaren Acten und Gegensätzen dargestellt. Der hochw. Theologischen Facultät der Universität Würzburg aus Anlaß ihrer dritten Säcularfeier gewidmet. Freiburg i.Br.: Herder 1881 Schon bei der Einreichung der Berufungsliste für die Nachfolge Zellingers betonte die Fakultät die wünschenwerte Trennung der Pastoral und Liturgik von der Patrologie. ARS 168 Errichtung eines Patristischen Seminars ARS 168: 27.5.1885; 21.5.1887; ARS 1495: 14.1.1906 (zum Antrag vom 6.5.1905) H. Pompey: Die Pastoraltheologie in Würzburg von 1773 – 1803. FS Th. Kramer. WDGBl 37/38,1975,3-55, hier S. 10; H. Pompey: Pastoralpsychologie. Die Entwicklung der ältesten Teildisziplin

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unter Michael Müller wurde die Pastoraltheologie von dem moraltheologischen Lehrstuhl abgetrennt und mit Heinz Fleckenstein 1953 besetzt; er wurde am 1.12.1953 zum o. Prof für Pastoraltheologie und Homiletik in Würzburg berufen. Die Vorlesungsverzeichnisse führen vom SS 1951 bis zum SS 1954 mit einem Lehrauftrag für Pastoraltheologie den Regens des Priesterseminars Anton Schäfer auf. Am 15.4.1954 wurde das „Seminar für Pastoraltheologie und Homiletik“ unter Abtrennung der Fachgebiete vom Moraltheologischen Seminar errichtet.402 Mit Schreiben vom 12. Dezember 1861 errichtete das Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten zum Sommersemester 1862 förmlich ein Predigerseminar unter der Leitung des ordentlichen Professors der Theologischen Einleitung mit Patrologie Franz Hettinger (Abs. 2), offensichtlich auf Antrag der Fakultät (Abs. 3) vom Oktober 1861. Aus der Errichtungsurkunde: Abs. 1: Die an der Universität bereits bestehenden Einrichtungen zur Ausbildung der Candidaten der Theologie in der Kanzelberedsamkeit sind in ein förmliches Predigerseminar umzugestalten. Abs. 3. Das PredigerSeminar ist nach den Mustern der philologischen und historischen Seminare einzurichten. Abs. 4. Die Candidaten der Theologie sind zum Besuch des homiletischen Seminars nicht verpflichtet, doch ist ihnen dieser Besuch dringend anzuempfehlen. Und es werden Stipendien ausgelobt (Abs. 5). Für eine homiletische Handbibliothek werden 50 Mark jährlich bewilligt. (Abs. 6). Förmliche Statuten sind zu entwerfen und dem Senat der Universität zur Prüfung und Begutachtung vorzulegen (Abs. 8).403

Kontroverstheologie oder auch Polemik genannt, wurde von Anfang an neben Dogma-

tik und Moral gelehrt. Diese Art der Apologetik reichte in gewisser Weise bis zu den Kirchenvätern zurück. Deshalb ließ Bischof Adam Friedrich von Seinsheim (1755-1779) auch eine entsprechende Sammlung anlegen: „Opera sanctorum Patrum polemica contra Gentiles et Iudaeos graece et latine“. Der Jesuit Ignaz Neubauer fasste ähnlich den theologischen Traktaten der Theologia Wirceburgensis diese Apologetik zusammen in seiner Schrift: „Vera Religio vindicata contra omnis generis Incredulos“. Wirceburgi 1771. Freilich war die Polemik schon durch die aufklärerischen Reformen von 1731, 1734, 1743 des Friedrich Karl von Schönborn (1729-1746) gegangen. „Der ‚große Werth‟ der ‚Polemik‟ wird aus der besonderen ‚Beschaffenheit des Römischen Reiches und Unseres fürstlichen Hochstifts‟ abgeleitet, da durch die Situation der Glaubensspaltung gerade die Auseinandersetzung mit den Protestanten diese theologische Disziplin erforderlich mache. Dabei verlässt Friedrich Karl die althergebrachten Bahnen einer schroffen Opposition und zeigt tolerante Gedankengänge. So schärft er ein, in der Kontroverstheologie ‚alle Schändungen und Schmähungen‟ zu vermeiden. Vielmehr sieht er die Aufgabe der ‚Polemik‟ darin, ‚dass die rechten Grundsätze des wahren allein seelig machenden katholischen Glaubens wohl gefasset und gegen alle irrige Meynungen kräfftig bevestiget werden‟. Die eigene Konfession soll folglich nicht mehr herausgehoben werden, indem man den Widersacher degradiere.“ 404 Franz Hettinger wurde 1867 zum o. Professor

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der Angewandten Psychologie. In: Psychologie und Praxis XVI,1972,168-175; H. Pompey: Von der Pastoralmedizin zur Pastoralanthropologie. In: Von der Pastoraltheologie zur Praktischen Theologie. 15. Forschungsgespräch des IFZ Salzburg. Salzburg 1976; „Das erklärte Ausbildungsziel Rautenstrauchs war: ‚würdige Diener des Evangeliums, d. h. vollkommene Seelsorger‟ zu bilden, ausgehend vom Beispiel des ‚bonus pastor‟... Rautenstrauch schlägt als Lehrbuch der Pastoraltheologie den ‚Pastor bonus‟ von Johannes Opstraet. Mecheln 1689 vor. Vgl. H. Pompey: Die Pastoraltheologie in Würzburg von 1773 – 1803. S. 10); Am 9. Juni 1789 zog das Priesterseminar in das ehemalige Gebäude der Jesuiten. „Sinnfällig kam die Umwidmung des Gebäudes im Jahre 1789 dadurch zum Ausdruck, dass die Statue des Ignatius von Loyola in eine Darstellung des Guten Hirten umgewandelt wurde ... Auch die vom Geist der Aufklärung inspirierte Inschrift Seminarium ad pastorem bonum stammt aus der Zeit um 1789“. Vgl. Chr. Grebner: Die Unterbringung des Priesterseminars im Laufe der Jahrhunderte. In: Mit der Kirche auf dem Weg. Würzburg 1989.- S. 181-199, hier S. 195; J. Stelzenberger: A. J. Fahrmann, A. J. Rosshirt, J. M. Feder. Drei Würzburger Moraltheologen der Aufklärungszeit. In: Aus der Vergangenheit der Universität Würzburg. 1932. S. 268-295 Literatur dazu siehe unter Heinz Fleckenstein bei „Biogramme zum Lehrpersonal“ ARS 1493; Schreiben des Staats-Ministeriums des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegen-heiten vom 12. Dezember 1861 P. A. Süß: "Zu des Landes wahrer Wohlfahrt und Unserer getreuen Unterthanen zeitlichem und ewigen Heyl". Die Würzburger Universität im Vorfeld der Aufklärung: Friedrich Karl von Schönborns Hoch-

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für Apologetik und Homiletik berufen. Sein Nachfolger Herman Schell erhielt 1884 einen Ruf als ao. Professor für Apologetik, christliche Kunstgeschichte (mit dem Seminar für christliche Kunstgeschichte) und Archäologie; 1888 wurde daraus die ordentliche Professur für Apologetik und 1894 wurde die Vergleichende Religionswissenschaft hinzugefügt. Unter Josef Hasenfuß wurde 1963 das Fach umbenannt in Fundamentaltheologie und Vergleichende Religionswissenschaft. Unter Herman Schell wurden seit 1901 Mittel für das apologetische Seminar beantragt und zur Verfügung gestellt.405 Das dogmatische Seminar wurde erst 1906 und das moraltheologische Seminar 1918 errichtet. Die Entwicklung der Theologischen Fakultät in Würzburg406 war nach der Säkularisation zunächst geprägt von dem Versuch der bayerischen Regierung, mit dem Einfluß auf die Neugestaltung der Theologischen Fakultät auch die Priesterausbildung dem Einfluß des Bischofs zu entziehen. Dies scheiterte und schlug eher in die entgegengesetzte Richtung um. Die Theologische Fakultät wurde mit dem Priesterseminar vereint, wenn auch als Fakultät der Universität. Als Würzburg 1814/15 neuerlich unter die bayerische Regierung kam, wurde die Theologische Fakultät vom Priesterseminar wieder getrennt und in die Universität voll integriert. Aus dem Diözesanklerus heraus bildete sich aber eine stark kirchlich und zugleich römische Orientierung, die zusammentraf mit den Sympatien König Ludwigs I. für den römisch orientierten Klerus. So konnte der Subregens und spätere Regens Franz Georg Benkert Einfluß auf den Klerus aber auch auf Besetzungen in der Theologischen Fakultät nehmen. Mit Georg Anton Stahl zunächst als Professor, dann als Bischof wurde die kirchenpolitisch ungemein wichtige Periode der „Germanikerfraktion“ eingeleitet. Mit Heinrich Denzinger, Joseph Hergenröther und Franz Hettinger hatte aber auch der Ruf der Universität gewonnen. Vorgeschichte, Ablauf und Nachwirkungen des 1. Vatikanischen Konzils mit dem Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit stärkten eher die liberalen Vorstellungen in der bayerischen Regierung, sodaß sie sich auch in der Besetzung der theologischen Lehrstühle in Würzburg umorientierte. Franz Joseph Stein wurde im Jahr 1871 gegen das Votum der Germaniker als o. Professor für Moral- und Pastoraltheologie für den amtsenthobenen Germaniker Andreas Joseph Hähnlein berufen; er hielt bereits seit 1867 als ao. Prof. Vorlesung für Moral- und Pastoraltheologie. Anton Scholz erhielt den Lehrstuhl für Altes Testament .407

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schulreform. In: MfrSt 60,1996,70; K.-J. Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg: 1978.- bes. S. 263, 271, 280 ARS 170; M. Eytel: Die kgl. bayer. Julius-Maximilians-Universität Würzburg und ihre Institute. Würzburg 1901 Zum Folgenden vergleiche besonders: Th. Freudenberger: Zur Geschichte der theologischen Fakultät im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. S. 283-316; Th. Freudenberger: Philipp Hergenröthers Unfehlbarkeitspredigten und ihre Folgen. In: WDGBl 37/38,1975,77-126; Kl. Ganzer: Die Theologische Fakultät der Universität Würzburg im theologischen und kirchenpolitischen Spannungsfeld der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Neustadt an der Aisch 1982.S. 317-373; W. Weiß: Die Säkularisation des Hochstifts Würzburg und ihre Folgen für das kirchliche Selbstverständnis. In: WDGBl 58,1996,201-218; W. Weiß: Kirche im Umbruch der Säkularisation. Die Diözese Würzburg in der ersten bayerischen Zeit (1802/03-1806). Würzburg 1993.- 380 S. ; W. Weiß: Modernismuskontroverse und Theologenstreit. Die Katholisch-Theologische Fakultät Würzburg in den kirchenpolitischen und theologischen Auseinandersetzungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Würzburg 2000; M. Weitlauff: Joseph Adam Gustav Hergenröther (1824-1890), Theologe. In: Lebensbilder bedeutender Würzburger Professoren. 1995.-S.91-111; M. Weitlauff: Zur Entstehung des „Denzinger“. Der Germaniker Dr. Heinrich Joseph Dominikus Denzinger (1819-1883) in den ersten Jahren seines akademischen Wirkens an der Universität Würzburg. In: HJ 96,1978,322 Th. Freudenberger: Die Universität Würzburg und das erste Vatikanische Konzil. Ein Beitrag zur Kirchen- und Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts. 1. Teil: Würzburger Professoren und Dozenten als Mitarbeiter und Gutachter vor Beginn des Konzils. Mit einem Anhang von Gutachten, Briefen und ergänzenden Aktenstücken. Anläßl. des 100. Jahrestages der Einberufung des Konzils in Verbindung mit dem Sebastian-Merkle-Institut der Universität Würzburg dargest. u. hrsg. Neustadt an der Aisch 1969; J. Hergenröther und Franz Hettinger: Gutachten der Theologischen Fakultät der k. Julius-MaximiliansUniversität zu Würzburg über fünf ihr vorgelegte Fragen, das bevorstehende Concil in Rom betreffend. In: Chilianeum N.F. 2,1869,258-307

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Exkurs: Die Theologische Fakultät und das 1. Vatikanische Konzil Joseph Hergenröther und Franz Seraph Hettinger waren zunächst die einzigen deutschen Theologen, die 1867 als Konsultoren zu den vorbereitenden Arbeiten für das Konzil berufen wurden. Der Münchener Nuntius hatte am 29. Dezember 1865 die beiden und den Regensburger Domherren Willibald Apollinaris Maier408 vorgeschlagen. Alle drei ehemalige Germaniker.409 Hettinger nahm in den Jahren 1868 und 1869 an insgesamt 14 Vollsitzungen der dogmatischen Kommission und einer Sondersitzung der Spezialdeputation für die Redaktion der Dekrete, zu deren Deputierten er ernannt worden war, teil. Im August 1868 gab er ein „Votum de Romano pontifice eiusdemque iuribus“ ab und im April 1869 legte er einen Dekretentwurf „De Romano pontifice eiusdemque iuribus capita doctrinae et canones“ vor. Hergenröther war am 9. Februar 1868 der Kommission für die Kirchendisziplin als Konsultor zugeteilt worden. Er besuchte 8 Vollsitzungen, verfertigte ein Votum über die Verwaltung der Spitalstiftungen (März 1868), ein Votum über das Patronatsrecht (April 1868, mit einem Appendix März 1869), ein erstes Votum über die Mischehen und die Ehen der nichtkatholischen Christen (22. April 1868) und ein weiteres am 21. April 1869. Das Konzil machte sich zwar die Ansicht Hergenröthers in dieser Frage nicht zu eigen, aber: „Hätte man seine Anregung befolgt, so wäre die Befreiung aller nichtkatholischen Christen von der tridentinischen Eheschließungsform, die Pius X. später (18. Januar 1906) aussprach, schon nahezu 40 Jahre früher erreicht, ein Stein des Anstoßes beseitigt und ein wesentlicher Beitrag zum Frieden unter den Konfessionen, vorab in Deutschland, geleistet worden.“ 410 Die Arbeit der Würzburger Theologen zum 1. Vatikanischen Konzil war trotz der wenigen zur Verfügung stehenden Zeit von einigem Gewicht; sie galten fast nur in der vorlesungsfreien Zeit als abkömmlich in Würzburg. Am 2. Juni 1869 bekam die Theologische Fakultät in Würzburg – wie schon vorher die von München – die Aufforderung, entsprechend der Ministerialentschließung vom 30. Mai 1869, ein Gutachten zu erstellen über 5 Fragen des bayerischen Regierungschefs Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst zum Verhältnis zwischen Staat und Kirche angesichts der bevorstehenden und zu erwartenden Beschlüsse des Konzils. Der Streit um die Durchführung des Konkordates vom 5. Juni 1817 und die Aufhebung des entgegenstehenden Religionsediktes von 1818, dann die Auseinandersetzungen im Gefolge der Würzburger Bischofsversammlung von 1848 (23.10.-16.11.1848), ferner die Verschärfung der Situation durch die Veröffentlichung des Syllabus von Pius IX. vom 8. Dezember 1864 hatten das Verhältnis zwischen dem bayerischen Staat und der Kirche in Bayern dauerhaft belastet. Solche Befürchtungen hatte die bayerische Regierung auch in Bezug auf das bevorstehende Konzil. Deshalb wünschte sie ein Gutachten der beiden Theologischen Fakultäten zu diesen Fragen. Unter Hergenröthers Federführung, wobei Hettingers 408

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*19.2.1823 Pfalzpaint, ord. 11.4.1846, Domvikarin Reg4nsburg 2.5.1858, Domkapitular 11.8.1869; † 5.5.1874; J. Ammer: Das Domkapitel Regensburg seit seiner Wiedererrichtung 1821. Regensburg 2006, S. 6,23 Zum Folgenden diente vor allem Th. Freudenberger: Die Universität Würzburg und das erste Vatikanische Konzil. Neustadt an der Aisch 1969; G. Denzler: Die Stellung Joseph Hergenröthers zum Vaticanum I aufgrund seiner hier erstmals edierten Briefe an Andreas Steinhuber, den Rektor des Collegium Germanicum-Hungaricum in Rom. In: ZsbayLgesch 39,1976,448ff.; A. Denzinger: Heinrich Denzinger, Erinnerungen aus seinem Leben, gesammelt von seinem Bruder. In: Der Katholik 63,1883/II,428-444; 523-538; 638-649; R. Lill: Die deutschen Theologieprofessoren vor dem Vatikanum I im Urteil des Münchener Nuntius. In: Reformata reformanda. Festgabe H. Jedin. II. Münster 1965.- II, S. 483-508; J. Speigl: Hergenröther und Döllinger. In: Korrespondenzblatt für die Alumnen des Collegium Germanicum et Hungaricum. Mai 1960. Bd. 1.-S. 11-22; Bd. 2.-S.89-105 Th. Freudenberger: Die Universität Würzburg und das erste Vatikanische Konzil. Neustadt an der Aisch 1969.- S. 91; Bereits „Am 11.2.1800 hatte die kurfürstliche Regierung in Mannheim der Theologischen Fakultät Würzburg die Frage vorgelegt, ob Ehen zwischen Katholiken und geschiedenen Protestanten als „bürgerlich rechtmäßige zu gestatten seien“, und der „katholische Pfarrer zur Copulation solcher Eheleute oder zur Erteilung der Dimissorialien gezwungen werden könne“. Die Fakultät entschied mit Ausnahme Oberthürs gegen die Zulässigkeit solcher Ehen. Ebenda S. 354 Anm. 1a; J. B. Schwab: Franz Berg. Würzburg 1869.- S. 356ff.; H. Brück: Geschichte der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert. I. Mainz 19022.- 229f.; Aug. Fr. Ludwig: Weihbischof Zirkel von Würzburg in seiner Stellung zur theologischen Aufklärung und zur kirchlichen Restauration. Bd. 1. Paderborn 1904.- S. 301ff.

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Rat in die dogmatischen Teile eingeflochten worden zu sein scheint, übergab die Theologische Fakultät bereits am 7. Juli 1869 ihr Gutachten. Die ebenfalls aufgeforderte Juristische Fakultät legte ihr Gutachten erst am 4. Dezember 1869 vor.411 Hergenröther verwertete auch Material aus einem kurzen Gutachten, das Heinrich Denzinger im Juni 1869 erstellte hatte und dem Bischof Stahl überreichen ließ. Die Gutachten der beiden Theologischen Fakultäten von München und Würzburg wurden auch der Fuldaer Bischofskonferenz vom September 1869 vorgelegt und dort besprochen. Die Aufnahme des Würzburger Gutachtens in der Öffentlichkeit war sehr unterschiedlich. Die liberale „Neue Würzburger Zeitung“ und der „Nürnberger Anzeiger“ machten gegen die Verfasser Stimmung. Anerkennung fanden diese in den „Maria-Laacher Stimmen“, in Scheebens Zeitschrift „Das ökumenische Concil vom Jahre 1869“ oder auch in der Mainzer Zeitschrift „Der Katholik“. Das Lob kam überwiegend von den Vorkämpfern der ultramontanen Partei, denen das Gutachten aus Würzurg positiv erschien, weil es „evident nachgewiesen habe, daß weder Encyklika noch Syllabus und noch viel weniger die Declaration der päpstlichen Infallibilität den Staat in irgend einer Beziehung gefährden und daß alle die emsig ausgestreuten Besorgnisse und Verdächtigungen grundlos seien.“412 Hohenlohes Pläne gegen das Konzil und die der liberalen bayerischen Regierung wurden durch das Würzburger Gutachten nicht gestützt. Trotz mancher Anfeindungen durch die liberale Öffentlichkeit und trotz mancherseits befürchteter Konsequenzen für die Gutachter – manche sprachen von Entlassung der Verfasser – blieben disziplinäre Maßnahmen aus.413

Gutachten der Theologischen Fakultät der k. Julius-Maximilians-Universität zu Würzburg über fünf ihr vorgelegte Fragen, das bevorstehende Concil in Rom betreffend:

- Die fünf Fragen Hohenlohes und ihre Beantwortung durch die Theologische und die Juristische Fakultät der Universität Würzburg.414 - Gutachten der Theologischen Fakultät Würzburg über die Fragen des bayerischen Kultusministeriums. Würzburg. 7. Juli 1869. (J. Hergenröther mit Fr. Hettinger und H. Denzinger)415 - Gutachten von Heinrich Denzinger.416 - Gutachten der Juristischen Fakultät vom 4.12.1869.417 - Gutachten eines Mitgliedes der Juristischen Fakultät der Universität Würzburg über fünf vom bayer. Kultusministeriums vorgelegte Fragen. 24. Sept.-15. Nov. 1869. Anonymus.418 Die weitere Geschichte des 1. Vatikanischen Konzils ist hier nicht zu behandeln. Jedoch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der angehende Würzburger Philosoph Franz Brentano eine Denkschrift zur Unfehlbarkeitsfrage verfasste, die Bischof Ketteler von Mainz im September 1869 der Fuldaer Bischofskonferenz vorlegte und die sich gegen die Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit aussprach. Um die Jahreswende 1869/70 verfaßte er eine weitere Denkschrift zu dieser Frage, die aber nicht veröffentlicht wurde. Der unglückliche Werdegang Brentanos ist bekannt. A. Röpke: Die Würzburger Juristenfakultät von 1815 bis 1914. Rechtsstudium und Rechtslehre in Würzburg zwischen Restauration und Erstem Weltkrieg. Würzburg 2001.- S. 115ff.; ARS 20 412 Th. Freudenberger: Die Universität Würzburg und das erste Vatikanische Konzil. S. 119 zitiert aus: Der Katholik 50,1,1890,90. 413 Th. Freudenberger: Die Universität Würzburg und das erste Vatikanische Konzil. S. 118f., 31f. 414 Th. Freudenberger: Die Universität Würzburg und das erste Vatikanische Konzil. S. 93ff.; Text S. 101 Anm. 29 415 Th. Freudenberger: Die Universität Würzburg und das erste Vatikanische Konzil. S. 103ff.; Text S. 354396 416 Th. Freudenberger: Die Universität Würzburg und das erste Vatikanische Konzil. 104-115; Text S. 352f. 417 Th. Freudenberger: Die Universität Würzburg und das erste Vatikanische Konzil. S. 121ff.; Text S. 400ff. 418 Th. Freudenberger: Die Universität Würzburg und das erste Vatikanische Konzil. Text S. 397ff. 411

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Zur Unfehlbarkeitsfrage dürfen wir Freudenbergers Zusammenfassung zitieren: „Sogar unter den Mitgliedern der Theologischen Fakultät bestand in der Unfehlbarkeitsfrage keine volle Übereinstimmung. Während Denzinger, Hergenröther und Hettinger getreu ihrem am Collegium Germanicum erlernten Grundsätzen in der Definition der Unfehlbarkeit keinerlei Schwierigkeiten sahen, kam der Exeget Schegg bei der Untersuchung der drei klassischen Bibelstellen Mt. 16,16ff., Lk. 22,31f. und Joh. 21,15ff. zu dem Ergebnis, dass die Infallibilitätslehre weder in den Verheißungsworten Jesu direkt enthalten sei noch aus ihnen mit logischer Notwendigkeit gefolgert werden müsse. Er ließ aber die Frage offen, wie sich die Tradition zu dieser Lehre verhalte. In anderen Fragen (namentlich der des geplanten Einheitskatechismus) nahm übrigens auch Hergenröther in den vorbereitenden Kommissionssitzungen häufig nicht den streng kurialistischen Standpunkt ein, wenn es ihm auch meist nicht gelang, seinen Anschauungen zum Sieg zu verhelfen.“ 419 Als Nachklang zum 1. Vatikanischen Konzil und direkt in Verbindung mit dem Verbot von Niederlassungen der Jesuiten und ähnlicher Orden im Deutschen Reich am 4.7.1872 erfolgte das Verbot des Besuches des Germanikums in Rom für bayerische Studenten. Die königlich bayerische Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg, Kammer des Innern schrieb an den Senat der k. Julius-Maximilians-Universität am 2. Oktober 1873: „Mit höchster Entschließung des Staatsministeriums des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten vom 29. August d. J. wurde der Eintritt in das deutsche Kollegium zu Rom, der bisher nach der Ministerialauschreibung vom 31. August 1864 zulässig war, den bayerischen Theologen und TheologieCandidaten fortan insolange untersagt, als die Leitung des genannten Collegiums den Jesuiten oder einem diesen verwandten Orden unterstellt ist. Die Übertretung des Verbotes würde zur Folge haben, dass die Betheiligten sich von jeder erfolgreichen Bewerbung um inländische kirchliche Pfründe von selbst ausschließen. Wir beehren uns, hievon mit den ergebensten Ersuchen Mittheilung zu machen, die jeweiligen Studierenden der Theologie hierauf geeignet verständigen zu wollen. Bei Beurlaubung des Praesidenten, Rettin.“ 420 Am 29. August 1873 verknüpfte also die bayerische Regierung den erlaubten Eintritt in das Germanikum in Rom mit dem Rückzug der Jesuiten von dessen Leitung. Zu den mit den Jesuiten verwandten Orden rechnete man die Redemptoristen und schloß sie ebenfalls aus dem deutschen Reichsgebiet aus. Um die Wiederzulassung zu erreichen, hatten die Würzburger und die Münchener Theologische Fakultäten ein Gutachten über die Unterschiede zwischen Jesuiten und Redemptoristen abzugeben.

