Kleidung im DDR-Alltag. Ein Studienprojekt der Humboldt-Universität zu Berlin Institut für Europäische Ethnologie

September 2, 2016 | Author: Lena Boer | Category: N/A
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GUTER STOFF

Kleidung im DDR-Alltag Ein Studienprojekt der Humboldt-Universität zu Berlin Institut für Europäische Ethnologie 2014-201ͷ Leitung: Sigrid Jacobeit und Stefan Wolle

GUTER STOFF

Kleidung im DDR-Alltag Ein Studienprojekt der Humboldt-Universität zu Berlin Institut für Europäische Ethnologie 2014-201ͷ Leitung: Sigrid Jacobeit und Stefan Wolle

Impressum Die Schirmherrschaft hat die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, übernommen. ©2015 Humboldt-Universität zu Berlin Institut für Europäische Ethnologie Mohrenstraße 41 10117 Berlin Herausgeber Sigrid Jacobeit, Institut für Europäische Ethnologie Stefan Wolle, DDR-Museum Berlin Gestaltung Norbert Günther Fürstenberg/Havel Druckerei der Humboldt-Universität zu Berlin, Dorotheenstraße 26, 10117 Berlin

Inhalt

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Einleitung Christina Claes

7

Tradition und Fortschritt. Die Textil- und Bekleidungsindustrie der DDR Stefan Wolle

10

Die Mode und ihre Gestalter_innen in der DDR Silje Habedank

20

Die Modefotografie in der Sibylle. Eine Zeitschrift für Mode und Kultur Carolin Loka

30

Selbstschneiderei in der DDR Kristin Hahn

36

Jeans als Pop-Kultur und Politikum Christina Claes

42

Vom Einheitsblau zum Kultobjekt. Berufs- und Arbeitskleidung in der DDR Kristin Franz

50

„Das war keine Mode“ – Der Mode-Underground der DDR als subversive und hedonistische Subjektkultur Jan Lange und Tobias Müller

58

„Ich sehe was, was Du nicht siehst“. Kleidung im DDR-Alltag in den Erinnerungen vier lesbischer Frauen Sina Holst

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DDR, Alltag, Museum. Perspektiven und Positionen des Ausstellungsprojektes Jan Lange und Sina Holst

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Verwendete Quellen und Literatur Endnoten Dank

Einleitung Christina Claes

Über das Projekt Als Gruppe von acht Studierenden am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin arbeiten wir seit dem Sommer 2014 unter der Leitung von Prof. Dr. Sigrid Jacobeit und Dr. Stefan Wolle an der Erforschung und Darstellung der Alltagswelt Kleidung in der DDR. Fragen nach den politischen, kommunikativen und ideologischen Dimensionen von Kleidung werden aufgeworfen, (scheinbare) Widersprüche im Umgang mit Mode und Textil im DDR-Alltag offenbart und persönliche Geschichten von Zeitzeug_innen erzählt. Unser Forschungsthema befindet sich also an den Übergängen zwischen textilem Material - es geht um GUTEN STOFF - und symbolischen Ordnungen. Thematische Schwerpunkte sind hierbei die Modefotografie in der Zeitschrift Sibylle, die Arbeit der Designerinnen als Schöpferinnen der Bekleidungskultur, kreative Selbstschneiderei, Arbeits- und Berufskleidung, des Mode-Underground, die Jeans als Pop-Kultur und Politikum sowie die Erinnerungen lesbischer Frauen an ihre Leben in der DDR. Doch es geht uns nicht nur um inhaltliche Aspekte: In einem experimentellen Ausstellungskonzept möchten wir den Raum öffnen für eine Diskussion über museale „Wissensproduktion“, gerade in Bezug auf Vergangenheit und Erinnerung an ein nicht mehr existierendes Staats- und Gesellschaftssystem. Das Ergebnis unserer Forschungen soll nicht als Präsentation eindeutiger Historizität gelesen werden. Vielmehr möchten wir, dass sich das Projekt durch den Austausch mit Besucher_innen und im Verlauf der begleitenden Veranstaltungen noch weiterentwickelt. In diesem Zusammenhang ist auch das vorliegende Begleitheft als ein Überblick über die gewonnenen Eindrücke und Erkenntnisse zur Kleidung im DDR-Alltag zu verstehen, die wir hier mitteilen möchten.

Ethnologischer Zugang An das Projekt herangegangen sind wir mit den Methoden der Europäischen Ethnologie, wie Literaturrecherchen, dem Sichten von Archiv- und Depotbeständen und, für uns von besonderer Wichtigkeit, narrativen Interviews mit Zeitzeug_innen. Sich mit der Lebenswelt von Kleidung in der DDR zu beschäftigen, bedeutet unweigerlich retrospektiv zu forschen. Da wir nicht selbst unmittelbare Zeug_innen dieser Praxen und Perspektiven sein konnten, ist es unsere Aufgabe, die Erinnerungen an Vergangenes mit Hilfe von Zeitzeug_innen zu erfassen. 4

Wir verstehen uns selbst im Forschungsprozess als Aushandlungspartner_innen, da Narrationen auch immer einen Interpretationsprozess mit einschließen. Die „Rekonstruktion“ von Vergangenheit ist somit ein Produkt von Forschenden und Zeitzeug_innen und daher eine spezifische gegenwärtige Perspektive. Unser Ziel besteht dabei jedoch nicht in einem Sichtbarmachen von blinden Flecken der Geschichte, sondern in dem Aushandeln von Perspektiven, Bedeutungen und Strategien, die in der Lebenswelt „Kleidung und Alltag“ existierten.

Ausstellungsperspektive Die Fokussierung auf die DDR-Alltagskultur ist seit den 1990er Jahren als museale Strategie beständig aufgewertet worden. Ihr zentraler Wert wird hierbei darin gesehen, direkt an den Lebenswelten der Besuchenden ansetzen zu können. Gleichzeitig ist das museale Konzept der Alltagskultur kontinuierlicher Kritik ausgesetzt, die sich zumeist auf die fehlende Einbindung der Objekte in die DDRGeschichte bezieht. Die Präsentation von Objekten des alltäglichen Konsums wird als eine museale Strategie der ahistorischen Banalisierung kritisiert, die an der Lebenswelt in der DDR vorbeiführe. Diesen Vorwurf der Verharmlosung von Diktatur durch die Darstellung von Alltag teilen wir nicht. Vielmehr möchten wir mit unserem Projekt eine Ausstellung entwickeln, die komplexere Fragen sichtbar macht - beispielsweise Prozesse der Politisierung von Alltagskultur. Wir arbeiten an einer Perspektive, die die Felder „Alltag“ und „Politik“ nicht kategorisch trennt. Alltag wird als jener Erfahrungszusammenhang verstanden, in dem die institutionellen Ordnungen, ökonomischen Bedingungen und materiellen Artefakte mit den kollektiven und individuellen Deutungs- und Wahrnehmungsmustern wie mit Eigensinn vermittelt werden. Das Alltagsleben in der DDR-Diktatur soll sichtbar gemacht werden, indem die Objekte und andere Quellen zur Kleidungskultur vor dem Hintergrund der jeweiligen Biographien und Erfahrungen der Besitzer_innen dechiffriert werden. Dabei bietet sich die Chance zu zeigen, dass Menschen nicht vom Herrschaftssystem determiniert waren, sondern dass sie mit unterschiedlichsten Motivationen individuelle Kreativität realisierten.

Forschungsgegenstand Kleidung Warum nun also die Fokussierung auf Kleidung als Analysekategorie? Kleidung in ihren zahlreichen Formen, Funktionen und Herstellungsmöglichkeiten zählt zu den zentralen persönlichen, soziokulturellen und politischen Ausdrucksmitteln. Sie bedient den Willen und Wunsch nach Beachtung und Gefallenwollen, nach Individualität wie nach Konformität, nach Abwechslung und nach Abgrenzung. Damit ist Kleidung wie kein anderer Gegenstand der materiellen Kultur ganz 5

unmittelbar mit Körper, Geschlecht und Handeln der jeweiligen Akteur_innen verbunden. Kleidung symbolisiert aber auch gesellschaftliche Einflussnahme und zeigt zum Beispiel Mechanismen gesellschaftlicher Inklusion auf.Gleichzeitig kann sie ein ideologisches Instrument der sichtbaren Grenzziehung sein. Somit ist Kleidung ein Mittel zum Aushandeln und Verordnen von sozialen, kulturellen und politischen Differenzen. Sie kann politisch genutzt werden, um bestimmte Normen zu behaupten, zu vermitteln oder darzustellen. Der Umstand, dass Kleidung sowohl zur Darstellung der Sphäre des Privaten, als auch des Öffentlichen und der staatlichen Autorität Verwendung findet, verweist auf ihr Potential als Zugang zur gesamtgesellschaftlichen Realität der DDR. Das Ausstellungsprojekt „GUTER STOFF – Kleidung im DDR-Alltag“ bietet eine Perspektive auf Alltag als kreativen Prozess. Zwischen Körper und Außenwelt ebenso wie zwischen Material und sozialer Imagination bildet Kleidung ein zentrales Element kreativer Bezugnahme zur gesellschaftlichen Wirklichkeit. In diesem Sinne will die Ausstellung verschiedene solcher Bezugnahmen nebeneinander und in Verhältnissen zueinander stehend zeigen. Hierfür haben wir neben unterschiedlichen Genres von Quellen eine Auswahl von Dingen zusammen getragen, die als Stoffproben, Kleidungsentwürfe, Kleidungsstücke selbst, als industrielle Erzeugnisse wie selbstgeschneiderte, als Modezeitschriften und Modefotografien wie zudem als Werke aus der Bildenden Kunst präsentiert werden.

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Tradition und Fortschritt Die Textil- und Bekleidungsindustrie der DDR Stefan Wolle Hört man von der sozialistischen Planwirtschaft, denkt man zuerst an riesige Produktionshallen, mechanisierte Arbeitsabläufe und einen Riesenausstoß von Produkten. Dies alles gab es zwar auch in der Textil- und Bekleidungsindustrie der DDR. Dennoch ist das Bild teilweise falsch. Sachsen und Thüringen waren spätestens seit dem 19. Jahrhundert Zentren der deutschen Textilwirtschaft, die aber von kleinen und mittelständischen Firmen geprägt waren. Bei dieser Struktur und regionalen Konzentration blieb es auch nach dem Krieg. Noch 1982 entfielen über 50 Prozent der Produktion auf den sächsischen Bezirk Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), gefolgt von Dresden mit 17 Prozent und Erfurt mit fast 10,8 Prozent. Doch trotz der regionalen Tradition und der Gewinne aus dem Export wuchs die Textilproduktion der DDR langsamer als der Rest der Wirtschaft. Die Konsumgüterproduktion war allen gegenteiligen Bekundungen zum Trotz in allen Perioden das Stiefkind der Planstrategen. Wohl auch deswegen duldete man in der Textilbranche so lange die Fortexistenz der Privatwirtschaft. Noch Mitte der sechziger Jahre war die Hälfte der Mitarbeiter der Textil- und Bekleidungsbranche in privaten oder halbstaatlichen Betrieben tätig. Sie erwirtschafteten rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes. Erst 1972 wurden diese Betriebe vom Staat enteignet. Die ehemaligen Besitzer wurden enteignet, und teilweise durften sie ihre alten, jetzt volkseigenen Betriebe weiter leiten. Sie unterlagen nun aber den zentralen Vorgaben der Planungsbehörden. Der Kunde spürte die Folgen dieser ideologisch motivierten Fehlentscheidungen an der massiven Verschlechterung des Warenangebots im Einzelhandel.

Auf dem Weg in die Großproduktion Entsprechend der nach Industriezweigen strukturierten Wirtschaftsverwaltung unterstanden bereits seit 1968 alle Zweige der Textil- und Bekleidungsindustrie dem Ministerium für Leichtindustrie. Dazu gehörten die Betriebe zur Aufbereitung textiler Rohstoffe, Spinnereien und Zwirnereien, Wirkereien und Stickereien, also auch die gesamte Bekleidungsbranche. Im Ministerium und den übergeordneten Instanzen der Partei und der Plankommission wurden mit viel bürokratischem Aufwand die Produktionsziffern und die Warenpalette festgelegt. Die einzelnen Betriebe machten Vorschläge, die dann in der Regel von den Planbehörden erweitert wurden. Theoretisch waren auch die Werktätigen an dieser Plandiskussion beteiligt, praktisch entwickelte sich eine unbewegliche Wirtschaftsbürokratie, 7

deren archivalische Hinterlassenschaft auch heute noch selbst für den Fachmann der DDR-Wirtschaftsgeschichte schwer zu entschlüsseln ist. Fest steht lediglich: gerade in einer Branche, in der es auf Flexibilität und Kreativität ankommt, waren die schwerfälligen Abläufe der Planwirtschaft extrem hemmend.

Chemie bringt Brot, Wohlstand und Schönheit Bereits seit den frühen sechziger Jahren vollzogen sich zudem folgenreiche technologische Veränderungen. Die teure Baumwollfaser und die Schurwolle wurden schrittweise durch Chemiefasern verdrängt. Während 1960 nur 7 800 Tonnen synthetische Fasern produziert wurden, waren es 1985 bereits 150 000 Tonnen. In diesem Industriezweig setzte sich tatsächlich die industrielle Großproduktion durch. Bei den in der DDR verarbeiteten Chemiefasern handelte es sich insbesondere um Polyamidfasern, die jede Frau unter dem Markennamen Dederon kannte. Das Gewebe entsprach dem westlichen Nylon und diente unter anderem zur Herstellung von Damenstrümpfen. Auch die legendären Kittelschürzen, die in keinem DDR-Museum fehlen dürfen, waren aus Dederon. Handelsüblich waren außerdem Polyesterfasern, die unter dem Namen Grisuten angeboten wurden sowie Acrylfasern, die man als Wolpryla kannte. Daraus wurden beispielsweise bunte und weiche Pullover gefertigt. Die Produkte aus Chemiefasern wurden exportiert und sollten auch den Bedarf des Binnenmarktes decken, was rein mengenmäßig auch gewährleistet war. Insofern erfüllte die Großproduktion ihren Sinn. Das Chemiefaserkombinat „Wilhelm Pieck“ in Schwarza beispielsweise beschäftigte insgesamt 29 000 Mitarbeiter. Allerdings gehörten zu dem Chemiefaserkombinat Schwarza auch in anderen Städten gelegene Betriebe, wie das VEB Chemiefaserkombinat „Friedrich Engels“ in Premnitz, das VEB Chemiefaserkombinat „Herbert Warnke“ in Wilhelm-PieckStadt Guben oder das Kunstseidewerk „Clara Zetkin“ in Elsterberg, um die drei größten zu nennen. Der größte Teil der Belegschaft bestand aus Frauen, die hier eine sehr laute und monotone wie schlecht bezahlte Arbeit machten. Aufgrund des Arbeitskräftemangels griff man gerade in diesen Textilfabriken auf sogenannte Vertragsarbeiterinnen aus Polen, Vietnam und Kuba zurück, die unter sehr bedrückenden Bedingungen arbeiteten und lebten.

Präsent 20 - Reißfest und schweißtreibend Dennoch war die Chemiefaserproduktion unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Effizienz durchaus ein Erfolg. Etwa 70 Prozent der textilen Produkte bestanden in den achtziger Jahren aus synthetischen Fasern. Damit nahm die DDR international eine Spitzenposition ein. Das war wirtschaftspolitisch gewollt und wurde entsprechend politisch propagiert. Zum 20. Jahrestag der 8

DDR wurde unter dem Markennamen „Präsent 20“, ein Gewebe aus 100 Prozent Polyester, auf den Markt geworfen. Diese Faser war universell einsetzbar. Die Produktpalette reichte von der Wandbespannung über Möbelstoff bis zum Herrenanzug. Die Medien rühmten das widerstandsfähige und pflegeleichte Gewebe, das den Alltag der werktätigen Hausfrau erleichtern sollte. Die Kunden waren oft weniger begeistert von dem luftdichten und schweißtreibenden Bekleidungsstoff. Für Haushaltswäsche oder Handtücher war er natürlich gänzlich ungeeignet. Doch Baumwolle oder gar echte Schafwolle kosteten Devisen, so dass es in den achtziger Jahren zunehmend ärgerliche Versorgungslücken gab. Unterwäsche, Bettzeug und Stoffwindeln gab es außerhalb Berlins oft nur unter dem Ladentisch. Auch modische Kleidung gab es nur mit viel Rumrennerei und Schlangestehen. Wer es sich leisten konnte, schaute in den Exquisitläden, wo es zu überteuerten Preisen begehrte Waren gab. Man wusste sich zu helfen, und mit ein bisschen Glück und Findigkeit bekam man wenigstens irgendwas, auch wenn es nicht den Wünschen der Kunden, speziell der Kundinnen entsprach. Das Hauptproblem der Verbraucher war die Qualität, speziell der modische Schick. Über den permanenten Ärger halfen auch die Erfolgsmeldungen über die Steigerung der Produktionsziffern der Textilindustrie nicht hinweg.

Näherinnen bei der Arbeit 1957

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Entwurfszeichnung mit Stoffprobe der Modegestalterin Rotraud Hornig für die Abteilung Damenoberbekleidung im Modeinstitut der DDR, 1971.

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Die Mode und ihre Gestalter_innen in der DDR Silje Habedank

Mode und der Aufbau eines sozialistischen Staates erscheinen auf den ersten Blick als etwas völlig Gegensätzliches. Mode galt in diesem Teil Deutschlands, der am 7. Oktober 1949 als Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet wurde, als kapitalistische Verschwendung besitzender Schichten, die sich von Saison zu Saison in einem schnellen Wechsel präsentierte. Mode sollte durch eine Produktion ersetzt werden, die alle Bevölkerungsteile mit langlebiger Kleidung versorgte und damit eine klassenlose Menschengemeinschaft abbildete. Was aber ist Mode mehr als kapitalistische Verschwendung? Der Begriff der Mode beschränkt sich keineswegs nur auf die Kleidermode. Mode schließt den gesamten Bereich der Lebensgestaltung ein und prägt somit den Alltag. Mode ist damit ein kultureller wie ebenso ein ökonomischer Faktor, ist Konsumtion und Produktion. Konsumtion und Produktion sind wiederum von den gesellschaftspolitischen Verhältnissen abhängig. Auf die Kleidermode bezogen erfüllt sie neben der sozialen Funktion für ihre Träger_innen zahlreiche weitere Funktionen. Die Mode kann beispielsweise dabei helfen, sich schön und selbstbewusst zu fühlen, eine Identität zu finden und auszudrücken. Sie ist ein Mittel der Selbstdarstellung und der Kommunikation. In ihrer Rolle als Medium übermittelt sie das ökonomische, kulturelle und soziale Kapital einer Person. Sie ermöglicht Abgrenzung oder als Gegenpol Zugehörigkeit zu einer Gruppe mit dem Wunsch zu gefallen oder aufzufallen. Mode hat damit eine Zeichen- wie eine Kommunikationsfunktion. Zugleich zielt sie auf eine Ordnungsfunktion; hierfür stehen beispielsweise die Uniformen. Kleidung und Mode sind zwar in erster Linie mit dem Körper und den Bedürfnissen der Träger_innen verbunden. Neben der persönlichen und ökonomischen Dimension hat die Mode jedoch auch eine politische Dimension und existiert nie losgelöst von ihrer Umgebung.

Die Mode der DDR im Spannungsfeld des Sozialismus - Politische Interessen, ideologische Ziele, ökonomische Pläne Eine besondere Bedeutung erhielt diese Tatsache in der Deutschen Demokratischen Republik mit ihren autoritären Strukturen. Da die kapitalistische Mode in der DDR als Ausdruck eines perfekt manipulierten Massenkonsums dargestellt wurde, der die sozial niedrigeren Schichten zur Nachahmung der herrschenden Mode zwingen würde, widersprach sie den Vorstellungen einer schnellen Überwindung von sozialen Unterschieden, dem Ziel einer klassenlosen Menschengemeinschaft. Der Begriff Mode wurde durch Bekleidungskultur ersetzt, und dennoch wurde 11

in der DDR Mode kreiert, produziert und konsumiert. Doch wie groß war der Einfluss des sozialistischen Gesellschaftssystems auf die Mode, und welchen Einfluss hatte dieser wiederum auf die Modegestalter_innen? Mode war in der DDR nicht einfach nur Mode. Die Palette der Funktionen, die sie erfüllen sollte, war breit gefächert. Der Ideologie entsprechend sollte das Leben des sozialistischen Menschen mit anderen Inhalten als dem sinnentleerten Konsum erfüllt sein: Eine gerechte Verteilung der Ressourcen und ein angeglichenes Einkommensniveau sollten die Gleichheit und Klassenlosigkeit aller Menschen befördern, soziale Unterschiede überwunden und der Luxus abgeschafft werden. Die Individualität und Vielfalt der Lebensstile hatte sich der sozialistischen Gemeinschaft unterzuordnen. Dem elitären Charakter der Mode wurde ein sozialer Charakter gegenüber gestellt. Statt des schnellen Wechsels wurde eine langsame, aber stetige Anpassung der Kleidung an Modeströmungen propagiert. Die DDR zielte deshalb darauf, nicht den Anschluss an das internationale Modegeschehen zu verlieren und auf dieses Einfluss zu nehmen. Es sollte ein Gegenpol zur kapitalistischen Mode aufgebaut und somit das modische Weltniveau selbst bestimmt werden. Auf diese Weise beabsichtigte die DDR-Führung, das politische System im Staate als das bessere zu präsentieren. Um dieses Ziel in der Realität zu erreichen, wollte die DDR ihren eigenen, sozialistischen Bekleidungsstil kreieren. Alle Werktätigen sollten ihr Bedürfnis nach schöner und geschmackvoller Kleidung mit hohen Gebrauchseigenschaften befriedigen können, unnötige modische Ausreißer und kurzlebige Trends vermieden werden. Die Kleidung hatte jahrelang tragbar, kombinierfähig, strapazierfähig, zweckmäßig und pflegeleicht zu sein. Die berufstätige Frau sollte schließlich schön, aber praktisch angezogen sein. Erwerbstätigkeit, Haushalt und Familie – von der sozialistischen Frau wurde erwartet, dass sie alle Bereiche miteinander vereint. Darüber hinaus sollte die Kleidung Optimismus ausstrahlen, farbenfroh, schön und modern sein – Schwarz als Modefarbe war nicht akzeptabel. Die Kleidung musste dem neuen sozialistischen Menschen, seiner Lebensweise und seiner Kultur gerecht werden und ihn angemessen in der Gesellschaft widerspiegeln: „Die beste Befriedigung unserer Menschen mit formschönen Produkten wird sie in ihrer täglichen Arbeit beflügeln, lässt sie ihr neues Leben mit Elan bauen und mit allen Kräften die politischen Aufgaben in Angriff nehmen und erfüllen.“1 Gleichsam wurde von der Kleidung erwartet, dass sie das kulturelle Lebensniveau der Menschen anhebt und gleichzeitig auch in ästhetischer und kulturpolitischer Hinsicht erzieherisch wirkt. Ökonomisch musste die DDR-Führung sich Einiges einfallen lassen, um ihre Wunschvorstellung von der sozialistischen Mode zu realisieren. Den modischen Verschleiß konnte und wollte die Planwirtschaft sich nicht leisten. Rohstoffe waren verfügbar, dennoch gab es selten alle nötigen Materialien wie Farben, Stoffe oder Knöpfe in guter Qualität. Die Importmöglichkeiten waren begrenzt, westliche Rohstoffe konnten nur mit Devisen, das heißt mit Zahlungsmitteln 12

in Währungen aus dem Nichtsozialistischen Währungssystem (NSW), eingekauft werden. Diese wiederum kamen über den Export von Kleidung in die DDR – die Orientierung an internationalen Trends war allein deshalb eine Notwendigkeit. Die Erfüllung der Planvorgaben - eine gute Materialauslastung und hohe Stückzahlen – war das Ziel aller Textilbetriebe, die es traditionell vor allem im sächsischen und thüringischen Raum in hoher Zahl gab. War die Herstellung zu teurer, der Arbeitsaufwand zu groß oder zeitaufwendig, das Material knapp oder die Maschinen zu alt, mussten auf Kosten des Designs und der Qualität Kompromisse gemacht werden. Die Gestaltung wurde vereinfacht: Aufwendige, aber unnötige Details, wie blinde Taschen, Doppelnähte oder Rüschen, wurden wegrationalisiert. Masse statt Klasse war die Devise, um den Plan zu erfüllen. Wachsende Kleiderberge in den Läden waren die Folge. Die Staatsführung wollte die Mode instrumentalisieren, um ihre politischen, ideologischen und ökonomischen Ziele zu erreichen. Diese Ziele veränderten sich jedoch im Verlauf des 40-jährigen Bestehens der DDR. In der Ära Ulbricht der 1950er und 1960er Jahre wurden noch immens hohe Ansprüche gestellt. Die Mode war einer abstrakten Ideologie unterworfen, und trotz der Ablehnung der kapitalistischen Mode herrschte in den 1950er Jahren ein strenges Modediktat mit vielen Anklängen an die Pariser Couture-Bekleidung. In den 1960er Jahren wurde die Mode jünger, praktischer und bedarfsgerechter, was sich auch mit der zunehmenden Bedeutung der werktätigen Frau erklären lässt. Die ideologischen Vorgaben blieben jedoch dieselben. Mode wurde nicht als private Angelegenheit betrachtet, sondern sollte der Überwindung der Klassenunterschiede dienen und Gemeinschaft demonstrieren. Die Ära Honecker der 1970er und 1980er Jahre brachte einen Wandel. Man öffnete sich Richtung Westen und die propagierte Ideologie wurde nach und nach aufgeweicht. Die sozialen Unterschiede konnten nicht mehr negiert werden, und der Versuch, sie zu überwinden, war gescheitert. Die Modemacher_innen durften kreativer und individueller arbeiten. Die Mode wurde sportlicher und vielfältiger, und internationale Modetrends setzten sich schneller und einfacher durch. Die Analysen und Pläne wurden präziser und detaillierter, der Idealismus wurde zunehmend vom Realismus verdrängt.

Das Modeinstitut und die Modelinie der DDR Es war keine einfache Aufgabe, die vielseitigen und komplexen Ansprüche an die Bekleidung zu realisieren. Um diese Herausforderung zu bewältigen, wurde ein ganzer Apparat zur Erforschung, Planung, Produktion, Kontrolle und Verkauf von Kleidung errichtet. Unmittelbar nach der Gründung der DDR bestand die Textilindustrie aus privaten Betrieben. Diese wurden nach und nach verstaatlicht und in volkseigene Betriebe überführt, um die Bekleidungsproduktion zentral steuern zu können. Grundsätzlich fiel die Bekleidung in den Zuständigkeitsbereich 13

des Ministeriums für Leichtindustrie. Als zentrale Forschungs- und Entwicklungseinrichtung für den Bereich der Mode wurde das Modeinstitut der DDR ins Leben gerufen. Es wurde 1952 als „Institut für Bekleidungskultur“ gegründet, anschließend in „Deutsches Modeinstitut der DDR“ umbenannt und erhielt 1972 mit „Modeinstitut der DDR“ seinen endgültigen Namen. Es hatte den Auftrag, „entsprechend dem Bedarf und den sich verändernden Ansprüchen der Bevölkerung auf die Erhöhung der Qualität aller Bekleidungserzeugnisse hinsichtlich Gestaltung und Sortimentsstruktur Einfluß zu nehmen, so daß mit den vorhandenen Rohstoffen, Materialien und Kapazitäten ein optimaler Nutzen für die Versorgung der Bevölkerung erzielt werden kann.“2 Die konkrete Aufgabe des Modeinstitutes war es, „in enger Gemeinschaftsarbeit mit breiten Kreisen von Mitarbeiter_innen der Industrie, des Handels, der Institute, der Fach- und Hochschulen sowie der Verbraucher jährlich oder halbjährlich die Empfehlung der jeweiligen Modelinie der DDR“3 zu erarbeiten. Zu diesem Zweck konzipierten die Mitarbeiter_innen des Modeinstituts zweimal jährlich eine Musterkollektion, die den zahlreichen Betrieben als Anleitung diente. Nicht nur das Design spielte dabei eine Rolle – auch die vorhandenen Ressourcen mussten bei der Planung berücksichtigt und neue Technologien durch ihren Einsatz in der Bekleidungsproduktion gefördert werden. Die dafür benötigten Forschungsund Entwicklungsprozesse fanden im Modeinstitut statt. Zur Orientierung dienten die Ergebnisse des Marktforschungsinstituts in Leipzig, das den Bedarf der verschiedenen Verbrauchergruppen erfasste. Das Modeinstitut arbeitete nicht autonom, sondern hielt regelmäßige Absprachen mit dem Amt für industrielle Formgestaltung und dem Amt für Standardisierung, Meßwesen und Warenprüfung. Ziel dieser Kooperationen war es, die Industrie zur Umsetzung der Modelinie zu befähigen und die Ergebnisse zu kontrollieren. Um die breite Durchsetzung der Modelinie zu gewährleisten, wurden auch der Handel und die Bevölkerung informiert. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Medien. In Zeitungen, Zeitschriften, im Fernsehen oder auf Modenschauen wurden die vom Modeinstitut aufgearbeiteten Trends gezeigt und somit die Bedürfnisse der Bürger_innen entsprechend der technisch-ökonomischen Entwicklung stimuliert und versuchsweise gelenkt.

Die Gestalter_innen der Bekleidungskultur Die zentrale Schnittstelle zwischen den Vorstellungen des Staates und der Realisierung in der Industrie waren die Modegestalter_innen. Sie trugen die Verantwortung dafür, dass die Kleidung den Vorstellungen der Politiker und Käufer_innen gleichermaßen entsprach und die jeweiligen Entwürfe in die Praxis umsetzbar waren. An oberster Stelle standen die Modegestalter_innen aus dem Modeinstitut. Sie entwickelten die offizielle Modelinie und gaben damit die Empfehlung und Anleitung für die Gestalter_innen in den Betrieben. 14

Obwohl sich die sozialistische Bekleidung vom Design der internationalen Mode abheben sollte, orientierten sich die Modegestalter_innen am weltweiten Modegeschehen. Eine große Bibliothek mit internationalen Zeitschriften und weiteren Schriften und Büchern dienten ebenso der Inspiration, wie der Besuch von Ausstellungen und Museen. Sogar Reisen ins sozialistische, aber auch kapitalistische Ausland und zu Modenschauen und Messen waren wenigen Auserwählten gestattet. Die beobachteten Trendrichtungen wurden ausgewertet und im Team diskutiert. Sortiments- und Materialschwerpunkte, Verbrauchergruppen, Silhouetten, Längen und Verarbeitungsmerkmale für die neueste Trendkollektion wurden gemeinsam besprochen und festgelegt. Die Ergebnisse der Marktforschung fanden Eingang in diesen theoretischen Vorlauf. Im Anschluss daran begannen die Gestalterkollektive mit der Arbeit an konkreten Entwürfen. Es gab Kollektive für unterschiedliche Bekleidungskategorien, wie Damenoberbekleidung, Herrenoberbekleidung, Kinderoberbekleidung, ab 1979 Jugendmode, Trikotagen, Textilien, Schmuck, Schuhe, Taschen und Lederwaren. In den 1970er Jahren wurden diese Spezialisierungen langsam aufgelockert und die Mode eher nach Themen, als nach Sortimenten gestaltet. Die Entwürfe der einzelnen Abteilungen wurden zu einer Anleitungskollektion zusammengestellt und in den hauseigenen Werkstätten geschneidert. Die Leitung des Modeinstituts und des Ministeriums nahm anschließend die fertigen Kollektionen ab und begutachtete die Modelle auf ihr Gestaltungskonzept, das heißt auf Form, Farbe und Inhalt. Über Anleitungsmaterialien und auf den zweimal jährlich stattfindenden Fachtagungen wurden die Modegestalter_innen und Konstrukteur_innen der Textil-, Bekleidungs- und Lederindustrie über die jeweilige Modelinie informiert, und sie hatten die Möglichkeit, an Fortbildungen teilzunehmen. Die Gestalter_innen in den zahlreichen Industriebetrieben der DDR mussten allerdings bei ihrer praktischen Umsetzung nicht nur auf die offizielle Modelinie, sondern auch auf die planwirtschaftlichen Gegebenheiten Rücksicht nehmen. Stoffe und weitere Materialien konnten nicht ohne Weiteres bestellt werden, sondern wurden zugeteilt. Die vom Modeinstitut erarbeitete Modelinie bot dabei eine Anregung und eine Orientierung am Trend, aber mehr als eine Richtlinie war sie in der Regel nicht. Daher konnten und mussten die Modegestalter_innen sich selbst inspirieren lassen, kreativ werden und einen eigenen Stil finden. Jeder Betrieb hatte letztendlich doch seine eigene Linie, und die Gestalter_innen verliehen jedem Entwurf eine individuelle Nuance. Die Modegestalter_innen in den Betrieben entwarfen zunächst Modelle, ließen Muster davon anfertigen und konnten bei Bedarf die erarbeiteten Kollektionsinhalte mit den Gestalter_innen des Modeinstituts absprechen. Anschließend wurden die Modelle hinsichtlich ihrer Formgestaltung und Qualität vom Amt für Standardisierung, Meßwesen und Warenprüfung im Modeinstitut beurteilt und abgenommen. Zu den dazu berufenen Gutachter_innen gehörten Gestalter_innen aus dem Modeinstitut und der Industrie sowie Mitglieder des Handels und 15

der technischen Qualitätskontrolle. Einzelne Modelle der Kollektion konnten auch abgelehnt werden, doch wenn zwei Versionen vorgezeigt wurden, wurde eine davon in der Regel abgenommen. Die Betriebe präsentierten die abgenommenen Kollektionen auf der halbjährlich stattfindenden Modemesse in Leipzig. Dort wurden die Modelle von Mannequins vorgeführt, dem Handel angeboten und zum Verkauf in Serie produziert.

Der volkseigene Handelsbetrieb Exquisit Eine Sonderrolle in der Industrie spielte der volkseigene Handelsbetrieb (VHB) „Exquisit“. Das Bedürfnis nach modischer, gut passender und qualitativ hochwertiger Kleidung galt auch für Bürger_innen der DDR. Die entsprechende Kaufkraft war vorhanden, nur das Angebot war häufig mangelhaft. Als Lösung für dieses Problem – um die Kaufkraft abzuschöpfen und um den „gehobenen Bedarf“ abzudecken – wurden ab 1962 einige „Exquisitläden“ eingerichtet: „Ihre Einrichtung ist Ausdruck für das Bemühen, kulturell Anschluß an das Weltniveau, mithin die sich entfaltende Konsumgesellschaft Westeuropas zu finden. Die eigene Bevölkerung hatte insbesondere in Berlin die Möglichkeit des direkten Vergleichs. Wollte man sie von der Attraktivität des sozialistischen Systems überzeugen, mußte der wachsende Wohlstand sinnfällig gemacht, symbolisiert werden. Die ersten Exquisitläden waren Schaufenster des Sozialismus in den Westen.“4 1970 wurde mit dem VHB Exquisit ein in der DDR einzigartiger Betrieb gegründet. Im Unterschied zu den „normalen“ Textilbetrieben agierte Exquisit nach dem Organisationsprinzip in vertikaler Struktur. Produktentwicklung, Produktion, Logistik, Einkauf und Verkauf wurden vom Volkseigenen Handelsbetrieb (VHB) zentral realisiert. Exquisit bekam Sonderkonditionen und kaufte mit Devisen Material und Maschinen und importierte Kleidung, Schuhe, Lederwaren und Accessoires aus dem Ausland, um die vorhandenen Ressourcen zu ergänzen. Diese Freiheit kam der Kreativität der Gestalter_innen zu Gute, die ihrer Inspiration freien Lauf lassen konnten und ihre Individualität in die Kollektionen einbrachten. Der theoretische Vorlauf begann 16 Monate vor Beginn der Saison. Das Team wertete die Ergebnisse der Markt- und Bedarfsanalyse und die Modetendenzen aus und legte die Farb- und Materialschwerpunkte und Schnitte für die nächste Kollektion fest. Nach dieser Ideenfindung wurden die Stückzahlen hochgerechnet, die benötigten Stoffe, Garne und Zutaten eingekauft und die Modelle von den Gestalter_innen entworfen. Nach diesem Vorlauf wurde das vorläufige Entwurfskonzept gemeinsam diskutiert, gegebenenfalls geändert und von der Leitung bestätigt. Anschließend fand die Industrieanleitung statt: Das fertige Konzept wurde mit den ausgewählten Materialien den Konfektions- und Trikotagenfirmen, die für den Exquisit produzierten, übergeben. Dort wurden die Mustermodelle schließlich in Zusammenarbeit mit den Gestalter_innen 16

erarbeitet und die Kollektion endgültig geformt. Nach der erneuten Zusammenführung in Berlin wurden die konkreten Stückzahlen und Preise ermittelt, die Kollektionen produziert und schließlich in den Geschäften, die der Handelsorganisation (HO) unterstanden, verkauft.