Gutachten der Theologischen Fakultät über die Wiederzulassung der Redemptoristen im Deutschen Reich 1889/90.421

Der deutsche Bundesrat hatte am 4. Juli 1873 (Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 20. Mai 1873) den Ausschluß der Jesuiten vom deutschen Reichsgebiet beschlossen, und mit ihnen als verwandten Orden auch den Ausschluß der Redemptoristen. Am 16. Dezember 1889 forderte das k. bayerische Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten von der Universität Würzburg (und der Universität München) ein Gutachten „Betreff: die Wiederzulassung der Kongregation der Redemptoristen im deutschen Reich.“ Der Senat der Universität Würzburg reichte die Forderung „um gefällige baldige Erstattung des verlangten Gutachtens“ am 16. Dezember 1889 an die Theologische Fakultät weiter. Der Dekan der Theologischen Fakultät reichte das Gutachten am 13.1.1890 beim Senat zur Weiterleitung an das Ministerium ein. Mit gleichem Datum legte der Senat das Gutachten dem Staatsministerium vor.422 „Am 7. Januar (sic!) [1890] gab die Unversität Würzburg ihr Gutachten ab. Es geht aus von der literarisch-theologischen Fehde zwischen beiden Orden, kommt dann auf die Unterschiede in der Moraltheologie und der Gnadenlehre zu sprechen, wobei das von (Provinzial) Vogl beigebrachte Material reichlich benützt wird. Es kommt zu dem Ergebnis: ‚Zu dem wesentlichen Unterschiede, welcher sich zwischen dem Jesuitenorden und der Redemptoristen-Kongregation aus der Entstehung, den Zielen, der Organisati419 420 421 422

Th. Freudenberger: Die Universität Würzburg und das erste Vatikanische Konzil. Neustadt an der Aisch 1969.- S. 224 ARS 1485 ARS 1485; Ruland, A.: Der fränkische Clerus und die Redemptoristen. Würzburg 1846 ARS 1485 Nr. 15642

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on und Wirksamkeit der beiden religiösen Genossenschaften ergibt und jede Verwandtschaft im Sinne des Reichsgesetzes vom 4. Juli 1872 ausschließt, kommen auch auf dem Gebiete der theologischen Lehrmeinungen bedeutende Differenzen, welche in neuerer Zeit stärker hervortreten und geeignet sind, die auf die erste Frage gegebene Antwort über die Nichtverwandtschaft beider weiter zu begründen.‟ 423 In einem eigenen Gutachten befasst sich sodann die Universität mit der ‚Gehorsamspflicht‟ und führt diese auf allgemeine Rechts- und Moralvorschriften zurück. Einen Monat später, am 1. Februar 1890 erfolgte das Gutachten der Münchener Universität, das sich ebenfalls mit dem Unterschied der theologischen Lehre in Moraltheologie und Gnadenlehre befasst und, wie es scheint, auch auf dem von Redemptoristen selber beigebrachten Material fußt.“ 424 Der Dekan der Würzburger theologischen Fakultät, Professor Göpfert, setzte sich unmittelbar nach der Beauftragung für das Gutachten mit dem Provinzial der Redemptoristen Vogl in Gars brieflich in Verbindung. Vogl antwortete schon zwei Tage später.425 Auch der Dekan der Münchner Fakultät Prof. Johann B. Wirthmüller (ab 1867 ao. Prof. für Einleitungswiss., Patrologie und Hermeneutik in Würzburg, seit 1874 Professor für Moral in München) hatte sich mit Provinzial Vogl beraten. Die Theologische Fakultät in Würzburg gab sich 1875 bzw. 1877 neue Statuten indem sie die lange zurückliegenden (1842) bayerischen Ministerialentschließungen umsetzte.. Sie handeln: I. Von der Decanabilität. II. Von der Perception der Facultätsemolumente (d.h. Gebühren). III. Von der Ertheilung der theologischen Doctorwürde. IV. Von den Habilitationen.426 Baccalaureat und Licentiat werden nicht erwähnt. Der Promovent muß nach wie vor Kleriker sein. Die Aufnahme als Privatdozent erfordert bestimmte Vorbedingungen, die aber noch keinen Anspruch auf die Aufnahme gewähren. Diese ist allein der Gnade des Königs vorbehalten. Exkurs: Kleriker als Philologen „Am 27. Dez. 1837 eröffnete das Staatsministerium den Ordinariaten: ‚es scheine zweckmäßig, die am 30. November 1830 gegründeten philologischen Stipendien (100 fl. jährlich) vorzugsweise Geistlichen zuzuwenden, welche bereits die Priesterweihe oder doch das Subdiakonat erhalten haben, und es sollten mehr Mitglieder dieses Standes als bisher für das Lehrfach gewonnen werden, da hieraus nicht nur für die religiös-sittliche und für die gründliche wissenschaftliche Bildung der Studierenden, sondern auch wegen Ersparung der stets wachsenden enormen Pensionslast für die finanziellen Verhältnisse der Studienanstalten ein bedeutender Gewinn zu erwarten sein dürfte.“ 427 Eine längere Auseinandersetzung zwischen Bischof und Staat schloß sich an. Es ging auch um die Finanzierung des Studiums. Das kgl. Ministerium entschied am 1. Juli 1857, „dass diese drei Stipendien aus dem allgemeinen Aschaffenburger Schul- und Studienfond (das Aschaffenburger Seminar wurde am 26. April 1823 aufgelöst und das Vermögen dem Fonds übertragen; die theologische Lehranstalt blieb bis 1838) dazu bestimmt seien, Kandidaten für das Lehramt an der lateinischen Schule und dem Gymnasium geistlichen Standes die erforderliche Beihilfe zu den Kosten ihrer Berufsbildung zu gewähren. Dieselben können nicht blos an Alumnen des Klerikalseminars, sondern auch an solche Kandidaten der Theologie verliehen werden, welche, bevor sie in das Seminar aufgenommen werden, mit dem Studium der Theologie das Studium 423 424

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Beilage 1/I des Antrags der bayerischen Regierung zur Rückberufung der Redemptoristen, Bundesratsdrucksachen 1891, Nr. 59 O. Weiß: Die Redemptoristen in Bayern (1790-1909). St. Ottilien 1983.- S. 389f.; Gegen die Zulassung der Redemptoristen in Franken hatte sich Anton Ruland schon 1846 ausgesprochen: A. Ruland: Der fränkische Clerus und die Redemptoristen. Würzburg 1846 Brief Göpfert an Vogl am 23.12.1889; Brief Vogl an Göpfert am 25.12.1889 (Provinzialarchiv der Redemptoristen in Gars) Statuten der Theologischen Facultaet der Universität Würzburg. Bestätigt durch höchste Rescripte des k. b. Staatsministeriums des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten vom 29. Juni 1875 und vom 29. Mai und 10. Juni 1877. Würzburg, Druck der C. J. Becker‟schen Druckerei 1877 (Abdruck im Anhang!) Braun II, S. 417

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der Philologie verbinden.“ 428 Zu den „Laientheologen“ war noch ein weiter Weg, denn erst als nach dem Zweiten Weltkrieg das Diplom als theologischer Studienabschluß eingeführt wurde, konnten Frauen und Männer Katholische Theologie mit Abschluß studieren, unabhängig vom Kleriker- oder Ordensstand. 9. Die Theologische Fakultät im 20. Jahrhundert Franz Joseph Stein wurde 1879 von König Ludwig II. von Bayern ohne vorherige Konsultation mit dem Vatikan zum Bischof von Würzburg ernannt.429 Als Hergenröther im selben Jahr als Kardinal nach Rom gerufen wurde, konnten die Germanikerfraktion und die römisch ausgerichteten Mitglieder der Fakultät nicht verhindern, dass erst der vom Bischof Stein favorisierte Franz Göpfert als Professor für Moral- und Pastoraltheologie (1879 ao., 1884 o. Prof.) berufen wurde und dann als die Nachfolge des Germanikers Hettinger für das Fach Apologetik (1884) anstand – Hettinger wechselte auf den Lehrstuhl für Dogmatische Theologie – der von der Majorität der Fakultät (Hettinger, Grimm und Nirschl) abgelehnte Herman Schell. Die nächsten Berufungen – Friedrich Abert als Nachfolger von Franz Seraph Hettinger (1890), Albert Ehrhard als Nachfolger von Joseph Nirschl (1892) - fanden allgemeine Zustimmung, etwas weniger (Schell und Ehrhard waren dagegen) die von Valentin Weber für Joseph Grimm (1896) auf den neutestamentlichen Lehrstuhl. Als aber Bischof Stein zum Erzbischof für München und Freising und Ferdinand Schlör als sein Nachfolger in Würzburg (1898) ernannt wurden, brachen die Gegensätze zwischen denen, die von der Notwendigkeit einer Reform des Katholizismus ausgingen (Schell, Abert, Scholz, Ehrhard und Merkle) und der „konservativen“ Partei um den Dompfarrer Carl Braun in einer Heftigkeit auf, der Bischof Schlör nicht gewachsen war.430 In der Nachfolgefrage für Ehrhard, der 1898 nach Wien gegangen war, konnte sich die „fortschrittliche“ Mehrheit um Schell gegen die „konservative“ Minderheit um Göpfert, Weber und Kihn durchsetzen. Das Ministerium berief zum 16. Oktober 1898 Sebastian Merkle als o. Professor für Kirchen-, Dogmengeschichte und christliche Archäologie. Nach dem Tod von Herman Schell am 31.5.1906 kam das Seminar für christliche Kunstgeschichte auch zu Merkle. Herman Schell veröffentliche 1897 „Der Katholizismus als Prinzip des Fortschritts“ und Sebastian Merkle 1902 seine Artikel in der Zeitschrift „Das Zwanzigste Jahrhundert“. Alles Beiträge, die die konservative und die liberale Presse begierig aufgriffen, den genannten aber vor allem den Vorwurf der Unkirchlichkeit und des Verrats am Katholizismus, den Vorwurf des Liberalismus und Protestantismus und des Amerikanismus eintrugen und zunächst Schell (Dekret vom 15.12.1898, veröff. 24.2.1899) und dann Merkle (1913) die Indizierung brachten. Dem Ansehen der Theologischen Fakultät in Würzburg schien es zunächst nicht zu schaden; sie stand unter dem Wahlspruch Merkles „Veritati“. Jedoch die Denuntiationskampagnen der konservativen Kreise um Carl Braun und einigen deutschen Bischöfen gegen Schell und Merkle blieben heftig. Pro428

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Braun II, S. 420; Vgl. auch den Brief Bischof Friedrich von Groß an König Ludwig I. von Bayern vom 12. August 1834 (abgedruckt bei Th. Freudenberger: Der Exeget und Orientalist Kilian Joseph Fischer. In: WDGBl 44,1982,348ff.) P. Herde: Die Erhebung von Franz Joseph Stein zum Bischof und das Ende des "Kulturkampfes" in Würzburg (1878). In: J. Schneider, G. Rechter (Hrsg.): Festschrift Alfred Wendehorst zum 65. Geb. Bd. II. (JfL 53,1992,381-402); P. Herde: P. Ambrosius Käß OCD und der Streit um die Besetzung des Würzburger Bischofstuhls 1876-1878. In: WDGBl 50,1988,251-328 C. Braun: Bedenken über Dr. Ehrhards Vorschläge zur Versöhnung der modernen Cultur und des Protestantismus mit der katholischen Kirche. Linz-Urfahr 1902; C. Braun: Distinguo. Mängel und Übelstände im heutigen Katholizismus nach Professor Dr. Schell in Würzburg und dessen Vorschläge zu ihrer Heilung. Ein Wort zur Verständigung. Mainz 1897; C. Braun: Geschichte der Heranbildung des Klerus in der Diöcese Würzburg seit ihrer Gründung bis zur Gegenwart. Festschrift zur 3. Säkularfeier des bischöflichen Klerikalseminars Ad Pastorem Bonum. T.1. 742-1632. Würzburg 1889, Band 2. 16321889. Mainz 1897; C. Braun: Iterum distinguo. Nachtrag zu den drei ersten Auflagen und Auszug aus der vierten Auflage des Distinguo. Mainz 1897; C. Braun: Zusätze und Erläuterungen zu meinen Bedenken über Ehrhards Buch „Der Katholizismus und das 20. Jahrhundert“. Entgegnung auf dessen Angriffe in „Liberaler Katholizismus?“. Linz-Urfahr 1902

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fessor Valentin Weber kann als intrigierend-treibende Kraft bezeichnet werden und Professor Göpfert, ein Schüler von Stein und zunächst gegen die römischen Jesuiten eingenommen, arbeitete mehr im Hintergrund, aber zusammen mit Bischof Schlör gegen Schell und Merkle.431 Zur treibenden Kraft von außen wurde Ernst Commer. „Dem Wiener Dogmatiker Ernst Commer war es aufgegeben, den entscheidenden Schlag gegen Herman Schell und die Fortschrittsbewegung anzusetzen. Commer behauptete, dass Schells theologischer Ansatz in der Konsequenz zum subjektiven Idealismus, zum Pantheismus und zur Verneinung des christlichen Gottesbildes führen würde. Schell wurde als Prototyp jenes gefährlichen Neuerers hingestellt, den später die Enzyklika Pascendi Modernisten nennt. Bei Commer wird der ganze Versuch, Moderne und Kirche zu versöhnen, als eine Unmöglichkeit hingestellt, da die Moderne im letzten Abfall vom Christentum sei.“ 432 Weil selbst eine päpstliche Zustimmung zum Commer-Buch gegen Schell, noch Schells Unterwerfung unter die Indizierung seines Werkes den erhofften Erfolg brachten, gelang es der Gruppe um Dompfarrer Braun, Bischof Schlör dazu zu bewegen, den Geistlichen der Diözese Würzburg eine öffentliche Zustimmung für die Enzyklika abzuverlangen. Die Würzburger Theologieprofessoren verweigerten zwar ein solches Bekenntnis, weil es nicht üblich sei, bei einer Enzyklika auf diese Weise zu verfahren, wollten aber nicht gegen den Inhalt Stellung nehmen.433 „Prof. Göpfert erklärte gegenüber Erzbischof Stein ausdrücklich, dass die Minorität Merkle ‚wegen seiner zu weit gehenden liberalisierenden Äußerungen‟ ablehne. Außerdem würde über ihn berichtet, ‚dass er mit Prof. Schell durch Dick und Dünn gehen werde‟. Nach der Auffassung Göpferts stünde ‚jetzt die Zukunft der Fakultät in Frage, ob sie ganz in das Schell‟sche Fahrwasser und einer vollständig unkirchlichen Richtung gerathen soll oder ob sie ihren Ruf auch in Zukunft bewahren wird“. Vgl. W. Weiß: Modernismuskontroverse und Theologenstreit. S. 60; W. Weiß: "Unsere Herren Reformler...sind nicht kuriert“ – Briefe des Würzburger Dompfarrers Karl Braun an den Rottenburger Bischof Keppler aus dem Jahre 1903. In: WDGBl 57,1995,389-406; O. Weiß: Religion Geschichte oder Kirchengeschichte? Zu neuen Ansätzen in der deutschen Kirchengeschichtsschreibung und Katholizismusforschung. Ein Forschungsbericht. In: RJKG 17,1898,289-312; Kl. Wittstadt: Herman Schell und Franz Xaver Kiefl. Ihr Beitrag zu einem kath. Reformations- und Lutherverständnis. In: Würzburg heute 35,1983,24-28; Ders.: Herman Schell (1850-1906). Wegbereiter einer kirchlichen und theologischen Neuorientierung im 20. Jahrhundert. In: Universität Würzburg und Wissenschaft in der Neuzeit. Würzburg 1998.- S.209231; Ders.: Von der Polemik zur Ökumene. Der Beitrag Würzburger Theologen zu einem positiven Lutherbild. In: WDGBl 45,1983,219-228; es stellt ein eigenartiges Kuriosum dar, dass der Bischof von Mainz Paul Leonhard Haffner aus Anlaß der Eröffnung der Neuen Universität in Würzburg am Sanderring, bei der Herman Schell als Rektor den bemerkenswerten Festvortrag über die Stellung der Theologie als Wissenschaft an der Universität unter dem Motto ‚Veritati‟ hielt, am 28.10.1896 unter dem Dekan Heinrich Kihn den Dr. h.c. von der Theologischen Fakultät verliehen bekam; derselbe Bischof Haffner sandte am 29.10.1897 ein Verzeichnis der Irrtümer Schells an Kardinal Steinhuber, der daraufhin die Begutachtung der Schriften Schells anordnete. 432 W. Weiß: Modernismuskontroverse und Theologenstreit. S. 502; zu Commer, der zwischen 1870 und 1873 zeitweise in Würzburg Philosophie und Theologie studiert hatte vgl. E. Hegel: Geschichte der Kath.-Theol. Fak. Münster 1773-1964. Bd. 2. Münster 1971.- S. 12 433 W. Weiß: Modernismuskontroverse und Theologenstreit. S. 505; Rundschreiben Unseres Heiligsten Vaters Pius X., durch göttliche Vorsehung Papst, über die Lehren der Modernisten (8. September 1907: „Pascendi dominici gregis“). Autorisierte Ausgabe (Lateinischer und deutscher Text), Freiburg i. Br.31908; „Der Würzburger Bischof Schlör bat die Professoren der Theologischen Fakultät, die Beachtung der Enzyklika schriftlich zuzusichern. Merkle und Kiefl kamen dem Ersuchen des Bischofs nicht nach.“ und „Um eine Eskalation der Auseinandersetzungen zwischen den beiden rivalisierenden Parteien an der Würzburger Theologischen Fakultät zu verhindern, wurde am 6. Juni 1908 in Gegenwart eines Ministerialkommissars eine Art Burgfrieden zwischen den beiden Parteien geschlossen, der von allen Mitgliedern der Fakultät unterzeichner worden ist.“; Vgl. K. J. Lesch: Franz Xaver Kiefl und der Reformkatholizismus. S. 371; Fr. X. Kiefl: Gutachten über den durch das päpstliche Motu proprio „Sacrorum Antistitum“ vom 1.9.1910 für den kath. Klerus vorgeschriebenen Eid gegen den Modernismus im Auftrage des K. B. Staatsministerium des Inneren für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstattet. Kempten-München 1912; vgl. Th. Freudenberger: Sebastian Merkle - ein Gelehrtenleben. S. 43 Anm. 165 („Neben Kiefl und Merkle gehörten damals die Professoren Philipp Kneib, Valentin Weber, Anton von Scholz, emeritus, Oskar Braun, Johannes Hehn und Franz Gillmann dem Lehrkörper an“); H.-J. Klauck: Die katholische neutestamentliche Exegese zwischen Vatikanum I und Vatikanum II. In: H. Wolf (Hrsg.): Die katholisch-theologischen Disziplinen in Deutschland 1870-1962. Paderborn 1999.S. 39-70 431

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In den wenigen Jahren bis zum Ersten Weltkrieg konnte eine Theologische Fakultät nicht zerstrittener sein als es die Würzburger Theologische Fakultät in aller Öffentlichkeit war. Jede Neuberufung war Anlaß zu neuen Zänkereien mit immer neuen gegenseitigen Prozessen, meist wegen Beleidigung. Die konservative und die liberale Presse mischten kräftig mit. Römische Kurialbeamte, betroffene Jesuiten und konservative poltische Kräfte in Bayern reagierten entsprechend. Was auf dem Kölner Katholikentag 1894 begonnen hatte als Aufruf, nämlich die Inferiorität der Katholiken in Deutschland zu verbessern, das Bildungsdefizit der Katholiken abzubauen, die Selbständigkeit des Denkens zu fördern, entwickelte sich zu schlimmsten persönlichen Auseinandersetzungen. Die Etiketten wurden verteilt; die eine Seite sprach von Ultramontanismus, römisch-jesuitische Schule, romanischer Geist, Uniformismus und die andere Seite konterte mit den Anwürfen Modernismus, Amerikanismus, Liberalismus, Protestantismus, „Würzburger Reformsimpl“ (Göpfert).434 Wolfgang Weiß, der diese Jahrzehnte im Detail schildert, kommt zu einen deprimierenden Schluß: „Ergebnis der Entwicklung war, dass die Würzburger Theologische Fakultät ihren früheren Standart nicht halten konnte. Die neuen Professoren erreichten nicht das wissenschaftliche Niveau ihrer Vorgänger.“ 435 Weiß spricht von Mittelmäßigkeit, innerer Emigration (Franz Joseph Dölger) und Bedeutungsverlust der Universitätstheologie, die jenen Vorgängen folgten. Nicht ohne Verwunderung beobachtet man die langmütige Haltung des bayerischen Kultusministeriums, das trotz der zahlreichen gegenseitigen Beschwerden und Beschuldigungen der Würzburger Theologen und der Forderungen, die Gegenseite zu maßregeln, eher zögernd und mit viel Geduld reagierte, ja, trotz der Ärgernisse einige positive Maßnahmen für die Fakultät einleitete, etwa durch die Errichtung von Seminaren mit entsprechenden Bibliotheken, aber auch von neuen Lehrstühlen. Schell bekam zu dem Apologetischen Seminar 1901 ein Seminar für Christliche Kunstgeschichte.436 Auf Antrag von Kiefl (26.5.1906) genehmigte das k. bayerische Staatsministerium des Innern für Kirchenund Schulangelegenheiten am 25.7.1906 zum WS 1906/07 ein Dogmatisches Seminar mit Kiefl als Vorstand.437 In Verbindung mit dem Homiletischen Seminar wurde am 1.4.1918 ein Moraltheologisches Seminar unter dem Vorstand Ludwig Rulands errich434

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„An der römischen Kurie erachtete man die Errichtung eines Grabmals für Schell durch seine Freunde und Verehrer als papstfeindlichen Affront, und die Theologische Fakultät in Würzburg dividierte sich auf Jahre hin in zwei heillos zerstrittene Lager der Schell-Gegner und Schell-Anhänger auseinander, wobei letztere in ihren namhaftesten Vertretern (Hehn, Kiefl, Merkle) nach und nach selber in die Mühlen der kirchlichen Zensurbehörden gerieten“. K. Hausberger: Der „Fall“ des Würzburger Apologeten Herman Schell (1850-1906). In: Blick in die Wissenschaft. 1,1992,30; K. Hausberger: Anton von Henle und Herman Schell: Ein Briefwechsel im Vorfeld der „Modernismus“-Kontroverse. In: Papsttum und Kirchenreform. Historische Beiträge. Festschrift für Georg Schwaiger zum 65. Geb. Hrsg. von Manfred Weitlauff und Karl Hausberger. St. Ottilien 1990.- S. 699-743; W. Imkamp: Die katholische Theologie in Bayern von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. In: HBKG III: Vom Reichsdeputationshauptschluß bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. St. Ottilien 1991.- S. 540-651; P. Neuner: „Modernismus“ und kirchliches Lehramt. Bedeutung und Folgen der Modernismus-Enzykliken Pius‟ X. In: Stimmen der Zeit 190,1972,249-262; N. Trippen: Theologie und Lehramt im Konflikt. Die kirchlichen Maßnahmen gegen den Modernismus im Jahre 1907 und ihre Auswirkungen in Deutschland. Freiburg u.a. 1977; O. Weiß: Der Modernismus in Deutschland. Regensburg 1995; W. Weiß: Bischof Ferdinand Schlör und die Modernismusauseinandersetzung in der Diözese Würzburg. In: Kirche und Glaube – Politik und Kultur in Franken . Festgabe für Klaus Wittstadt zum 65. Geburtstag. Würzburg 2001.- S. 217-235 W. Weiß: Modernismuskontroverse und Theologenstreit. S. 508; W. Ziegler: Die Universität Würzburg im Umbruch (1918-1920). In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Hrsg. von Peter Baumgart. Würzburg 1982.- S.179-251.- Anhang: I. Chronik der Universität 1918/20. Anhang II. Universitätsverfassung von 1921 (Theol. Fak. S. 242) Vgl. ARS 170 S. 110f.; Berger, D.: Ratio fidei fundamenta demonstrat. Fundamentaltheologisches Denken zwischen 1870 und 1960. In: Die katholisch-theologischen Disziplinen in Deutschland. S. 95-127; D. Nebel: Die Lehrstuhlinhaber für Apologetik/Fundamental-theologie und Dogmatik im deutschsprachigen Raum zwischen den beiden Vatikanischen Konzilien. Erstellt von Dorothea Nebel (nach Vorarbeiten von Anke Dadder und Dirk Lüdecke). In: Die katholisch-theologischen Disziplinen in Deutschland. S. 164-215, hier S. 194f.; 214f. ARS Nr. 1496

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tet.438 Alle diese Seminare erhielten einen Sachetat für Bücher und Stipendien für die erfolgreichsten Teilnehmer. Oskar Braun war seit 1894 ao. Professor für Semitische Sprachen und Literatur und leitete als solcher auch das Seminar für semitische Sprachen und Literatur. Erst am 3. März 1909, er war bereits seit 1907 Professor für Patrologie, Liturgik und Pastoral, gab er unter Zustimmung der Theologischen Fakultät die Leitung des Semitischen Seminars an den Philologen in der Philosophischen Fakultät Prof. Dr. Streck ab.439 Unter Heinrich Kihn erfolgte die Trennung der seit Leinicker 1810 bestehenden Vereinigung von Kirchengeschichte und Kirchenrecht (aus der juristischen Fak.), dem häufig auch Patrologie angehängt war, in eigene Lehrstühle: Joseph Nirschl wurde am 2.11.1879 o. Prof. für Kirchengeschichte, Heinrich Kihn mit gleichem Datum o. Prof für Kirchenrecht. Joseph Sickenberger übernahm nach dem Ausscheiden von Kihn von diesem 1905 als o. Prof. die Patrologie. 1924 schließlich begann der Direktor des Missionsärztlichen Instituts Christoph Becker SDS mit missionswissenschaftlichen Vorlesungen. 1928 erhielt er dafür die Honorarprofessur für Missionswissenschaft.440 Am 12. Dezember 1893 stellten die Professoren Abert, Ehrhard und Schell an das Ministerium einen Kollektivantrag mit dem Ersuchen, die Nebenfächer vergleichende Religionswissenschaft und christliche Kunstgeschichte als Nominalfächer dem Fachprofessor für christliche Apologetik unter Enthebung der Vertretung der christlichen Archäologie (Schell) zuzuteilen, christliche Dogmengeschichte und Archäologie dem Fachprofessor für Kirchengeschichte (Ehrhard) und die christliche Symbolik dem Fachprofessor für Dogmatik (Abert) zuzuordnen. Dies wurde offenbar ab Februar 1894 vollzogen.441 Gleichzeitig wurde dem o. Professor für Moraltheologie, Pastoraltheologie und Homiletik Franz Adam Göpfert das Fach Christliche Sozialwissenschaft beigefügt; dieses Fach wurde erst 1968 mit Professor Wilhelm Dreier zur eigenen ordentlichen Professur erhoben. Fast unabhängig von den Streitigkeiten in der Theologischen Fakultät gingen die Graduierungen auf hohem Niveau weiter. Von 1880 bis 1920 erfolgten 102 Promotionen und Habilitationen. Den Parteiungen fielen jedoch zum Opfer die Habilitationsversuche 1910 von Joseph Engert, den Gillmann wegen dessen exkommunizierten Bruder Taddäus Engert nicht habilitieren wollte und 1911 die Anträge von Vitus Brander und Karl Staab, die Merkle scheitern ließ.442 Das „Literarische Echo“ berichtet in seiner Ausgabe von 1900/01 und in weiteren Ausgaben von einem Dichterpreis den die Theologische Fakultät vergab: „Die theologische Fakultät der Universität Würzburg hat den Dichterpreis, den sie alle sechs Jahre für das beste Werk auf dem Gebiete der christlich-religiösen Dichtung zu vergeben hat, und der in diesem Jahre zum ersten Male ver438

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ARS Nr. 5360 mit Schreiben vom 11. März 1918: „Nach Antrag wird in der theologischen Fakultät der k. Universität Würzburg in Verbindung mit dem homiletischen Seminar vom 1. April 1918 an ein moraltheologisches Seminar errichtet und als Vorstand dieses Seminars der o. Professor Dr. Ludwig Ruland bestellt.“. Der Senat und die Fakultät schlagen als Mittel für den Sachbedarf zunächst für Bücheranschaffung 250 M aus dem Haushalt für Stipendien an Teilnehmer des homiletischen Seminars von 515 M vor. Das Ministerium, das ursprünglich entsprechend dem Antrag auf Wegfall der Seminarpraemien zugunsten der Sach- und Büchermittel der philosophischen Fakultät. Gleiches für das moraltheologische Seminar empfahl, schlug dann doch den Weg vor, den München und Erlangen gingen, nämlich der Seminarvorstand könne je nach Lage und Bedürfnis jährlich über die Verwendung der Mittel für sachliche Zwecke oder für Stipendien entscheiden. Fakultät und Senat schloß sich dem am 15.4.1918 an. Vgl. ARS 1499; J. Reiter. Die katholische Moraltheologie zwischen den beiden Vatikanischen Konzilien . In: Die katholisch-theologischen Disziplinen in Deutschland 1870-1962. Hrsg. von H. Wolf. Paderborn 1999.- S.231-241 ARS 1497 Giancarlo Collet: Katholische Missionswissenschaft. Zwischen kolonialer Ideologie und theologischem Anspruch. In: Die katholisch-theologischen Disziplinen in Deutschland. S. 291-319 ARS 185 Gillmann versuchte 1928 die Inauguraldissertation von Kornel Schönig über Anton Binterim zu Fall zu bringen. Vgl. Votum des Professors Franz Gillmann (Würzburg) über die bei der Theologischen Fakultät eingereichte Inaugural-Dissertation: „Anton Josef Binderim (1779-1855) als Kirchenpolitiker und Gelehrter“ von Kornel Schönig. Würzburg 1928

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liehen worden ist, dem Verfasser der Dichtung ‚Jesus Messias‟ (Heiligenstadt [Eichsfeld], Verlag von F. W. Cordier), Dr. F. W. Helle, zuerkannt“.443 1905/06 berichtet das Literarische Echo: „Die theologische Fakultät der Universität Würzburg verlieh den sog. ‚Dr. L‟schen Dichterpreis‟, der alle fünf Jahre für ein Werk der christlich-religiösen Dichtkunst vergeben wird, an den 72 jährigen Dichter Eduard Hlatky in Wien, den Verfasser des dramatischen Gedichts ‚Weltenmorgen‟“.444 In der Ausgabe von 1923/24 wird ein „Würzburger Dichterpreis“ erwähnt: „Der ‚Würzburger Dichterpreis‟ für ein Legendenspiel, bei dem 50 Flaschen edlen Frankenweins als Preis ausgesetzt waren, ist Richard Ledermann für sein Festspiel in drei Akten ‚Kilians-Legende‟ zuerkannt worden, doch unter der Bedingung, den Preis mit dem Bremer Spielleiter Hans Nikolaus Mang zu teilen“445 Als Abschluß des Ersten Weltkrieges erscheint in Würzburg die versuchte Einführung der Räterepublik, die eine dreitägige Schließung der Universität vom 6.4.1919 bis zum 9.4. 1919 zur Folge hatte.