Mode nach Plan? Trotz aller Bemühungen vonseiten der Politik und der Industrie, wurden die Ziele für die Kleidungsproduktion oft verfehlt und die ideologischen Absichten, die die Staatsführung hegte, nicht realisiert. Die Modegestalter_innen entwarfen keine Mode für die sozialistische Persönlichkeit. Nicht die Verwirklichung der Ideologie, sondern eine schöne Formgestaltung war das oberste Anliegen der Gestalter_innen. Dennoch hinkte die DDR dem internationalen Modegeschehen immer ein wenig hinterher, und die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem herkömmlichen Angebot war groß. Die Ursachen für diese Befunde sind vielfältig. Der Schwerpunkt der Wirtschaft der DDR lag auf der Schwerindustrie, die Konsumgüterproduktion wurde vernachlässigt. Die Beseitigung der privaten Betriebe und die fehlenden Anreize zur Konsumgüterproduktion sind weitere Gründe für die mangelhafte Produktion, die Nichterfüllung der Pläne und die unzureichende Versorgung der Bevölkerung. Weitere Ursachen sind die veraltete Technik, die mangelhafte Qualität verfügbarer Materialien und der Arbeitskräftemangel, ebenso der hohe Export insbesondere qualitativ hochwertiger Waren ins Ausland.5 Theoretisch war die gesamte Produktion durchgeplant, doch diese Pläne erwiesen sich mehrheitlich als unrealistisch und ihre Umsetzung in die Praxis unmöglich. Es wurde unzureichend am tatsächlichen Bedarf und an den Ansprüchen der Bevölkerung geplant. Die Prozesse in der Planwirtschaft waren aufgrund der vielen Zuständigkeiten und begrenzten Ressourcen zu starr und zu langsam, um Mode den Bedürfnissen der Menschen angemessen herstellen zu können. Gegen Ende der 1960er Jahre zeichnete sich immer stärker ab, dass Mode nach Plan nicht funktioniert. Dennoch reagierten die Verantwortlichen mit noch komplizierteren Vorgaben, anstatt alles zu vereinfachen. Technisch-ökonomische Verbesserungen, mehr Informationen, mehr Planung und Kooperation sollten die Probleme beheben. Die Modetendenz sollte mit einem Vorlauf von mehreren Jahren erarbeitet werden, um besser langfristig planen zu können. Die Durchsetzung der Modelinie sollte durch eine koordinierte Informationstätigkeit erreicht werden. Doch die Wege der Mode funktionieren so nicht, und obwohl die Designer_innen im Modeinstitut und in den Industriebetrieben ihr Bestes gegeben haben, konnten ihre kreativen und schönen Entwürfe oft nicht adäquat umgesetzt werden. Die Gestalter_innen in den Betrieben mussten sich den Plänen beugen und mit dem arbeiten, was sie hatten. Dadurch kam es immer wieder zu großen Diskrepanzen zwischen den Ideen des Modeinstituts und 17

Entwurfszeichnung der Modegestalterin Ulla Stefke für den volkseigenen Handelsbetrieb Exquisit 1980

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den fertiggestellten Kleidungsstücken: „Die widersprüchlichen Interessen der Designer und der staatlichen Betriebe sowie die zahlreichen Stufen zwischen Produktidee und ihrer Verwirklichung, die von verschiedenen Personen abhängig waren, bedingten, dass viele ursprüngliche Ideen nicht umgesetzt werden konnten.“6 In der Folge herrschte Unzufriedenheit der Käufer_innen mit dem Angebot. Kritisiert wurden die altmodischen Muster und Schnitte, minderwertige Stoffe, mangelhafte Verarbeitung sowie schlechte Gebrauchs- und Pflegeeigenschaften der Kleidung. Die begehrten Sachen waren schnell vergriffen oder wurden als „Bückware“ von den Verkäufer_innen zurück gehalten. Die massenhafte Herstellung und die damit einhergehende Konformität der Bekleidung konnte das Bedürfnis der Menschen nach Individualität nicht befriedigen. Die Gründung des VHB Exquisit war vor diesem Hintergrund eine folgerichtige Entscheidung. Im Unterschied zu den anderen Betrieben gelang es dem Exquisit, ein ansprechendes Angebot bereitzustellen, das von der Bevölkerung angenommen wurde. An diesem Beispiel offenbart sich das ambivalente Verhältnis der DDR zum Konsum und zur Mode. Einerseits wurde die Mode abgelehnt, andererseits wurde sie instrumentalisiert. Die sozialistische Logik wurde letztendlich ad absurdum geführt. „Die Etablierung eines nach marktwirtschaftlichen Prinzipien organisierten Sektors für den gehobenen Bedarf (...) verweist auf einen weiteren grundsätzlichen Widerspruch in der sozialistischen Konsumpolitik. Der Verstoß gegen die eigenen Egalisierungsideale war ökonomisch begründet, die DDR hatte einen dringenden Bedarf an Devisen und Investitionsmitteln. Doch er hatte gravierende kulturelle Folgen nicht nur hinsichtlich der Ausdifferenzierung von Lebensstilen, sondern auch in Bezug auf das Eindringen und Bestätigen westlicher Konsumideale. In der Tendenz konnten Idealisierungsvorstellungen so nur auf niedrigem Niveau (Standardproduktion) realisiert werden, und den Distinktionsbestrebungen der Individuen mußte mehr und mehr nachgegeben werden. Das führte zu sozialen Ungleichheiten.“7 Diese Entwicklung führt zu der Schlussfolgerung, dass Sozialismus und Mode nicht zusammen passen. Die Mode ist eine kulturelle Praxis, die sich aufgrund der individuellen Bedürfnisse ihrer Träger_innen und auch deren Erschaffer_innen der staatlichen Einflussnahme entzieht. Sie ist nicht planbar oder gezielt lenkbar. Die Kontrolle der Mode ist ihr Ende. Interessanterweise gab es trotz aller Kontrollversuche in der DDR eine Mode als Bekleidungskultur. Sie wurde von kreativen und inspirierenden Modegestalter_innen ins Leben gerufen, die mit eigener Handschrift ihr künstlerisches Können auf internationalem Niveau unter Beweis stellten. Ihre Kreationen vielfältigster modischer Art haben die Republik bunter und vielfältiger und den spezifischen „Look“ der DDR geprägt und unvergesslich gemacht. Einige von ihnen haben das Studienprojekt mit ihren Erinnerungen und interessanten Zeugnissen aus ihrem privaten Besitz unterstützt.

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Sibylle 6/1966, Verlag für die Frau Leipzig, Foto: Joachim Fieweger

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Die Modefotografie in der Sibylle Eine Zeitschrift für Mode und Kultur Carolin Loka

Im Rahmen der Ausstellung "GUTER STOFF. Kleidung im DDR-Alltag" wird Ihnen u. a. die Sibylle, die Zeitschrift für Mode und Kultur, als herausragendes Beispiel für Modefotografie in der DDR vorgestellt. Damit Sie besser die Idee und das Konzept der Sibylle verstehen, werden Ihnen nachfolgend in Form eines historischen Abrisses zunächst die Intentionen und Ziele der unterschiedlichen Chefredakteurinnen in deren Wirkungsphasen erläutert. Nachfolgend erhalten Sie einen Einblick in die 40 Jahre Modefotografie in der DDR am Beispiel der Sibylle. Zudem wird das in ihr dargestellte Frauenbild besprochen. Die Modezeitschrift Sibylle erschien ab 1956 sechsmal jährlich in einer Auflage von 200.000 Exemplaren. Die Gründung der Zeitschrift kann als Resultat der politischen Änderungen nach dem Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953 gesehen werden. Die Obrigkeit musste einsehen, dass das Volk auch nach Spielen verlangt und nicht nur nach Brot.8 Im ersten Jahr wurde die Sibylle direkt vom Institut für Bekleidungskultur herausgegeben und ab 1957 vom Verlag für die Frau in Leipzig. Das ursprüngliche Konzept zielte auf die Vermittlung von internationaler Haute Couture und Kunst. Ein absurd erscheinendes Anliegen, wenn man bedenkt, dass es zu dieser Zeit „noch Lebensmittelkarten gab, Wohnungsnot herrschte und viele Frauen im Dreischichtsystem arbeiteten“.9 Erst 1958 begann sich mit der Chefredakteurin Margot Pfannstiel diese Zielrichtung zu ändern. Pfannstiel verfolgte ein neues, intelligentes Konzept für die Sibylle, welches sich über einen längeren Zeitraum erhalten sollte und damit eine Ära prägte. Die Ideen zu jeder Ausgabe wurden dabei in der Redaktion gemeinsam entwickelt, und die Mode wurde fortan immer im Zusammenhang mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Themen vermittelt. Zudem war es vorgesehen, die Sibylle zu gleichen Teilen in die Sparten Mode und Kultur zu gliedern. Im kulturellen Teil wurde u. a. über Theateraufführungen, Kunst, Literatur und Architektur berichtet. Mit Dorothea Melis kam Anfang der 1960er Jahre ein neues Team zur Sibylle. Dazu gehörten Arno Fischer, Elisabeth Meinke und Axel Bertram, die maßgeblich vom Bauhaus-Stil geprägt waren.10 Gegen Ende der 1960er Jahre nahm die Kritik seitens der Frauenkommission des Zentralkomitees (ZK) der SED zu. Die Leiterin der Frauenkommission Inge Lange sprach sich zunehmend für einen Wandel des Konzeptes zu einer "volksnäheren Gestaltung" aus. Als dies nicht die gewünschten Änderungen erzielte, wurde im Oktober 1968 Yvonne Freyer als neue Chefredakteurin eingesetzt. Ihr Konzept entsprach eher den offiziellen Vorgaben. Im Kulturteil wurde nun vermehrt über kunsthandwerkliche und folkloristische Themen 21

berichtet. Des weiteren wurde der Ratgeberteil in der Sibylle ausgebaut. Durch das Einsetzen jeweiliger Chefredakteurinnen nahm die Frauenkommission Einfluss auf die Gestaltung der Zeitschrift. Eine Zensur im wörtlichen Sinne fand jedoch nicht statt, da eine Ausgabe grundlegend erst nach dem Erscheinen mit der Obrigkeit besprochen wurde. Wie bei allen anderen Publikationen der DDR fand eine Art unausgesprochene Selbstzensur statt, die sich auf den vorauseilenden Gehorsam der zuständigen Redakteur_innen verließ. So wurden die Chefredakteurinnen bei den Zusammenkünften mit der Frauenkommission gelobt und getadelt. Die Fotografin Ute Mahler meinte hierzu: „Eigentlich haben wir immer gemacht, was wir wollten. Den Ärger gab es dann hinterher, wenn wir unsere Vorstellungen von Schönheit und Mode mit denen der Frauenkommission des ZK nicht in Einklang gebracht hatten“.11 Mit einem erneuten Wechsel der Chefredakteurin änderte sich zusehends das Arbeitsklima in der Redaktion. Carla Wurdak war ab 1982 von Inge Lange damit beauftragt worden, das Konzept der Sibylle abermals zu überarbeiten. Die Zeitschrift sollte eine eindeutige politische und kulturelle Zielsetzung aufweisen. So konnte der Kulturteil ab den 1980er Jahren nur noch wenig überraschen. Unangepasstes konnte nur noch im Modeteil der Zeitschrift gezeigt werden. Nach der Wende wurde der Verlag für die Frau und damit auch die Sibylle vom Gong Verlag aufgekauft. 1994 kauften u. a. Erika Büttner und Lisa Schädlich die Titelrechte vom Gong Verlag und gründeten den Sibylle Verlag. Sie wollten die Zeitschrift wieder nach ihren eigenen Ansichten gestalten. Jedoch konnten sie die Sibylle nicht retten, und so wurde die Zeitschrift 1995 endgültig eingestellt.

40 Jahre Modefotografie in der DDR am Beispiel der Sibylle Denkt man an die Modefotografie in der DDR, so ist diese untrennbar mit der Sibylle verbunden. Kulturgeschichtlich gesehen können anhand von Fotografien Aussagen über die jeweilige kulturelle und gesellschaftliche Situation getroffen werden. Hier werden die gängigen Schönheitsideale, Lebensverhältnisse, Sehnsüchte und Träume der Bevölkerung ästhetisiert abgebildet. Die Fotograf_innen und Redakteur_innen der Sibylle haben Mode grundsätzlich als einen Teil der Alltagskultur verstanden. Mode wurde von ihnen nicht nur auf Kleidung reduziert, sondern war eher eine Lebenseinstellung, die eng verbunden war mit den alltäglichen Lebensbereichen, Kunst und Kultur.12 Im Gegensatz zu westlichen Magazinen sollte die abgebildete Kleidung nicht zum vermehrten Konsum anregen. Keinesfalls sollten Bedürfnisse geweckt werden, die nicht gestillt werden konnten. Vielmehr sollten die Fotografien als Anleitung zur eigenen Kreativität dienen. Dies wurde später durch die beigefügten Schnittmusterbögen erweitert. Auf den Fotografien der 1950er Jahre ist kaum praktische Alltagsmode zu sehen, vielmehr wurden die gängigen Geschlechterrollen der Vorkriegszeit dargestellt. Die gepflegte Hausfrau und die adrette Dame sind hierbei die häufigsten Motive. 22

Die Körperhaltungen der Mannequins wirken bieder, unnatürlich und gestellt. Die wohl einflussreichste und stilprägendste Zeit der Modefotografie der DDR begann Anfang der 1960er Jahre. Vor allem durch Dorothea Melis und ihr neues Team, darunter u. a. die Fotografen Arno Fischer und Günter Rössler, entwickelte sich eine neue, anspruchsvolle Bildästhetik nahe am Reportagestil. Das Leitbild dieser Zeit war die junge, emanzipierte und berufstätige Frau, die nun jenseits von Weiblichkeitsklischees inszeniert wurde. Die Aufnahmen entstanden vor allem in realen Lebensräumen und kulturellen Einrichtungen. Meist schauen die Mannequins hierbei selbstbewusst in die Kamera. „Wir haben in der Modefotografie in den 60er Jahren eine Art selbstgestellten gesellschaftlichen Auftrag verwirklicht. Ich meine das natürlich nicht im politischen Sinne. Unsere Ansprache richtete sich an die normale Frau, bei der Arbeit, auf der Straße, im Alltag. Eine tragbare, vernünftige Mode zu fotografieren, war unser Anliegen, mit intellektuellem Anspruch zwar, aber fern von jeder Exklusivität und Extravaganz“.13 Die Mannequins wurden in den 1970er Jahren wiederholt verträumt und nachdenklich an öffentlichen Plätzen inszeniert. Vermehrt wurden die Frauen mit Kindern oder als Teil einer Liebesbeziehung abgelichtet. So rückten Träume und Wünsche der DDR-Bürger_innen in den Vordergrund. Die berufstätige Frau trat in den Motiven zurück. Dies ist insbesondere auf die Familienpolitik der 1970er Jahre zurückzuführen. Die 1980er Jahre waren dagegen geprägt von exzentrischen Posen und auffälliger Kleidung. Der Trend zur Androgynität mit Schulterpolstern und Krawatte zeichnete den Stil dieser Jahre aus. Die Mannequins wurden regelmäßig als Gruppe in einem Studio abgelichtet. Zudem ist ein offenerer Umgang zur weiblichen Sexualität zu erkennen. Erotische Fotografien mit Mannequins in Dessous wurden nicht nur angedeutet, sondern etwas expliziter, als bisher gewohnt, dargestellt. Weiterhin ist zu vermerken, dass es in der DDR wenige Berufsmannequins gab. Die Frauen stellten sich nur nebenberuflich für die verschiedenen Modezeitschriften zur Verfügung. Zumeist waren sie Schülerinnen, Studentinnen oder Facharbeiterinnen.14 Die Mannequins der Sibylle kamen u.a. aus der DDR, Polen, Kuba und China. Neben der Modefotografie wurden Frauen aus dem kulturellen, öffentlichen oder alltäglichen Leben porträtiert. Die vorgestellten Frauen sollten der Leserschaft als Vorbilder und Identifikationsfiguren gelten. Auch heute mit zeitlichem Abstand ist festzuhalten, dass die meisten Modefotos der Sibylle eine gewisse Zeitlosigkeit ausstrahlen. Dies ist vor allem auf die angestrebte Natürlichkeit der Frauen zurückzuführen. Lediglich anhand der Posen, Rocklängen und kleinen Details lässt sich die jeweilige Dekade erschließen.15 Die Modefotografien in der Sibylle bieten einen gewissen Eindruck vom Alltag in der DDR, jedoch wurde die sozialistische Wirklichkeit geschönt dargestellt. Die Aufnahmen luden zum Träumen ein und dienten als Flucht aus dem tristen Alltag.

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Sibylle 3/1971, Verlag für die Frau Leipzig, Foto: Arno Fischer

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Sibylle 5/1976, Verlag für die Frau Leipzig, Foto: Sibylle Bergemann

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Das Frauenbild in der Sibylle In den 1950er Jahren war das Leitbild der Frau in der Sibylle von den Geschlechterklischees der Vorkriegsjahre bestimmt. Erst ab den frühen 1960er Jahren änderte sich dies. Es sollte ein Bild von der sozialistischen Frau gezeigt werden. Dies war zum einen von der Frauenkommission des ZK gewünscht und zum anderen traf das auch anfänglich die Auffassung der Sibylle-Redaktion. Die sozialistische Frau galt als emanzipiert, berufstätig, modern und selbstbewusst. Sie bestach durch Natürlichkeit, Optimismus und Intelligenz. Unter keinen Umständen war sie ein Mode-Püppchen, eine biedere Mutti und erst recht kein Vamp. Die Frau als Persönlichkeit und die Vermittlung eines gewissen Lebensstils standen im Vordergrund der Fotografien. In der gesellschaftlichen Idealvorstellung sollte die sozialistische Frau nicht nach Äußerlichkeiten, sondern nach ihrer Leistung beurteilt werden. Dieses Bild war jedoch staatlich bestimmt und hatte mit der Realität wenig gemein. Die Gleichberechtigung war eine ideologisch gesetzte Norm. In der DDR waren ca. 90 Prozent der Frauen berufstätig. Für sie galt gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Allerdings blieb ihnen der Weg zu hochdotierten Führungspositionen verwehrt.16 Weiterhin musste die Mehrheit der Frauen Familie und Beruf unter einen Hut bekommen, denn die traditionellen Rollenbilder lebten unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung weiter. Das von den Modefotografien der Sibylle propagierte Bild der emanzipierten, intelligenten, gesellschaftlich aktiven und beruflich erfolgreichen Frau verkörpert insofern eher ein Ideal als die gesellschaftliche Realität der DDR.

Sibylle 6/1976, Verlag für die Frau Leipzig, Foto: Günter Rössler

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Sibylle 4/1964, Verlag für die Frau Leipzig, Foto: Arno Fischer

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Moda Polska, Warschau, Rückenansichten in: Melis, Dorothea (Hrsg.), Sibylle. Modefotografie in drei Jahrzehnten DDR, Berlin 1998, Foto: Roger Melis

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Sibylle 1/1974, Verlag für die Frau Leipzig, Foto: Arno Fischer

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Selbstschneiderei Ulrike Brummundt, Foto: Norbert Günther

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Selbstschneiderei in der DDR Kristin Hahn

Allgemeines Mit der Mode zu gehen, ist nicht immer einfach. Dennoch war es wohl noch nie so einfach wie heute. Mit einem Angebotsspektrum von unzähligen Modeketten hat man die Qual der Wahl, sich zu entscheiden. Doch das muss man auch manchmal gar nicht, denn die Preise für Mode sprechen eine klare Sprache: Es ist genug für alle da und auch gerne etwas mehr. Mode muss schon lange nicht mehr teuer sein. Dass dieses wirtschaftliche System nicht immer von einem derartigen Luxus geprägt war, ist heute kaum denkbar. Doch geschichtlich betrachtet liegt die Periode einer Mangelwirtschaft noch gar nicht so lange zurück. Dass Mangel aber auch positive Seiten zum Vorschein bringt, wird am Modesystem der DDR ganz besonders deutlich. Die Situation der DDR war geprägt von dem System der Planwirtschaft und Vereinheitlichung, was sich auch in der Mode widerspiegelte. Begrenztes Angebot und Einheitslook waren die Folge. Wer sich modisch und individuell kleiden wollte, musste tief in die Tasche greifen. Nur einige ausgewählte Boutiquen und Modehäuser, wie zum Beispiel das Modehaus „Exquisit“ und der „Dior des Ostens“, Heinz Bormann, konnten ihre Kunden mit Mode über die Grenzen der DDR hinaus bedienen. Doch Geld sollte für viele Menschen in der DDR kein Hindernis sein, mit der Mode zu gehen. So war es doch der Mangel selbst, der das größte Maß an Kreativität und Ideenreichtum hervorbrachte. Kleidungsstücke, die es nicht gab, zu teuer oder nicht individuell genug waren, wurden kurzerhand selbst genäht. Die Selbst-schneiderei gewann somit ihren Einzug in die Alltagskultur der DDR und prägte maßgeblich deren Modesystem. Motivation Die Kultur der Selbstschneiderei in der DDR wurzelt nicht nur im Mangel an modischem Angebot. Mode war immer auch eine Frage des Geldes. Da aufgrund des geringen Angebots von hoch aktuell modischer Ware die Preise dementsprechend bilanziert waren, griffen viele modebewusste DDR-Bürger_innen selbst zur Nähmaschine. Wer auf Mode trotzdem nicht verzichten wollte und keine Verwandten im Westen hatte, nähte die Kleidungsstücke, die preislich unerreichbar schienen, einfach selbst. Besonders die junge Generation wurde von der Mode und dem Angebot des Westens, welches in der DDR nicht verfügbar war, zum kreativen Selbstschneidern motiviert. So galt die große Mode außerhalb der Grenzen der DDR stets als inspirierendes Vorbild. Doch auch die eigene Individualität 31

spielte eine große Rolle. Viele Bürger und Bürgerinnen der DDR wollten sich nicht mit der angebotenen Einheitsware in den Geschäften zufrieden geben. Ein Kleidungsstück selber zu nähen, diesem und damit auch der eigenen Persönlichkeit eine individuelle Handschrift zu verleihen, war von großer Bedeutung. So kann die Selbstschneiderei auf gewisse Art und Weise auch als stiller, aber visueller Protest gegen das System der DDR begriffen werden. War mit der Mode zu gehen somit ein Gang gegen die DDR? Obwohl zahlreiche modische Restriktionen im System vorherrschten, ließ sich insbesondere die junge Generation nicht davon abhalten, selbst genähte Miniröcke, Jeans oder Petticoats zu tragen. Nichtsdestotrotz kam es vor, dass westlich inspirierte, modebewusste Menschen auf Grund ihrer selbst genähten Kleidung angepöbelt wurden oder Schüler und Schülerinnen auf Grund „falscher“ Kleidung zum Umziehen nach Hause geschickt wurden. Das Bedeutende hierbei ist, dass der psychische Druck der Gesellschaft selbst modische Restriktionen geltend machte und ausübte. Der Staat in Form von Polizei oder sonstigen Gewerkschaften zeigte kein Wirken bezüglich modischer „Verbote“.

Schaufenster in der DDR-Hauptstadt Berlin 1980er Jahre, Foto: Gerd Danigel

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Zubehör zur Selbstschneiderei von Ulrike Brummundt, Foto: Norbert Günther

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Praxis der Selbstschneiderei Um mit der Mode mithalten zu können, musste in der Mangelwirtschaft der DDR viel Kreativität bewiesen werden. Obwohl das Nähen Gegenstand des Handarbeitunterrichts in der Schule war und auch oftmals innerhalb der Familie weitergegeben wurde, war nicht jeder Bürger oder jede Bürgerin mit professionellen Nähkenntnissen ausgestattet. So wurde zunächst viel probiert und selbst erlernt. Zahlreiche Dinge wurden zweckentfremdet und gewannen eine neue Bedeutung. Holzbrettchen wurden zu modischen Sandaletten verarbeitet oder alte Bettlaken kurzerhand in ein neues Kleid verwandelt. Obwohl die Kultur der Selbstschneiderei immer mehr an Bedeutung gewann und dementsprechend erste Stoffwarenhandel eröffnet wurden, ebnete der Gedanke des Mangels erneut den Weg für einen kulturellen Prozess: Wiederverwertung. Alte Stoffwaren gewannen damit eine neue Bedeutung und erlangten somit einen hohen Stellenwert. In diesem Sinne wurden zum Beispiel alte Bettlaken aufgetrennt, Stoffe neu gefärbt und wiederverarbeitet. Zahlreiche Haushalte besaßen noch alte Modelle von Nähmaschinen der Marke „Singer“. Wer jedoch ausreichend Geld besaß, leistete sich den „Ferrari“ unter den Nähmaschinen: Eine „Veritas“ des VEB Nähmaschinenwerks Wittenberge, welches als größte Nähmaschinenfabrik Europas fungierte und weltweit exportierte. Zeitschriften wie zum Beispiel die „Sybille“ lieferten zahlreiche Inspirationen und detaillierte Näh- und Schnittvorlagen. Nach diesen wurde dann genäht oder aber auch abgeändert darauf aufgebaut. Auch Modenschauen, organisiert von Verlagen, wurden als Kulturereignis gehandelt und dienten als Inspiration für die Selbstschneiderei. Generell war der Kreativität der Selbstschneiderei keine Grenzen gesetzt. Stets wurde versucht, mit wenigen Mitteln mit der Mode mitzuhalten und dieser nachzukommen. Es wurde probiert, genäht, gestrickt, bestickt oder verziert nach individuellem Belieben. Ein selbstgenähtes Kleidungsstück trug maßgeblich zur modischen Selbstbehauptung bei. Auf diesem Weg sollte gezeigt werden, dass die DDR dem Westen in Sachen Mode nicht nachstand.

Selbstschneiderei als Markt Das Selbernähen von Kleidung erfreute sich in der DDR großer Beliebtheit und gehörte dementsprechend zur Alltagskultur. Das Interessante dabei ist, dass diese Kulturform von beiden Geschlechtern ausgeführt wurde. Entgegen dem Stereotyp, dass Frauen häufiger mit der Schneiderei assoziiert werden, gab es in der DDR auch zahlreiche männliche Bürger, die Kleidung selbst nähten. Wer jedoch kein Händchen für die Schneiderei hatte, ließ sich von Bekannten oder Freunden Kleidung nähen. Zahlreiche Bürger und Bürgerinnen der DDR betrieben die Schneiderei nicht nur für sich selbst, sondern auch für Andere. Obwohl diese oftmals keine ausgebildeten Schneider oder Schneiderinnen waren, wurde auf 34

diesem Weg die Kultur der Selbstschneiderei weitläufig betrieben. Aus diesem Aspekt heraus mutierte die Kultur der Selbstschneiderei zum privaten Markt. Mit dem Aufkommen von öffentlichen Märkten Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre wurde dieser Prozess nochmals gefördert. Diese Märkte boten die Gelegenheit, auf „inoffizielle“ Art und Weise untereinander selbst genähte Kleidung zu verkaufen oder zu tauschen. In diesem Rahmen wurde die Selbstschneiderei als privates Geschäft betrieben, welches zeitgleich auf Grund der hohen Nachfrage und Beliebtheit zur attraktiven Einnahmequelle mutierte.

Neue Beziehungskultur Das Selbstschneidern eines Kleidungsstücks eröffnete dem Menschen eine vollkommen neue Beziehungskultur in Bezug auf Dinge. Da im Prozess des Selberherstellens eine intensive Beziehung zwischen dem Menschen und dem Kleidungsstück aufgebaut wird, kann in diesem Sinne von einer Beziehungskultur gesprochen werden. Da der Mensch viel Zeit, Mühe und Arbeit aufwendet, um ein Kleidungsstück selber zu nähen, wird damit dem Kleidungsstück eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Auf diesem Weg wird der Kleidung ein Wert verliehen, welchen diese heute nicht mehr besitzt. Innerhalb der persönlichen Beziehung, die der Mensch mit seinem Kleidungsstück im Prozess des Selbernähens aufgebaut hat, werden Ereignisse und Geschichten besonders wahrgenommen und festgehalten. So erinnern sich noch heute zahlreiche DDR Bürger und Bürgerinnen an bestimmte, selbst genähte „Lieblings“-Kleidungsstücke und die Erlebnisse, die mit diesen zusammenhängen. Manches von der selbst genähten Mode ist bis heute erhalten geblieben.

Wende: Kulturrevolution Die Wende bedeutete nicht nur eine Öffnung zum westlichen Markt sondern auch eine Kulturrevolution. Die im Alltag gepflegte Kultur des Selbstschneiderns ging auf Grund des nun vorhandenen Angebots immer mehr zurück. Der Mangel war beseitigt und damit auch der Anreiz zur Kreativität und zum Ideenreichtum. Alte Dinge verloren ihren Wert, und auch die Selbstschneiderei verlor ihren Reiz. Mit diesem Prozess ging auch die Beziehungskultur zwischen Mensch und Ding verloren. In der heutigen schnelllebigen Mode wird Dingen keinen Wert mehr zugeschrieben und keine Beziehung mehr zu diesen aufgebaut. Der Mensch ist satt, schwelgend im Überfluss von Dingen. Was bleibt sind lediglich Erinnerungen als Zeugen einer einst gewesenen Kultur.

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Pfingsttreffen der FDJ in der DDR-Hauptstadt Berlin vor dem Außenministerium 1986, Foto: Gerd Danigel

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Jeans als Pop-Kultur und Politikum Eine Hose, viele Gesichter Christina Claes Dass das Thema Kleidung in der DDR häufig auch als konfliktreich erinnert wird, zeigt sich deutlich am Beispiel der Jeans. Denim-Hosen im Sozialismus, zunächst ein Tabu, ab den späten 1960er Jahren Aufhebung des Tabus, schließlich „volkseigene“ Produktion, Verkauf und Bewerbung dieses Kleidungsstücks in Abgrenzung zu den West-Vorbildern. Es geht hierbei vor allem um Zuschreibungen seitens der Partei: Die Jeans, ein Zeichen für Amerikanisierung. Ursprünglich war die in den USA entwickelte Nietenhose aus robustem, blauem Baumwollstoff als Arbeitshose gedacht. Im Laufe der Zeit durchlebte sie eine Fülle von Umdeutungen, Aneignungen und Zuschreibungen, die Jeans als Cowboy-Hose, dann als Sinnbild für jugendliche Rebellion á la James Dean, das Beinkleid der Rock´n´Roller mit Lederjacke und Entenschwanz-Frisur, schließlich die blaue Baumwollhose in Verbindung mit Parka oder Jesus-Latschen als „Uniform der Freiheit“ für Tramper und Hippies. Ab den 1980er Jahren konnte man mit dem Tragen der Jeans kaum noch jemanden schocken, die grenzenlose Begeisterung für die blauen Beinkleider zog sich seither durch alle Altersgruppen und Schichten.17 Heute tragen Kinder ebenso wie Rentner Jeans, in der Schule, bei der Arbeit oder im Theater, die Jeans ist aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Da erscheint es aus heutiger Sicht kurios, dass diese schlichte Freizeithose noch vor wenigen Jahrzehnten derartige Konflikte auslösen konnte.

Das verbotene Kleidungsstück Ab der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik bis in die 1960er Jahre hinein war die Jeans vor allem im Westen auf dem modischen Vormarsch. Der SED war die Begeisterung für die Nietenhose in doppelter Hinsicht ein Dorn im Auge: Zum einen handelte es sich hier um ein ideologisches Problem. Die aus Amerika stammende und mit westlichen Lebensstilen verknüpfte Hose passte nicht zu der anti-kapitalistischen Linie der DDR-Regierung und stand im Gegensatz zu dem, was man sich von der ostdeutschen Jugend wünschte: Loyalität zum sozialistischen System, Disziplin und Ordentlichkeit. Zum anderen gab es aber auch ökonomische Einschränkungen, welche die Produktion von Jeans in der DDR unmöglich machten, denn Baumwolle war ein knapper Rohstoff. Die Partei hatte daher großes Interesse daran, dass der Jeans-Boom nicht auf den Osten Deutschlands übersprang. Sie versuchte, der Jugend die Baumwollhosen zu verbieten und sie gleichsam unpopulär zu machen. 37

„Eine Einstellung und keine Hosen“ Doch der Siegeszug der Jeans ließ sich nicht aufhalten. Trotz aller Verbote - oder gerade deswegen – avancierte die originale Westjeans zum ultimativen Statussymbol. Hierzu beigetragen hat sicherlich auch die populärkulturelle Absorption der Nietenhosen, auch in der DDR: 1968 kam der erfolgreiche DEFAFilm „Heißer Sommer“ in die Kinos, in dem die jugendlichen Protagonist_innen in Jeans bekleidet eine turbulente Ferienzeit erleben. 1972 erschien Ulrich Plenzdorfs Stück „Die neuen Leiden des jungen W.“, das sich mit den Sorgen und Nöten eines rebellischen jungen Ostdeutschen befasst. Aus diesem Stück stammt der zum geflügelten Wort gewordene Ausspruch „Ich meine, Jeans sind eine Einstellung und keine Hosen“ - die Jeans wird hier zum Zeichen für Jugendlichkeit, Lässigkeit und Rebellion stilisiert. Auch im berühmten Film „Die Legende von Paul und Paula“ (1973), ebenfalls nach einem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf, tragen die Hauptdarsteller_innen blaue Nietenhosen. Der Wunsch nach Jeans wurde immer größer.18 Die Regierung gab dem öffentlichen Druck in dieser Zeit schließlich nach. Mit Beginn der Amtszeit Erich Honeckers 1971 wurde die „volkseigene Produktion“ von blauen Cottinohosen auf den Weg gebracht. Man erhoffte sich, durch die Erfüllung von Konsumwünschen die aufkommende kritische Stimmung im Land eindämmen zu können. Der ideologische Konflikt blieb hierbei bestehen: die gute, sozialistische Niethose gegen die schlechte, kapitalistische Westjeans.19 Das Ostprodukt wurde jedoch von vielen als qualitativ minderwertig empfunden, auch der hautenge Schnitt, der für die Westmodelle typisch war, wurde bei der DDR-eigenen Version vermisst. Die Hose aus dem Westen blieb das Objekt der Begierde. So berichtet die gelernte Schneiderin Elke: „Ich habe selbst nie eine Ostjeans getragen. Ich hatte das Glück, Westverwandtschaft zu haben und bekam somit mein Statussymbol! Es war unglaublich, wie man damit sich einen Namen machte. (…) Meine erste Jeans war eine Lee, die hatte ich sehr lange. Die Jeans war wie meine zweite Haut, eine Qualität, die du heute suchen musst, ganz ehrlich.“20

Statement, Statussymbol, Tragekomfort Die originalen Baumwollhosen aus dem Westen behielten den Reiz des Seltenen und wurden nach wie vor gern getragen, um sich von anderen abzusetzen. Doch die Motive für den Jeans-Erwerb waren unterschiedlich. Während einige in erster Linie von der modischen und symbol-kommunikativen Dimension der Hose überzeugt waren, spielte für andere schlicht der bequeme Sitz der Jeans eine Rolle: „Ich selbst habe Jeans nie auf politischer Ebene betrachtet. Solche Chaoten gab es aber. Getragen habe ich auch welche. Die DDR eigenen Serien waren Wisent und Boxer. Etwa 70,-M das Stück.“,21 berichtet mein Interview38

Jeans-Träger_innen in Berlin (DDR) 1986, Foto: Gerd Danigel

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partner Günter. Es zeigt sich, dass die Imaginationen von Jeans divers und mitunter nicht kongruent sind. Da wird die Jeans einmal als individuell und unangepasst empfunden, andere betiteln sie sarkastisch als „Uniform der Freiheit“.22 Die Vorstellung der bequemen, lässigen Passform steht der Wahrnehmung des hautengen Sitzes, der teilweise einschränkt, gegenüber. Die Jeans fungiert für so manche als Zeichen der Freiheit und der Auflehnung gegen etablierte Werte und Normen, für andere stellt sie ein konsumatorisches Statussymbol dar. Letztgenannte Wahrnehmungsmuster schließen sich nicht zwangsläufig gegenseitig aus, wenn man denn die westlich-kapitalistische Betonung des Konsums und der Freizeit mit Freiheit gleichsetzen möchte.