Die Universitätsverfassung vom 3. März 1921

Die Bestimmungen der Würzburger Universitätsverfassung ergingen als Schreiben des Kultusministeriums an die Universität Würzburg. In den Bestimmungen über die Fakultäten berief sich die Verfassung auf die Vorschriften der Verordnung vom 22. Juli 1913 über die Fakultäten der drei Landesuniversitäten. Jede Fakultät bestehe aus einer weiteren und einer engeren Fakultät. Zur Fakultät gehörten: ordentliche Professoren, planmäßige außerordentliche Professoren, Honorarprofessoren und Privatdozenten. An der Beratung und Beschlussfassung über Berufungs-, Besetzungs- und Beförderungsangelegenheiten, über Habilitationen und Promotionen nähmen nur die ordentlichen Professoren teil.446

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Literarisches Echo 3 (1900/01), Sp. 1225 und Sp. 480; Fr. W. Helle, geb. 1834 in Böckenförde, 18711892 Redakteur an verschiedenen Centrumsblättern, lebte zu dieser Zeit verarmt, krank und halb erblindet in München. Die 46. Katholikenversammlung zu Neiße hat die vorgeschlagene Dichterkrönung abgelehnt, als ihrer Tradition fremd. Eine vorgesehene Sammlung seiner Freunde für eine Jahresrente verlief im Sande. Literarisches Echo 8 (1905/06), Sp. 1336; Dr. Richard Ledermann war Studienprofessor in Nürnberg Literarisches Echo 26 (1923/24), S. 700; Von Hans Nikolaus Mang aus Herrieden ist bekannt, daß er als Oberspielleiter der Oper in Bremen 1026 den Preis des Würzburger Oberbürgermeisters Dr. Löffler für sein Drama „Würzburger Heiligenschau“ bekam. Vgl. Eva Dambacher, Literatur- und Kulturpreise 1859-1949; eine Dokumentation. Marbach a. N. 1996; Ludwig K. Walter, St. Kilian, S. 314, Nr. 2218, 2222, 2225 abgedruckt bei: W. Ziegler: Die Universität Würzburg im Umbruch (1918-1920). In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Hrsg. von Peter Baumgart. Würzburg 1982.- S.179-251.- Anhang: I. Chronik der Universität 1918/20. Anhang II. Universitäts-verfassung von 1921 (Theol. Fak. S. 242); O. Handwerker: Die Dreihundertfünfzigjahrfeier der Julius-Maximilians-Universität Würzburg 1932. Festbericht im Auftrage von Rektor und Senat erstattet. Mit einem Titelbild und fünf Tafeln. Würzburg: Stürtz 1932 (mit Abb. Bigelmair als Prodekan, Franziskanerkirche; Hehn war am 8. Mai 1932 gestorben)

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9.1. Die Theologische Fakultät in der Zeit des Nationalsozialismus Ab 30. Januar 1933 wurde die akademische Selbstverwaltung weitgehend beseitigt; die Wahl des Rektors wurde abgeschafft. Das Führerprinzip auf die Universitätsleitung übertragen. Die Dekane wurden auf Vorschlag des Rektors vom Reichsministerium in Berlin als „Führer“ ihrer Fakultäten ernannt.447 Im April 1933 erging das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“. Eine Fragebogenaktion bereitete bis 14. Juni 1933 die Entlassung von nichtarischen und politisch unzuverlässigen Dozenten vor. Am 21.1.1935 erschien das Gesetz über die Entpflichtung und Versetzung von Hochschullehrern aus Anlaß des Neuaufbaues des dt. Hochschulwesens. Bereits am 13.12.1934 (rev. Fassung 17.2.1939) trat die neue Reichshabilitationsordnung in Kraft, die die Trennung von Lehrbefähigung (Dr. habil.) und Lehrbefugnis (PD) beinhaltete. Die Lehrbefugnis erteilte nur der Reichsminister für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung in Berlin. Sie beinhaltete, nicht ausdrücklich erwähnt, aber praktisch, den Ausschluß von Ordensangehörigen, weil diese nicht, wie im Gesetz gefordert, einer deutschen Diözese angehörten. Ein auswärts (z. B. in Rom) erworbener Doktorgrad wurde für die Habilitation nicht mehr anerkannt. Alle Berufungslisten mussten dem „Gaudozentenführer“ vorgelegt werden.448 Der Titel, den Klaus Wittstadt seinem Aufsatz über die Geschichte der Theologischen Fakultät über diese Zeit gegeben hat, spiegelt das Dilemma wieder, in dem sich die Mitglieder der Fakultät befanden: „Zwischen Anpassung und Ablehnung – Die KatholischTheologische Fakultät der Universität Würzburg in den Jahren 1933-1945.“ 449 Mit Ausnahme des Moraltheologen Ludwig Ruland (1938 emeritus) und des Kirchenhistorikers Ludwig Mohler (1937 nach München) vermieden die Professoren der Theologie in Würzburg die Parteimitgliedschaft bei der NSDAP und traten höchstens unauffälligen Nationalsozialistischen Vereinen z. B. der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) oder dem Reichsluftschutzbund (RLB) bei. In der Zeit des Nationalsozialismus 1933 bis 1945 fanden folgende Neubesetzungen statt: August Hagen 1935 für Kirchenrecht, Friedrich Stegmüller 1936 für Dogmatik, Johann Fischer 1936 für Altes Testament, Michael Müller 1939 als ao. Prof. (erst 1946 o. Prof.) für Moraltheologie, Ludwig Mohler 1935 für Kirchengeschichte, Georg Pfeilschifter 1939 für Kirchengeschichte. Aus der am 18.2.1939 geschlossenen Theologischen Fakultät von München wurden nach Würzburg transferiert: Johann B. Aufhauser als o. Prof. für Missionswissenschaft und Johann Zellinger 1939 für Patrologie. Anton Stonner kam 1939 kurzfristig (bis 1940) als Dozent nach Würzburg und Rudolf Hofmann konnte 1939 in Würzburg seine in München begonnene Habilitation abschließen. Wilhelm Deinhardt wurde im März 1933 PD für Kirchengeschichte und wechselte 1937 an die Hochschule für Lehrerbildung in Würzburg. Joseph Ranft wurde 1933 ao. Prof. für 447

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P. Baumgart: Zäsuren in der Würzburger Universitätsgeschichte zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch (Neuanfang) von 1945. In: Die Universität Würzburg in den Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Würzburg 2002.- S. 2-16 Voraussetzung für die Ernennung zum Dozenten war außerdem eine Charakterbeurteilung durch den Rektor und das Kultusministerium, sowie die Teilnahme an einem mindestens zwei Monate dauernden Dienst in einem Geländesport- oder Arbeitslager. Für die Würzburger Habilitanden war die NSDozentenakademie und das Wehrsportlager im Schloß Tännich in Thüringen Pflicht. 1939 scheint die Teilnahmeverpflichtung aufgehoben worden zu sein. Vgl. Chr. Benkert: Die Juristische Fakultät der Universität Würzburg 1914 bis 1960. Ausbildung und Wissenschaft im Zeichen der beiden Weltkriege. Würzburg 2005.- S. 64; vgl. das Schreiben des Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 24.7.1939 an Rudolf Hofmann (Näheres dort im Biogramm); D. Burkard: Kirchenpolitik in der Wissenschaftspolitik. S. 71mit Anm. 57 In: Die Universität Würzburg in den Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Peter Baumgart. Würzburg 2002.- S. 35-71; vgl. auch: W. Weiß: Die Katholisch-Theologische Fakultät Würzburg. In: D. Burkard, W. Weiß (Hrsg.): Katholische Theologie im Nationalsozialismus. Bd.1/1, S. 277326; G. Denzler: Widerstand oder Anpassung? Katholische Kirche und Drittes Reich. München u.a. 1984

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Dogmatik und Johann B. Walz 1934, Josef Hasenfuß wurde 1936 PD mit Lehrauftrag für Philosophisch-theologische Propädeutik, Joseph Ziegler 1933 PD für atl. Exegese (1937 Prof. in Braunsberg), Engelhart Eisentraut 1939 apl. Prof. für ntl. Exegese, Rudolf Hofmann 1939 PD für Moral (übernahm Vertretung in Prag). Ernst Rösser wurde nach seiner Habilitation für kurze Zeit 1937 Dozent für Kirchenrecht, dann aber von den NS entfernt; ebenso war Adolf Ziegler nur für kurze Zeit 1940 Dozent für Kirchengeschichte. Der Lehrauftrag des ao. Prof. für Missionswissenschaft Thomas Ohm OSB seit 1932 wurde 1938 zunächst gekürzt; 1940 wurde Ohm entlassen und dafür aus München Joh. B. Aufhauser als o. Prof. für Missionswissenschaft übernommen. Theobald Freudenberger, der 1939 den Dr. theol. habil. erwarb, bekam keine Dozentur bis nach der NS-Herrschaft. Heinz Fleckenstein wurde 1938 PD für Moral- und Pastoraltheologie und übernahm im WS 1938/39 bis SS 1939 die Lehrstuhlvertretung für L. Ruland in Moraltheologie. Joseph Reuß hatte sich 1938 bei Staab für ntl. Exegese habilitiert, erlangte aber vom Reichswissenschaftsminister keine Lehrbefugnis. Die Schließung der Theologischen Fakultät in Würzburg vom 15. bis zum 25. November 1935 nannte der damalige Rektor Johannes Reinmöller eine Groteske.450 Aber es war keine Provinzposse. Es war erklärtes Ziel des nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (DSt), über die Fachschaften Einfluß zu nehmen auf die parteipolitische Schulung der Studenten. „Mitte Mai 1933 waren die Umorganisation der Würzburger Studentenschaft auf das nationalsozialistische Führerprinzip abgeschlossen, der Wehr- und Arbeitsdienst eingeführt und Fachschaften errichtet.“ 451 Bis auf die Theologiestudenden waren alle erfasst. Die Geschlossenheit der Theologiestudenten und die Entschlossenheit des Bischofs Ehrenfried ließen die Pläne des Deutschen Studentenbundes weitgehend scheitern, über die theologische Fachschaft die Theologiestudenten in den Nationalsozialismus einzubinden. Zunächst aber versuchte der Rektor mit einem Gewaltakt das Problem zu lösen. Rektor Prof. Johannes Reinmöller schloß nämlich in der Senatssitzung vom 15. November 1935 die Theologische Fakultät mit der Begründung für die Öffentlichkeit, dass kein Fachschaftsleiter für die Theologische Fakultät vorhanden sei; außerdem behauptete man, dass die Theologen ihre Hörgelder nicht bezahlt hätten. Am Hauptportal wurde ein Schild angebracht „Theologen Zutritt verboten“. 2 Tage später wurden wieder theologische Vorlesungen abgehalten und zwar im Augustinerkloster. Der eigentliche Anlaß für die Schließung war der Brief des Bischofs Matthias Ehrenfried an Karl-Heinz Goldmann (Leiter der Reichsfachgruppe „Katholische Studenten“) vom 12.11. 1935 gewesen. Darin rechtfertigte er die Teilnahme katholischer Verbindungen an der Fronleichnamsprozession 1935; er sprach Goldmann das Recht ab, die Führung und Vertretung der Theologen als Nicht-Inkardinierter übernehmen zu können. Außerdem erklärte Bischof Ehrenfried, „dass er Schreiben und Anweisungen Goldmanns an sein Priesterseminar und an seine Theologen nicht gewillt war entgegenzunehmen und anzuerkennen.“ 452 Gegen die Schließung wurde Merkle mehrmals beim Rektor und in Berlin vorstellig! Am Montag den 25. November erfolgte die Wiedereröffnung, ohne dass die Umstände im einzelnen geklärt werden können. „In der Fachschaftspflichtveranstaltung am 29. November ‚bat‟ der Führer der Würzburger Studentenschaft Kreppel die versammelten Theologen, ihm einen geigneten Kandidaten zu nennen, den er zum Fachschaftsleiter bestimmen solle. Nach einer gewissen Weile, „um die Spannung im 450

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H. Heiber: Universität unterm Hakenkreuz, Teil II: Die Kapitulation der Hohen Schulen. Das Jahr 1933 und seine Themen, Bd. 2, München [u.a.] 1994.- S. 179; zu den Details der Schließung siehe: P. Spitznagel: Die Schließung der Theologischen Fakultät an der Universität Würzburg durch die Nationalsozialisten im November 1935. In: WDGBl 39,1977,275-281; G. Harms: Die Schließung der KatholischTheologischen Fakultät Würzburg im Herbst 1935, in: D. Burkard, W. Weiß (Hrsg.), Katholische Theologie im Nationalsozialismus. Band 1/1: Institutionen und Strukturen. Würzburg 2007, S. 327-362 P. Spitznagel: Schließung der Theologischen Fakultät an der Universität Würzburg durch die Nationalsozialisten im November 1935. In: WDGBl 39,1977,275¸vgl. P. Spitznagel: Schließung der Theologischen Fakultät an der Universität Würzburg durch die Nationalsozialisten im November 1935. In: WDGBl 39,1977,279

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Hörsaal zu heben‟, erklärte sich Clemens Oeftering453 dem Studentenschaftsführer gegenüber bereit, die Leitung der katholisch-theologischen Fachschaft zu übernehmen.“ 454 Bischof Ehrenfried hat sich gegen die Angriffe der Nationalsozialisten, die die parteipolitische Indoktrinierung der Theologiestudenten anstrebten, durchgesetzt. Beachtenswert ist das Engagement für die Wiedereröffnung von Sebastian Merkle, der eigentlich bereits emeritiert war. Schon 1934 hatte sich Merkle nicht gescheut, die uniformierten Dozenten, die auf einem Festzug am 1. Mai 1934 „ein bekanntes Spottlied auf die Pfaffen“ gesungen hatten, öffentlich ihrer „Flegelei“ anzuprangern. „Der Rektor veranlasste die Dozenten, sich zu entschuldigen.“ 455 Der Zweite Weltkrieg (1939-1945) forderte auch von der Theologischen Fakultät seine Opfer. Nur wenigen Studenten blieb der Militärdienst erspart. Einige konnten in Rom studieren, andere mußten ihre Studien teilweise in Fulda oder Eichstätt verbringen. Eine ganze Reihe von Seminaristen, Theologiestudenten und Ordensangehörigen brachte der Krieg den Tod. 456 J. Hasenfuß berichtet von Feldunterrichtsbriefen, die von der Würzburger Theologischen Fakultät erstellt worden sind, ohne dass Näheres bis jetzt bekannt 453

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Clemens Oeftering, geb. 12.1.1914 in Dipbach, ord. 28.2.1937 in Würzburg, Koop. in Waldaschaff 16.3.1937, Präf. im Ferdinandeum in Würzburg 11.3.1938, Kpl. in Zell a.M. 1.12.1940, Kpl. in Schweinfurt-Hl. Geist 15.1.1941, Kpl. in Aschaffenburg-St. Agatha 1.2.1941, Pfvw. in Sennfeld 15.3.1941, Pf. daselbst 7.9.1949, Pf. in Heustreu 14.6.1951, Pf. i.R. in Prüßberg(-Michelau), † 13.6.2004 Dipbach; vgl. Schematismus Würzburg; Direktorium des Bistums Würzburg P. Spitznagel: Die Schließung der Theologischen Fakultät an der Universität Würzburg durch die Nationalsozialisten im November 1935. In: WDGBl 39,1977,281; Ders.: Spitznagel, P.: Die Einführung des numerus clausus für jüdische Studierende an der Universität Würzburg (1928-1933). In: WDGBl 41,1979,217-227; Ders.: Regionale Herkunft und soziale Schichtung der Würzburger Studentenschaft zwischen den Weltkriegen unter bes. Berücksichtigung der Studierenden der Theologie 1919 bis 1939. In: WDGBl 44,1982,403-451; K.-W. Goldhammer: Katholische Studentenkorporationen Würzburgs und das Dritte Reich. In : Kirche und Glaube – Politik und Kultur in Franken. Festgabe für Klaus Wittstadt zum 65. Geburtstag. Würzburg 2001.- S. 755-805 (WDGBl 62/63); Kl. Wittstadt: Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Würzburg während der Zeit des Dritten Reiches. In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Neustadt a.d.Aisch 1982.- S.399-435; Kl. Wittstadt: Zwischen Anpassung und Ablehnung – die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Würzburg in den Jahren 1933-1945. In: Die Universität Würzburg in den Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Peter Baumgart. Würzburg 2002.- S. 36-71, hier S. 43ff.; Kl. Wittstadt: Bistum Würzburg und Theologische Fakultät nach der Machtübernahme. In: Information der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität 17,1983, H.2,6-7; Wendehorst: Das Bistum Würzburg 1803-1957. Würzburg 1965.- S. 92; P. Baumgart: Zäsuren in der Würzburger Universitätsgeschichte zwichen dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch (Neuanfang) von 1945. In: Die Universität Würzburg in den Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Würzburg 2002.- S. 2-16; W. Weiß: Die KatholischTheologische Fakultät Würzburg, in: D. Burkard, W. Weiß (Hg.), Katholische Theologie im Nationalsozialismus. Band 1/1: Institutionen und Strukturen. Würzburg 2007, S. 318f.; G. Harms: Die Schließung der Katholisch-Theologischen Fakultät Würzburg im Herbst 1935, in: D. Burkard, W. Weiß (Hrsgg.), Katholische Theologie im Nationalsozialismus. Band 1/1: Institutionen und Strukturen. Würzburg 2007, S. 327-362 Kl. Wittstadt: Zwischen Anpassung und Ablehnung – die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Würzburg in den Jahren 1933-1945. In: Die Universität Würzburg in den Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Peter Baumgart. Würzburg 2002.- S. 36-71, hier S. 59. Wittstadt beruft sich auf: J. Pascher: Das Dritte Reich, erlebt an drei deutschen Universitäten. In: Die deutsche Universität im Dritten Reich. München 1966.- S. 46-69 „In einem hektographierten Feldpostbrief an die Alumnen schrieb Regens Anton Schäfer 19. Nov. 1944 zur Situation: ‚Es wird wieder alles mögliche gelesen, in der heiligen Fakultät für (bis jetzt) 8 Zuhörer, von denen wir 4 stellen“. Zitiert bei W. Weiß: Wiedereröffnung und Wiederaufbau der KatholischTheologischen Fakultät der Universität Würzburg nach dem II. Weltkrieg. In: Die Universität Würzburg in den Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Peter Baumgart. Würzburg 2002.- S. 73; B. Grün: Die Würzburger Studentenschaft zwischen den Kriegen. In: Zwischen Korporation und Konfrontation. Beiträge zur Würzburger Universitäts- und Studentengeschichte. Hrsg. von Bernhard Grün, Johannes Schellakowsky, Matthias Stickler, Peter A. Süß. Köln 1999.- S. 141-207; am 1.9.1939 zählte das Priesterseminar 138 Alumnen; die meisten wurden sofort bei Kriegsbeginn einberufen. Während des Krieges gab es normalen Urlaub bzw. Sonderurlaub für Studien bzw. Studienabschluß mit Weihen. Von 1941-1945 fanden in Würzburg keine Priesterweihen statt. In der Statistik wurden 29 Alumnen als gefallen gemeldet. Vgl. dazu im Einzelnen K. Hillenbrand: Zeit der Bewährung. S. 149ff.

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ist.457 Von 1939 bis 1945 fanden 18 Promotionen statt und im Jahr 1939 nach dem Kriegsausbruch gab es noch eine Habilitation, die aber nicht zu einer Lehrbefugnis führte. Die Einstellung des Lehrbetriebes mit dem deutschen Angriff auf Polen am 1.9.1939 betraf auch die Theologische Fakultät, doch wurde der Lehrbetrieb noch im Wintertrisemester 1939/40 wieder aufgenommen. Bis zum 16. März 1945 blieb Würzburg von nennenswerten Fliegerangriffen verschont. An diesem Tag aber wurden über 80% der Stadt zerstört. Mit den Universitätsgebäuden wurden auch die Räumlichkeiten der Theologischen Fakultät mit ihren Seminarräumen und Bibliotheken vernichtet. 10. Der Neubeginn nach 1945 Am 6. April 1945 eroberten die Amerikaner Würzburg: sämtliche Theologieprofessoren wurden suspendiert, jedoch bis zur Wiedereröffnung der Fakultät am 15.10.1945 fast vollständig wieder zugelassen.458 Prof. Dr. Karl Staab wurde von der amerikanischen Militärregierung am 13.7.1945 zum geschäftsführenden Leiter, zum „Business manager“ der Fakultät ernannt.459 Am 14. Oktober erteilte die Militärregierung die Erlaubnis zur Wiedereröffnung der Fakultät am 15. Oktober 1945. Die Wiedereröffnung der Gesamtuniversität feierte der Rektor Josef Martin am 31.10.1945 mit Gottesdiensten und feierlichem Akt in der Mozartschule. Die feierliche Wiedereröffnung der Gesamtuniversität erfolgte dann erst am 12. März 1947. Unter den Ehrengästen waren der bayerische Kultusminister Alois Hundhammer, der Bischof von Würzburg Matthias Ehrenfried und der Würzburger Oberbürgermeister Hans Löffler. Am 23.10.1945 fand die 1. Fakultätssitzung im Sprechzimmer des Mariannhiller PiusSeminars statt. Anwesend waren: Wunderle, Staab, Fischer, Hagen, Stegmüller, Pfeilschifter, ao Prof. Müller, Doz. Fleckenstein, (Aufhauser und Ranft waren entschuldigt, Zellinger in München). Staab wurde zum 1. Dekan gewählt. Im Mariannhiller Pius-Seminar waren die Hörsäle der Theologischen Fakultät eingerichtet. Die Alumnen (sie sollten bis zum 20.9.1945 eintreffen) bewohnten 2 Stockwerke, die Kleriker und Oblaten der Augustiner hatten hier einen Studiersaal und unter dem Dach einen Schlafsaal. 457

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W. Weiß: Wiedereröffnung und Wiederaufbau der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg nach dem II. Weltkrieg. In: Die Universität Würzburg in den Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Peter Baumgart. Würzburg 2002.- S. 73 In dem Schreiben der Regierung von Mainfranken (gez. Stegerwald) vom 10. August 1945 an den Herrn Rektor der Universität heißt es: „Ich ersuche, die beiliegenden Entlassungsschreiben für die Universitätsprofessoren, Dozenten und Beamten (es folgt eine Liste mit 110 Namen, darunter aus der Theologischen Fakultät: August Hagen, Johannes Zellinger, Georg Pfeilschifter, Michael Müller, Josef Ranft, Josef Hasenfuß, Richard Schömig, Johann Fischer, Johann Aufhauser, Anton Stonner und Rudolf Hofmann. Sie zählten aber nicht zu den genannten 40 Personen, deren Entlassung aufgrund ihrer Beziehung zur NSDAP erfolgte) alsbald gegen Nachweis zuzustellen und die Einstellung der Zahlung der Dienstbezüge zu veranlassen“. Nicht genannt waren Stegmüller, Wunderle und Staab. In dem Schreiben des Detachement E 202 3rd Military Goverment Regt. Würzburg, Germany vom 12. Sept. 1945 wurde die Suspension vom 26. Juli 1945 von Dr. Joseph Ranft, Dr. Josef Reuss (der im vorigen Schreiben gar nicht genannt war), und Dr. Michael Müller ausdrücklich zurückgenommen. Die Zurücknahme der übrigen Suspensionen von ao. Prof. Johann Aufhauser, o. Prof. August Hagen, Dozent Anton Stonner und o. Prof. Zellinger erfolgte sukzessive. Im Schreiben der Militärregierung vom 12. Dezember 1945 (lt. Schreiben des Bayer. Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 2.1.1946) wurde die Zustimmung erteilt, dass sie bis auf weiteres in ihrer Stelle verwendet werden. (Vgl. UW ZV PA bei den Genannten). Details bei: W. Weiß: Wiedereröffnung und Wiederaufbau der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg nach dem II. Weltkrieg. S. 82 mit Anmerkungen; H. Schott: Die Amerikaner als Besatzungsmacht in Würzburg. Würzburg 1985 W. Weiß: Wiedereröffnung und Wiederaufbau der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg nach dem II. Weltkrieg. In W.: Die Universität Würzburg in den Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Peter Baumgart. Würzburg 2002.- S. 73-97, hier S.78ff.