Zeichen der Zeit Die Geschichten der Jeans in der DDR zeigen vor allem zwei Dinge auf: Erstens die multiperspektivische Wahrnehmung von Kleidung, wie im vorangegangenen Abschnitt dargestellt. Und zweitens die Politisierung von Kleidung, die eng mit den jeweiligen Bedeutungszuschreibungen verbunden ist. Es tritt hier ein Konflikt auf, wenn der_die Träger_in nicht das kommunizieren wollte, was der_die Wahrnehmende als übermittelte Botschaft dechiffriert. Andersherum funktioniert eine intendierte Provokation nicht mehr mittels der Jeans, wenn diese vom Gegenüber schlicht als der Mode entsprechendes oder besonders bequemes Kleidungsstück aufgefasst wird und keine Assoziation wie amerikanisch-dekadent oder nicht system-konform hergestellt wird. Dies wird an folgender Situation deutlich: Meine Interviewpartnerin Elke bekam zur Jugendweihe eine Jeans der westlichen Marke Lee geschenkt. Es wurde ihr verboten, diese Jeans in der Schule zu tragen – es sei dort nicht gern gesehen. Im Nachhinein erinnert sie dies als politischen Akt. Fünfzehn Jahre später besitzt sie die Hose immer noch, sie passt ihr noch und sie hängt an diesem Kleidungsstück, das für sie so besonders ist. Trägt sie es nun in der Öffentlichkeit, hat sie keine Sanktionen mehr zu fürchten. Nahezu alle jungen Leute um sie herum kleiden sich nun ebenfalls mit Jeans, die Hose macht plötzlich keine Probleme mehr. Die Jeans ist also immer noch genau dieselbe - lediglich die Bedeutungszusammenhänge haben sich verschoben und somit die kommunikative Funktion und Wahrnehmung der blauen Baumwollhose. Auf Grund der anhaltenden Popularität der Westjeans spezialisierten sich einige Näher_innen auf das exakte Kopieren von Markenhosen. Häufig waren es Vertragsarbeiter_innen aus Vietnam, von denen sich die Jugendlichen die Wunschjeans für kleines Geld nachschneidern ließen. Die in den 1980er Jahren aus dem „sozialistischen Bruderstaat“ angeworbenen Menschen arbeiteten etwa in der Textil- und Leichtindustrie unter repressiven Bedingungen und für niedrige Löhne. Die Herstellung der „IndividualLevi´s“ wurde daher für viele Vietnames_innen zu einer zusätzlichen Arbeit, der sie nach Dienstschluss in ihren Wohnheimen nachgingen. 40

Jugendliche in Berlin (DDR) 1986, Foto: Gerd Danigel

Jugendliche in Berlin (DDR) 1987, Foto: Gerd Danigel

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Fleischerhemd von Frank P., damals angestellt als Zootechniker und Mechanisator beim Staatlichen Veterinärmedizinischen Prüfungsinstitut in Berlin (DDR)

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Vom Einheitsblau zum Kultobjekt Berufs- und Arbeitskleidung in der DDR Kristin Franz Es gibt eine Vielzahl von Publikationen zur Mode in der DDR, aber eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem weiten Gebiet der Berufs- und Arbeitsbekleidung fehlt bisher. Dabei nahm die Sphäre der Arbeit sowohl in der Ideologie und der politischen Ikonographie als auch in der gesellschaftlichen Wirklichkeit einen zentralen Platz ein. Die DDR verstand sich als Arbeiter- und Bauernstaat, ständig führte die Propaganda die werktätigen Massen im Munde, und die Bilderwelt des Staates war voll von kräftigen Arbeitergestalten und drallen Bäuerinnen, die mit frohem Lachen den Plan erfüllten und überboten. In den Betrieben gestalteten die zuständigen Abteilungen für Sichtagitation „Straßen der Besten“, und zu hohen Feiertagen ging ein Ordens- und Auszeichnungsregen über die Belegschaft nieder. Kaum jemand entkam der Ehrung als Aktivist, Held der Arbeit oder wenigstens als ein Mitglied einer Brigade der sozialistischen Arbeit. Dennoch resultierten aus dieser hohen Wertschätzung der Arbeit mehr als nur leere Worte, Ordensblech und eine Kollektivprämie, die gemeinsam verjubelt wurde. Das Berufsleben, der betriebliche Alltag und das Arbeitskollektiv spielten in der DDR eine weitaus größere Rolle, als dies in der westlichen Gesellschaft der Fall war und bis heute ist. Auf die Mode und die Bekleidungsproduktion hatte dies durchaus einen wichtigen Einfluss. Modegestalter_innen und Textilbetriebe waren gehalten, den Kunden praktische, alltagstaugliche, für das Berufsleben geeignete Kleidung anzubieten. Das Idealbild der Damenmode war die gesellschaftlich aktive, mitten im Leben stehende Frau, die Beruf und Haushalt spielend meistert und dabei kaum Zeit und Muße hat, sich mit modischem Schnickschnack aufzuhalten. Die Arbeits- und Berufskleidung im engeren Sinne war, so wichtig sie praktisch wie weltanschaulich sein mochte, eher ein Stiefkind der Modebranche. Sie war traditionell geprägt und unterschied sich kaum von der Arbeitskleidung der früheren Generationen. Im Gegenteil, in den ersten Jahrzehnten spielten bei der Berufskleidung der DDR auch die positiv belegten Traditionen der Arbeiterbewegung eine Rolle. „Vaters blaue Joppe“ aus der Heldenzeit des proletarischen Kampfes hatte seit dem Sieg des Sozialismus eigentlich keine Änderung erfahren. Das hatte natürlich vor allem praktische Gründe. Arbeits- und Berufskleidung wurde in der Regel ohne gesonderte Bezahlung gegen Unterschrift im Betrieb ausgegeben. Wichtig waren allein die Größe und die Einhaltung der entsprechenden Arbeitsschutzbestimmungen. Daneben konnte man in speziellen Verkaufsstellen zu sehr günstigen Preisen Arbeitskleidung erwerben. Solange diese Kleidungsstücke nicht zum modischen Accessoire aufgewertet wurden, waren sie auch in ausreichender Menge vorrätig. 43

Frauen mit Dederon-Kittelschürzen im mecklenburgischen Dorf Priborn 1970er Jahre aus dem „Fotoreport über die Kooperation Priborn“ von Harald Kirschner Archiv: Sigrid und Wolfgang Jacobeit

Jesus-Latschen, Haus der Geschichte Lutherstadt Wittenberg

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Kittelschürze aus Dederon, Haus der Geschichte Lutherstadt Wittenberg

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Farbe und Stil Farb- und Stiltraditionen beeinflussten ebenfalls die berufsspezifische Kleiderordnung. Militärische aber auch zivile Berufe wurden anhand der Farben zugeordnet. Die Farbe Grün prägte das Bild der Uniform der Volkspolizei aber auch der Forstwirtschaft. Dunkelblau waren die Postuniformen und die Dienstanzüge der Deutschen Reichsbahn.23 Blau war aber auch die dominierende Farbe der Arbeitswelt. Die Arbeitsbekleidung in den Kombinaten der Volkseigenen Betriebe (VEB) und in den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) unterschied sich kaum. Zur weit verbreiteten Berufsbekleidung zählten Wattejacken und blaue Arbeitskleidung.24 Vom strapazierfähigen Dreschanzug für Bäuerinnen und dem passformgerechten Männer-Arbeitsanzug bis hin zur Schürze in schönem Dessin konnte die Berufsbekleidung auch für einige Zeit in den Versandkatalogen der DDR bestellt werden. Die positiven Artikelbeschriftungen verschafften den Versandhäusern Ende der 1950er Jahre einen regelrechten Boom auf die Kleidung. Mit der Zeit wurden die Ansprüche eleganter, und die Arbeitskleidung verschwand bald darauf aus den Versandkatalogen.25 Um die Herstellung und Anwendung von Arbeits- und Berufskleidung kennenzulernen, waren Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen hilfreich. Diese konzentrieren sich auf die Bereiche des Gesundheitswesens und der Veterinärmedizin. Dabei werden Aspekte des Mangels und der strengen Kleidervorschriften des Arbeitsalltags deutlich.

Zweckentfremdung - Das etwas andere Blauhemd Zur zivilen Kleiderordnung in der DDR gehörten auch die Pionierkleidung und das FDJ-Hemd. In den fünfziger Jahren trugen manche sehr gesinnungstreue DDR-Jugendliche auch die grauen Jacken der paramilitärischen Gesellschaft für Sport und Technik (GST). Mit dem Eintritt von Schülern in die Pionierorganisation Ernst Thälmann und in die Freie Deutsche Jugend (FDJ) wurden auch das Tragen der Organisationskleidung und das Einhalten der entsprechenden Kleidungsvorschrift verpflichtend. Wenigstens zu den Veranstaltungen der Organisation, bei Aufmärschen und Appellen war diese Uniformierung Pflicht und wurde auch kontrolliert. Darüber hinaus wurden die blauen Halstücher in den späteren DDRJahren immer seltener angelegt. Dennoch sollte jedes Kind, das der Pionierorganisation angehörte, eine weiße Bluse und das dazugehörige Halstuch besitzen. Sie waren in speziellen Läden der Organisation zu erwerben, wo es auch Fahnen, Wimpel, Winkelemente und ähnlichen Bedarf zu kaufen gab. Diese Stücke waren ähnlich wie die Arbeitskleidung preislich gestützt und immer vorrätig. Dieser Kleiderordnung und der Uniformierung seitens des DDR-Regimes setzten die Jugendlichen in den 1970er und 1980er Jahren interessanterweise auch Arbeitskleidung entgegen. Das Fleischerhemd wurde als Freizeitkleidungsstück 46

Arbeitskleidung im mecklenburgischen Dorf Priborn 1970er Jahre aus dem „Fotoreport über die Kooperation Priborn“ von Harald Kirschner, Archiv: Sigrid und Wolfgang Jacobeit

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geradezu legendär. Es bestand zu hundert Prozent aus Baumwolle und war bläulich-weiß gestreift. Das Berufs- wie Arbeitshemd wurde zum modischen Accessoire. Es wurde mit Tramper- oder Jesus-Latschen kombiniert. Dazu trug man häufig DDR-Jeans der Marken Wisent, Boxer oder Rotfuchs. Wer ein solches Fleischerhemd in der DDR ergatterte, konnte sich glücklich schätzen, so der Zootechniker und Mechanisator Frank P. aus Berlin. Er war 1983/84 beim Staatlichen Veterinärmedizinischen Prüfungsinstituts (SVP) in Berlin angestellt. Das Fleischerhemd und das rosa-weiße Melkerhemd gehörten zu seiner Arbeitskleidung. Da er das Hemd täglich bei der Arbeit trug, verzichtete er darauf, dieses in seiner Freizeit zu tragen, wie es viele seiner Freunde taten.26

Weiße Rückenschlusskittel (RSK) – Berufsbekleidung im Gesundheitswesen Für alle Tätigkeiten im Gesundheitswesen war das Tragen eines weißen Rückenschlusskittels ausdrücklich Pflicht. Im Krankenhaus als Krankenschwester, als Säuglings-Fürsorgerin, als Krippenerzieherin oder sogar als Sekretärin trug man einen Rückenschlusskittel. Die Krankenschwester Birgit H. aus Altenburg berichtete davon, dass die zur Verfügung gestellte Kleidung für Schwestern in der Ausbildung Ende der 1970er Jahre sehr knapp war. Es gab zudem geregelte Vorschriften, wie die Schwestern-Schürze auszusehen hatte. Als eines der wichtigsten Kriterien galt, die Knopfleiste durfte auf gar keinen Fall auf der Vorderseite angebracht sein, denn das war ausschließlich den Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Umso mehr freute sich Birgit H. über ein Westpaket von der Verwandtschaft aus Köln, in dem auch zwei weiße Kittel mitgeschickt wurden. Da die Schürze allerdings nicht über die exakt vorgeschriebene Knielänge verfügte, durfte sie diese nicht tragen.

Dederon - ein sozialistischer Wunder-Stoff Weit verbreitet in den Betrieben war die typische Arbeitsschürze mit dem zum Teil wilden Mustermix aus Dederon. Die Kunstfaser Dederon war ab 1959 der Handelsname von Polyamidfasern in der DDR. Dederon entsprach dem Stoff Nylon in Westdeutschland. Dieses Pendant zum westdeutschen Nylon wurde in den zahlreichen Volkseigenen Betrieben (VEB) produziert, die mehrheitlich zu Chemiefaserkombinaten zusammen geschlossen waren. Dederon-Stoff gehörte gewissermaßen als GUTER STOFF zu den Vorzeigeprodukten des DDR-Chemieprogramms. Er symbolisierte die effiziente Produktionsmethode der DDR, die für die Produktion moderner Konsumgüter geltend gemacht wurde. Der Chemiker im weißen Kittel und das Reagenzglas verkörperten dabei den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt. Die auf der Basis von Erdöl produzierte synthetische Faser stand ganz im Zeichen der sozialistischen Bekleidungs48

kultur und deren Ideologie, was hieß: schön, aber dennoch praktisch und zweckmäßig. Die Polyamidfaserstoffe eröffneten neue Gestaltungsmöglichkeiten in der Bekleidungsindustrie. Zudem senkte die neue Faser den Bedarf an teuren Rohstoffimporten. Dank der Zusammensetzung und Produktion des billigen Stoffes wurde die Massenproduktion für einen breiten Bedarf geschaffen. Neben der buntgemusterten Kittelschürze kamen mehr und mehr auch andere Produkte aus Dederon auf den Markt. Strumpfhosen, Unterwäsche, Blusen und Oberhemden, künstliche Pelze, neuartige Sportbekleidung, Gardinen, Tüll und Spitze, Möbelstoffe und Teppiche wurden für die Menschen der sozialistischen Gesellschaft nun erschwinglich. Dementsprechend war die Begeisterung der kleinen Leute für den Stoff ungebremst, obwohl die Fasern für einige Zwecke nur bedingt geeignet waren. So funktionierte der Wärmeaustausch schlecht, war das Tragen von Kleidung aus Dederon im Sommer kein Vergnügen. Die Kittelschürze aus Dederon hingegen überdauerte sogar die Nachwendezeit. Sie wird heute als Arbeitskittel und vorwiegend in Blumenmustern in den Farben bordeauxrot und pink nachgefragt.27

Das Modeinstitut in Berlin Das staatliche Modeinstitut wurde 1952 gegründet. Das Ministerium für Leichtindustrie stellte die finanziellen Mittel für das Modeinstitut bereit und bestimmte die Kennziffern der Produktion. Die Entwicklung eines Bekleidungsstils im Sinne der Lebensauffassung der sozialistischen Gesellschaft stand dabei im Vordergrund. Das Modeinstitut hatte die Aufgabe, den Betrieben mit Musterkollektionen die Richtung der Mode in der DDR vorzugeben. So wurden beispielsweise die Kollektionen für die Belegschaft des Berliner Fernsehturms, die Uniform der Polizei und später die Arbeitskleidung für die BVG dort entworfen.28 Nach dem Mauerbau 1961 blieb die Textil- und Bekleidungsindustrie eine wichtige Säule des DDR-Exports. Die produzierte Massenware fand in großem Umfang Abnehmer bei westdeutschen Firmen.29 Um den Bedarf für die Berufskleidung abzufragen, fuhren einige Konstrukteure in die umliegenden Betriebe und sprachen mit den Arbeiterinnen und Arbeitern vor Ort. Eine ehemalige Konstrukteurin des Modeinstituts erinnert sich dabei, wie wichtig praktische Taschen an einem Arbeitsanzug für die Werktätigen waren. Diese Wünsche konnten nur schwer oder gar nicht umgesetzt werden, da beispielweise zusätzliche Applikationen auf einem Arbeitskittel zu viele Arbeitsschritte bedeutet hätten und somit nicht realisierbar waren. Die Zuspitzung der Versorgungsmisere erschwerte jedoch die Anschaffung qualitativ hochwertiger Stoffe in ausreichenden Mengen. Wie bei der Freizeitbekleidung wurde auch bei der Berufskleidung der prozentual höhere Anteil nicht für den Bedarf in der DDR selbst, vielmehr für die Versandhäuser in der BRD produziert. Für den Binnenmarkt blieb daher nur ein Bruchteil der käuflich zu erwerbenden Berufskleidung übrig. 49