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Wegen der vollständigen Zerstörung der Würzburger Universität und ihrer Institute hatte man in Bayern auch eine vollständigte Transferierung der Universität Würzburg nach Bamberg angedacht; dort standen ausreichend nichtzerstörte Gebäude zur Verfügung. Der Widerspruch, dem sich auch der Würzburger Bischof Ehrenfried anschloß, war jedoch so groß, dass man den Gedanken nicht weiter verfolgte.460 Viele der aus Krieg und Gefangenschaft zurückkehrenden Theologiesstudenten hatten das Gymnasium vorzeitig abbrechen müssen; ihre Lerndefizite sollten rasch ausgeglichen werden. Deshalb musste ein Ausgleich geschaffen werden. „Am 22. Oktober (1945) wurde auch das Vorsemester zur Erlangung der Hochschulreife eröffnet. ... Während des Semesters musste ein Teil der Vorsemester an die Mittelschule zurück, die inzwischen im Vinzentinum in Grombühl für die Kilianisten aufgemacht worden war. Sie sollten nicht vor ihren Klassenkameraden, die nicht eingezogen waren, als ordentliche Hörer zum eigentlichen Fachstudium an der Universität kommen.“ 461 Im November 1945 befanden sich 57 Studenten im Vorsemester; Leiter des Vorsemesters war Dr. Kuhn. Es gab Förderkurse in Deutsch, Latein, Griechisch und Geschichte (Dr. Julius Döpfner erteilte Latein und Griechisch). Im SS 1946 fanden die ersten Prüfungen statt. Der Lehrkörper der Theologischen Fakultät nach dem Neuanfang 1945: (Abbildungen unter http://www.ludwig-k-walter.de/studiumtheolherbip.html) Friedrich Stegmüller, o. Prof für Dogmatik (las noch bis 1948; Nachfolger wurde Fritz Hofmann) Georg Wunderle o. Prof. der Apologetik und vergleichenden Religionswissenschaften (ließ sich zum 1.11.1947 emeritieren und übernahm zum 18.11.1947 die neugeschaffene ao. Professur für die Kunde des christl. Ostens, Nachfolger in Apologetik wurde Josef Hasenfuß) Johann Fischer, o. Prof. für Altes Testament (wurde zum 1.8.1948 emeritiert, Nachfolger wurde Joseph Ziegler) Karl Staab, o. Prof. für ntl. Exegese (wurde zum 30.4.1957 emeritiert, Nachfolger wurde Rudolf Schnackenburg) Michael Müller, ao Prof. für Moraltheologie, ab 5.4.1946 o Prof. (rückwirkend ernannt zum 1.4.1939, wurde zum 1.10.1954 emeritiert, Nachfolger wurde Alfons Auer) Berthold Altaner übernahm statt Zellinger Patrologie vertretungsweise ab WS 1945/46, seit 2.9.1946 offiziell; er wurde zum 30.9.1950 emeritiert, Nachfolger wurde Theobald Freudenberger, ab 1953 ohne Pastoral (diese wurde von Fleckenstein übernommen) Georg Pfeilschifter, o. Prof für Kirchengeschichte (wurde zum 1.4.1966 emeritiert, Nachfolger wurde Theobald Freudenberger) August Hagen, o. Prof. für Kirchenrecht (wurde 1947 Generalvikar in Rottenburg, Nachfolger wurde zum 1.11.1947 Ernst Rösser) Anton Stonner, Doz. in Prag, hielt im WS 45/46 Vorlesungen über Homiletik und Propädeutik (wurde zum 14.3.46 nach München versetzt) Joh. B. Aufhauser, o. Prof. für Missionswissenschaft (wurde mit Ablauf des WS 1946/47 emeritiert, vertrat sich selbst noch einige Semester; 1951 wurde die Professur nach München zurückverlegt, Josef Hasenfuß leitete das Missionswissenschaftliche Seminar 19521958, Nachfolger wurde erst am 1.2.1959 als ao. Prof. Josef Glazik MSC) Von denen, die in Würzburg habilitiert worden waren, erhielten auswärts Dozenturen: Joseph Reuss, Dr. habil. (29.2.1938), erhielt eine Professur für ntl. Exegese in Regensburg 460

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W. Weiß: Wiedereröffnung und Wiederaufbau der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg nach dem II. Weltkrieg. In: Die Universität Würzburg in den Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Peter Baumgart. Würzburg 2002.- S. 73-97, hier S. 76; P. Baumgart: Zäsuren in der Würzburger Universitätsgeschichte zwichen dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch (Neuanfang) von 1945. In: Die Universität Würzburg in den Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Würzburg 2002.- S. 2-16, hier S. 12 Cor unum. Mitteilungen an die deutsche Augustinerfamilie 5,1947,32-33

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Ernst Rösser, Dr. habil. (5.5.1937), erhielt zunächst eine Professur für Kirchenrecht in Regensburg, zum 1.11.1947 wurde er o. Prof. für KR in Würzburg Theobald Freudenberger, Dr. habil. (18.12.1939), wurde pl. ao. Prof. für Patrologie und Pastoraltheologie mit Lehrauftrag für Kirchengeschichte in Regensburg Heinz Fleckenstein, Dr. habil. (20.1.1938), Doz., erhielt in Regensburg eine Professur für Moraltheologie. Adolf Wilhelm Ziegler, Dr. habil. (30.3.1938), wurde im Oktober 1945 a.o. Prof. für KG in Dillingen Rudolf Hofmann, Dr. habil. (27.2./23.3.1939), von 1939/40 bis 1945 in Prag mit einer Lehrstuhlvertretung betraut, wurde 1946 o. Prof. für Moral in Passau. Dass 1947 in Würzburg ein Lehrstuhl für die Kunde des christlichen Ostens errichtet wurde, ist der Aktivität von Prof. Dr. Georg Wunderle zu verdanken,. Er selbst übernahm nach seiner Emeritierung von der o. Professur für Apologetik (am 1.11.1947) als ao. Prof. zunächst die Leitung. Nach seinem Tod 1950 konnte sein Schüler Hermenegild Biedermann OSA, seit 1949 Privatdozent, den Lehrstuhl weiter ausbauen. Er wurde 1953 ao. Prof. und am 11.10.1965 o. Professor. 1947 hatte er bereits das Ostkirchliche Institut der Augustinerprovinz in Würzburg gegründet. 1977 wurde Biedermann emeritiert. HansJoachim Schulz leitete den Lehrstuhl für Theologie und Geschichte des christlichen Ostens 1978 bis zu seiner Emeritierung 1997. Der Lehrstuhl wurde 1982 umbenannt in Lehrstuhl für Ostkirchengeschichte und Ökumenische Theologie. Laut Strukturplan von 1998 wurde der Lehrstuhl 2001 eingezogen. Eingerichtet wurde eine Fachvertretung, über Drittmittel finanziert. Das Ostkirchliche Institut der Augustinerprovinz in Würzburg konnte am 29.1.1999 als An-Institut der Universität Würzburg errichtet werden. Der Professor für Kirchengeschichte des Altertums, der christlichen Archäologie und Patrologie Jakob Speigl wurde wissenschaflicher Direktor.462 10.1. Das Kollegium der Katholisch-Theologischen Fakultät im Jahre 1951463 Altaner, Berthold, o. Prof. für Patrologie und Liturgie, emeritus Freudenberger, Theobald, o. Prof. für Patrologie und Liturgie Hasenfuß, Josef, o. Prof. für Apologetik und Vgl. Religionswissenschaft (leitete von 19521958 auch das Missionswissenschaftliche Seminar, unter B. H. Willeke OFM ab 1967 in der Hofstraße , ab 1971 am Sanderring 2) Hofmann, Fritz, o. Prof. für Dogmatik Müller, Michael, o. Prof. für Moral- und Pastoraltheologie, Homiletik und christl. Sozialwissenschaft Pfeilschifter, Georg, o. Prof. für Kirchengeschichte, christliche Dogmengeschichte und Archäologie Biedermann, Hermenegild OSA, PD (ab 1953 ao. Prof.) für Ostkirchenkunde (Seminar ab 1972 in Bachgasse 2) Rösser, Ernst, o. Prof. für Kirchenrecht Staab, Karl, o. Prof. für ntl. Exegese Ziegler, Joseph o. Prof. für AT und bibl.-orientalische Sprachen 462

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W. Weiß: Der theologische Weg Georg Wunderles (1881-1950). In: Ostkirchliche Studien 50,2001,1/2,152-175 (Mit „Denkschrift über die Errichtung einer ao. Professur für Kunde des christlichen Ostens“ von Georg Wunderle); Vgl. Würzburger Katholisches Sonntagsblatt 6.6.1999 (M. Schwab); MP 19.5.1999; Internet zum Ostkirchlichen Institut; C. Patock: Das ostkirchliche Institut der deutschen Augustiner in Würzburg. In: Wegzeichen. Festgabe zum 60. Geb. von Prof. Dr. Hermenegild M. Biedermann OSA. Würzburg 1971.- S. XXII-XXXIX; B. Plank: Das ostkirchliche Institut der Deutschen Augustinerprovinz in Würzburg und seine Bibliothek. In: BFB 18,1990,H.1,87-89 Abbildungen der Professoren bei W. Weiß: Wiedereröffnung und Wiederaufbau der KatholischTheologischen Fakultät der Universität Würzburg nach dem II. Weltkrieg. In: Die Universität Würzburg in den Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Peter Baumgart. Würzburg 2002.- S. 94ff. aus: der Chrsitliche Sonntag 1951, Nr. 4

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10.2. Der Ausbau der Fakultät Als am 1.9.1949 Theobald Freudenberger den Lehrstuhl für Patrologie übernahm, waren mit der Patrologie noch die Fächer Pastoraltheologie und Liturgie verbunden. 1953 wurde für Pastoraltheologie (mit Homiletik) ein neuer Lehrstuhl geschaffen und dem o. Prof. Heinz Fleckenstein verliehen.464 Georg Langgärtner übernahm am 4.12.1966 von Theobald Freudenberger die Liturgiewissenschaft auf einer o. Professur. 465 Joseph A. Fischer wurde 1967 auf den nun neu umschriebenen Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Altertums, christliche Archäologie und Patristik berufen, und Freudenberger übernahm den Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit. Dr. Peter Joseph Jörg bekam 1953 einen Lehrauftrag über 2 Stunden für Diözesangeschichte, den er bis zu seinem Tod am 19.12.1958 wahrnahm.466 Gerd Zimmermann führte den Lehrauftrag vom WS 1959/60 bis zum SS 1962 weiter. Ihm folgte 1962 der Archivar Dr. Alfred Wendehorst; zunächst noch als Lehrbeauftragter, dann ab 1965 als ao. Professor für Fränkische Kirchengeschichte (Seminar in der Badergasse 13a).467 Unter seinem Nachfolger Klaus Wittstadt wurde 1973 daraus ein ordentlicher Lehrstuhl, der 1985 um den Zusatz erweitert wurde „und Kirchengeschichte der Neuesten Zeit“. Der Lehrstuhl schuf eine reiche Seminarbibliothek, z. T. auch aus den ausgegliederten Beständen des Seminars für Kirchengeschichte. Die Kirchengeschichte in Würzburg gewann noch zusätzlich eine bedeutende Einrichtung: Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus errichtete mit ME. Nr. V 122751 vom 3. Februar 1965 das SebastianMerkle-Institut für Konzilien- und Reformationsgeschichte und stattete es mit erheblichen Literaturmitteln aus, sodaß von den Vorständen Georg Pfeilschifter und Theobald Freudenberger neben der Bibliothek für Kirchengeschichte eine umfangreiche Büchersammlung zur Konzilien- und Reformationsgeschichte aufgebaut werden konnte.468 Aus Regensburg wurde im WS 1964/65 Joseph Reuß, der dort ntl. Exegese gelesen hatte, als o. Professor für Biblische Einleitung und biblische Hilfswissenschaften (Seminar in der Badergasse 13a bis WS 1972/73, dann Sanderring 2) berufen. Professor Reuß war Spezialist in der Katenenforschung und zu Qumran. Der neugeschaffene Lehrstuhl blieb der biblischen Exegese eng verbunden.469 Unter dem Nachfolger Karlheinz Müller, o. Prof seit 1972, kam als Spezialgebiet die Judaistik hinzu. Zum WS 1967/68 wurde Johannes Betz aus Mainz als o. Professor auf einen zweiten Dogmatischen Lehrstuhl (Seminar in der Badergasse 13a, ab 1983 am Sanderring 2) berufen; er vertrat das Fach Dogmatik gemeinsam mit Fritz Hofmann. Josef Hasenfuß wurde 1969 emeritiert. Er hatte sich in herausragender Weise für die Rehabilitierung von Herman Schell eingesetzt. Bereits am 18.11.1970 konnte die Gründung des Herman-Schell-Instituts (Seminar in der Badergasse13a, ab WS 1972/73 in der Domerschulstraße 18, ab WS 1983/84 Verfügungsbau am Sanderring 2) unter der Lei464

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Die Seminare von Pastoraltheologie, Katechetik und Religionspädagogik, Kirchenrecht und Moraltheologie befanden sich im Gebäude des Priesterseminars Domerschulstraße 18; die Moraltheologie zog ab WS 1983/84 in Verfügungsbau am Sanderring 2; Kirchenrecht zog ab WS 1983/84 in die Ottostraße 16/I; Katechetik und Religionspädagogik wurde 1983 zusammengelegt mit dem Lehrstuhl für Kath. Religionslehre und -pädagogik am Wittelsbacherplatz 1 und die Bücher dahin verbracht. Seminar am Friedrich-Ebert-Ring 27, ab 1972 am Sanderring 2 Der Lehrauftrag für Dr. Jörg, dem am 16.5.1952 der Dr. h.c. von der Fakultät verliehen worden war, wurde in der Fakultätssitzung der Kath.-Theol. Fak. Würzburg am 28.5.1952 auch für das WS erteilt. Die Einreichung des Antrags zur Errichtung des ao. Lehrstuhls mit eigenem Seminar wurde auf der Fakultätssitzung am 20.5.1955 bereits beschlossen. W. Weiß: Die Entwicklung der Würzburger Katholisch-Theologischen Fakultät. S. 88-97; W. Weiß: Wiedereröffnung und Wiederaufbau der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg nach dem II. Weltkrieg. S. 94; Sebastian Merkle. Ausgewählte Reden und Aufsätze. Würzburg 1965.- S. X; L. K. Walter: Kurze Geschichte der Teilbibliothek für die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Würzburg seit 1945. Würzburg 1988.- S. 14, 16; Das Sebastian-Merkle-Institut und das HermanSchell-Institut werden seit dem SS 1975 im Vorlesungsverzeichnis nicht mehr ausgewiesen. Beide werden nur mehr lehrstuhlintern weitergeführt. Schnackenburg, R.: Der Weg der katholischen Exegese. In: BZ NF 2,1958,161-171

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tung von Prof. DDr. Eugen Biser und Prof. Dr. Paul-Werner Scheele begangen werden; das Institut wurde gemeinsam betreut von Dogmatik und Fundamentaltheologie. Das Herman-Schell-Institut diente der Erforschung des philosophischen und theologischen Werkes von Herman Schell. In Nachfolge von Hasenfuß widmeten sich die Professoren Eugen Biser und Paul Werner Scheele dieser Aufgabe. Biser betonte dabei zusätzlich die hermeneutische Forschung und Scheele die Ökumenik. Mit der Berufung des CalvinSpezialisten Alexandre Ganoczy 1972 als o. Professor für Dogmatik erhielt das HermanSchell-Institut die zusätzliche Ausrichtung auf die Calvin-Forschung; diese schlug sich auch im Aufbau der Bibliothek des Herman-Schell-Instituts nieder.470 Zum WS 1968 konnte ein weiterer Lehrstuhl neu geschaffen werden. Am 4.12.1968 wurde der Dipl. Volkswirt, Dr. rer. pol., Dr. theol. Wilhelm Dreier als neuer o. Professor für Christliche Sozialwissenschaft berufen; er baute das „Institut für Christliche Sozialwissenschaft“ in Würzburg auf. Früher wurde dieses Fachgebiet in der Regel von der Moraltheologie mitbetreut. In dieser Zeit bahnte sich auch eine neue Entwicklung für die Fächer Religionspädagogik und Katechetik an. Bereits 1769 hatte der spätere Professor für die Geschichte des deutschen Reiches Michael Ignaz Schmidt seinen „Methodus tradendi prima elementa religionis“ verfasst und wurde damit ein Mitbegründer der Katechetik als wissenschaftliche Disziplin. 1891 veröffentlichte der Kgl. Professor und Seminaroberlehrer am Lehrerbildungsseminar in Würzburg Dr. Johann Baier (1852-1907) sein Hauptwerk zur Religionspädagogik: Methodik der religiösen Unterweisung in der katholischen Volksschule. Zum Gebrauch in Seminarien und für angehende Katecheten. Würzburg 1891. Die 2. Auflage von 1897 hat den Untertitel: Zum Gebrauche in Schullehrer-Seminarien und Priester-Alumnaten. Diese Schrift nahm das Kgl. Bayerische Kultusministerium in das offizielle Lehrverzeichnis der für die Lehrerbildungsanstalten gebilligten Lehrmittel auf. Baier hat sich noch in einer ganzen Reihe von Schriften zur Religionspädagogik geäußert und zwar so, dass man ihn nach Trautmann mit Recht zu den Vätern der Reform des Religionsunterrichtes in den Volksschulen zählen darf.471 Zum einen kam in Würzburg die neue Entwicklung von der Pastoraltheologie her. Denn mit Josef Rabas vertrat ein in Pastoraltheologie Habilitierter die Fächer Religionspädagogik und Katechetik in der Theologischen Fakultät seit 1967 als apl. Professor bis zu seinem Ruhestand 1973. Die andere Entwicklung vollzog sich in der Lehrerbildung. Im Zuge der Lehrerbildungsreform in Bayern wurden in Würzburg zwei evangelische Lehrstühle am Erziehungswissenschaftlichen Fachbereich errichtet und ein Lehrstuhl für katholische Religionslehre und –pädagogik. Der Lehrstuhlinhaber für katholische Religionlehre und –pädagogik Paul Neuenzeit, seit 6.8.1965 Professor für Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Würzburg und seit 1972 im Erziehungswissenschaftlichem Fachbereich der Universität Würzburg, wurde ab dem WS 1973/74 Zweitmiglied in der Theologischen Fakultät der Universität. Nach Auflösung des Erziehungswissenschaftlichen Fachbereichs am 1.10.1977 wurde der Lehrstuhl für Katholische Religionslehre und –pädagogik in den Katholisch-Theologischen Fachbereich übernommen und erhielt zusätzlich die Katechetik, die seit der Emeritierung von Professor J. Rabas am 10.11.1973, der das Seminar für Katechetik und Religionspädagogik an dem Theologischen Fachbereich leitete, nicht mehr besetzt worden war. Die Bibliotheksbestände der Katechetik, die im Priesterseminar in der Domerschulstraße lagerten, wurden in die Bibliothek des Lehrstuhls für katholische Religionslehre und – 470

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W. Weiß: Die Entwicklung der Würzburger Katholisch-Theologischen Fakultät. S. 88-97; W. Weiß: Wiedereröffnung und Wiederaufbau der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg nach dem II. Weltkrieg. S. 94; W. Sandfuchs: Herman-Schell-Institut in Würzburg. In: Klerusblatt 50,1970,256; Internet Fr. Trautmann: Stand die Wiege der Münchener katechetischen Reformbewegung in Würzburg? Dr. Johann Baier (1852-1907): Kgl. Professor und Seminaroberlehrer am Lehrerbildungsseminar Würzburg. In: WDGBl 59,1997,151-182; vgl. auch Karl-Heinz Lesch: Neuorientierung der Theologie im 18. Jahrhundert in Würzburg und Bamberg. Würzburg. 1978.- S. 140ff.

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pädagogik am Wittelsbacherplatz 1 integriert und der Gesamtbestand des Lehrstuhls in den Gesamtkatalog Theologie am Sanderring eingearbeitet.472 Wissenschaftliche Assistenten und Lehraufträge Das Institut des Wissenschaftlichen Assistenten bzw. Wissenschaftlichen Mitarbeiters wurde in Würzburg erst seit den 1950-ziger Jahren errichtet.473 Zunächst bekam nur das Dekanat einen Wissenschaftlichen Assistenten. Das Vorlesungsverzeichnis vom SS 1950 verzeichnet Dr. Meinrad Stenzel dort als Assistenten und mit Gertraud Göpfert erstmals eine Sekretärin. Nach Stenzels Habilitation im Fach AT übernahm Josef Schreiner im WS 1952/53 die Geschäfte. Es folgten Joseph Ziegler (SS 1956), Hermann Hergenröther (SS 1957), Georg Langgärtner (SS 1961), P. Dennis Doherty (SS 1964) und Dr. Josef Steinruck (WS 1964/65), Gerhard Lohfink (SS 1965) und als letzter Wissenschaftlicher Angestellter Michael Uecker, der vom SS 1971 bis zum WS 1976/77 die Stelle innehatte. Der Lehrstuhl für Moraltheologie ist der erste Lehrstuhl mit eigenem Wissenschaftlichen Assistenten; Josef Georg Ziegler trat im SS 1957 als erster Wissenschaftlicher Assistent dort ein. Es folgten die weiteren Lehrstühle: der Lehrstuhl für ntl. Exegese mit Joachim Gnilka (SS 1959), der Lehrstuhl für Altes Testament mit Josef Schreiner (SS 1961), der Lehrstuhl für biblische Einleitung mit Anton Dauer (WS 1964/65), der Lehrstuhl für KG des Mittelalters und der Neuzeit ebenfalls im WS 1964/65 zunächst mit N.N., dann im WS 1965/66 mit Josef Steinruck; der Lehrstuhl für Ostkirchengeschichte verzeichnet Ernst Christoph Suttner im SS 1963 und der Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Altertums Georg Langgärtner im WS 1963/64 als Wissenschaftlichen Assistenten. Der Lehrstuhl für Dogmatik besetzte die Stelle im SS 1963 mit Paul-Werner Scheele, der Lehrstuhl für Kirchenrecht die Stelle ebenfalls im SS 1963 mit Franz Herzog, die Pastoraltheologie im SS 1964 mit Josef Rabas, die Fundamentaltheologie im WS 1963/64 mit Hubertus Mynarek. Die neuen Fächer folgen dann: die Christliche Sozialwissenschaft bekam im SS 1969 als Wissenschaftlichen Assistenten Hermann Steinkamp, die Liturgiewissenschaft im WS 1967/68 Karlheinz Müller, die Religionspädagogik im SS 1973 Heinrich Pompey und die Fränkische KG im SS 1974 Karl Joseph Lesch. Die Missionswissenschaft beschäftigte zunächst nur Wissenschaftliche Hilfskräfte, ab SS 1970 wurde German Trösch als Wissenschaftlicher Assistent verzeichnet. Maria Waibel wurde am Lehrstuhl für Religionspädagogik im SS 1978 die erste Wissenschaftliche Mitarbeiterin, ihr folgte Maria Trautmann im SS 1980. Seit dem WS 1979/80 wechselte die Bezeichnung von Wissenschaftlicher Assistent zu Wissenschaftlicher Mitarbeiter; die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden im Vorlesungsverzeichnis bei den einzelnen Lehrstühlen aufgelistet, ab dem SS 1982 bei den Instituten nach den Lehrstühlen. Lehraufträge können einzelnen Lehrstühlen zugeordnet sein, aber auch eigenständig ergänzende Fächer bedienen. Domkapellmeister August Pfeuffer erhielt im WS 1936/37 einen Lehrauftrag für Choralgesang, den Domkapellmeister Richard Schömig von 1948 bis 1974 wahrnahm.474 In der Missionswissenschaft lehrte ab 1922 der Direktor des Missionsärztlichen Instituts, Christoph Becker; er setzte seine Vorlesungen als Honorarprofessor 1928 fort bis zu seinem Tod 1937. Daneben las zeitweise auch Thomas Ohm OSB Missionswissenschaft, bis die Nationalsozialisten ihn 1940 entließen. Stimmbildung, Rhetorik und Homiletik waren seit dem 2. Weltkrieg Fächer für die zukünftigen Seelsorger und Religionslehrer, die mit Lehraufträgen bis vor wenigen jahren abgedeckt wurden. Latein, Griechisch und Hebräisch waren als Lehraufträge lange Jahre gefragt, um das Latinum, Graecum oder Hebraicum zu erwerben. Hebräisch bzw die Einführung in das Biblisch-Semitische Denken wird vom Lehrstuhl für Altes Testament und biblisch472 473

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L. K. Walter: Kurze Geschichte der Teilbibliothek für die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Würzburg seit 1945. Würzburg 1988.- S. 17 Einzelheiten dazu siehe I.3. Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, Wissenschaftliche Mitarbeiter und Lehraufträge; die Angaben beruhen auf den Daten der Vorlesungsverzeichnisse der Universität Würzburg und müssen entsprechend gewertet werden. Dazu Näheres im Kapitel „Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, Wissenschaftliche Mitarbeiter und Lehraufträge seit 1945“

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orientalische Sprachen angeboten; für die Zulassung zur Diplomvorprüfung genügt eine Prüfung über den Einführungskurs in das biblisch-semitische Denken. Griechisch blieb als Lehrauftrag erhalten und wird von der Diözese Würzburg finanziert; für die Zulassung zur Diplomvorprüfung kann anstelle des Graecums eine Prüfung in neutestamentlichem Griechisch abgelegt werden. Der Nachweis des Latinums ist Voraussetzung für die Zulassung zur Diplomvorprüfung; der Erwerb des Latinums kann in der Philosophischen Fakultät erfolgen. Seit dem SS 1987 wird als Lehrauftrag die Einführung in die Literatur der Feministischen Theologie angeboten. Der Bibliotheksdirektor Hans Thurn veranstaltete 9 Jahre lang (1977-1986) einen Lektürekurs zum christlichen Latein und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Würzburg, David Schuster, im WS 1987/87 ein Seminar zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Würzburgs nach dem Krieg.475 Exkurs: Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) Kardinalstaatssekretär Tardini richtete im Auftrag des Papstes Johannes XXIII. am 18.6.1959 ein Schreiben an alle Bischöfe zum beabsichtigten Konzil. Bischof Joseph Stangl antwortete mit Schreiben vom 31.8.1959. (Acta et Documenta S. 673-674). « Der Würzburger Bischof Joseph Stangl war von der Idee, ein Konzil einzuberufen, begeistert. Wichtige Punkte in seiner Stellungnahme waren folgende: Das Recht der Laien soll ausführlicher herausgestellt werden; über die Volkssprache in der Liturgie ist nachzudenken; ferner geht der Bischof auf sehr viele Einzelvorschriften kirchenrechtlicher Art ein; seine Vorschläge verraten, daß er ganz auf die Seelsorge ausgerichtet war.“476 Das Votum Stangls läßt eine Beratung zumindest mit einigen Würzburger Theologieprofessoren vermuten. Die kanonistischen Detailvorschläge deuten auf das Mitwirken des Professors für Kirchenrecht Ernst Rösser hin. Fritz Hofmann, o. Prof. für Dogmatik, gilt als persönlicher Berater in Konzilsfragen von Bischof Stangl. Offizieller Konzilsberater war Josef Glazik MSC, der von 1959 bis 1961 ao. Prof für Missionswissenschaft in Würzburg war und darnach o. Prof. in Münster. Im Mai 1964 unterzeichneten folgende Würzburger Theologieprofessoren eine Bittschrift führender deutscher Katholiken an Papst Paul VI. zu der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchritlichen Religionen: Heinz Fleckenstein, Fritz Hofmann, Ernst Rösser In den Kommentaren zu den Konzilstexten werden folgende Würzburger Theologieprofessoren zitiert: Berthold Altaner, Alfons Auer, Josef Glazik, Ernst Rösser, sehr oft Rudolf Schnackenburg, Karl Staab, Wilhelm Dreier Elmar Klinger, Rudolf Weigand, Klaus Wittstadt befaßten sich besonders häufig mit Themen zum Konzil Die Theologische Fakultät veranstaltete 1993 ein Kolloquium über das Zweite Vatikanische Konzil.477 „Ecclesia semper reformanda. Kichenreform als bleibende Aufgabe” war das Thema der öffentlichen Ringvorlesung, veranstaltet von der Katholisch-Theologischen Fakultät im Wintersemester 2005/06. Hanjo Sauer wurde 1991 mit einem Thema zur Offenbarungskonstitution habilitiert (bei E. Klinger), Norbert Lüdecke mit einem Thema zum Lehrrecht 1996 (bei Wiegand) und Christof Müller mit einem Thema zur Eschatologie 2001 (bei Klinger) 475 476 477

Vgl. die Zusammenstellung bei Teil I. 3. Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, wissenschaftliche Mitarbeiter und Lehrbeauftragte Kl. Wittstadt: Erwartungen der bayerischen Bischöfe an das Zweite Vatikanische Konzil nach ihren „Concilia et Vota“. In: Ius et Historia. Würzburg 1989.- S. 317-329, hier S. 329 Die Beiträge wurden veröffentlicht unter dem Titel: „Der Beitrag der deutschsprachigen und osteuropäischen Länder zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Hrsg. von Kl. Wittstadt und W. Verschooten. Leuven 1996; vgl. auch Erich Garhammer (Hg.), Ecclesia reformanda. Kirchenreform als bleibende Aufgabe. Würzburg 2006 (darin: Karl Lehmann, Kraftvoll-lebendige Erinnerung bis heute. 40 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil und 30 Jahre Gemeinsame Synode, S. 11-29)

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Rudolf Weigand behandelte in seiner Habilitationsvorlesung am 4.7.1966 das Thema: Änderungen der Kirchenverfassung durch das II. Vatikanische Konzil (veröff. in: AfkKR 135,1966,391-414)

Exkurs: Die Würzburger Synode (1971-1975) „Die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland hat die Aufgabe, in ihrem Bereich die Verwirklichung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils zu fördern und zur Gestaltung des christlichen Lebens gemäß dem Glauben der Kirche beizutragen.“ (Art. 1 des Statuts) Sie fand 1971 bis 1975 in Würzburg statt. Präsident der Synode war der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Julius Kardinal Döpfner; sein Votum gab auch den Ausschlag für den Austragungsort Würzburg. Würzburger Theologieprofessoren wirkten in den Sachkommissionen mit: Prof. Wilhelm Dreier (SK V), Prof. Heinz Fleckenstein (SK II, bis zu seiner Emeritierung 1972), Prof. Rudolph Schnackenburg (SK VII). Prof. Rolf Zerfaß war als Berater für die SK I tätig. Leider kann die Rolle, welche die katholisch-Theologische Fakultät Würzburg bei der Vorbereitung und beim Verlauf des II. Vatikanischen Konzils und bei der Würzburger Synode gespielt hat, nur angedeutet werden; es fehlen entsprechende wissenschaftliche Arbeiten.478

Exkurs: Graduiertenkolleg ‚Geschlechterdifferenz in religiösen Symbolsystemen’ „Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat das lange beantragte Graduiertenkolleg zum Thema ‚Geschlechterdifferenz in religiösen Symbolsystemen‟ genehmigt. Das Graduiertenkolleg hat zum 1.5.1998 mit fünf Stipendiaten begonnen“. 479 Sprecher des Graduiertenkollegs 278 „Wahrnehmung der Geschlechterdifferenz in religiösen Symbolsystemen“ ist Prof. Dr. Bernhard Heininger. Das DFG-Graduiertenkolleg 278 "Wahrnehmung der Geschlechterdifferenz in religiösen Symbolsystemen" wurde zum 30. April 2008 abgeschlossen. Zum Abschluß des Kollegs referierte 2007 der Züricher Paartherapeut Prof. Dr. Jürg Willi über das Thema „Ehe als Ernstfall der Geschlechterdifferenz“ in der Würzburger Residenz.480 Weitere Informationen finden sie auf der homepage des Graduiertenkollegs, die aber nicht mehr aktualisiert wird.

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Vgl. Ludwig Bertsch [Hrsg.]: Gemeinsame Synode der Bischöfe in der Bundesrepublik Deutschland. 2 Bde. Freiburg 1976-1977; weitere Aufl.); die Texte und die Dokumentation stehen im Internet zur Verfügung; Wolfgang Weiß, Die Würzburger Synode – Markstein oder Episode?, in: E. Garhammer (Hg.): Ecclesia semper reformanda. Kirchenreform als bleibende Aufgabe. Würzburg 2006. S. 65-84.; Fr. Kronenberg: Die Würzburger Synode. Ein Zeitzeuge berichtet über seine Erinnerungen und reflektiert seine Erfahrungen. In: WDGBl 68,2006,11-30; Davis, J.T.: Die Würzburger Diözesansynode von 1954 und ihre Beschlüsse zur "Bigamie". In WDGBl 69 (2007), S. 279 – 286; Merz, J. : Die Würzburger Diözesansynode 1954 und ihr Beschluss zur Ehevorbereitung. In: WDGBl 67 (2005), S. 373 - 378 Dekan Prof. Dr. Theodor Seidl im Jahresbericht der Katholisch-Theologischen Fakultät 1997/98, in: Blick 1997/1998, S. 50 vgl. B. Heininger (Hg.): Ehe als Ernstfall der Geschlechterdifferenz. Herausforderungen für Frau und Mann in kulturellen Symbolsystemen. Münster 2010. WükSoBl 11.3.2001,S.17

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Exkurs: Zur Evangelischen Theologie in Würzburg Aus dem Würzburgisch/fränkischen Raum kamen eine ganze Reihe von nicht unbedeutenden reformatorischen Theologen. Andreas Bodenstein von Karlstadt, der 1503 als Domprediger in Würzburg vorgeschlagen war, steht für viele. Dagegen konnte reformatorische akademische Theologie in Würzburg bzw. in Franken erst spät Bedeutung gewinnen. Wir müssen uns hier in unserem Zusammenhang auf den Würzburger Raum beschränken und die Universitäten Altdorf und Erlangen und sonstige reformatorische Zentren völlig außer Acht lassen. Paulus Speratus predigte im Würzburger Dom 1520 bis 1521 wahrscheinlich schon im lutherischen Sinn. Sein Nachfolger als Domprediger, Johann Poliander, wirkte 1522 bis 1524 offen im reformatorischen Sinn. Trotz der Zustimmung, die sie in der Bevölkerung und bei manchem Klerus fanden, mussten sie bald die Stadt verlassen. Herzog Ernst der „Fromme“ von Sachsen plante nach der Eroberung Würzburgs durch die schwedischen Truppen anstelle der katholischen Academia Julia eine protestantische Fürstenschule sächsischen Typs zu errichten. Im Herbst 1633 berief er den bekannten protestantischen Theologen Georg Calixt aus Helmstedt zu diesem Zweck nach Würzburg. Aber seine Pläne wurden rasch zu nichte gemacht, als die kaiserlichen Truppen in der Schlacht von Nördlingen Anfang September 1634 die schwedischen Truppen besiegten, der Fürstbischof Franz von Hatzfeld nach Würzburg zurückkehrte und die Universität ihren Lehrbetrieb wieder aufnahm.481 In Würzburg hatte der aufgeklärte bayerische Staat 1803 versucht, die katholische Universität der Würzburger Fürstbischöfe umzuwandeln in eine aufgeklärte Universität und in der 1. Sektion für die Bildung des religiösen Volkslehrers neben der Katholischen Abteilung eine Protestantische Abteilung mit 4 Professoren errichtet. H. E. G. Paulus sollte Auslegung und Kritik, und Dogmatik vertreten, K. H. Fuchs die historischphilosophische Darstellung der religiösen Formen oder Dogmen, Chr. D. A. Martini die Geschichte des äußern religiösen Vereins und Fr. I. Niethammer die Moral, Homiletik und Katechetik. Die Organisationsakte des Erzherzogs Ferdinand vom 7.9.1809 hob diese Strukturen auf, die protestantischen Professoren wurden zum Teil in den kirchlichen (Protestantischen) Dienst übernommen. Nur Martini konnte an der Universität Altdorf unterkommen. Das Besitzergreifungspatent von König Max Joseph von Bayern vom 19.6.1814 machte dies nicht rückgängig, sodaß reformatorische/pro-testantische Theologie an der Universität Würzburg bis 1968 nicht mehr gelehrt wurde. Erst im Zuge der Einführung der „Christlichen Gemeinschaftsschule in Bayern“, die durch Volksentscheid vom 7.7.1968 gefordert wurde, war auch die Neuordnung der Lehrerbildung notwendig geworden. „Die Neuordnung der Lehrerbildung und die Eingliederung der Pädagogischen Hochschulen in die Universitäten führte dazu, dass auch an den Universitäten ohne theologische Fakultäten Lehrstühle in evangelischer Theologie für die Ausbildung evangelischer Religionslehrer eingerichtet wurden. So wurden an der Universitäten Augsburg und Bayreuth je drei Lehrstühle in evangelischer Theologie eingerichtet. An den Universitäten Bamberg, Regensburg und Würzburg werden mindestens je zwei Lehrstühle für evangelische Theologie unterhalten. An der Universität Passau wurde ein Lehrstuhl für evangelische Theologie eingerichtet. Erforderlichenfalls kann dieses Lehrangebot durch Lehraufträge ergänzt werden.“ 482 In Würzburg wurden also zwei evangelische Lehrstühle und ein Lehrstuhl 481 482

P. Baumgart: Bildungswesen und Geistesleben (ca. 1525-1814). In: Geschichte der Stadt Würzburg. Hrsg. von Ulrich Wagner. Bd.2, Stuttgart 2004.- S. 362f. Handbuch der Geschichte der Evangelischen Kirche in Bayern. Hrsg. von Gerhard Müller [u.a.]. Bd. 2: 1800-2000. St. Ottilien. 2000.- S. 401ff., hier S. 406 (hier auch die Konkordatsrechtlichen Einlassungen und die entsprechenden Änderungsverträge zum bayerischen Konkordat bzw. zu den Vereinbarungen mit der Evangelischen Kirche in Bayern); Th. Kolde: Das bayerische Religionsedikt vom 10 Jan. 1803 und die Anfänge der protestantischen Landeskirche in Bayern. Ein Gedenkblatt. In: BBKG 9,1903,97140; bes. 128f. (Würzburg; auch Univ.); Fr. Lindner: Fünfzig Jahre evangelisch-kirchlichen Lebens in Unterfrankens Hauptstadt. In: 50 Jahre Würzburger Generalanzeiger.1883-1933. S.23; K. G. Scharold: D.M. Luthers Reformation in nächster Beziehung auf das Bisthum Würzburg. Würzburg: 1824; K. G. Scharold: Ein Blick in die Geschichte der Reformation im ehemaligen Bistume Würzburg. In: AU

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für katholische Religionslehre und –pädagogik am Erziehungswissenschaftlichen Fachbereich errichtet. Der Lehrstuhlinhaber des letzteren wurde Zweitmitglied in der Theologischen Fakultät. Nach Auflösung des Erziehungswissenschaftlichen Fachbereichs am 1.10.1977 wurde der Lehrstuhl für Katholische Religionslehre und –pädagogik in den Katholisch-Theologischen Fachbereich übernommen und erhielt zusätzlich die Katechetik, die seit der Emeritierung von Professor J. Rabas am 10.11.1973, der das Seminar für Katechetik und Religionspädagogik an dem Theologischen Fachbereich leitete, nicht mehr besetzt worden war. Die beiden evangelischen Lehrstühle wurden dem Philosophischen Fachbereich III (ab 2007 in Phil. Fak. II) eingegliedert. Das Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik ist heute besetzt mit dem Lehrstuhl für Evangelische Theologie, Schwerpunkt Systematische Theologie und theologische Gegenwartsfragen und dem Lehrstuhl für Evangelische Theologie, Schwerpunkt Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts. Seit 12.11.1980 konnte die evangelische Theologie in der Honorarprofessur von Martin Elze auch Neues Testament und Kirchengeschichte in die Lehre und Forschung einbeziehen.483 Seit 18.7.2001 liest der Direktor des RudolfAlexander-Schröder-Hauses Dr. Hans-Joachim Petsch als Honorarprofessor für Erwachsenenbildung und Religionspädagogik.484 Das Fach Evangelische Theologie kann heute in Würzburg im Rahmen der Studiengänge für das Lehramt an Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen und im Magisterstudiengang als Haupt- oder Nebenfach studiert werden.485 Das Zusatzprotokoll zum Staatsvertrag zwischen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern, unterzeichnet am 13. März 2007 in München von dem Landesbischof Johannes Friedrich und dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, legt fest, daß „die beiden evangelischen theologischen Fakultäten in München und Erlangen-Nürnberg als Zentren für die evangelisch-theologische Forschung und Lehre in Bayern aufrecht erhalten werden. Die beiden Fakultäten führen das bisherige Lehrangebot, insbesondere für die Ausbildung von Volltheologen und in der Lehrerbildung fort. Die besonderen Profile und Alleinstellungsmerkmale der Fakultäten insbesondere die Kirchenmusik, Christliche Publizistik, Geschichte und Theologie des christlichen Ostens, Christliche Archäologie sowie Kunstgeschichte und in München der interdisziplinäre Brückenschlag zu den anderen Theologien bleiben erhalten. Die Lehrerbildung an den übrigen bayerischen Standorten soll gebündelt werden: Die Ausbildung im Fach evangelische Religionslehre vertieft, also für Gymnasien, soll auf die beiden Fakultäten in München und Erlangen konzentriert werden. In Augsburg, Bamberg, Regensburg und Würzburg wird die Ausbildung für das Fach in nicht vertiefter Form, also für die Grund- und Hauptschulen, Realschulen und beruflichen Schulen, belassen. Die Lehrstühle für evangelische Theologie an den Universitäten Bayreuth und Passau sollen abgebaut werden. Ferner sieht das Konzept den Abbau eines von drei Theologielehrstühlen an der Universität Augsburg unter gleichzeitiger Aufgabe der Ausbildung für das Religionslehrerlehramt an Gymnasien vor.“486 Auf der Landessynode in Ansbach am 18.4.2007 wurde das Kirchengesetz zur Ratifizierung des Zusatzprotokolls zum Staatsvertrag beschlossen.

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3,H.3,1836, 103-131; Siehe auch oben den Absatz über die Geschichte der Pädagogik; A. Schübel: Das Evangelium in Mainfranken. Geschichte einer Diaspora. München 1958 Vorlesungsverzeichnisse der Universität Würzburg; L. K. Walter: Kurze Geschichte der Teilbibliothek für die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Würzburg. Als Mskr. zusammengest. Würzburg 1988.- S. 16f. Petsch, Hans-Joachim, geb. 1945, stud. Theol. in Göttingen, Münster und München, Gemeindepfarrer in Würzburg-Heuchelhof 1974-1982, stud. Pädagogik (Schwerpunkt Erwachsenenbildung), Referent bei der Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erwachsenenbildung in Bayern (AEEB) in Tutzing 19821988, Leiter des Evangelischen Bildungszentrums Rudolf-Alexander-Schröder-Haus in Würzburg seit 1988, Dr. phil. 1993 in Würzburg; Lehrauftrag am Lehrstuhl für Evangelische Theologie II sowie am Institut für Pädagogik, apl. Prof. 2001 (Quelle: Vorlesungsverzeichnis; Internet) Vorlesungsverzeichnisse der Universität Würzburg; Vgl. 600 Jahre Universität Würzburg. In: Blick Sonderausgabe 2002. Philosophische Fakultät III. Würzburg 2002.- S. 46; Internet Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Pressemitteilung 21/2007 vom 14. Februar 2007.

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11. Der Jahresbericht des Bayerischen Obersten Rechnungshofes 1997 und die Folgen Ausgelöst durch den Jahresbericht des Bayerischen Obersten Rechnungshofes von 1997 (ORH-Bericht 1997 TNr 40: Theologie an den Universitäten in Bayern) wurden Maßnahmen beschlossen, die für die Katholisch-Theologische Fakultät in Würzburg von säkularer Bedeutung sind. Der Jahresbericht des ORH: „Angesichts der überreichlichen Ausstattung mit Personal und im Hinblick auf drastisch gesunkene Studentenzahlen sollten die seit Jahren unverändert hohen Kapazitäten im Fachbereich Theologie an den Landesuniversitäten in Bayern auf das notwendige Maß begrenzt und die Zahl der Fakultäten an den staatlichen Universitäten reduziert werden.“ Der Beschluß des Landtags vom 24. April 1998 (Drs. 13/10947, Nr. 2 i): „Die Staatsregierung wird ersucht, für eine personelle Verschlankung der Theologischen Fakultäten an den Universitäten Sorge zu tragen und hierfür einen Strukturplan zu erstellen. Die durch die Verschlankung freiwerdenden Stellen sind in andere Bereiche umzuschichten; dem Landtag ist hierüber bis spätestens 1.12.1998 zu berichten.“ Die Stellungnahme des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst vom 21. Dezember 1998 (IX/3-23/181607): „ Das Staatsministerium hat einen „Strukturplan für die künftige Entwicklung der Fakultäten für Katholische Theologie an den Staatlichen Universitäten in Bayern“ vorgelegt, der mit den Ortsbischöfen, den Universitäten und den Katholisch-Theologischen Fakultäten abgestimmt ist.487 Er sieht im wesentlichen zwar keinen Abbau einzelner Fakultäten, aber eine deutliche Reduzierung des Stellenbestands um ca. 30% (24 Professorenstellen und weitere rd. 56 zugehörige Mitarbeiterstellen, insgesamt ca. 80 Personalstellen) vor. Die bei der Theologie abgebauten Stellen sollen überwiegend in andere Bereiche der Universitäten umgesetzt werden. Ein Strukturplan für die Evangelisch-Theologischen Fakultäten konnte noch nicht abgeschlossen werden.“ Anmerkung des ORH: „Dem Anliegen des ORH ist damit zwar nicht in vollem Umfang entsprochen. Jedoch wird bei den Theologischen Fakultäten entsprechend dem Ersuchen des Landtags das Personal erheblich reduziert. Der ORH wird die Umsetzung der Strukturpläne daraufhin verfolgen, wann und wie viele Stellen der Theologie tatsächlich abgebaut werden.“ Die Konsequenzen für Würzburg laut „Strukturplan für die künftige Entwicklung

der Fakultäten für Katholische Theologie an den staatlichen Universitäten in Bayern. November 1998“:

Der Lehrstuhl für biblische Einleitungswissenschaft und biblische Hilfswissenschaften wird bei Freiwerden auf eine Professur C3 abgestuft. Der Lehrstuhl für Fränkische Kirchengeschichte wird bei Freiwerden auf eine Professur C3 abgestuft. Es wird empfohlen, diese Professur langfristig in die entsprechende Philosophische Fakultät umzusetzen.488 487

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„Das Kultusministerium erlegte der Katholisch-Theologischen Fakultät im Rahmen mehrerer Stellenkonzepte erhebliche personelle Einsparungen auf; sie sind die Folge der Evaluation des Obersten Rechnungshofes vom Januar 1997 und betreffen die Katholisch-Theologischen Fakultäten in Bayern. In mehreren Sondersitzungen erarbeitete die Katholisch-Theologische Fakultät ihr Kürzungskonzept, das von der Universitätsspitze nicht angenommen wurde. Der Universitäts-Senat beschloß auf der Sitzung vom 22.7.1998 bei künftigen Wiederbesetzungen die Lehrstühle Biblische Einleitung, Christliche Sozialwissenschaft und Kirchenrecht in C3-Professuren umzuwandeln. Bereits vorher hatte die Fakultät die C3-Professuren für Philosophie und Dogmatik nach Pensionierung der gegenwärtigen Stelleninhaber zum Einzug freizugeben. Fakultätsintern wurde die Umwandlung des Lehrstuhls Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit in eine C3-Professur für Fränkische Kirchengeschichte als Sparmaßnahme beschlossen und von der Universitätsleitung genehmigt. Der derzeitige Lehrstuhlinhaber für Fränkische Kirchengeschichte übernimmt nach Emeritierung des bisherigen Stelleninhabers die Lehre im Fach Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit“. Dekan Prof. Dr. Theodor Seidl im Jahresbericht der Katholisch-Theologischen Fakultät 1997/98, in: Blick 1997/98, S. 51 Laut Satzung zur Änderung der Studienordnung für den Diplomstudiengang Katholische Theologie an der Universität Würzburg vom 14. Dezember 2004 §1 Abs. 1b) wird der Zusatz „und Kirchengeschichte der neuesten Zeit“ gestrichen.

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Der Lehrstuhl für Kirchenrecht wird bei Freiwerden auf eine Professur C 3 abgestuft. (Laut Stellenausschreibung vom 14.3.2008: „Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg beabsichtigt, die derzeitige C 3-Professur für Kirchenrecht in einen W 3 -Lehrstuhl für Kirchenrecht umzuwandeln. Daher ist an der Katholisch-Theologischen Fakultät Würzburg der Universität Würzburg ab sofort die Stelle für eine Universitätsprofessorin/einen Universitätsprofessor W 3 zu besetzen ... Bewerbungen ... bis 30. April 2008“)489 Der Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaft wird bei Freiwerden auf eine Professur C3 abgestuft. Der Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft soll künftig im Rahmen einer Kooperation die Lehraufgaben dieses Faches auch an der Universität Bamberg wahrnehmen. In Bamberg wird für die Belange des Faches Liturgiewissenschaft eine Stelle C1 für einen wissenschaftlichen Assistenten verbleiben.490

Folgende Professuren sollen künftig entfallen:

Der Lehrstuhl für Ostkirchengeschichte und Ökumenische Theologie; zur übergangsweisen Wahrung der fachlichen Belange soll die C4-Stelle erst im Jahr 2001 eingezogen werden. Die Professur C3 für Philosophie; das erforderliche Lehrangebot in Philosophie wird künftig vom Konkordatslehrstuhl für Philosophie bereitgestellt. Die Professur C3 für Dogmatik. Der Lehrstuhl für Missionswissenschaft; für die Durchführung von Gastvorlesungen aus diesem Fachgebiet kann eine vom Ministerium aus Kap. 1528 bereitgestellte C3-Stelle bis zum Ende des Sommersemesters 2001 genutzt werden. [Ab SS 2003 wurde die Gastprofessur bezahlt vom Verein ‚Promotio Humana, Bonn‟] Das Internationale katholische Missionswerk ‚Missio‟ mit Sitz in München vertreten durch Prälat Dr. Konrad Lachenmayr und die Stiftung ‚Promotio humana‟ vertreten durch Prof. DDr. Hans Waldenfels unterzeichneten am 1. April 2004 einen Vertrag zur Errichtung eines Stiftungslehrstuhles an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Würzburg im Fach „Missionswissenschaft und Dialog der Religionen“ für fünf Jahre. Es werden 100 000 € pro Jahr bereitgestellt. Die Stiftungsprofessur bekommt neben dem Lehrstuhl eine Wissenschaftliche Mitarbeiterstelle, eine halbe Sekretärinnenstelle und eine studentische Hilfskraft, zu deren Finanzierung der Freistaat einen Teil beiträgt. Die Universität stellt Räume und Ausstattung zur Verfügung. Der Lehrstuhl wurde für zwei Jahre mit dem indischen Theologen Prof. Dr. Francis X. D‟Sa SJ als Gastprofessor besetzt. Er hielt seine Antrittsvorlesung am 15.4.2003. Im September 2004 wurde der Stiftungslehrstuhl für Missionswissenschaft und Dialog der Religionen im befristeten Angestelltenverhältnis für die Dauer von 5 Jahren nach der Besoldungsgruppe C4 ausgeschrieben. 4 Frauen und 2 Männer wurden am 20. Dezember 2004 zu Vorlesungen eingeladen.491 Der Strukturplan sieht weiter vor die Streichung von 3 Stellen für wiss. Assistenten C1 und 6 Verwaltungskräften. Mit der Unterzeichnung des Zusatzprotokolls zum Staatskirchenvertrag von 1924 durch den deutschen Nuntius Erwin Josef Ender und den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber am 21.1.2007 wurde geregelt, daß es in Passau und Bamberg keine vollen theologischen Fakultäten mehr geben wird; die Fakultäten sollen für 15 Jahre ruhen. Die Lehrerausbildung für das Fach Religionslehre in allen Schulgattungen wird durch Institute weitergeführt. Die Katholisch-Theologischen Fakultäten in Augsburg, München, Regensburg und Würzburg bleiben erhalten. Seit dem WS 2006/07 werden für das Unter489 490 491

http://www.theologie.uni-wuerzburg.de/aktuelles... Veränderungen gegenüber dem Strukturplan siehe unten. Universität Würzburg/UNI-INTERN 9/2003; Internet/Universität Würzburg/Lehrstuhl für Missionswissenschaft; Main-Post 21.3.2003, S. C4; Main-Post vom 2.4.2004