Hohmuth, Jürgen „CCD im Schaufenster“ Berlin (DDR) 1985

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„Das war keine Mode“ - Der Mode-Underground der DDR als subversive und hedonistische Subjektkultur Jan Lange und Tobias Müller Auf der Suche nach DEM Underground Der Prenzlauer Berg in den 1980er Jahren galt als das Epizentrum der Subversion und der künstlerisch-oppositionellen Avantgarde in Ost-Berlin. Individualisten, freischaffende Künstler und (Über-)Lebenskünstler funktionierten Hinterhofwohnungen zu Galerien, Konzertsälen oder Proberäumen um. In diesem Milieu entstand im Jahre 1983 „Chic, Charmant und Dauerhaft“. Nach einer Ausstellung und Performance im damaligen „Schaufenster“ wurde in der Wohnung von Helga Paris, anlässlich des Geburtstags der befreundeten Fotografin, ein Laufsteg gebaut und eine private Modenschau inszeniert. „Und plötzlich hatten alle Spaß. Das war eigentlich so die erste richtige CCD-Show, wo die Idee dann auch Gestalt annahm“.30 Von diesem Punkt an waren sich die Protagonisten einig: „'Das ist geil, wir machen weiter.“31 Der mehr oder minder lose, meist untereinander befreundete Zusammenschluss von Kostümbildnerinnen, Fotografen, Selbstschneidernden und Individualisten begann in der Folgezeit erste Inszenierungen und Performances in Ostberliner Jugendklubs zu veranstalten. CCD – namentlich eine Persiflage auf die staatlichen Kriterien der Modeindustrie: chic, charmant und dauerhaft - wurde rasch zu einem wegbahnenden und richtungsweisenden Akteur der sich etablierenden Szene an Mode-Gruppen, welche die Form der klassischen Modenschauen und zugleich die Leitlinien der „sozialistischen Bekleidungskultur“ der DDR aufbrachen und individuelle Gegenentwürfe entwickelten. Die Szene differenzierte und vergrößerte sich im Laufe der Zeit schnell - Mitte der 1980er Jahre dokumentierte das Modeinstitut, das 1952 gegründet wurde und als staatliche Einrichtung die landesweiten Entwicklungen der Modegestaltung steuern und zentralisieren sollte, eine Zahl von 300-400 unabhängig tätigen Modegruppen.32 Die Gruppe CCD war sich ihrer zentralen Rolle dabei durchaus bewusst: „Als die ganzen anderen Modenschaugruppen dann so nach und nach aus dem Boden schossen, da sind wir dann immer richtig aufgedonnert hingegangen, weil wir uns das angucken wollten. Und die haben sich einen abgezittert! Eigentlich ist es auch nicht schlecht, Konkurrenz beflügelt ja alle und da gab‘s dann auch mal ‘nen Kommentar: Die Nummer kommt mir aber jetzt sehr bekannt vor!'“33 Die Modenschauen sind neben Bühnen der Präsentation eigener Kleidungskreationen auch als Arenen zu verstehen, mit welchen die jeweiligen Gruppen symbolisch ihre Geltungsmacht in der Szene betonten. 51

Gleichzeitig bestanden keine Fronten und persistenten Abgrenzungslogiken zwischen den Gruppen. Vielmehr kam es vielfach zu unterschiedlichsten Kooperationen und personellen Wechseln zwischen den Gruppen. Dem offenen Netzwerkcharakter der Szene entsprechend, änderte sich im Laufe der Zeit auch die Größe und die Zusammensetzung von CCD. Konstant bleibt hingegen der kreative Kern, wobei die fantasievolle Kleidung primär von fünf Frauen aus der Gruppe, die jeweils mit verschiedenen Materialien arbeiteten, entwickelt wurde. „Eigentlich handelte es sich um ein Matriarchat besonders schöner Frauen. Die Männer bauten die Bühnen, nähten T-Shirts (…). Doch grundsätzlich standen Frauen dahinter, die die selbstgeschaffenen Strukturen lenkten und steuerten.“34 Die fantasievollen Kostüme wurden aus Leder, Netzen, Folien, Plastik, Nieten, Perlen, Stoffen, Bettlaken, Seide und vielem mehr angefertigt. Als Materialien wurde nahezu alles verwendet, was gefiel, sich verarbeiten, beziehungsweise in die Kostüme integrieren ließ 35– und was sich vor allem auch besorgen ließ. Zur Beschaffung der gewünschten Dinge nutzten die Akteurinnen die durch ihre Arbeitskontexte entstandenen Kontakte und Möglichkeiten. Der Schaffung eines neuen Kostüms lag zumeist, wie in der konventionellen Modekreation üblich, kein Entwurf, sondern vielmehr eine bloße Idee zugrunde. Wie das Kleidungsstück am Ende aussah, bestimmte sich im Prozess und entschied sich zumeist an den Ressourcen, der gemeinsamen Aushandlung der Gruppe für eine neue Show und den Wünschen der Models, welche die Kleidung letztlich auf den Veranstaltungen präsentierten. Der Prozess der Neuproduktion durch Umarbeitung und Kombination von Materialien lässt sich mit dem Konzept der „Materialbricolage“ deuten, wie es der Empirische Kulturwissenschaftler Bernd Jürgen Warneken in Anlehnung an den Ethnologen Claude Lévi-Strauss erarbeitet hat und welches den kreativen „Umgang mit Produkten und Materialien […], die Umarbeitung von Altprodukten“36 und die Kreation von Neuem durch Rekombination von bereits Existierendem bezeichnet. In seinen Ausführungen zur Materialbricolage als ein mögliches Analysewerkzeug konzentriert sich Bernd Jürgen Warneken in klassisch volkskundlich-kulturwissenschaftlicher Perspektive auf untere und abhängige soziale Schichten. Bricolage wird demnach primär als eine innovative Reaktion auf materielle Notlagen und die Erfahrung sozialer und existenzieller Verwundbarkeit gesehen. Hieraus ergibt sich die schwierige Frage nach dem Verhältnis von Eigenmächtigkeit und äußerem Handlungszwang: Schwierig bleibt beim Thema „Kreativität des Notbehelfs“37 die realistische Gewichtung der Komponente „Kreativität“ und der Komponente „Notbehelf“. Bei den damaligen Modegruppen wie CCD resultierte die jeweilige Kreativität in der Verarbeitung von Materialien und der Kreation einer neuen Präsentationsform von Kleidung jedoch nicht aus einer existenziellen Notlage. Weniger als ein materieller, lässt sich für die Protagonisten und Protagonistinnen der Modeszene ein mentaler Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Praktiken und Kreationen feststellen. 52

„Allerleihrauh“ Modenschaumodell in: Melis, Dorothea (Hrsg.), Sibylle. Modefotografie in drei Jahrzehnten DDR, Berlin 1998, Foto: Sibylle Bergemann

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Gleichgesinnte. Aber welchen Sinnes? Die Akteure der alternativen Modeschaffenden teilten eine grundlegende Einstellung: den Wunsch des Sich-Unterscheidens und die Hingezogenheit zum Nonkonformen. „Wir waren sozusagen 'Die Anderen' also (...) das waren Leute die nonkonform waren. Nonkonformisten. Also die gingen nicht mit dem Mainstream mit!“38 Die dieser Einstellung entsprechenden Praktiken waren primär, aber nicht ausschließlich, ästhetischer Art. Das Tragen der Kleidung und der Modus ihrer Präsentation wurden eben auch benutzt, um symbolisch eine aktive Unterscheidung zwischen sich und anderen herzustellen. Hieran lassen sich kulturwissenschaftliche Reflexionen zum „Stil“-Begriff anschließen. Stil stellt einen relationalen Analysebegriff dar, welcher auf die Herstellung und Transformation von Differenzen fokussiert. Von Stil lässt sich sprechen, wenn der Tatbestand erfüllt ist, dass Phänomene eines Stils sich sowohl von anderen Stilen, „wie von einem Umfeld ‚normaler‘ unauffälliger ästhetisch-symbolischer Kommunikation“39 unterscheiden. Während eine retrospektive Abgrenzung zu anderen Gruppen der Jugendkultur der DDR der 1980er Jahren durchaus vorgenommen wird40, wird heute jedoch primär die Opposition gegen die offizielle Modelinie in der DDR betont. „Ich war einfach in der DDR und wenn man in einer Diktatur lebt, ist es ja viel spannender, weil man ja viel mehr übertreten kann, als wenn man in einer Demokratie lebt. In einer Demokratie machen viele Leute eine freie Sache. In einer Diktatur nicht, da ist man mit einer kleinen schrägen Mütze viel schärfer als in einer Demokratie.“41 Gleichzeitig sollten diese im Anders-Kleiden realisierten symbolischen Angriffe auf die sich in Kleidung realisierenden Normen nicht vorschnell als Ausdruck einer kollektiven Haltung für oder gegen ein spezifisches Wertesystem oder eines rundum geteilten ästhetischen Geschmacks interpretiert werden. „Ich wollte nur laufen und cool sein, die Choreographie habe ich auch meistens vergessen, weil ich wollte das nicht so, weil ich das doof fand‘. Ich hatte ja die Idee der Mode im Kopf und viele von CCD kamen aus der Pantomime, die wollten sich körperlich [inszenieren]. Und das wollte ich überhaupt nicht.“42 Entsprechend wird hier das Konzept der „Subkultur“ nicht als zielführend erachtet, um den Zusammenhang der Gruppe erhellen zu können. Der Begriff, sein Hoch in den Sozialwissenschaften in den 1980er Jahren erlebend, wird verwendet, eine bestimmte soziale Gruppe zu markieren, welche sich deutlich in Verhaltensweisen und Normen von der hegemonialen Kultur in einem Modus des Widerstands und Protests abgrenzt.43 Diese Perspektive erweist sich als zu starr, um die soziale Konstellation der Gruppe in ihrem Verhältnis zur Mehrheitskultur zu bestimmen. Dem Begriff der Subkultur gegenüber wird hier daher von „Szene“ ausgegangen, um sichtbar zu machen, dass für die Modegruppen wie CCD nicht pauschal von geteilten Lebenslagen und –interessen gesprochen werden kann. Vielmehr teilten die Akteure einen Zusammenhang, der nicht 54

auf exklusive Teilhabe ausgelegt war und als thematisch vergemeinschaftender Selbststilisierungs- und Erlebnisraum fungierte.44 Die Akteure von CCD und anderen Modegruppen schafften sich selbst Strukturen, in welchen sie sich kreativ ausprobieren und ihren Wunsch nach Individualismus und Hedonismus offen ausleben konnten. Zur Geltung kommt dies nicht zuletzt im performativen Charakter der Mode-Shows, welche den Zufall und das Provisorische als ein festes Element auffassten. Der „Mob“, wie sich die Mitglieder von CCD selbst bezeichneten, inszenierte und präsentierte somit in einer Art und Weise die eigenes entworfene Kleidung, wie sie sich nur fernab von konventionellen Modenschauen staatlicher Reglementierung realisieren konnte: „Wir hatten wie gesagt keine offizielle Einstufung und fanden das auch gut und wenn Jugendclubs sich nicht getraut haben, uns ohne Einstufung zu nehmen, na dann eben nicht. Wir haben uns da überhaupt nicht drum geschert.“45 Dieses bewusste Ignorieren des totalitären Herrschaftsanspruchs der DDR war es, die CCD – und die gesamte alternative Modeszene – zum Politikum werden lassen.

„Lose Gruppierung mit anarchistischen Tendenzen“ Das Bedürfnis nach Individualität und die Praxis, diesem durch das Medium Kleidung Ausdruck zu verleihen, stand im klaren Kontrast zu den offiziellen Leitlinien der Zweckbestimmung von Kleidung in der DDR. Der Anspruch an Kleidung manifestiert sich schon im Aufbau des „Instituts für Bekleidungskultur“, ab 1959 Deutsches Modeinstitut, das die politischen Zwecke von Mode in ihrer „kulturell-erzieherische(n) Funktion im Sozialismus“46 verortete. Mode galt als „wichtig für die sozialistische Bewusstseinsbildung“47, wobei die normative Geschmacksbildung im Vordergrund stand. Man hofft, dass sich somit „ein sozialistischer Stil der gegenständlichen Kultur herausbilden wird“.48 So wundert es nicht, dass Kleidung und das äußere Erscheinungsbild zum politisch umkämpften Feld avancierten: „Es muss alles getan werden, damit sich unsere Bevölkerung noch besser kleiden kann, um auch äußerlich die Überlegenheit des sozialistischen Systems zu beweisen“.49 Um diese „Überlegenheit“ auch innergesellschaftlich zu sichern und dem gesamtgesellschaftlichen Kollektivierungsauftrag der Bekleidungskultur gerecht zu werden, nutzte das Staatsregime politische Feindsetzungsformeln und Strafparagraphen. „Negativ“, „Dekadent“, „Asozial“ waren die bewährten Kampfbegriffe, welche nicht nur die unabhängigen Modegruppen zum politischen Gegner deklarierten.50 Repressionsmaßnahmen, wie die Verweigerung auf Zulassung zu einem Studium, Verbote des Aufenthalts an den repräsentativen Orten, prägten die Szene genauso wie Strafverfolgung und Kriminalisierung durch „Herabwürdigung der öffentlichen Ordnung“.51 Dieses Bild wird auch von Ex-Stasi Offizier Jürgen Breski bestätigt: 55

„Allerleihrauh“ Modenschaumodell in: Melis, Dorothea (Hrsg.), Sibylle. Modefotografie in drei Jahrzehnten DDR, Berlin 1998, Foto: Sibylle Bergemann

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„Gefährlich war all das, was sich nicht anpassen wollte (…). Wer visuell auffällig war, ist grundsätzlich angeeckt“.52 Das in den Augen des Staates provokante Auftreten der Gruppe führte auch zu versuchten Auftrittsverboten: „dann hieß es plötzlich wir wären verboten, weil da wären Welche provokant aufgetreten (...) wir sahen ja aus wie immer, die haben das als Provokation empfunden. Keine Diskussion, wir finden nicht statt!“53 Des Weiteren kam es auch zu Versuchen, die Modenschauen aufgrund der staatlichen Wirtschaftslogik zu unterbinden: „die eine Modenschau, die Begründung war folgendermaßen, die haben gesagt: 'sie können nicht hier in der Öffentlichkeit Kleider präsentieren, die Bürger A oder B, der im Publikum, steht am nächsten Tag nicht kaufen kann!' (...) damit haben sie versucht zu begründen, dass wir das dann nicht machen dürfen“.54 Die freischaffende Unabhängigkeit der Akteure und die lustvoll-hedonistischen Inszenierungen zogen operative Vorgänge nach sich – CCD gelangte in die Aufmerksamkeit der Staatssicherheit: „Die Stasi hat uns als lose Gruppierung mit anarchistischem Charakter bezeichnet. Darauf waren wir eigentlich ziemlich stolz“.55 Ab Mitte der 1980er Jahre gab es ein Bestreben, durch Einstufungen „private Modenschaugruppen“ per Gesetz zu vereinnahmen. CCD verweigerten sich auch dieser Notwendigkeit. Eine solche Vereinnahmungsstrategie durch das staatliche „Erlaubniswesen“ war ein gängiges Mittel der DDR-Lizenzbürokratie, um unliebsame Phänomene kontrollierbar machen zu können.56 CCD war nicht politisch, aber ein Politikum. Dem staatlichen Kollektivierungsanspruch der Mode setzte die Gruppe eine Erlebniswelt aus Individualität, Freischaffenheit und Hedonismus entgegen und rieb sich damit an den Grundmanifesten der Vorstellung eines sozialistischen Lebensstils. Gesucht wurde nach einem Lebensgefühl von Individualität und Selbstverwirklichung. Der Spass stand bei den Akteuren im Vordergrund. „Haben wir wirklich Mode gemacht?“ fragt sich Sabine von Oettingen heute.

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Foto: Marinka Körzendörfer

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„Ich sehe was, was Du nicht siehst“ Kleidung im DDR-Alltag in den Erinnerungen vier lesbischer Frauen Sina Holst in Zusammenarbeit mit Christiane Buck, Bettina Dziggel, Marinka Körzendörfer und Franziska Swars

Kleidung: persönlich, gesellschaftlich, politisch Danach zu fragen, welche Bedeutungen Kleidung für lesbische Frauen in der DDR hatte, hat zuerst persönliche Gründe. Es ist persönlich, weil ich diejenige bin, die die Verbindung sucht zu Frauen, die ich zuvor nicht kannte und deren Leben mich trotzdem berührten. Nicht zuletzt aus der Suche nach einem eigenen Selbstverständnis und der Verbundenheit gemeinsamer lesbischer Geschichte. Dabei stellt sich heraus, dass Kleidung mehr ist, als ein persönliches Thema. Wenn wir über Kleidung sprechen, sprechen wir auch über die sozialen Verhältnisse, in denen wir leben und lebten, und an deren Erinnerung wir uns jetzt beteiligen. Kleidung kann eine Streitfläche sein zwischen eigenen Bedürfnissen und Wünschen, familiären Erwartungen und Forderungen und expliziten wie impliziten gesellschaftlichen Normen und Tabus. Innerhalb der lesbischen Geschichtsschreibungen möchte ich auf Laura Doan hinweisen. In ihrer Studie Fashioning Sapphism: the Origins of a Modern English Lesbian Culture zeigt sie, wie wirkungsvoll und systembedrohend die Aneignung bestimmter Kleidungsstücke sein konnte – wie der Polizeiuniform in den 1920er Jahren in London. Sie verbindet darin gerade die persönlichen Ausdrucksmöglichkeiten der Frauen mit dem Blick auf die gesellschaftlichen und politischen Konflikte, die diese Aneignungen und Selbstentwürfe auslösten.57 Sie erinnert auch daran, nicht vorschnell das Wort „lesbisch“ zu verwenden, auch wenn das Bedürfnis nach Identifikation stark sein mag. Wer und welches Verhalten „lesbisch“ ist, bleibt in Bewegung und verschieden.58 Was meiner Einschätzung nach bleibt, ist, sich persönlich mit den Geschichten und Kämpfen anderer solidarisieren zu können und daraus Kraft zu schöpfen für eigene Konflikte. Auch 2015 sind die Kämpfe darum, wer Geschlecht, Begehren und Sexualität definieren darf, nicht vorbei. Ein Bereich dieses Konfliktes ist die Frage, wessen Leben und Erfahrungen öffentlich erinnert werden.

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Lesbische Erfahrungen in der DDR Viele Frauen sahen in der DDR für sich keine Möglichkeit, lesbisch zu leben. Dass, und wie, manche dies doch taten, berichten einige der Frauen, die sich an diesem Projekt beteiligen. Der positive Ansatz meiner Darstellung soll nicht darüber hinweg täuschen, dass lesbische Frauen auf vielen Ebenen persönliche, staatliche und gesellschaftliche Diskriminierungen, Einschüchterungen und Angriffe erlebten – so auch, in unterschiedlichem Maße, die Frauen, mit denen ich sprach.59 Aus unseren Gesprächen habe ich mich entschieden, vier Erfahrungsbereiche in der Ausstellung zu zeigen: Kreativität, Politisch-Lesbisch, Erfahrungen der Jugendweihe und Lesbische Räume. Diese Bereiche sind verbunden durch die Frage, ob und wie meine Gesprächspartnerinnen Kleidung und Sich-Kleiden in der DDR für sich in lesbische Praktiken verwandelten. Kreativität verstehe ich nicht nur als schöpferischen Prozess nach außen. Kreativ zu sein bedeutet auch, sich selbst neu entwerfen zu können. Die lesbischen Frauen, mit denen ich spreche, sind Expertinnen darin, ihre eigenen Leben aufzubauen, ihre Identitäten zu entwerfen und sich eigene Räume zu schaffen. Kreativität heißt somit, sich Spielräume zu bewahren und zu erschaffen, in denen das eigene Leben lebbar wird. In der Ausstellung wird dies anhand einiger Kalenderblätter von Bettina Dziggel zu sehen sein sowie in Franziska Swars lachendem Rückblick auf ihre verschiedenen Kleidungsstile in den Achtzigern zwischen Faltenrock und Butch. Die schwierige Situation, die die gesellschaftlichen Realitäten der DDR lesbischen Frauen bot, politisierte manche von ihnen bis in den direkten Konflikt mit dem Staatsapparat. Eine solche politisch-lesbische Geschichte ist die des Arbeitskreises der „Lesben in der Kirche“ (LiK) in den 1980er Jahren in Berlin, den Bettina Dziggel und Marinka Körzendörfer mitbegründeten. Dem politischen Konflikt um die Sichtbarkeit lesbischer Frauen in der DDR widmen wir in der Ausstellung einen eigenen Abend. Anhand der Dokumentation „Warum wir so gefährlich waren“,60 die die Aktionen der LiK in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Ravensbrück behandelt, fragen wir uns, wie eine DDR spezifische Lesbische Politik aussah. Samirah Kenawi hat besonders dazu angeregt, die Relevanz der lesbischen Aktivistinnen in der DDR in der Geschichtsschreibung sowohl der DDR als auch der Homosexuellenbewegung neu zu bewerten.61 Anhand von Fotografien und Erinnerungen an Erfahrungen der Jugendweihe möchte ich zeigen, wie eng verbunden die Themen Kleidung und Lesbischsein beziehungsweise Anderssein gerade während symbolisch aufgeladener Rituale waren. Einigkeit bestand bei diesem Thema vor allem darüber, dass es etwas bedeutet hat, was Frau letztlich anzog – ob es nun um die Frage nach Westoder Oststoff ging oder um die Frage nach Hosenanzug oder Kleid. Zum Zeitpunkt ihrer Jugendweihe war keine der Frauen, mit denen ich sprach, offen lesbisch.

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Ihre Reflexionen über die Frage, wie ihre Jugend in der DDR auch ihre Möglichkeiten als Lesben zu leben geprägt haben, haben mich besonders beeindruckt. Lesbische Räume waren in der DDR bis in die späten 1980er Jahre verboten, was teilweise zu heimlichen oder inoffiziell lesbischen Räume führte, die wir heute anhand aufgehobener Handzettel und Einladungen rekonstruieren können. Diese Räume spielten eine wichtige Rolle, lesbische Frauen zu treffen, ohne öffentlich, beispielsweise über bestimmte Kleidung, aufzufallen. Christiane Buck erzählt eindrücklich von dem besonderen Gefühl, eine solche Einladung in den Händen zu halten. Diese Erfahrungsräume verbindet, dass sie verschiedene Möglichkeiten und Uneindeutigkeiten der Alltagswelt DDR aufzeigen. Was genau eine lesbische Kleidungspraxis in der DDR war, lässt sich nicht verallgemeinern. Stattdessen bilden die einzelnen Aneignungen von lesbischen Selbstverständnissen mit und über Kleidung eigene Erzählungen darüber, was wir heute als Alltagswelten der DDR erinnern könn(t)en.

Im Gespräch Das entscheidende Medium meiner Forschung war das Miteinander-Sprechen. Diese besonderen und persönlichen Situationen zwischen uns lassen sich nicht abbilden. Davon zu berichten kann hoffentlich anregen, selbst Gespräche zu suchen und Verbindungen untereinander aufzubauen und zu vertiefen. Ich lade die Besucher_innen der Ausstellung dazu ein, sich Ausschnitte aus einem längeren Gespräch zwischen Marinka Körzendörfer, Franziska Swars und mir anzuhören.62 Anders als die Kleidungsstücke, die in anderen Ausstellungsbereichen im Vordergrund stehen, bilden für mich diese Gespräche den Gegenstand meiner Forschung und meines Ausstellungsbeitrages. Denn durch die Gespräche kann ich beginnen, die DDR anders zu sehen, beginnen zu sehen, was ich zuvor nicht gesehen habe. In diesem Sinne ist auch der Titel, „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ gemeint: Sich einzulassen auf Perspektiven, die letztlich verändern können, wie ich etwas sehe – sei es ein bestimmtes Kleidungsstück, eine Fotografie oder eine Vorstellung der DDR.

Ausblick Kleidung ist kein eindeutiges Kommunikationsmedium. Sie kann nicht als alleinstehender Ausdruck verstanden werden, sondern ist von der Schnittmenge der Kontexte abhängig, in denen sie getragen wird. Hierzu zählen die persönlichen Biografien der Träger_innen und deren soziale Kontexte ebenso wie die Verfassung des Staates und dessen Gesetze. Den gesellschaftlichen Kontext bilden zudem rassistische Zuschreibungen, Zuschreibungen von Behinderung sowie Zuord61

Foto: Marinka Körzendörfer

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nungen nach Geschlecht, sozialer Klasse, Alter, Religion, Herkunft und sexueller Orientierung.63 Kleidung ist in diesem Sinne alles andere als nur persönlicher Geschmack. Vielmehr ist sie verwoben mit Normierungen, Diskriminierungen und Fragen der Zugangsmöglichkeit zu gesellschaftlicher Teilhabe und Gestaltung – die (auch) über und mit Kleidung ausgetragen werden. Der Musealisierung der DDR stellt sich aus meiner Sicht nun die Aufgabe und Chance, Alltagsleben in der DDR nicht (nur) in Klischees von „Normalität“ zu erinnern. So lässt sich an dem scheinbaren Sonderfall der Erfahrungen lesbischer Frauen vieles über die Geschichte der DDR ablesen und erinnern – nicht nur, aber auch, die Grenzen des staatlichen Antifaschismus und der Möglichkeiten, der DDR-Gesellschaft anzugehören. Es ist letztendlich eine politische Entscheidung, wessen Erfahrungen in die Erinnerung an die DDR einbezogen werden. In Bezug auf die Geschichte lesbischer Frauen in der DDR hoffe ich beitragen zu können, dass es sich um viele verschiedene und verwobene Geschichten handelt. Diese Geschichten spielen aber nicht nur innerhalb eines unbeweglichen Kontextes der DDR. Sie bewegten vielmehr die Rahmenbedingungen ihrer Leben mit, sie stießen an harte Grenzen und trugen zu deren Veränderung bei. Sie beweisen, wie wichtig es war und ist, Verbündete zu suchen und zu finden. Für mich persönlich sind die Geschichten, die ich in diesem Projekt erfahren habe, Quellen der Inspiration. Sie fordern mich heraus, meine eigenen scheinbar persönlichen Erfahrungen in einer größeren gemeinsamen – und politischen – Geschichte zu sehen. Hierfür danke ich euch, Bettina, Christiane, Franziska und Marinka, wie auch den weiteren Frauen, die mir aus ihren Leben erzählten und deren Geschichten mich ebenso berührt haben.8

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DDR, Alltag, Museum. Perspektiven und Positionen des Ausstellungsprojektes Sina Holst und Jan Lange Ein Resümee einer noch nicht begonnenen Ausstellung zu verfassen,bietet uns eine besondere Herausforderung. Es handelt sich um ein Zwischenfazit, dessen Haltbarkeit von Ihnen, die dieses Heft in den Händen halten, geprüft werden kann. Es bietet uns zugleich die Möglichkeit, einige theoretische Auseinandersetzungen und Denkprozesse festzuhalten, die wir in der Ausstellung praktisch verwirklichen wollen. Auch bietet uns dieses Format einen Raum, unsere fachliche Positionierung innerhalb der Europäischen Ethnologie sowie im Feld der Musealisierung der DDR zu formulieren. Zu diesem Zweck möchten wir nun vier Zusammenhänge vorstellen, die unser Studien- und Ausstellungsprojekt in besonderem Maße geprägt haben.

Kleidung als Gegenstand ethnologischer Forschung Wie die Zusammenstellung unserer Beiträge zeigt, gingen die Fragestellungen und Methoden der einzelnen Projekte, die wir über zwei Semester entwickelten, in verschiedene Richtungen. Verbindend wirkt in der Ausstellung und der vorangegangenen empirischen Arbeit ein gemeinsames Verständnis von Kleidung als ethnologischem Forschungsobjekt. Das bedeutet für uns, Kleidung nicht zuvorderst in ihrer stofflichen Dimension, sondern als ein ordnendes Moment in Raum und Zeit gesellschaftlicher Klassifikationssysteme zu befragen. In ihren zahlreichen Formen, Funktionen und Herstellungsmöglichkeiten wie auch in ihrer diskursiven Verhandlung und Bewertung ist Kleidung ein zentrales persönliches und kollektives Ausdrucksmittel, anhand dessen sich Menschen im sozialen Leben verorten. An der Schnittstelle von eigenem Körper und Außenwelt nimmt Kleidung unseres Erachtens eine zentrale Rolle innerhalb des Feldes der materiellen Kultur ein. Sie ist weder eindeutig von der Person zu trennen, die sie trägt, noch von ihrer eigenen Materialität oder den gesellschaftlichen Zuschreibungen, die in ihr verwoben sind. Dabei verketten sich in Kleidung der Gegenwartsgesellschaft zwei scheinbar gegenläufige Erwartungen: Einerseits sich einer Situation in angemessener Weise zu kleiden und andererseits die Einzigartigkeit der Person zu unterstreichen und zum Ausdruck zu bringen. Entsprechend markiert Kleidung das Paradoxon von gleichzeitiger Individualität und Konformität. Die italienische Soziologin Elena Esposito formuliert dies so: „Um modisch zu sein reicht es nicht aus, etwas (wie kreativ auch immer) zu kopieren, sondern man muß (sic!) eher 64

vom gemeinsamen Bezug ausgehen, um eine einmalige und authentische Form zu entwickeln“.65 Einzigartigkeit lasse sich, anders ausgedrückt, ohne Bezugssystem nicht denken und erfahren. Nun versuchen wir, gegenwärtige Perspektiven auf Kleidung nicht zu universalisieren und auf die DDR-Gesellschaft zu projizieren. Allerdings können wir von dieser Perspektive ausgehend Fragen an die geschichtlichen Erfahrungen der Zeitzeug_innen formulieren. Kleidung in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit der Alltagsgeschichte der DDR zu rücken, kann so unseren Blick schärfen auf Zusammenhänge zwischen vermeintlich persönlichindividuellen Selbstinszenierungen und gesellschaftlichen Machtverhältnissen innerhalb der DDR-Gesellschaft. Unsere Projekte zeigen, dass Kleidung für sich genommen eine „stumme Zeugin“ bleibt. Erst in der genauen Betrachtung ihrer Verwendung, der Bedeutungen, mit denen sie belegt wurde, und der Erfahrungen, die in ihr gemacht werden konnten, beginnt sie zu uns zu sprechen. Wovon sie berichtet, was in sie hinein gelebt und getragen wurde, sind die Lebensverhältnisse ihrer Träger_innen. In diesem Sinne verstehen wir Kleidung inzwischen sowohl als eigenes soziales Feld als auch als Zugangsmöglichkeit zur Erforschung gesellschaftlicher Lebenswirklichkeiten.

Alltag als Erkenntnisdimension Nun liegt es ebenso im Zentrum unseres Projektes, Kleidung im DDR-Alltag zu betrachten. Als Alltag verstehen wir den Erfahrungszusammenhang, in dem die institutionellen Ordnungen, ökonomischen Bedingungen und materiellen Artefakte mit den kollektiven und individuellen Deutungs- und Wahrnehmungsmustern vermittelt werden. Dabei fassen wir Alltag, Wolfgang Kaschuba folgend, als einen kreativen Prozess auf: „Es ist (…) eine Frage der Perspektive, ob man das gewohnte, routinisierte, eben alltägliche Leben als ‚Lage‘ beschreibt, als ein passives Ausgeliefertsein und Mitschwimmen im Strom von Zwängen, Pflichten, Routinen. Oder ob man darin aktive und kreative Fähigkeiten zu materiellen Produktions- und sozialen Reproduktionsleistungen ausgedrückt sieht, einen Modus der Aneignung von gesellschaftlichen Erfahrungsräumen und Erfahrungsweisen und deren Koordination in kulturellen Mustern.“66 In dieser Blickrichtung liegt demnach die Chance, den Diskurs über die Ohnmacht des Subjektes nicht zu reproduzieren, sondern ein Wissen um die Komplexität historischer Wirklichkeit zu vermitteln. So ist es unser Anliegen zu zeigen, dass Menschen in ihrem Handeln nicht allein vom Herrschaftssystem determiniert waren, sondern dass sie mit unterschiedlichen Motivationen und Ressourcen individuelle Kreativität realisierten. Im Gegenstand der Kleidung hat das Studienprojekt mit dem GUTEN STOFF den idealen Stoff gefunden, um eine Perspektive aufzufalten, welche die Spielräume alltäglichen Handelns und Deutens in den Vordergrund stellt. 65

Alltag vs. Politik? Die DDR im Museum Dass das Persönliche politisch und das Politische persönlich ist, kann heute leicht als Floskel missverstanden werden. Dem entgegen setzen wir den Fokus unserer Ausstellung auf die Gleichzeitigkeiten und gegenseitigen Bedingtheiten von persönlichen und politischen Aspekten der Kleidung im DDR-Alltag. Dass sich Kleidung für diese Perspektive in besonderem Maße als Gegenstand anbietet, zeigen unseres Erachtens unsere Projekte. Zugleich betreten wir mit der Ausstellung das Feld der musealen Erinnerungen und Repräsentationen der DDR. Unter dem Schlagwort der Musealisierung der DDR67 finden verschiedene Debatten statt, von denen wir jene, die über das Verhältnis von Alltag und Politik verhandeln, hier besonders adressieren wollen. Diese Debatte sehen wir folgendermaßen: Die Musealisierung der Alltagskultur der DDR war lange Zeit umstritten und der Frage ausgesetzt, inwiefern sie die SED-Diktatur verharmlose, ein ‚Weichspüler’ bei der Aufarbeitung und ein Medium der Nostalgie sei.68 Dem musealen Ansatz der Thematisierung der Alltagskultur wurde allerdings in der fortgeschriebenen Gedenkstättenkonzeption des Bundes 2008 der Rücken gestärkt.69 In dieser wird „Gesellschaft und Alltag“ neben „Teilung und Grenze“, „Überwachung und Verfolgung“ und „Widerstand und Opposition“ als eine der vier Säulen künftiger Förderung angeführt und zugleich an den Kontext der Diktatur angebunden. Einer adäquaten Präsentation gelingt es demnach, den Alltag sowohl als praktischen Zusammenhang der Selbstbehauptung und Lebensbewältigung, wie auch in seiner Beschränkung und Durchdringung durch den Staat erfahrbar zu machen. In dieser Perspektive gewinnt eine Konzeption an Konjunktur, die den Besucher_innen in der Ausstellung Zugänge zu den Inhalten auf der Ebene eigener Erfahrungen eröffnet, jedoch gleichzeitig der Verharmlosung der Diktatur entgegentritt. Nun ist darauf aufmerksam gemacht worden, dass das Niveau der Thematisierung der Alltagswelt vielerorts hinter dem postulierten Anspruch zurückbleibe. Als Mangel wird dabei die fehlende Einbindung der Objekte in die DDR-Geschichte herausgestellt: „Die privaten Museen, die nach eigenen Aussagen Einblicke in die vergangene Lebenswelt der DDR vermitteln möchten, zeigen zumeist allein die private Konsumwelt. Wechselwirkungen mit wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen des Landes werden kaum berücksichtigt.“70 Die Präsentation von Objekten des alltäglichen Konsums wird somit als eine museale Strategie der ahistorischen Banalisierung kritisiert, die an der Lebenswelt in der DDR vorbeiführe. Es ist unser Anliegen, uns dieser Debatte praktisch anzunehmen und in Form einer eigenen Ausstellungspraxis zu erforschen, welchen Beitrag eine ethnologische Herangehensweise in diesem Feld leisten kann.