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richtsfach „Katholische Religionslehre“ keine Studienanfänger mehr in der Universität Bayreuth zugelassen.492 Prof. Dr. Wolfgang Klausnitzer, Professor für Fundamentaltheologie in Würzburg, hält auch noch Vorlesungen in Bamberg. Inzwischen gibt es neue Überlegungen z. B. in Bamberg zum Promovendenaustausch mit der Katholisch-Theologischen Fakultät in Erfurt.493 Auch weitere Vorstellungen des Strukturplanes sind inzwischen revidiert und umgeändert worden; so wurde z. B. Kirchenrecht wieder als ordentlicher Lehrstuhl eingerichtet und Professor Hallermann ab 27.3.2009 wieder Ordinarius. 12. Die Seminarbibliotheken der Katholisch-Theologischen Fakultät. Bei der Errichtung der Seminarien im 19. Jahrhundert wurde fast immer auch die Bibliothek und ihre finanzielle Ausstattung erwähnt: Bereits 1861 unter Hettinger das Homiletische oder Prediger-Seminar, das Kirchengeschichtliche Seminar (1884), das Patristische Seminar (1885), das Exegetische Seminar (1896/97), das Apologetische Seminar (1901), das Dogmatische Seminar (1906) und 1918 das Moraltheologische Seminar. Ab 1896 wurde die Katholisch-Theologische Fakultät in der „Neuen Universität“ am Sanderring untergebracht: „In den an den Mittelbau nach Südwest und Nordost sich anschließenden Flügeln sind ... die Lehrräume der Theologischen Fakultät, bestehend aus drei Hörsälen für im ganzen 300 Hörer, zwei Seminarien mit den Bibliotheken für die Arbeiten der Professoren und Studenten, sowie drei Sprech- und Aufenthaltsräume für die Dozenten untergebracht.“ 494 Die zu den Seminarien gehörenden Buchbestände können nicht umfangreich gewesen sein, waren jedoch immer fachlich aufgeteilt. Trotz räumlicher Nähe gab es keine gemeinsame Bibliothek. In der Bombennacht des 16. März 1945 wurden auch die theologischen Vorlesungsräume und Seminare mit den Bücherbeständen zerstört. „ ... sind die Büchereien der Seminare der Theologischen Fakultät (Apologetisches Seminar, Patristisches Seminar, Seminar für neutestamentliche Exegese, Seminar für Alttestamentliche Exegese, Kirchenrechtliches Seminar, Dogmatisches Seminar, Kirchenhistorisches Seminar, Seminar für Christliche Kunstgeschichte, Homiletisches und Moraltheologisches Seminar, Missionswissenschaftliches Seminar) mit allen Akten der letzten zwei Jahrhunderte ... samt den Einrichtungsgegenständen völlig verbrannt.“ 495 Die nach dem Zweiten Weltkrieg durch Geschenk oder Kauf neu erworbenen Bände wurden ab dem 10. August 1946 in ein gemeinsames Inventar eingetragen. Der Wiederaufbau vollzog sich mühsam, aber kontinuierlich. Zunächst konnten die Seminare nur verstreut über die Stadt wiedererrichtet werden. Doch auch als sie zum größten Teil wieder in das Hauptgebäude am Sanderring einziehen konnten, blieb jene oftmals beklagte Situation, dass die Bibliotheken in den gleichen Räumen, in denen Seminarveranstaltungen stattfinden mussten, untergebracht waren. Trotz mehrerer Anläufe (z. B. 1979 und 1984) eine gemeinsame Fakultätsbibliothek zu schaffen, wie z. B. in den neuen bayerischen Universitäten Regensburg und Augsburg, gelangen lediglich gewisse Konzentrationen, indem die Kirchenhistorischen Fächer mit der Gesamtbibliothek, die biblischen Fächer und Dogmatik mit Fundamentaltheologie zu Zentren mit gemeinsamer Aufsicht zusammengefasst wurden. Nach der Zerstörung 1945 begann man zunächst mit einer gemeinsamen Erwerbung und mit einem gemeinsamen Inventar. „Zum Aufbau einer theologischen Seminarbibliothek der FakulUniversität Bamberg, Kontakt, Impressum [16656], zuletzt geändert am 21.03.2007 von Ulrich Bauer; Bayerische Staatskanzlei, Presseinfo vom 7. Novenber 2006; Erzbistum Bamberg, Pressestelle des EB Bamberg, Information: Stellungnahme des Erzbischöflichen Ordinariats Bamberg vom 10.11.2006 493 http.//www.uni-bamberg.de/ktheo 494 A. Dyroff: Das neue Universitätsgebäude der Kgl. Bayer. Julius-Maximilians-Universität zu Würzburg., dessen Baugeschichte und Einweihungsfeier. Würzburg 1897.- S. 122 495 Würzburger Chronik des denkwürdigen Jahres 1945. Hrsg. Von H. Oppelt. Würzburg 1947, zitiert Prof. Dr. F. Pfister S. 61; Vgl. L. K. Walter: Kurze Geschichte der Teilbibliothek für die KatholischTheologische Fakultät der Universität Würzburg seit 1945. Würzburg 1988 492

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tät wurden Kontakte nach Italien und in die Schweiz geknüpft. Die Verwaltung der Bibliothek übernahm Prof. Stegmüller, den Erwerb Prof. Hagen. Der Theatersaal in Mariannhill diente als Bibliotheksraum. Auch für die Theologische Seminarbibliothek erschien ein Aufruf im Diözesanblatt. Gesucht wurden alle zentralen theologischen Werke, angefangen vom ‚Lexikon für Theologie und Kirche‟, über die wichtigsten Quellenausgaben der Kirchenväter oder des Thomas von Aquin bis hin zu den bedeutendsten theologischen Zeitschriften (Theologische Quartalschrift, Stimmen der Zeit). Die Geistlichen wurden gebeten, theologische Literatur mit Preisangaben zum Kaufe anzubieten. 1947 übernahm Prof. Hasenfuß die Aufgabe der Verwaltung der Bibliotheksgeschäfte, ab Wintersemester 1948 war die Betreuung der Bibliothek in den Händen von Dr. Jörg. Zu Beginn des Wintersemesters 1950/51 konnte die Fakultätsbibliothek wieder in die Neue Universität am Sanderring und zwar in die Räume des heutigen Biblischen Instituts (mit etwa 4120 Bänden) überbracht werden.“ 496 Aber 1957 sah die Praxis so aus, daß die Buchbestellung durch die Seminare erfolgte und Bucheingang und Inventarisierung zentral im Dekanat erledigt wurde. Anschließend wurden die Bücher auf die zwölf Seminare aufgeteilt und dort katalogisiert, mit einer extra Karteikarte für eine „Gesamtkartei“. Von der Fakultätsbibliothek blieb als Rest die „Gesamtbibliothek der theologischen Seminare“ mit den Allgemeinen Lexikas und den disziplinenübergreifenden allgemeinen theologischen Werken und Zeitschriften. Nach dem Tod von Landrat a. D., Dr. theol. h.c., Dr. jur. utr., Dr. phil. Peter Joseph Jörg 1958 führte die Bibliotheksgeschäfte Prof. Dr. Theobald Freudenberger weiter zusammen mit Frau Edith Zimmermann. Nach der Emeritierung Freudenbergers am 1.4.1972 folgte Prof. Dr. Georg Langgärtner; nach dessen frühem Tod 1987 wurde von der Fakultät Prof. Dr. Hans-Josef Klauck als Bibliotheksbeauftragter benannt. Prof. Klauck wechselte 1997 nach München und Prof. Otmar Meuffels wurde Bibliotheksbeauftragter der Fakultät. Mit der Errichtung neuer Lehrstühle erfolgte auch deren Unterbringung außerhalb des Hauptgebäudes am Sanderring. Die Fakultät beschloß am 2.2.1970, in Zukunft die Inventare getrennt nach Seminaren und in den einzelnen Seminaren führen zu lassen. Damit gab es auch keine gemeinsame Erwerbung mehr und die Bücher wurden mit den jeweiligen Seminarbezeichnungen gestempelt statt wie bisher mit „Gesamtbibliothek der Theologischen Fakultät“. Ein gemeinsamer Alphabetischer Zettelkatalog befand sich im Aufbau und wurde schließlich vollendet im Vollzug des Bayerischen Hochschulgesetzes von 1973. Auch die Struktur der Fakultät hatte sich geändert. Die Universität gliederte sich in Fachbereiche, der Fachbereich in Institute, denen die Lehrstühle zugeordnet sind. Ausgewiesen wird auch die „Teilbibliothek für den Fachbereich Theologie“. Im Vollzug des Hochschulgesetzes von 1973 ernannte der Präsident der Universität Würzburg, Prof. Dr. Theodor Berchem, den Bibliotheksrat Dr. theol. Ludwig K. Walter am 11.11.1975 zum Fachreferenten für die „Teilbibliothek Theologie, Philosophie und Psychologie“ mit der Aufgabe: „Sie werden gebeten, die Belange dieser Teilbibliothek wahrzunehmen“. Etwa gleichzeitig, am 17.11.1975, benannte der Fachbereich den vom Hochschulgesetz vorgesehenen Bibliotheksbeauftragten, Prof. Dr. Georg Langgärtner, seit WS 1971/72 als Vorstand der Gesamtbibliothek. Die Angestellten der Gesamtbibliothek wurden in den Stellenplan der Universitätsbibliothek, die nun die Verantwortung für sämtliche Buchbestände der gesamten Universität übertragen bekam, übernommen und im Dezember 1975 wurde der Teilbibliothek mit Herrn Bibliotheksinspektor Rudolf Stahr die erste bibliothekarische Fachkraft im gehobenen Dienst zugewiesen, dessen oberste Aufgabe es war, die in den einzelnen Lehrstühlen erworbenen Bücher zu katalogisieren und so einen funktionsfähigen „Gesamtkatalog der theologischen Lehrstühle und Institute“ zu erstellen. In den einzelnen Seminarbibliotheken wurden eigene Standortkataloge geführt. 1969 begann die Universitätsbibliothek mit dem Aufbau des „Gesamtkatalogs der Institute“. Dieser Katalog sollte in einem einheitlichen Format sämtliche Titelkarten aller Seminare, Institute und Kliniken der Universität Würzburg verzeichnen. Dies kam auch dem „Gesamtkatalog der Theologischen Institute und Seminare“ (so bezeichnet seit 496

W. Weiß: Wiedereröffnung und Wiederaufbau der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg nach dem II. Weltkrieg. In: Die Universität Würzburg in den Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Peter Baumgart. Würzburg 2002.- S. 73-97, hier S. 88f.

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1971) zugute, denn die in DIN A6 vorhandenen Karteikarten der „Gesamtkartotek“ der Fakultät wurden verkleinert und so auf das neue IFK-Format gebracht. Seit 1982 wurden die Bestände der Theologischen Fakultät von der bibliothekarischen Fachkraft nach RAK-WB katalogisiert, alte Ansetzungen umgearbeitet und so ein modernes Instrumentarium geschaffen. Der nächste Schritt war die Herstellung der Kataloge der Universitätsbibliothek auf Mikrofiche, die dann ab 1983 auch in der Theologischen Teilbibliothek zur Verfügung standen. Ausgehend von dem Wunsch des Lehrstuhls für Kath. Religionslehre und –pädagogik, die in EDV-Form angebotenen Daten der Religionspädagogischen Jahresbibliographie mit den Daten der eigenen Bibliothek zusammen anbieten zu können, wurde am Lehrstuhl ein eigenes Datenformat entwickelt. Dieses EDV Programm fand auch Verwendung bei der Katalogisierung der übrigen Lehrstühle, aber nur zur Erstellung der Katalogkarten. Seit Juni 1990 erfolgte die Katalogisierung mit dem PC-Programm LARS, zunächst ebenfalls nur für die Erstellung der Katalogkarten verwendet. Mit der Einführung des Bayerischen Verbundkatalogs 1994 wurden die mit LARS erfassten Daten in das Datenformat des BVB (Bibliotheksverbund Bayern) überführt und sukzessive auch die Daten aus dem älteren System. Seit 1995 erfolgte der systematische Ausbau des Online Public Access Catalogue (OPAC) nicht nur für die Gesamtuniversität Würzburg, sondern auch für die Bibliotheksbestände aller bayerischen Universitäten, der Staatlichen Bibliotheken in Bayern und vieler kirchlicher und sonstiger Bibliotheken in Bayern (BVBOPAC). Das Angebot erfolgt über das Internet. Diese katalog- und verwaltungstechnischen Maßnahmen konnten nichts daran ändern, daß die Seminarbibliotheken separat bei den einzelnen Lehrstühlen aufgestellt blieben und die Räume gleichzeitig für Seminarübungen und Bibliotheksbenützer dienten. Es konnten gewisse Konzentrationen geschaffen werden: Die bibelwissenschaftlichen Bestände, die Fundamentaltheologie mit der Dogmatik und die kirchengeschichtlichen Bibliotheken mit der Gesamtbibliothek; diese drei Einheiten erhielten je eine Bibliotheksaufsicht und gemeinsame Bibliotheksöffnungszeiten. Fast das gesamte Institut für Praktische Theologie wurde im Frühjahr 2008 zusammengeführt. Am 25.6.2008 segnete Bischof Friedhelm Hofmann von Würzburg die neuen Räume am Paradeplatz 4 in Würzburg. Die Lehrstühle, Seminarräume und Bibliotheken von Religonspädagogik mit Katechetik (vom Wittelsbacher Platz1), Kirchenrecht (aus der Ottostraße 16), Missionswissenschaft und Liturgiewissenschaft (vom Sanderring 2) zogen in das Telekom-Gebäude am Paradeplatz 4 Der Umzug ist gedacht als Übergangslösung bis zur gänzlichen Zusammenführung aller theologischen Lehrstühle.497 Der Lehrstuhl für Pastoraltheologie, mit Seminar und Bibliothek, erhielt nach einer Zwischenstation im Valentinum der Franziskaner im Priesterseminar (Zugang Neubaustraße 11) neue Räumlichkeiten. Mit dem Umzug der Liturgiewissenschaft in das TelekomGebäude erhielt die große Bibliothek des früheren Ostkirchlichen Lehrstuhls, jetzt als Fachvertretung geführt, die Möglichkeit deren Räume zu belegen und damit in die unmittelbarer Nähe zu den kirchengeschichtlichen Bibliotheken zu kommen. Moraltheologie verblieb zunächst noch im Verfügungsbau am Sanderring 2, bezog dann aber im Frühjahr 2009 auch Räume am Paradeplatrz 4/III; Christliche Sozialwissenschaft verließ den JosefStangl-Platz 2 und ist seit dem 19.10.2009 am Paradeplatz 4/I zu erreichen. In den letzten Jahren wurde begonnen, einzelne Seminarbibliotheken neu aufzustellen und nach der sog. Regensburger Systematik zu ordnen; mit der positiven Konsequenz, dass die Bestände dieser Bibliotheken nun ganz im Online-Katalog zur Verügung stehen. Die restlichen Seminarbibliotheken sollen folgen. Auf Wunsch des Fachbereiches wurde im Jahr 1976 der Katalog des Ostkirchlichen Instituts der Augustiner im Steinbachtal in Würzburg in den Gesamtkatalog Theologie eingearbeitet. Seitdem sind die Bestände dieses, jetzt „An-Institutes“, im allgemeinen OnlineKatalog verzeichnet.

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WükSoBl 20.7.2008, S. 10; Main Post 27.6.2008, S. 36

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13. Wichtige staatskirchenrechtliche Vereinbarungen für die Theologischen Fakultäten in Deutschland bzw. Bayern 498 1. Das Konkordat vom 5. Juni 1817 (GVBl für das Königreich Baiern, 1818, Stück XVIII) (H. Ammerich: Das Bayerische Konkordat 1817. Weißenhorn 2000.- S. Iff.) 2. Bayerisches Konkordat. Vom 29. März 1924 (BayGVBl. 1925 S. 53) (Weber I, S. 40ff.; Listl I, S. 287ff.)499 - Art. 3 § 2. Die Ernennung oder Zulassung der Professoren oder Dozenten... - Art. 4 § 1. Der Unterricht an den Theologischen Fakultäten... 3. Konkordat zwischen dem Hl. Stuhl und dem Deutschen Reiche vom 20. Juli 1933, ratifiziert am 10. September 1933. (Weber I, S. 12ff.) - Artikel 19: Staatliche Theologische Fakultäten - Artikel 20: Kirchliche philosophisch-theologische Lehranstalten. Kirchliche Seminare und Konvikte - Artikel 21: Katholischer Religionsunterricht 4. Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Bayern zur Änderung und Ergänzung des Bayerischen Konkordats vom 29. März 1924, geändert durch Vertrag vom 7. Oktober 1968. Vom 4. September 1974 (Listl I, S. 405ff. - Erläuterungen zum Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Bayern zur Änderung und Ergänzung des Bayerischen Konkordats vom 29. März 1924, geändert durch Vertrag vom 7. Oktober 1968. Vom 4. September 1974 mit Anlagen I bis III. (Listl I, S. 391ff.) - Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Bayern zur Änderung und Ergänzung der Artikel 5 und 6 des Bayerischen Konkordats vom 29. März 1924. Vom 7. Oktober 1968 (Listl I, S. 386) 5. Vertrag vom 7. Juli 1978 zur Änderung des Bayerischen Konkordats vom 29. März 1924. (Listl I, S. 447ff.) 6. Bereinigte Fassung des Bayerischen Konkordats und des Schlussprotokolls. Stand 1.7.1987 (Listl I, S. 474ff.) 7. Zusatzprotokoll zum Staatskirchenvertrag von 1924; unterzeichnet vom deutschen Nuntius Erwin Josef Ender und dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber am 19. Januar 2007. 8. Vertrag zwischen dem Freistaat Bayern und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zur Änderung des Vertrages zwischen dem Bayerischen Staate und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern vom 15. November 1924. Vom 10. Juli 1978 (Listl I, S. 578ff.) 9. Bereinigte Fassung des Vertrags zwischen dem Bayerischen Staate und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Stand 1.7.1987 (Listl I, S. 604ff.) 10. Zusatzprotokoll zum Staatskirchenvertrag zwischen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern und dem Freistaat Bayern, unterzeichnet von Landesbischof Johannes Friedrich und dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber am 14. März Literatur in Auswahl: Handbuch des katholischen Kirchenrechts. Hrsg. von Joseph Listl, Hubert Müller, Heribert Schmitz. Regensburg 1983 [Darin: Georg May: Die Hochschule. S. 605ff.]; Handbuch der Geschichte der Evangelischen Kirche in Bayern. Hrsg. von Gerhard Müller [u.a.]. Bd. 2: 1800-2000. St. Ottlien. 2000.- S. 401ff. (hier auch die Konkordatsrechtlichen Einlassungen und die entsprechenden Änderungsverträge zum bayerischen Konkordat bzw. zu den Vereinbarungen mit der Evangelischen Kirche in Bayern); W. Weber: Die deutschen Konkordate und Kirchenverträge der Gegenwart. Göttingen Bd. 1. 1962, Bd. 2. 1971; J. Listl: Die Konkordate und Kirchenverträge in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin 1987; M. Heckel: Die theologischen Fakultäten im weltlichen Verfassungsstaat. Tübingen 1986 (Ius Ecclesiasticum; 31) 499 Vgl. dazu: vgl. Dazu Brander, Vitus – Bendel, Franz Josef(† ): Drei Abhandlungen zur Rechtsfrage der auf dem Konkordat vom Jahre 1817 beruhenden Verpflichtungen des Bay. Staates an das Bistum Würzburg. Das Würzburger Domkapitel seit dessen Wiedererrichtung im Jahre 1821.- Die auf dem Konkordat vom Jahre 1817 beruhenden Verpflichtungen des Bayerischen Staates an das Bistum Würzburg.- Die Verhandlungen über die feste und bleibende Ausstattung des Bistums Würzburg und über die Durchführung von Art. IV. des Bayerischen Konkordates von 1817. In: WDGL 16/17,1954/55,1103 498

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2007 in München. [tritt in Kraft mit Beginn des Studienjahres 2007/2008; Studierende können ihr Studium dort beenden, wo sie es begonnen haben]. Als „Kirchengesetz zur Ratifizierung des Zusatzprotokolls zum Staatsvertrag“ erfolgte die Zustimmung durch die Landessynode auf ihrer Sitzung in Ansbach am 18.4.2007. 11. Gemäß Art. 56 Abs. 7 des BHSchG und nach Art. 3 § 4 des Bayerischen Konkordates wirkt die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Würzburg mit an den Berufungsverfahren an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität ErlangenNürnberg.500 Zu den Philosophisch-Theologischen Hochschulen: Vgl. RGG2 I, 821-824 (S. Merkle zu den bayerischen Phil.-Theol. Hochschulen); III, 384; LThK2 5, Sp. 405ff.; LThK3 5, Sp. 184ff. Vor Eingliederung der Phil.-Theol. Hochschulen in die Universitäten in Bayern erschienen die genehmigten Satzungen: Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus über die Satzung der staatlichen phil. theol. Hochschulen in Bayern, vom 29. September 1959 Nr. V 82 529. Amtsblatt des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus 1959, S. 385-391 (abgedr. In: Archiv für katholisches Kirchenrecht 129,1960,261-267) 14. Die Theologische Fakultät und das Priesterseminar In fast allen Synoden des Mittelalters ging es auch um die Reform des Klerus. Sittenlosigkeit (u.a. Nichtbefolgung des Zölibats) und Ungebildetheit waren die Hauptanklagepunkte und doch änderte sich auch bei noch so niedrig angesetzten wissenschaftlichen Anforderungen (für den Seelsorgeklerus) kaum etwas Entscheidendes. Die ursprüngliche Form, dass der Bischof als in den Artes Gebildeter und in der Theologie belesener Mann dies auch an seine Presbyter und Diakone weitergab, verfestigte sich in der Bildung von mal mehr, mal weniger erfolgreichen Domschulen und nachgebildet in den späteren Stiftsschulen. Doch diese Schulen in der Stadt brachten nicht den gebildeten Seelsorgeklerus hervor, der so dringend benötigt wurde. Je mehr der Adel sich der Dom- und Stiftskapitel, z. T. mit den neu entstehenden reichen Bürgern, bemächtigte, desto mehr wurde die Ausbildung des breiten Landseelsorgeklerus aufs Land gedrängt bzw. in die städtischen Elementar- und Lateinschulen. Die im 12. Jahrhundert aufkommenden Universitäten wirkten dem nicht entgegen. „Eine Tatsache ist vorneweg hervorzuheben: Die Theologischen Fakultäten an den Universitäten dienten nicht der Ausbildung der normalen Seelsorgegeistlichkeit; sie war vielmehr denen vorbehalten, die akademische Grade erlangen wollten. ... die eigentlichen Pflanzstätten der Kleriker waren die Lateinschulen und die Häuser der Geistlichen... Die Anforderungen für die Zulassung zu den Weihen waren nicht allzu groß... Wenn der Bischof den Termin für die Weihen angesetzt hatte, so mussten sich die Bewerber einige Tage vorher in der Bischofsstadt einfinden und einer Prüfung 500

„Die Vorschlagslisten für die Ernennung oder Bestellung von Professoren der Theologie, Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichtes werden von dem theologischen Fachbereich des gleichen Bekenntnisses der nächstgelegenen Hochschule erstellt, wenn an der Hochschule kein theologischer Fachbereich des gleichen Bekenntnisses besteht. Die vorhandenen Professoren der Theologie, Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichtes gehören den jeweiligen Berufungsausschüssen dieser Fachbereiche der nächstgelegenen Hochschule an. Art. 3 § 4 des Konkordats mit dem Heiligen Stuhl bleibt unberührt“. BayHSG Art. 56 Abs. 7 vom 2. Oktober 1998 (GVBl S. 740, geändert durch Gesetze vom ... 9. Juli 2003 (GVBl. S. 419. 427); Handbuch des katholischen Kirchenrechts. Hrsg. von Josph Listl, Hubert Müller, Heribert Schmitz. Regensburg 1983 [Darin: Georg May: Die Hochschule. S. 605ff.]; W. Weber: Die deutschen Konkordate und Kirchenverträge der Gegenwart. Göttingen Bd. 1. 1962, Bd. 2. 1971; J. Listl: Die Konkordate und Kirchenverträge in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin 1987; M. Heckel: Die theologischen Fakultäten im weltlichen Verfassungsstaat. Tübingen 1986; I. Schröder: Die staatlichen philosophisch-theologischen Hochschulen in Bayern von 1923 bis 1978. Phil. Diss. München 21.7.2003. München 2004.- 209 S.

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unterziehen. Sie wurden befragt über Abstammung, Leben, Heimat, Alter, Erziehungsstätte sowie darüber, ob sie die für die Weihe bzw. das Amt nötigen Kenntnisse besäßen. Zu den nötigen Kenntnissen gehörten – allerdings wurden nach Ort und Zeit unterschiedliche Anforderungen gestellt – eine gewisse Fertigkeit im Latein, um die Bibel und die liturgischen Texte verstehen zu können, ein Mindestwissen über die Sakramente und ihre Verwaltung, Kenntnisse im liturgischen Gesang, im Umgang mit dem Kalender und die Fähigkeit zur Verkündigung an den Festen sowie zur Erklärung von Vaterunser, Glaubensbekenntnis und zehn Geboten in der Volkssprache.“ 501 Selbst wenn Johann von Egloffstein mit seiner Universitätsgründung von 1402 eine Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten des Seelsorgeklerus im Sinn gehabt hätte, so machte deren kurze Existenz jeden Ansatz zunichte. Doch die allgemein aufblühenden Universitäten, der im 15. Jahrhundert sich ausbreitende Humanismus, aber auch die Askese und Spiritualität beeinflussende Mystik und „Devotio moderna“ förderten den Willen und die Möglichkeiten Reformen und Reformation durchzusetzen.502 Und im klösterlichen Bereich gewann die Bursfelder Reform, gefördert von Nikolaus von Kues und Johannes Trithemius, auch für den Würzburger Sprengel nicht unbedeutenden Einfluß.503 Das Tridentinische Konzil tat sich anfangs schwer, aus den üblichen Gleisen der Klerusbildung herauszukommen. Zunächst erneuerten die Dekrete nur Allbekanntes, was bisher ohne nennenswerten Erfolg blieb. Erst in der 3. Periode des Konzils entstand das Seminardekret vom 15. Juli 1563, das in seiner Wirkungsgeschichte zu mehr Erfolg führte: „Mit dem Seminar des Trienter Dekretes war zum ersten mal in der Geschichte der Kirche eine Institution geschaffen, die dem Diözesanklerus eine solche gediegene Ausbildung ermöglichen konnte. Freilich, von einem Zwang zum Eintritt in das Priesterseminar spricht das Dekret an keiner Stelle.“ 504 501

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Kl. Ganzer: Das Trienter Konzil und die Errichtung von Priesterseminarien. In: Mit der Kirche auf dem Weg. Würzburg 1989.- S.12f; C. Braun: Geschichte der Heranbildung des Klerus in der Diöcese Wirzburg seit ihrer Gründung bis zur Gegenwart. Mainz 1897; G. Braun: Epistola de miseria curatorum seu plebanorum. In: Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte 22,1916,27-42. 66-78; E. Bünz: "nichts dann muhe, arbeit, ellend und durftigkeit". Über die Lage der Pfarrgeistlichkeit im Bistum Würzburg zur Zeit der Reformation. In: Kirche und Glaube, Politik und Kultur in Franken. Festgabe für Klaus Wittstadt. In: WDGBl 62/63,2001,327-360; Mit der Kirche auf dem Weg: 400 Jahre Priesterseminar Würzburg 1589-1989. Hrsg. von Karl Hillenbrand und Rudolph Weigand. Würzburg 1989; E. Soder von Güldenstubbe: Zwei Seminarchroniken zum Vergleich. In: Mit der Kirche auf demWeg. 1989.- S. 69-122; K. Staab: Fürstbischof Julius und die Stiftung des Geistlichen Seminars. In Julius Echter von Mespelbrunn. Würzburg 1917.- S. 57-85 Kl. Ganzer: Das Trienter Konzil und die Errichtung von Priesterseminarien. In: Mit der Kirche auf dem Weg. Würzburg 1989.- S. 13f.: „So ist es verständlich, dass das geistige und geistliche Niveau vieler Kleriker zusammen mit einem oft alles andere als geistlichen Lebenswandel in einer Zeit, in der im Zuge des Humanismus zahlreiche Laien sich eine beachtliche Bildung aneigneten, als unzureichend und anstößig empfunden wurden. Endlose Klagen und ein oft beißender Spott der Humanisten waren die Folge. Es ist auch verständlich, dass ein solcher Klerus den Herausforderungen der Reformation großenteils nicht gewachsen war.“ Die „Devotio moderna“, die moderne Frömmigkeit verfolgte praktische persönliche Frömmigkeit, in der das Lesen der Heiligen Schrift und die Nachahmung Christi die zentralen Punkte bildeten und nicht die theoretisierende Scholastik. Auch wenn eine Gemeinschaft wie die „Brüder vom gemeinsamen Leben“, die die Devotio moderna in der ländlichen Pastoral stark mittrugen, in Würzburg keine Niederlassung hatten, so sind doch bekannte Vertreter wie Johannes Gerson (aus Heidelberger Zeit), Thomas von Kempen (Imitatio Christi) oder die asketisch-mystischen Schriftsteller wie etwa Matthäus von Krakau, Nikolaus von Dinkesbühl, Heinrich von Langenstein u.a. in Würzburg nicht unbekannt. Vgl. L. K. Walter: Zur Spiritualität der Brüder vom gemeinsamen Leben. In: WDGBl 58,1996,109-140; M. Grabmann: Die Geschichte der katholischen Theologie seit dem Ausgang der Väterzeit. Freiburg i.Br. 1933.- S. 122ff. Mitglieder waren etwa Würzburg-St. Stephan seit 1459, Aura a.d.S. seit 1469, Schwarzach seit 1480, Würzburg-St. Jakob seit 1513; Fr. J.Bendel: Reformdekret des Kardinallegaten Nikolaus von Kues für das Bistum Würzburg vom Jahre 1451. In: WDGBl 1,1933,56; Kl. Arnold: Johannes Trithemius (14621516). Würzburg 1971, 2. Aufl. 1991; Kl. Ganzer: Zur monastischen Theologie des Johannes Trithemius. In: HJ 101,1981,84-421; W. Romberg: Johann Trithemius (1462-1516), Humanist und Magier, Schottenabt zu Würzburg. In: Frankenland 52,2000,184-191; A. Ruland: Johannes Trithemius. In: Chilianeum. N.F. 1,1869,44-62, 112-121 Kl. Ganzer: Das Trienter Konzil und die Errichtung von Priesterseminarien. In: Mit der Kirche auf dem Weg. Würzburg 1989.- S. 20; E. Hegel: Die Situation der deutschen Priesterausbildung um die Wenden vom 18. zum 19. Jahrhundert. In: Kirche und Theologie im 19. Jahrhundert. Hrsg. von G. Schwaiger. Göttingen 1975.- S. 25-39, hier S. 28: „Das Konzil von Trient hat erstmals einer vom Bischof organisierten und geleiteten diözesanen Priesterausbildung das Wort geredet (Sessio XXIII cap. 18 de ref.),

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Seit Julius Echter erfolgte die Priesterausbildung in Würzburg einerseits im Priesterseminar und andererseits in der Theologischen Fakultät an der Universität. Dieses Nebeneinander führte immer wieder zu Spannungen und auch Rivalitäten. Schon der Umstand, daß Echter die Leitung des Priesterseminars keineswegs den Jesuiten – sie stellten die Professoren in der Theologischen Fakultät - allein übertrug, sondern seinen (den bischöflichen) Einfluß durch die Protektoren laut den Statuten von 1575 einbrachte und die Inspektoren/Direktoren dem Seminarregens und seinen Präfekten vorsetzte, enthielt genügend Irritationen. Es blieb nicht aus, daß die Jesuiten bald (1595) die Leitung des Priesterseminars niederlegten und nur mit Mühe wieder die Leitung übernahmen. Die Lage blieb gespannt, bis Johann Gottfried von Aschhausen (1617-1622) dem Rektor aus dem Jesuitenorden 1618 wesentlich größere Rechte einräumte. Doch nach dem Dreißigjährigen Krieg bemühten sich die Jesuiten „nach manchen früheren bitteren Erfahrungen“ nicht mehr um die Leitung des Seminars. Der Fürstbischof übergab die Seminarleitung 1654 gegen manche Anfeindungen des Welt- und Ordensklerus den Priestern aus dem Holzhauserschen Instituts. Ab 1693 wurde denn das Regentenamt nur mehr Diözesanklerikern übertragen; ihnen wurde die bessere Einführung in die Seelsorge zugetraut.505 Die grundsätzlichen Spannungen zwischen dem Seminar, das dem Bischof unterstand, und der (jesuitisch geprägten) theologischen Fakultät nahmen Ende des 17. Jahrhunderts mit Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg (1684-1698) und seinen episkopalistischen Ideen besondere Dimensionen an „weil im Seminar die theologischen, asketischen und pastorellen Grundsätze der Jesuiten offen bekämpft wurden.“ 506 An dem berühmten Kanonisten in der Juristischen Fakultät Johann Caspar Barthel und seiner Regentenzeit im Priesterseminar von 1727 bis 1748 scheiden sich noch heute die Geister. C. Braun nahm die frühere Schilderung Zirkels über Barthel zum Anlaß, zu beschreiben, welcher Geist aus den aufklärerischen Ideen und der Anhängerschaft Barthels an Febronius sprach: „Aus dieser Schilderung (Zirkels) ist ersichtlich, wie stark, berauschend und nachwirkend das Gift war, welches von Barthel dem Alumnat eingeflöst wurde. Die zersetzenden Wirkungen blieben nicht aus, und Zirkel, der Lobredner Barthels, hat sie später am schwersten empfunden aber auch wieder zu heilen gesucht.“ 507 Der spätere Kanonist und Regens Rudolf Weigand (Regens

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aber es hat kein Pflichtseminar geschafffen, das jeder Priesterkandidat durchlaufen musste. Unsere heutigen Priesterseminare sind keine tridentinischen Seminare, wohl haben sie sich daraus entwickelt“. Würzburg ordnet 1785 einen zweijährigen Seminarbesuch an; Priesterausbildungsstätten der deutschsprachigen Länder zwischen Aufklärung und zweitem Vatikanischen Konzil. Mit Weihestatistiken der deutschsprachigen Diözesen. Hrsg. von Erwin Gatz. Rom [u.a.] 1994: Würzburg S. 230ff. [Darin: Kl. Ganzer: Theologische Fakultät der Universität Würzburg. S. 230-233; R. A. Müller: Theologische Lehranstalt Aschaffenburg. S. 234; E. Gatz: Priesterseminar. S. 235-236; E. Gatz: Knabenseminare. S. 237238] M. Arneth: Das Ringen um Geist und Form der Priesterbildung im Säkularklerus des 17. Jahrhunderts. Würzburg: 1970; R. Weigand: Die Leitung des Priesterseminars Würzburg von 1575 bis 1700. In: Julius Echter und seine Zeit. Hrsg. von F. Merzbacher. Würzburg 1973.- S. 375-392; R. Weigand: Bischof und Presbyterium. In: WDGBl 50,1988,225-249; R. Weigand: Das Verhältnis des Priesterseminars Würzburg zur Theologischen Fakultät. In: Mit der Kirche auf dem Weg. 1989.- S. 123-146; A. Werminghoff: Zur Epistola de miseria curatorum seu plebanorum. In: Beiträge zur bayer. Kirchengeschichte 22,1916,145164; Kl. Wittstadt: Zur Gründungsgeschichte des Priesterseminars Würzburg. In: Mit der Kirche auf dem Weg. 1989.- S. 25-50; Braun II, S. 102ff. R. Weigand: Das Verhältnis des Priesterseminars Würzburg zur Theologischen Fakultät. In: Mit der Kirche auf dem Weg. 1989.- S. 123, zitiert nach Braun II, S. 189 Braun II S. 221f. mit Anm. 2; Braun empfand das Lob Zirkels auf Barthel so, „daß Zirkel damit beim F.B. Franz Ludwig sich als tauglichen Mann im Sinne des F. B. beweisen wollte d. h. als Aufklärer und Anhänger des Febronianismus, beides in mäßiger Weise“. Daß Zirkel in seinem philosophischen und theologischen Denken in weitestem Umfang vom ‚modernen‟ Geist geprägt war, betonte auch A. Fr. Ludwig: „aus seinen Tagebuchaufzeichnungen läßt sich eine vollständige katholische Dogmatik nach Kantischem Rezept zusammenstellen“ und stellte fest „Zirkel ist Deist“. Diese Gesinnung eröffneten Zirkel aber auch die protestantischen Kreise. „Unterdessen war Zirkel trotz seiner klugen Zurückhaltung als geistvoller Theologe der modernen, ‚philosophischen‟ Richtung in Norddeutschland bekannt geworden. Die äußerst günstigen Besprechungen, die in norddeutschen Literaturblättern über seine Predigten für die aufgeklärten Stände und seine beiden exegetischen Schriften erschienen waren, sowie die Empfehlungen seiner gleichgesinnten Würzburger Freunde, die mit norddeutschen Kollegen in reger Korrespondenz standen (hier wird auf Oberthür und den Domvikar Bauer verwiesen), verschafften ihm

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1969-1976) versuchte auszugleichen: „Im Bemühen Barthels ist der Versuch eines berechtigten und notwendigen Ausgleichs zwischen ultramontaner und deutscher Gesinnung, zwischen päpstlicher und bischöflicher Gewalt zu sehen.“ 508 Auch die von Barthel mitbeeinflusste Studienreform beurteilte Weigand eher positiv, obwohl sie eindeutig gegen die jesuitische Lehr- und Unterrrichtsform gerichtet war: „Die Jesuiten nahmen nämlich die Vorhaben der Reform ernst und modifizierten ihr bisheriges Lehrsystem. Schon ab 1749 kamen die wichtigsten theologischen Traktate unter dem Titel „Institutiones Theologicae“ heraus, d. h. ihre Vorlesungsmanuskripte. Sie wurden in der Folgezeit weiter entwickelt und vervollständigt und von 1766-1771 in 14 Büchern neu herausgegeben, die eine beachtliche und zeitgemäße Leistung darstellten. Erst im 19. Jh. bürgerte sich der Titel „Theologia Wirceburgensis“ ein, unter dem sie 1852ff. sowie 1880 in Paris je neu gedruckt wurden.“ 509 Im Geist der Aufklärung glaubte man die scholastische Lehrmethode der Jesuiten als antiquiert anprangern zu können. So kam es zu dem Phänomen, dass die Leitung des Seminars, getragen von der Gunst des Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim (17551779), der Regens Damian Gottfried Günther (1761-1776) und sein Subregens Johann Michael Philippi (1761-1769) dem aufgeklärten Zeitgeist uneingeschränkt huldigten. Die jesuitischen Professoren der Fakultät aber blieben der alten scholastischen Tradition treu, aber nicht ohne gewisse Reformen im Vorlesungsbetrieb zu übernehmen. Der Nachfolger Günthers wurde 1776 Joseph Vornberger, der sich energisch gegen die aufklärerischen Ideen wandte, die sich im Seminar ausgebreitet hatten und „verbot den Alumnen alle Schriften, die die Ideen der Aufklärung propagierten.“ 510

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einen ehrenvollen Ruf (auf eine Professur für Kirchengeschichte, Patrologie und Kirchenrecht) an die Universität Königsberg, wo eben eine katholisch-theologische Fakultät errichtet werden sollte.“ Zirkel lehnte ohne weiteres Bedenken ab. Ludwig schreibt dieses Verhalten, sich nicht in die Obödienz des preußischen Staates zu begeben, dem ‚katholischen Bewußtsein, welches in Zirkel nie ganz ausgestorben war‟ zu, und ‚gewiß auch seiner Anhänglichkeit an die schöne, fränkische Heimat“. A. Fr. Ludwig: Weihbischof Zirkel von Würzburg. Bd. I, 1904.- hier S. 99, 120, 212ff.; Aug. Fr. Ludwig: Zirkel, Gregorius, Weihbischof in Würzburg. In: Lebensläufe aus Franken 1,1919,533-550; W. Weiß: Ein Kirchenmann zwischen Aufklärung, Romantik und Restauration: Weihbishof Gregor Zirkel. In: WDGBl 47,1985,191-215; Barthels Schüler war der 1732 in Würzburg graduierte Georg Christoph Neller; dieser wurde später Professor für Kirchenrecht in Trier und Mitarbeiter des „Febronius“ Johann Nikolaus Hontheim. Vgl. LThK2 4, Sp. 46ff. (Febronianismus); LThK3 3, Sp. 726ff. (Episkopalismus); P. Frowein: Nelleriana. Zum Werk des Trierer Kanonisten Georg Christoph Neller (1709-1783). In: Kurtrierisches Jahrbuch 14,1974,88-129 R. Weigand: Das Verhältnis des Priesterseminars Würzburg zur Theologischen Fakultät. In: Mit der Kirche auf dem Weg. 1989.- S. 125 R. Weigand: Das Verhältnis des Priesterseminars Würzburg zur Theologischen Fakultät. In: Mit der Kirche auf dem Weg. 1989.- S. 127.- Ein bersonders trauriges Kapitel der Würzburger Geschichte in dem die Theologische Fakultät, aber auch ein so bedeutender Jurist wie Barthel verwickelt waren, bildet die Verurteilung und Hinrichtung der Unterzeller Subpriorin Maria Renata Singer OSA am 21.6.1749 unter dem eben erst an die Macht gekommenen Fürstbischof Karl Philipp von Greiffenclau (1749-1754) als Hexe. Die Untersuchungskommission bestand aus den geistlichen Räten Dr. Barthel und Dr. jur. Wenzel, den Jesuitenprofessoren Adam Staudinger (Moraltheologie) und Ulrich Munier (Dogmatik und Exegese). In einem Gutachten sollte die Theologische und die Medizinische Fakultät urteilen über die Existenz von Zaubern und Zauberkünsten. Auf Grund dieses Gutachtens wurde die Subpriorin enthauptet und verbrannt. Vgl. Wegele I, S. 435; W. Dettelbacher: Würzburg, ein Gang durch seine Vergangenheit. 1974.- S. 107 (Dettelbacher spricht von einem Gutachten der Juristischen und Medizinischen Fakultät); G. Gaar: Christliche Anred nächst dem Scheiter-Hauffen, worauf der Leichnam Mariae Renatae, einer durchs Schwerdt hingerichteten Zauberin, den 21. Junii anno 1749, ausser der Stadt Wirtzburg verbrennet worden. Wirtzburg 1749 K. J. Lesch: Oberthürs Polemik gegen die Theologie der Jesuiten und seine Bemühungen um eine Reform des Theologiestudiums. In: WDGBl 37/38,1975,68; B. Andres: Nachricht von dem neueingerichteten Fürstbischöflichen Seminarium zu Wirzburg. In: Magazin für Prediger 2,1789,124-134; K. H. Burkard: Über die Pflichten der Geistlichen und Seelsorger in Beziehung auf die zeitliche Wohlfahrt ihrer Untergebenen überhaupt, und der Armen insbesondere. Eine Abhandlung, welcher der zweyte Preis für die Beantwortung der von Sr. hochfürstlichen Gnaden im Jahre 1788 an die würzburgische Landgeistlichkeit gestellten Fragen zuerkannt wurde. Würzburg: Rienner 1790; L. Faulhaber: Oberthür als Pädagoge: Anschauungen eines fränkischen Schulmannes der Aufklärungszeit über Erziehung und Unterricht nach seinen Werken und nach ungedruckten Quellen dargestellt. Langensalza 1921; Feder, J. M.: De dignitate, quae in munere pastorali inest, oratio recitata in Aula accademica anno 1802, II Cal. Sept. Bamb. et Wirceb. 1803

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Mit und in der Folge der Säkularisation, mit der Übernahme des Hochstifts Würzburgs durch Bayern bzw. durch Großherzog Ferdinand von 1809 bis 1814 ergaben sich schwere Auseinandersetzungen zwischen dem Priesterseminar und dem Ordinariat (Bischof) auf der einen und der Universität bzw. der Regierung auf der anderen Seite. Der aufgeklärte Theologieprofessor Franz Oberthür hatte in seinem höchstwahrscheinlich im Jahre 1780 entstandenen Gutachten „Gedanken von einer Verbesserung der theologischen Studien auf der hohen Schule zu Würzburg“ erklärt, dass die Abhängigkeit der Theologischen Fakultät vom Seminar sich negativ auswirke.511 Die kritischen Punkte, die Oberthür gegen das Seminar vorbrachte, sind symptomatisch und ziehen sich eigentlich über viele Jahrhunderte hin: „1. Die ‚Aufnahme ins Seminar verdanken die Kandidaten einer Kommission, zu welcher die theol. Professoren nicht gehören. 2. der Fortgang in den Studien im Seminar wird nicht von den Professoren, sondern von den Seminarvorständen durch wöchentliche Prüfungen überwacht. 3. die Vorlesungen der Professoren werden durch geistliche Exercitien und Altardienst nach Anordnung der Seminarvorstände unterbrochen. 4. Auch der Abschluß der Studien durch die Priesterweihe wird durch die Seminar-Vorstände bestimmt.“ 512 Ähnliche Gedanken bewegten Onymus 1803 bei den Beratungen der Theologischen Fakultät über eine neue Organisation der Universität. „Er bemängelte, daß die Alumnen sich wenig um die an der Fakultät betriebene Theologie kümmerten und statt dessen sich nur bemühten, die Aufnahmeprüfung im Seminar zu bestehen. Er bedauerte, daß die Professoren der Fakultät auf diese Aufnahmeprüfung keinen Einfluß hätten. Um den Einfluß des Seminars auf die Alumnen einzuschränken, schlug Onymus vor, die Kandidaten erst nach Vollendung des theologischen Studiums im Seminar aufzunehmen, um sie dort auf die Praxis vorzubereiten.“ 513 Die Professoren Berg, Oberthür und Feder aber unterstützten Onymus nicht. Sie wären mit der Einrichtung des Seminars zufrieden, möchten aber mit der ganzen Fakultät, daß die Tagesordnung des Seminars geändert würde, soweit sie den Lehrbetrieb der Fakulät störe. Am heftigsten wandte sich Zirkel gegen die im Namen der Fakultät von dem Dekan Onymus vorgetragenen Vorschläge. „Das, was Zirkel beanstanden und mit Recht zurückweisen mußte, war die am 7. Januar 1803, vorzüglich auf Onymus‟ Betreiben gestellte Forderung, daß die Professoren im Auftrag des Landesherrn ein eigenes Examen neben dem von der bischöflichen Kommission vorgenommenen veranstalten sollten.“ 514 Zirkel befürchtete also zunächst, daß der Staat, mit Hilfe der theologischen Fakultät, nicht nur die wissenschaftliche, sondern auch die charakterliche und seelsorgerliche Ausund Weiterbildung des angehenden Klerus gegen den Bischof kontrollieren könnte. Eine weitere Forderung der Fakultät war, die Theologen sollten erst nach Beendigung des vierjährigen theologischen Kursus ins Seminar eintreten. Zirkel konterte: dadurch möchte die Fakultät/der Staat alleine die Erziehung der Kandidaten übernehmen und verkenne dabei die große Bedeutung der sittlichen-religiösen Erziehung der angehenden Seelsorger, auch für das Gemeinwesen. Ähnliche Gedanken lagen auch der Zurückweisung des kurfürstlichen Seminarreglements von 1805 zugrunde. Der nächste Konflikt entspann sich, als im WS 1803/04 eine Reihe von Alumnen die Vorlesungen von Schelling und Paulus besuchen wollten. Das kurfürstliche SeminarReglement vom 29. November 1804 hatte den Besuch von Vorlesungen protestantischer 511

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Materialien zur Geschichte der Universität Würzburg. Bd. III, Bl. 46 r-76v (UB Würzburg); K. J. Lesch: Oberthürs Polemik gegen die Theologie der Jesuiten und seine Bemühungen um eine Reform des Theologiestudiums. In: WDGBl 37/38,1975,57-76, hier bes. S. 64f.; K. J. Lesch: Die Säkularisation des Hochstifts Würzburg und ihre Folgen für die Theologische Fakultät der Universität Würzburg. In: WDGBl 39,1977,203-236, hier bes. S. 225ff.; R. Weigand: Das Verhältnis des Priesterseminars Würzburg zur Theologischen Fakultät. In: Mit der Kirche auf dem Weg. 1989.- S. 130; Braun II S. 307f.; Braun II, S. 307 K. J. Lesch: Die Säkularisation des Hochstifts Würzburg und ihre Folgen für die Theologische Fakultät der Universität Würzburg. In: WDGBl 39,1977,225; Schwab: Franz Berg, S. 342ff.; Braun II, S. 348ff.; Aug. Fr. Ludwig.: Weihbischof Zirkel von Würzburg in seiner Stellung zur theologischen Aufklärung und zur kirchlichen Restauration. Bd. 2, S. 104ff. (hier bes. die Antwort Zirkels auf die Forderungen des Dekans Onymus: “Unzielsetzliche Gedanken zu den Verbesserungsvorschlägen der theologischen Fakultät zu Würzburg, besonders in Rücksicht des geistlichen Seminariums.“ (Archiv des Universitätsrektorats) Aug. Fr. Ludwig.: Weihbischof Zirkel von Würzburg in seiner Stellung zur theologischen Aufklärung und zur kirchlichen Restauration. Bd. 2, S. 105

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Theologen für die Seminaristen unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Gegen dieses Seminar-Reglement mit den Vorstellungen, das Seminar sei ein „Bildungshaus künftiger Staatsbeamter“, protestierte Bischof Georg Karl von Fechenbach mit einer vom Weihbischof Zirkel verfaßten Note am 18. März 1805 gegen das Reglement der Regierung und deren Vorstellungen vom Seminar. Aus einem solchen Seminar könne kein Klerus mit priesterlichem Charakter hervorgehen. Das Seminar sei eine kirchliche Einrichtung und unterstehe der bischöflichen Leitung und Aufsicht.515 Als das Vikariat den Alumnen verbot, die Vorlesungen des Exegeten Michael Schlosser zu besuchen, setzte sich Weihbischof Zirkel gegen Universität und Regierung durch.516 Die Ereignisse im Zuge der Säkularisation und der Einverleibung des Fürstbistums Würzburg an den Bayerischen Staat sind in der Literatur hinlänglich dargestellt worden, einschließlich der vorübergehenden Vereinigung der Theologischen Fakultät mit dem Priesterseminar von 1809 bis 1814.517 Die neue Organisationsakte vom 7.9.1809, weitgehend an den Vorschlägen des Weihbischofs Zirkel orientiert, löste die bisher unter dem Namen der ersten Sektion von der Klasse der besonderen Wissenschaften bestehende theologische Fakultät auf. An ihre Stelle trat das geistliche Seminar mit allen Rechten und Pflichten einer Fakultät; es unterstand der Aufsicht und der Leitung des Bischofs. Der Seminarregens war zugleich Dekan der theologischen Fakultät und die Lehrer im Seminar sind zugleich Professoren der Universität und ordentliche Mitglieder der theologischen Fakultät. 515

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K..J. Lesch: Die Säkularisation des Hochstifts Würzburg und ihre Folgen für die Theologische Fakultät der Universität Würzburg. In: WDGBl 39,1977,225ff.; Mit Onymus wird der Plan verbunden, das Seminar gänzlich von der Universität zu trennen. Nach dem Muster Kaiser Josephs II., der 1786 zur „Beförderung der Aufklärung“ Generalseminarien errichtet hatte, sollte das „Seminar“ aufs Land verlegt werden. „Zur Erlernung der praktischen Handgriffe für die Seelsorge darf er (der Bischof) sie auf kurze Unterweisungszeit in ein „Seminar“ zusammenkommen lassen. Um zu verhüten, dass der Aufenthalt in diesem sogenannten bischöfl. Seminar gleichzeitig zum Besuch der Kollegien an der Universität benützt, und so dem Bischof und den Vorständen seines Seminars irgend ein Einfluß auf die Bildung der Theologie möglich werden könne, sollte das Seminar aufs Land verlegt werden ... aber merkwürdiger Weise machte sogar Regens Straßberger dem Minister den Vorschlag, das Seminar nicht aufzulösen, sondern lieber in das aufgehobene Kloster Schwarzach zu verlegen.“ Bischof Georg Karl von Fechenbach und Zirkel konnten das Vorhaben abwenden. Vgl. Braun II, S. 352f.; Worin sind die guten Erziehungsanstalten des Fürstenthums Würzburg noch zu verbessern. Beantwortet in zwei gekrönten Preisschriften von Nicolaus Förtsch und Georg Ludwig etc. Würzburg: Goebhard 1808. (Der Licentiat der Theologie, Praeses der Bürger-Sodalität und Kaplan am Julius-Spital zu Würzburg, Nikolaus Förtsch beklagt in seiner Beantwortung vor allem, dass die Alumnen zu wenig auf die praktische Arbeit vor allem in der Schule (Schulaufsicht !) ausgebildet würden. In seinen Verbesserungsvorschlägen fordert er u. a. einen Codex juris Ecclesiastici Franconici mit den amtbetreffenden Gesetzen. „So wüsste doch der Seelsorger, was er als Staatsbürger zu beobachten habe, und könnte es erfüllen, er würde dadurch zugleich bekannter mit seinem Vaterlande, zutraulicher zum Staate, treuer gegen Obrigkeit, und überhaupt patriotischer gesinnt“ S. 26) W. Engelhorn: Die Universität Würzburg 1803-1848. Ein Beitrag zur Verfassungs- und Institutionengeschichte. Neustadt a.d. Aisch: Degener 1987.- S. 111ff. R. Weigand: Das Verhältnis des Priesterseminars Würzburg zur Theologischen Fakultät. In: Mit der Kirche auf dem Weg. 1989.- S. 127-136; Braun II S. 348ff.; Th. Freudenberger: Zur Geschichte der theologischen Fakultät im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. 1982.- S. 283-295; Th. Freudenberger: Der Streit um die Befreiung der Alumnen des Würzburger geistlichen Seminars von der Verbindlichkeit, Hörgelder zu zahlen. In: WDGBl 44,1982,192-270; E. Hegel: Die Situation der deutschen Priesterausbildung um die Wenden vom 18. zum 19. Jahrhundert. In: Kirche und Theologie im 19. Jahrhundert. Hrsg. von G. Schwaiger. Göttingen 1975.- S. 30: „Eine völlige Integrierung der theologischen Fakultät in das Priesterseminar erlebte auch Würzburg während seiner Zugehörigkeit zum Großherzogtum Toskana (1806-1814). Sie geht auf den damaligen Würzburger Weihbischof Gregor Zirkel zurück. Die Organisationsakte für die Universität vom 7.9.1809 verfügte die Aufhebung der Theologischen Fakultät. „An ihre Stelle tritt das der Aufsicht und Leitung des Bischofs und seines Vikariats untergebene geistliche Seminarium mit allen Rechte und Pflichten einer Fakultät“ ... Mit der Rückkehr des Würzburger Landes an Bayern wurde diese Konstruktion wieder beseitigt“; Instruktion für die an dem Seminarium angestellten Professoren der theologischen Fakultät, betreffend I. den Inhalt und die Form ihrer Vorlesungen und II. das Verhältnis, in welchem sie zu dem Alumnate stehen. Abgedr. bei: Aug. Fr. Ludwig: Weihbischof Zirkel von Würzburg in seiner Stellung zur theologischen Aufklärung und zur kirchlichen Restauration. Bd. II, Beilage VI, S. 538-550

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Am 28. Oktober 1815 wurde die Unterstellung der Theologischen Fakultät unter die Universitätskuratel und damit ihre Wiedereingliederung in die Universitätsorganisation verfügt. Fürstprimas Erzbischof Karl Theodor von Dalberg (1744-1817) hatte 1807 für seinen neuen Herrschaftsbereich in Aschaffenburg sein Priesterseminar gegründet. Das ehemalige Benediktinerinnenkloster Schmerlenbach, das 1803 aufgelöst worden war, gehörte zur finanziellen Ausstattung. Im Zuge der Auflösung des Mainzer Bischofssitzes in seiner alten Form, fiel 1821 das Aschaffenburger Priesterseminar an die Diözese Würzburg. Entgegen dem Willen des Würzburger Bischofs Groß zu Trockau, den Aschaffenburger Fonds mit dem des Würzburger Priesterseminars zu verschmelzen, „wandelte die bayerische Regierung bei der Auflösung des Aschaffenburger Priesterseminars am 25. Juni 1823 den Aschaffenburger Fonds in eine selbständige, staatlich verwaltete Stiftung um, aus der jährlich nur ein fester Betrag für 15 Freiplätze an das Würzburger Priesterrseminar floß. Der größte Anteil wurde aber an die bis 1839 bestehende Theologische Fakultät der im Jahre 1818 zu einem Lyzeum herabgestuften Aschaffenburger Karls-Universität vergeben“ 518 Zu erheblichen staatlichen Eingriffen kam es auch bei der Aufnahme der Kandidaten in das Priesterseminar. König Maximilian I. Joseph erließ zu den Vereinbarungen des Bayerischen Konkordats von 1817 am 24. November 1822 eine Entschließung, in der er dem Staat wesentlichen Anteil an der Verfahrensweise der Aufnahme in das Priesterseminar zuteilte. Die Prüfungsinhalte blieben aber in der Hand des Bischofs. „Die Prüfungen, die in der Regel im Speisesaal des Seminars stattfanden und durch eigens vom Bischof ernannte Examinatoren vorgenommen wurden, bestanden aus einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung. Zur Vorbereitung auf das mündliche Examen hatten die Professoren der Theologischen Fakultät je 25 bis 30 Thesen aus den Fächern Moraltheologie, Dogmatik, Kirchenrecht und Exegese auszuwählen und diese dann eine Woche vor der Prüfung im Hörsaal der Theologie zur allgemeinen Kenntnis und Vorbereitung für die Prüfungskandidaten auszuhängen. Zur Prüfung selbst wurden nur solche Kandidaten zugelassen, die ihr philosophisches Studium bereits abgeschlossen und mindestens zwei Semester Theologie studiert hatten“ 519 Der König benützte also auch die Theologische Fakultät als staatliches Organ zur Auswahl der Priesteramtskandidaten. Die vom 22. Oktober bis zum November 1848 tagende Bischofskonferenz in Würzburg befasste sich auch mit den Katholisch-Theologischen Fakultäten an den Universitäten. Referent dieses Sachbereiches war Domkapitular Nikolaus München aus Köln520, der die Doppelstellung der Professoren hervorhob. Stiftspropst Ignaz Döllinger aus München trat für eine präzisere Beschreibung der Kompetenzen ein und wurde daraufhin mit der Ausarbeitung eines entsprechenden Textes beauftragt. Der Erzbischof von München und Freising Karl August Graf von Reisach hatte sich schon als Bischof von Eichstätt dafür ausgesprochen, dass „ein ganz neuer Klerus herangezogen werden sollte, der streng von der Welt und allen negativen Einflüssen geschieden war“ und versuchte diesen Geist auch auf die Bischofskonferenz zu übertragen.521 Entschieden hat sich Joseph Hergenröther 1869 für ein Zusammenwirken von Universität und Seminar ausgesprochen: „Nirgends finden wir einen unversöhnlichen Gegensatz zwischen Universität und Seminar; beide können bestehen, beide sich ergänzen. Die Theologischen Facultäten der Hochschulen und die philosophisch-theologischen Lehranstalten an Seminarien mögen wetteifern, die kirchliche Wissenschaft zu fördern und zu heben, ungehindert von klein518

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Th. Wehner: Die Bemühungen des Bischofs Adam Friedrich von Groß zu Trockau (1818/21-1840) um die Priesterbildung und die kirchliche Erneuerung im Bistum Würzburg. In: Kirche und Glaube – Politik und Kultur in Franken. Würzburg 2001.- S.361-406, hier S. 370f., hier auch Literatur. Th. Wehner: Die Bemühungen des Bischofs Adam Friedrich von Groß zu Trockau (1818/21-1840) um die Priesterbildung und die kirchliche Erneuerung im Bistum Würzburg. In: Kirche und Glaube – Politik und Kultur in Franken. Würzburg 2001.- S.361-406, hier S. 371 Die Theologische Fakultät Würzburg hatte ihm am 31.Mai 1827 die theologische Doktorwürde Honoris causa verliehen. Dazu ausführlich: E. Garhammer: Seminaridee und Klerusbildung bei Karl August Graf von Reisach. Stutgart 1990, hier S. 115ff.

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lichen Leidenschaften, Ränken und Hetzereien und unbesorgt vor mehr künstlich vorgespiegelten, als wirklich vorhandenen Gefahren.“ 522 Einzelne Spannung gab es auch in der Folgezeit, die aber in der Regel mit Einzelpersonen zusammenhingen, sei es mit den Vorlesungen einzelner Professoren (z. B. Kilian J. Fischer), dann mit den Berufungen der Germaniker, oder den Indizierungen von Herman Schell oder Sebastian Merkle und Johann Ferdinand Hehn. Die Streitigkeiten spielten sich häufig innerhalb der Theologischen Fakultät ab, nicht ohne Beteiligung einzelner aus dem Priesterseminar oder der Diözesanverwaltung, wobei einzelne Professoren wohl nicht ohne Grund von Denuntiation sprachen.523 Eine gründliche Diskussion schloß sich der Stellungnahme Schells in seiner Schrift „Der Katholizismus als Prinzip des Fortschritts. Würzburg 1897“ zu dem Verhältnis Priesterseminar und Theologische Fakultät an. Albert Ehrhard setzte sich kritisch damit auseinander „mit mehr in gegensätzlichem, als im zustimmendem Sinne.“ 524 Während des Dritten Reiches waren sich Bischof, Priesterseminar, Klerus und weitgehend auch die Fakultät einig in der Ablehnung des Nationalsozialismus. Selbst diejenigen Würzburger Professoren, die sich um die Gunst der NSDAP bemühten (z. B. Ludwig Ruland und Ludwig Mohler), arbeiteten mehr gegen die eigenen Kollegen als gegen den Diözesanklerus. Jede Berufung musste von der Partei abgesegnet sein. Daß dabei „gute Beziehungen zum Bischof von Würzburg, zum Regens des Priesterseminars“ nicht förderlich waren, wird Bigelmair wohl nicht zu Unrecht vermutet haben.525 Es gab auch vor der Dotationsurkunde des Bischofs Georg Karl Fechenbach vom 22. 2. 1802, in der er das Vermögen des ehemaligen Jesuitenkollegs (seit 1789 Priesterseminar) in das Eigentum der Universität übertrug, um die Existenz des Priesterseminars auf Dauer zu sichern, immer wieder Streit, wenn Geld aus der Universität für das Seminar bereitzustellen war, aber auch Streit um die Gebäulichkeiten. Die wirtschaftliche Verbindung 522

J. Hergenröther: Universitäts- oder Seminarbildung der Geistlichen. In: Chilianeum NF 1,1869,458; fast vergessen ist das entschiedene Eintreten Merkles für die Priesterausbildung an der Universität, weil nur hier die großen philosophischen, historischen und philologischen Ansprüche an den gegenwärtigen Theologen genügend befriedigt werden könnten. Vgl. Sebastian Merkle, Das Konzil von Trient und die Universitäten. Rektoratsrede zur Feier des 323jährigen Bestehens der Julius-Maximilians-Universität zu Würzburg, zugleich zum Gedächtnis von Schillers 100. Todestag. Geh. am 11. Mai 1905; S. Merkle: Vergangenheit und Gegenwart der theologischen Fakultäten, in: Akademische Rundschau Okt. Nov. 1912; S. Merkle: Würzburg im Zeitalter der Aufklärung. Vortrag gehalten am 11. September 1912 auf der Hauptversammlung des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine zu Würzburg, in: Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine 61,1913,35-43; vgl. D. Burkard: Der Würzburger Lehrstuhl für Kirchengeschichte – eine „cathedra pestilentiae“? Zur Indizierung Sebastian Merkles (1913). In: WDGBl 69,2007,109-138, bes. S. 116ff.

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Kl. Wittstadt: Johannes Ferdinand Hehn (1873-1932) im Spannungsfeld von theologischer Wissenschaft und kirchlichem Lehramt. In: WDGBl 49,1987,313-330; Kl. Wittstadt: Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Würzburg während der Zeit des Dritten Reiches. In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Neustadt a.d.Aisch 1982.- S. 399-435 ; W. Weiß: Kirche im Umbruch der Säkularisation. Die Diözese Würzburg in der ersten bayerischen Zeit (1802/03-1806). Würzburg 1993.- 380 S.; W. Weiß: Modernismuskontroverse und Theologenstreit. Die Katholisch-Theologische Fakultät Würzburg in den kirchenpolitischen und theologischen Auseinandersetzungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Würzburg 2000; Weitere Literatur siehe oben! Edition des Textes in: Kl. Ganzer: Albert Ehrhard und Herman Schell – Gemeinsamkeit und Widerspruch. Eine Stellungnahme Ehrhards zu Schells Denkschrift ‚Der Katholizismus als Prinzip des Fortschritts‟ aus dem Jahre 1897. In: WDGBl 45,1983,165-218, hier s. 203ff.; K. Hausberger: Sieben oberhirtliche Stellungnahmen zur Ausbildung des Klerus an den staatlichen Universitätsfakultäten Deutschlands aus dem Jahr 1899. In: Staat, Kultur, Politik. FS zum 65. Geb. von Dieter Albrecht. Hrsg. von W. Becker und W. Chrobak. Kallmünz 1992.- S. 273-285 R. Weigand: Das Verhältnis des Priesterseminars Würzburg zur Theologischen Fakultät. In: Mit der Kirche auf dem Weg. 1989.- S. 145; Kl. Wittstadt: Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Würzburg während der Zeit des Dritten Reiches. In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Neustadt a.d.Aisch 1982.- S. 419; V. Brander: Aus der neueren Geschichte des Priesterseminars Würzburg. In: WDGBl 14/15,1952/53,725-741; V. Brander: Zur Rechtsgeschichte und zum Rechtsstatus des Adeligen Julianums in Würzburg. In: WDGBl 22,1960,121-123

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des Priesterseminars mit der Universität ging erst mit dem Übertragungsvertrag vom 8. Februar 1972 zu Ende.526 Über die Befreiung der Alumnen, Hörgeld zu entrichten und deren Geschichte hat Th. Freudenberger ausführlich unterrichtet.527 Von einer interessanten Begebenheit hierzu berichtete die hauseigene Zeitschrift der Würzburger Augustiner ‚Cor unum“ 1937: „Durch Verfügung des Reichserziehungsministers vom 22.12.36 ‚können nur diejenigen bedürftigen Studenten und zwar aller Fakultäten, Gebührenerlaß und Stipendienerlaß erhalten, die sich besonders aktiv für die nationalsozialistische Bewegung durch Betätigung in der Partei oder in einer ihrer Gliederungen einsetzen‟. Der Minister will aber ‚ausnahmsweise die Ableistung von Arbeits- und Wehrdienst durch die katholischen Theologiestudenten als Beweis ihrer Einsatzbereitschaft für den nationalsozialistischen Staat gelten lassen‟: Für das Wintersemester 1936/37 verlangte der Rektor der Universität Würzburg von uns Theologen als Bedingung für die Hörgeldermäßigung die Beteiligung an einem Sanitätskurs während des Semesters. Der Kurs fand nach den Weihnachtsferien statt, jeweils von 20-21.30 Uhr. Wir wurden dabei mit den ersten Hilfeleistungen bei Unglücksfällen in Theorie und Praxis vertraut gemacht.“ 528 Die Texte zur Priesterausbildung in der Diözese Würzburg sind im Internet (mit Stand vom 19.12.2006) unter „Priesterseminar Würzburg. Ausbildung“ zusammengefaßt, hier um einige Texte, die für die Fakultät wichtig sind, ergänzt. - Vatikanisches Konzil II. Decretum de Institutione sacerdotali. (Optatam totius).529 - Vatikanisches Konzil II. Decretum de Presbyteriorum ministerio et vita. ((Presbyteriorum ordinis).530 - Grundordnung für die Ausbildung der Priester. Kongregation für das Katholische Bildungswesen. Vom 6. Januar 1970 - „Pastores Dabo Vobis“. Nachsynodales Schreiben von Papst Johannes Paul II. an die Bischöfe, Priester und Gläubigen über die Priesterbildung im Kontext der Gegenwart. Rom 25.März 1992 - Rahmenordnung für die Priesterbildung. Nach Überarbeitung der Fassung vom 1. Dezember 1988, verabschiedet von der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 12. März 2003, appropiert durch Dekret der Kongregation für das Katholische Bildungswesen vom 5. Juni 2003, Datum des Inkrafttretens 1. Januar 2004 - Directio sive disciplina Seminarii Herbipolensis autoritate et iussu Petri Philippi (von Dernbach) vom 23.8.1681531 - Statuten des Bischöflichen Klerikalseminars in Würzburg vom Ostersonntag 1928. - Prüfungsordnung für die Alumnen des Priesterseminars der Diözese Würzburg. Im Einvernehmen mit der theologischen Fakultät der Universität Würzburg erlasse ich für die Alumnen des Priesterseminars Würzburg folgende Prüfungsordnung. [Bischof Julius Döpfner vom 24.12.1951 und weitere; z. B. Bischof Josef Stangl vom 10.4. 1964]532 - Ratio localis. Ausbildungsordnung. Bischof Friedhelm Hofmann vom 1. Mai 2006 Hinzu kommen verschiedene „Ordnungen“, die von der Hausleitung des Priesterseminars bzw. von der studentischen Selbstverwaltung erlassen werden. Enstscheidend für das Strudium der Theologie an der Universität ist, daß das Priesterseminar bzw. kirchliche Stellen im Rahmen der theologischen Bildung sehr wohl Dauer, Gliederung und Abschlußprüfungen (Diplom-Vorprüfung, Exegeticum, Diplom-Hauptprüfung) vorgeben und inhaltlich beschreiben neben den weiteren DimenBraun II, S. 195ff.; Karlheinz Schlör: Auch Geld gehört dazu... Von den Finanzen des Priesterseminars. In: Mit der Kirche auf dem Weg. 1989.- S. 379-386, hier auch Literatur 527 Th. Freudenberger: Der Streit um die Befreiung der Alumnen des Würzburger geistlichen Seminars von der Verbindlichkeit, Hörgelder zu zahlen. In: WDGBl 44, 1982,195-270 528 Cor unum 2,1937,H.1, S. 10 529 LThK2 13, S. 309ff. 530 LThK2 14, S. 127ff. 531 C. Braun: Geschichte der Heranbildung des Klerus in der Diöcese Wirzburg. Bd. 2. 1897. S. 427-432 532 Dekanat der Katholisch-Theologischen Fakultät Würzburg; vgl. Protokoll der Fakultätssitzung der Kath.-Theol. Fak. vom 11.12.1947: der Studienplan von Bischof Matthias Ehrenfried (1924-1948) wird von der Fakultät offiziell zur Kenntnis genommen. In der Sitzung am 2.5.1956 spricht sich die Fakutät gegen die im Seminar abgehaltenen Semestralexamina aus. 526

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sionen der Priesterausbildung wie die Dimension des geistlichen Lebens und der menschlichen Reifung, sowie die Dimension der Pastoralen Befähigung und Ausbildung. Das Verhältnis zwischen Priesterseminar und Theologischer Fakultät gilt es immer wieder neu zu definieren.533 Es wird vielleicht immer die Rivalitäten um Stundenplan und priesterliche, pastorale Erziehung geben. Studienabschluß aus der Sicht der Seminarleitung (und Ordensleitungen) und universitäre Prüfungsergebnisse waren Spannungsfelder. Der Einzug der „Laientheologinnen“ und „Laientheologen“ in die Theologische Fakultät hat manche Gewichtungen verschoben. Die Wiedereingliederung der „Freisemester“ in die theologische Prüfungsordnung bereitete Probleme. Hergenröthers Optimismus sollte auch heute gelten: „Nirgends finden wir einen unversöhnlichen Gegensatz zwischen Universität und Seminar; beide können bestehen, beide sich ergänzen.“534 Über den Status der Katholisch-Theologischen Fakultäten in Deutschland, den neuen Studienaufbau nach „Bologna-Prozess“ und die möglichen Abschlüsse des Studiums der Theologie wird im II. Teil in der Einleitung zu den Graduierten der Theologischen Fakultät Würzburg ausführlicher gesprochen und der neueste Stand dargelegt. 15. Die Katholische Akademie Domschule e. V. - Akademie der Erwachsenenbildung der Diözese Würzburg. Kirchliche Arbeitsstelle für Fernstudien im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz. Theologie im Fernkurs bei der Domschule Würzburg. Zur Studien- und Wissenschaftsgeschichte Würzburgs gehört auch jenes Institut, das Julius Döpfner als Bischof von Würzburg ins Leben gerufen hat. Im Jahre 1950 gründete er die „Domschule e. V. Akademie der Erwachsenenbildung der Diözese Würzburg“. Hervorgegangen ist sie aus den Planungen des Geschäftsführers der Katholischen Aktion in der Diözese Würzburg Dr. Anton Maxsein im Zusammenwirken mit dem Vorsitzenden der Katholischen Aktion Erbprinz Karl zu Löwenstein, dem Allgemeinen Geistlichen Rat der Diözese Würzburg und dem Bischof Julius Döpfner. Zunächst wollte Maxsein seiner Initiative den Namen „Albertus-Magnus-Institut“ geben; im Hinblick aber auf die dann entstehende Namensgleichheit mit dem Kölner Institut fand man als Bezeichnung für die Akademie für Erwachsenenbildung den Namen „Domschule“ geeigneter. Als offiziellen Gründungstag der Institution gilt der 27. September 1950, der Tag an dem diese Einrichtung und ihr Programm im Allgemeinen Geistlichen Rat beschlossen und vom Bischof mit seiner Unterschrift genehmigt wurden. Dr. Maxsein übernahm für kurze Zeit die Leitung. Die Eröffnung im Wintersemester 1950/51 sah 7 Arbeitskreise vor. Der Würzburger Dogmatiker Fritz Hofmann wurde der Leiter des 1. Arbeitskreises „Der Laie in Kirche und Welt“. Auf Bitten von Bischof Döpfner übernahm er dann ab 1951 „kommissarisch“ die Gesamtleitung ohne je offiziell zum Direktor der Domschule ernannt zu werden.535 533

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H. Mussinghoff: Theologische Fakultäten im Spannungsfeld von Staat und Kirche. Mainz 1979; Neuordnung der theologischen Studien für Priesteramtskandidaten. Verabschiedet von der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Stuttgart-Hohenheim vom 4. bis 7. März 1968. Hrsg. i. A. d. Dt. Bischofskonferenz von Lorenz Jäger. Druck: Bonifacius-Druckerei Paderborn. 27 S. (Mit Vorlesungsplan, Stundenplan etc.); Rahmenordnung für die Priesterbildung. Nach Überarbeitung der Fassung vom 1. Dezember 1988, verabschiedet von der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 12. März 2003, appropiert durch Dekret der Kongregation für das Katholische Bildungswesen vom 5. Juni 2003, Datum des Inkrafttretens 1. Januar 2004; R. Weigand: Die Ausbildung und Fortbildung der Kleriker. In: Handbuch des kath. Kirchenrechts. Hrsg. von Joseph Listl, Hubert Müller und Heribert Schmitz. § 22 S. 222ff. 1983 J. Hergenröther: Universitäts- oder Seminarbildung der Geistlichen. In: Chilianeum NF 1,1869,458 Würzburgs Domschule in alter und neuer Zeit. Hrsg. von Günter Koch u. Josef Pretscher. Würzburg 1990; J. Thomassen: Das Erbe von Fritz Hofmann. Eine Momentaufnahme aus der katholischen Akademie Domschule: „Theologie im Fernkurs“. In: Brückenschläge. Akademische Theologie und Theologie der Akademien. Hrsg. von E. Garhammer u. W. Weiß. Würzburg 2002.- S.380-389; Schematismus Würzburg; A. Maxsein: Wesen und Ziel der Domschule. Eine grundsätzliche Darstellung einer ent-

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Diesem zunächst nur diözesanen Bildungswerk wurde eine weitere Aufgabe übertragen. Die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz beauftragte die Domschule in ihrer Versammlung vom 22. bis 25. September 1969 in Fulda mit der Einführung des Studienwerkes „Theologie im Fernkurs“. Der erste Lehrbrief erschien im Mai 1970. Dem Domkapitular Josef Pretscher und dem apl. Prof. für Dogmatik DDr. Günter Koch als Akademiedirektor wurde die Leitung übertragen. Am 12. Januar 2000 wurden die neuen Leiter berufen: Domkapitular Helmut Gabel, Leiter der Hauptabteilung Außerschulische Bildung und Dr. Jürgen Thomassen als Akademiedirektor.536 „Theologie im Fernkurs“ wendet sich an die Laien im Sinne des II. Vatikanischen Konzils. „Ein Spezifikum des „Würzburger Fernkurses“ liegt darin, dass die theologischen Inhalte nicht nach dem Kanon der theologischen Fächer (Disziplinen) geordnet dargeboten werden; der Kurs geht vielmehr themenorientiert, also fächerübergreifend vor.“ Rund 1500 Fernstudierende sind regelmäßig bei „Theologie im Fernkurs“ eingeschrieben. Jährlich legen bei „Theologie im Fernkurs“ über 150 Personen ein berufsbefähigendes Examen ab. Seit 1.9.2009 ist Dr. Rainer Dvorak Akademiedirektor.537 Katholische Akademie und Theologie im Fernkurs stellen sich im Internet vor 538: Als Katholische Akademie dient sie in Tagungen, Arbeitskreisen, Workshops, Vorträgen, Ausstellungen, Konzerten und Exkursionen der Begegnung zwischen Kirche und Welt, Kirche und Wissenschaften, Kirche und Kunst sowie dem Dialog über Fragen des Glaubens und Lebens heute. Als Diözesanes Bildungswerk bietet sie in Seminaren und Vorträgen, die von den Pfarrgemeinden abgerufen werden können, Orientierung und Austausch vor allem in den Bereichen Partnerschaft und Erziehung, Bibel- und Glaubensverständnis, soziale und ökologische Fragen. In ihrem Arbeitsbereich „Theologie im Fernkurs“ veranstaltet sie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz seit 1970 Fernstudiengänge, die der theologischen Glaubensvertiefung dienen, aber auch zu anerkannten Qualifikationen (z.B. Religionslehrer/in, Gemeindereferent/in) führen. Auch zu anderen Gebieten entwickelt sie Kurse und Studienmaterialien (Philosophie, Schulpastoral, Latein). 16. Freunde und Förderer der Katholisch-Theologischen Fakultät Am 28. Juli 2006 wurde der VEREIN DER FREUNDE UND FÖRDERER DER KATHOLISCH-THEOLOGISCHEN FAKULTÄT DER JULIUS-MAXIMILIANS – UNIVERSITÄT WÜRZBURG e. V., SANDERRING 2, D-97070 WÜRZBURG gegründet. Der Vorstand setzt sich zusammen aus: Vorsitzender: Prof. Dr. Wolfgang Weiß, Stellvertretende Vorsitzende: Maria Gumpert, Kassenführer: Prof. Dr. Stephan Ernst, Schriftführer: Prof. Dr. Heribert Hallermann. Am 15. Oktober 2007 erschien die Nr. 1 der Vereinszeitschrift: Mitteilungen der Freunde und Förderer der katholischTheologischen Fakultät der Bayerischen Julius-Maximilians-Universitä Würzburg e. V. Beabsichtigt ist, sie zweimal im Jahr, und zwar jeweils zum Semesterwechsel, erscheinen zu lassen. Der Vorstand schrieb zur Absicht der Vereinszeitschrift im 1. Heft: „Sicher besitzt die Universität Würzburg in ihrer Gesamtheit mit dem Blick als Organ des Universitätsbundes bereits ein Magazin, das auch Berichte und Nachrichten aus der Theologischen Fakultät beinhaltet. Unsere Mitteilungen wollen und können aber keineswegs ein

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scheidenden Aufgabe der Katholischen Aktion. In: WkSoBl 98, Nr. 4,28.1.1951,32; J. Herten: „Theologie im Fernkurs“ an der Würzburger Katholischen Akademie Domschule von 1990-2010. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 72 ,2010,635-670 Jürgen Thomassen, *14.7.1946 Mernes bei Bad Soden-Salmünster, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Systematische Theologie in Würzburg 1973-1976, Dr. theol. Würzburg 19.05.1983 (bei Prof. Johannes Betz), Seelsorgereferat der Diözese Würzburg, Ökumenereferent der Diözese Würzburg, Direktor der Katholischen Akademie Domschule e. V. (mit H. Gabel) in Würzburg 2000-2009; † 4.2.2010. WkSoBl 9.1.1999,15; Main-Post 6.2.2010, WÜS 9; WkSoBl vom 9. Januar 2000; Vgl. WkSoBl Nr. 19, 10.5.2009,S.17 Rainer Dvorak, *1963, Wiss. Mitarb. am Lehrstuhl für Dogmatik in Würzburg 1991, Ökumenereferent der Diözese Würzburg 1.4.2001, stellvertr. Leiter der Kath. Akademie Domschule, Leiter „Theologie im Fernkurs“ seit 1.12.2005 www.domschule-wuerzburg.de

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Konkurrenzunternehmen der Theologischen Fakultät bilden, dazu sind sie allein schon von der Form und Ausstattung her nicht geeignet. Die Mitteilungen sollen in ihrer Anlage persönlicher und familiärer, weniger wählerischer, durchaus binnenorientierter und im richtigen Sinne etwas „kleinkarierter“ sein; sie besitzen daher ganz bewußt diesen vielleicht etwas altertümlichen und provinziellen Titel.“ 17. Reihe "Würzburger Theologie" (WTh) Die Reihe "Würzburger Theologie" (WTh) wird von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg herausgegeben und erscheint im Echter-Verlag Würzburg. Als Band 1 erschien 2005: Winfried Haunerland (Hrsg.), Mehr als Brot und Wein. Theologische Kontexte der Eucharistie, Würzburg 2005 (300 Seiten, € 17.80, ISBN 3-429-02699-7) Informationen unter: http://www.theologie.uni-wuerzburg.de/reihe_wuerzburger_theologie/ 18. „Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz“ (GSiK) Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz“ (GSiK) ist ein deutschlandweit einmaliges Gemeinschaftsprojekt von zehn Institutionen aus sechs Fakultäten der Universität Würzburg. Ziel des Projekts ist es, ein differenziertes und wissenschaftlich fundiertes Lehrangebot zum Erwerb interkultureller Kompetenz zu schaffen. Denn obwohl diese Fähigkeit im späteren Berufsleben für Studierende aller Fächer angesichts der kulturellen Pluralisierung unserer Lebenswelt von unschätzbarer Bedeutung ist, steht dem an den meisten Universitäten bisher kaum ein entsprechendes Ausbildungsangebot gegenüber. http://www.rp.theologie.uni-wuerzburg.de/gsik/was_ist_gsik/print.html Stand 12.12.2011

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