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Ausstellungspraxis als Labor Wie bereits angeklungen, endet unser Projekt nicht mit der Eröffnung der Ausstellung. Einerseits, weil wir die Ausstellung mit einem Rahmenprogramm aus Filmvorführungen, wissenschaftlichen Vorträgen, einer Podiumsdiskussion und selbstorganisierten Führungen bespielen werden. Andererseits, weil wir danach streben, unser Projekt zu hinterfragen und es als fortlaufenden Lernprozess zu sehen: als Labor. Für uns Masterstudierende handelt es sich um das Kernprojekt unseres Studiums am Institut für Europäische Ethnologie. Es werden einige Abschlussarbeiten an die Arbeit mit der Ausstellung anschließen, und wir werden gemeinsam versuchen, aus dem Projekt heraus weiter in die Zukunft zu denken – in die Frage hinein, welchen Beitrag wir als Europäische Ethnolog_innen in der Museumspraxis leisten können. Der Rahmen des Studienprojektes mit seinen sehr viel sanfteren Bedingungen als die der freien Kulturarbeit ermöglicht uns ein Erproben von Forschung und Ausstellung als direkt ineinander gebundener Prozess. Auch die Ausstellung selbst wird sich als Labor beweisen müssen. Werden wir unserem Anspruch gerecht, nicht ein abgeschlossenes, repräsentatives Artefakt zu produzieren, sondern die Ausstellung in ihrem Bestehen offen zu erhalten? Wir laden Sie als Besucher_innen ein, an diesem Projekt teilzunehmen: Mit Ihrer offenen Kritik, Ihren Kommentaren, indem Sie unsere Veranstaltungen besuchen und mit uns diskutieren – überraschen Sie uns. Ein offensichtlich im Wandel begriffener Anteil der Ausstellung besteht darin, dass wir Sie einladen, selbst Kleidungsstücke, Erfahrungsberichte und Stellungnahmen mitzubringen oder in der Ausstellung zu produzieren, die dann direkt Teil des Ausgestellten werden. Hierfür erarbeiten wir einen eigenen Teil innerhalb der Ausstellung, der Perspektiven und Erfahrungen Raum anbietet, die in unseren Projekten fehlen.

Resümee des Resümees Einen Monat vor der Eröffnung der Ausstellung bleibt es spannend für uns. Wir hoffen, dass dieses Begleitheft einige Denkprozesse, Diskussionen und Ansprüche festhalten kann, die unsere Zusammenarbeit geprägt haben. In diesem Sinne wird auch diese Reflexion selbst zu einem Bestandteil der Ausstellung, in der Prognose dessen, was im Entstehen ist, und im Mitteilen der Prozesse des Entstehens. Wir wünschen Ihnen und uns nun vor allem Freude an der kritischen Auseinandersetzung miteinander.

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Für dieses Heft verwendete Quellen und Literatur Bundesarchiv (BArch) DG 400/23 Bundesarchiv (BArch) DG 400/52 Dennert, Gabriele/Leidinger, Christiane/Rauchut, Franziska (Hrsg.), In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben, Berlin 2007 Deutscher Bundestag Drucksache 16/9875: Fortschreibung der Gedenkstättenkonzeption des Bundes „Verantwortung wahrnehmen, Aufarbeitung verstärken, Gedenken vertiefen“, Berlin 19.06.2008 Doan, Laura, Fashioning Sapphism: the Origin of a Modern English Lesbian Culture, insbesondere Kapitel drei, Outraging the Decencies of Nature? Uniformed Female Bodies, New York 2001 Ernst, Anna-Sabine, Mode im Sozialismus. Zur Etablierung eines sozialistischen Stils' in der frühen DDR, in: Mänicke-Gyöngyösi, Kriztina/Rytlewski, Ralf (Hrsg.), Lebensstile und Kulturmuster in sozialistischen Gesellschaften, Köln 1990 Esposito, Elena, Vom Modell zur Mode. Medien und Formen der Nachahmung, in: Soziale Systeme. Zeitschrift für soziologische Theorie, H.1, Jg.9, 2003 Festschrift 30 Jahre Modeinstitut der DDR 1952 - 1982 Fischer, Arno, Wir haben erst einmal die Puppenposen abgeschafft, in: Melis, Dorothea (Hrsg.), SIBYLLE. Modefotografie aus drei Jahrzehnten DDR, Berlin 1998 Grimm, Peter, Zwangshemd. Jacke wie Hose, Heft 03/2008 Hammerstein, Katrin/Scheunemann, Jan, Die Musealisierung der DDR. Wege, Möglichkeiten und Grenzen der Darstellung von Zeitgeschichte in stadt- und regionalgeschichtlichen Museen, Berlin 2012 Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Künstliche Versuchung: Nylon, Perlon, Dederon, Köln 1999 Hey, Gurstl, Die Stellung der Bekleidungsindustrie in der Volkswirtschaft DDR und ihre Perspektivaufgaben, in: Bekleidungsfertigung Bd.1, Berlin 1959 Hirdina, Karin, Gute Nacht, ihr Schönen. Das Frauenbild in den Bildern von Frauen, in: Melis, Dorothea (Hrsg.), SIBYLLE. Modefotografie aus drei Jahrzehnten DDR, Berlin 1998 Hitzler, Roland, Niederbacher, Arne, Szenen im Kontext gesellschaftlicher Modernisierung, in: Dies.: Leben in Szenen. Formen juveniler Vergemeinschaftung heute, Wiesbaden 2011 Hörnigk, Therese, Stephan, Alexander (Hrsg.), Jeans, Rock und Vietnam. Amerikanische Kultur in der DDR, Frankfurt am Main 1999 Kaiser, Paul Klaus-Peter, Boheme im „Arbeiter und Bauernstaat“. Offizialkultur und künstlerische Gegenkultur im DDR-Staatssozialismus, Berlin 2007 Kaminsky, Annette, Kaufrausch. Die Geschichte der ostdeutschen Versandhäuser, Berlin 1998 Karstädt, Christina/von Zitzewitz, Anette, ...viel zuviel verschwiegen. Eine historische Dokumentation von Lebensgeschichten lesbischer Frauen in der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1996 Kaschuba, Wolfgang, Mythos oder Eigensinn? ‚Volkskultur‘ zwischen Volkskunde und Sozialgeschichte, in: Jeggle, Utz u.a. (Hrsg.), Volkskultur in der Moderne. Probleme und Perspektiven empirischer Kulturforschung, Reinbek 1986 Kenawi, Samirah, Die Ersten werden die Letzten sein. Thesen zur Lesbenbewegung in der DDR, in: Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD), Landesverband Sachsen-Anhalt und HeinrichBöll-Stiftung Sachsen-Anhalt (Hrsg.), Lesben und Schwule in der DDR. Tagungsdokumentation, Halle 2008 Köstering, Susanne, Alltagsgeschichte der DDR in aktuellen Ausstellungen, in: Deutschland -Archiv 2007, 2 Künstliche Versuchung: Nylon, Perlon, Dederon, hrsg. vom Haus der Geschichte der Bundesrepublik, Köln 1999 Kuhn, Gerd/Ludwig, Andreas (Hrsg.), Alltag und soziales Gedächtnis. Die DDR-Objektkultur und ihre Musealisierung, Hamburg 1997 Lévi-Strauss, Claude, Das wilde Denken, Frankfurt am Main 196

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Lindner, Bernd, Das eigentliche Gestaltungsfeld. Kulturelle Prägungen der Jugendgenerationen in der DDR, in: Deutschlandarchiv. Zeitschrift für das vereinte Deutschland, Heft 1, 2005 Lindner, Rolf, Jugendkultur und Subkultur als soziologische Konzepte, in: Mike Brake, Soziologie der jugendlichen Subkulturen, Frankfurt am Main 1981 Maase, Kaspar, „Stil“ und „Manier“ in der Alltagskultur – Volkskundliche Annäherungen, in: Ders., Das Recht der Gewöhnlichkeit. Über populäre Kultur, Tübingen 2011 Mänicke-Gyöngyösi, Kriztina; Rytlewski, Ralf (Hg.), Lebensstile und Kulturmuster in sozialistischen Gesellschaften, Köln 1990 Mahler, Ute, Modefotografie war für mich immer auch Porträtfotografie, in: Melis, Dorothea (Hrsg.), SIBYLLE. Modefotografie aus drei Jahrzehnten DDR. Berlin 1998 Melis, Dorothea (Hrsg.), SIBYLLE. Modefotografie aus drei Jahrzehnten DDR, Berlin1998 Melis, Dorothea, Mode nach Plan oder Erziehung zum Verzicht, in: Melis, Dorothea (Hrsg.), SIBYLLE. Modefotografie aus drei Jahrzehnten DDR. Berlin 1998 Melis, Dorothea, SIBYLLE. Modefotografie und Frauenbilder in der DDR, Leipzig 2010 Melis, Dorothea, Interview, in: Schrader, Julie (Hrsg.), Träume nicht Sibylle. Dokumentarfilm zum Werdegang einer Frauenzeitschrift, Berlin 2001, 00:01:35 Menzel, Rebecca, Jeans in der DDR. Vom tieferen Sinn einer Freizeithose, Berlin 2004 Merkel, Ina, Utopie und Bedürfnis. Die Geschichte der Konsumkultur in der DDR, Köln 1999 Pelka, Anna, Jugendmode und Politik in der DDR und in Polen. Eine vergleichende Analyse 1968-1989, Osnabrück 2008 Prause, Andrea, Mode als Parallelwelt. Hedonistischer Protest in der DDR, in Weis, Diana Prause, Andrea: Subkulturelle Parallelwelt Mode - Die alternative Modeszene der DDR in den 1980er Jahren: Zugriff am 02.02.2015 Redeker, Horst, Chemie gibt Schönheit, Berlin (Ost) 1959 Sabrow, Martin/Eckert, Rainer/Flacke, Monika u.a. (Hrsg.), Wohin treibt die DDR-Erinnerung? Dokumente einer Debatte, Göttingen 2007 Scharfe, Martin, Beiträge zur Mode und Jugendkultur (= Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V.), 1985 Schmidt, Elli, Chronik der Modewettbewerbe und Modewettbewerbe der befreundeten Länder, in: Bekleidungsfertigung Bd.1, Berlin 1959 Strafgesetzbuch der Deutschen Demokratischen Republik – StGB, §220, Berlin 1988 Trittel, Christina, Freude an Farbe und Form. Jacke wie Hose. Heft 3/2008 Warneken, Bernd Jürgen, Leitmotiv Kreativität, in: Ders.: Die Ethnographie popularer Kulturen. Eine Einführung, Wien, Köln, Weimar 2006 Weis, Diana (Hrsg.), Cool Aussehen. Mode und Jugendkulturen, Berlin 2012 von Wild, Frieda WIR vs. ICH. Kollektive künstlerische Ansätze in Ostberlin in den 1980er Jahren. Podiumsdiskussion in der STAATSGALERIE Prenzlauer Berg, Berlin 23. Mai Zürndorf, Irmgard, Vitrine oder Wühltisch? Zur Objektkultur der DDR-Geschichte im Museum, in: Hammerstein, Katrin/Scheunemann, Jan (Hrsg.), Die Musealisierung der DDR. Wege, Möglichkeiten und Grenzen der Darstellung von Zeitgeschichte in stadt- und regionalgeschichtlichen Museen, Berlin 2012 Filme Schrader, Julie (Hrsg.), Träume nicht Sibylle. Dokumentarfilm zum Werdegang einer Frauenzeitschrift, Berlin 2001 „Warum wir so gefährlich waren. Geschichte eines inoffiziellen Gedenkens“ ist eine studentische Filmproduktion, realisiert am Kulturwissenschaftlichen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin 2006 Comrade Couture. Ein Traum in Erdbeerfolie, Regie Marco Willms, Polyband 2009

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Endnoten 1 2 3 4

BArch DG 400/23 BArch DG 400/52 BArch DG 400/23 Merkel, Ina, Utopie und Bedürfnis. Die Geschichte der Konsumkultur in der DDR, Köln 1999, S. 251. 5 Ebd., S. 159 6 Pelka, Anna, Jugendmode und Politik in der DDR und in Polen. eine vergleichende Analyse 1968 –1989, Osnabrück 2008, S. 89 7 Merkel, Ina, Utopie und Bedürfnis. Die Geschichte der Konsumkultur in der DDR, Köln 1999, S. 299 8 Vgl. Melis, Dorothea, Interview, in: Schrader, Julie (Hrsg.), Träume nicht Sibylle. Dokumentarfilm zum Werdegang einer Frauenzeitschrift, Berlin 2001, 00:01:35 9 Melis, Dorothea, SIBYLLE. Modefotografie und Frauenbilder in der DDR, Leipzig 2010, S. 5 10 Vgl. Ebd. 11 Mahler, Ute, Modefotografie war für mich immer auch Porträtfotografie, in: Melis, Dorothea Hrsg.), SIBYLLE. Modefotografie aus drei Jahrzehnten DDR. Berlin 1998, S. 209 12 Melis, Dorothea, SIBYLLE. Modefotografie und Frauenbilder in der DDR, Leipzig 2010, S. 6 13 Fischer, Arno, Wir haben erst einmal die Puppenposen abgeschafft, in: Melis, Dorothea (Hrsg.), SIBYLLE. Modefotografie aus drei Jahrzehnten DDR. Berlin 1998, S. 79 14 Vgl. Melis, Dorothea, Mode nach Plan oder Erziehung zum Verzicht, in: Melis, Dorothea (Hrsg.), SIBYLLE. Modefotografie aus drei Jahrzehnten DDR. Berlin 1998, S. 56 15 Vgl. Ebd., S. 55 16 Vgl. Hirdina, Karin, Gute Nacht, ihr Schönen. Das Frauenbild in den Bildern von Frauen, in: Melis, Dorothea (Hrsg.), SIBYLLE. Modefotografie aus drei Jahrzehnten DDR. Berlin 1998, S. 21 17 Vgl. dazu Menzel, Jeans in der DDR, S. 9 ff. 18 Vgl. dazu Hörnigk u.a., Jeans, Rock und Vietnam, S. 129 ff. 19 Vgl. dazu Menzel, Jeans in der DDR, S. 90 ff. 20 Gespräch der Autorin mit Elke am 18.12.2015 21 Gespräch der Autorin mit Günter am 17.12.2015 22 Scharfe u.a., Jeans, S. 103 23 Trittel, Christina, Freude an Farbe und Form. Jacke wie Hose, Heft 03/2008, S. 4–7 24 Ebd. 25 Kaminsky, Annette, Kaufrausch. Die Geschichte der ostdeutschen Versandhäuser, Berlin 1998 26 Grimm, Peter, Zwangshemd. Jacke Wie Hose, Heft 03/2008, Seite 8-11 27 Künstliche Versuchung: Nylon, Perlon, Dederon, Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), Köln 1999, S. 112-181 28 Festschrift 30 Jahre Modeinstitut der DDR 1952 - 1982Hrsg.) 29 Künstliche Versuchung: Nylon, Perlon, Dederon, S. 112-181 30 Interview der Autoren vom 09.01.2015 31 von Wild, Frieda WIR vs. ICH Kollektive künstlerische Ansätze in Ostberlin in den 1980er Jahren. Podiumsdiskussion in der STAATSGALERIE Prenzlauer Berg, Berlin den 23.05.2013, #00:22:55-# 32 Prause, Andrea: Subkulturelle Parallelwelt Mode - Die alternative Modeszene der DDR in den 980er Jahren. Zugriff am 02.02.2015 33 Interview der Autoren vom 09.01.2015 34 Prause, Andrea, Mode als Parallelwelt. Hedonistischer Protest in der DDR, in Weis, Diana(Hg), Cool Aussehen. Mode und Jugendkulturen, Berlin 2012, S. 80-89 35 Vgl. dazu für die Modegruppe „Allerleirauh“ auch Anna Pelka, Jugendmode und Politik in der DDR und in Polen. Eine vergleichende Analyse 1968-1989, Osnabrück 2008, S. 227f. 36 Vgl. dazu Warneken, Bernd Jürgen, Leitmotiv Kreativität, in: Ders.: Die Ethnographie Popularer Kulturen. Eine Einführung, Wien, Köln, Weimar 2006, S. 91-205, hier S. 114 f.. Vgl. dazu zum Konzept der Bricolage im Original: Claude Lévi-Strauss, Das wilde Denken, Frankfurt am Main 1968, S. 27 ff. 37 Warneken 2006, S. 119 38 Interview der Autoren vom 09.01.2015. 39 Maase, Kaspar, „Stil“ und „Manier“ in der Alltagskultur – Volkskundliche Annäherungen, in: Ders.: Das Recht der Gewöhnlichkeit. Über populäre Kultur, Tübingen 2011, S. 91-118, hier S.105 40 Vgl. diesbezüglich vertiefend Lindner, Bernd, Das eigentliche Gestaltungsfeld. Kulturelle Prägungen der Jugendgenerationen in der DDR, in: Deutschlandarchiv. Zeitschrift für das vereinte Deutschland, Heft 1, 2005 41 Interview der Autoren vom 21.06.2014 42 Interview der Autoren vom 21.06.2014 43 Vgl. dazu Lindner, Rolf, Jugendkultur und Subkultur als soziologische Konzepte, in: Mike Brake, Soziologie der jugendlichen Subkulturen, Frankfurt am Main 1981, S. 172-193

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44 Vgl. dazu Hitzler, Roland, Niederbacher, Arne, Szenen im Kontext gesellschaftlicher Modernisierung. in: Dies.: Leben in Szenen. Formen juveniler Vergemeinschaftung heute, Wiesbaden 2001, S. 11-32 45 von Wild, Frieda WIR vs. ICH Kollektive künstlerische Ansätze in Ostberlin in den 1980er Jahren. Podiumsdiskussion in der STAATSGALERIE Prenzlauer Berg, Berlin den 23.05.2013, #00:22:55-# 46 Ernst, Anna-Sabine, Mode im Sozialismus. Zur Etablierung eines 'sozialistischen Stils' in der frühen DDR, In: Mänicke-Gyöngyösi, Kriztina; Rytlewski, Ralf (Hg.), Lebensstile und Kulturmuster in sozialistischen Gesellschaften, Köln 1990. S. 73-94, S. 76 47 Schmidt, Elli, Chronik der Modewettbewerbe und Modewettbewerbe der befreundeten Länder, in: Bekleidungsfertigung Bd.1, a.o.O. 1959 48 Redeker, Horst, Chemie gibt Schönheit, Berlin (Ost) 1959, S. 12 49 Hey, Gurstl, Die Stellung der Bekleidungsindustrie in der Volkswirtschaft DDR und ihre Perspektivaufgaben, in: Bekleidungsfertigung Bd.1, a.o.O. 1959, S. 13-20 50 Vgl. zu den politischen Feindsetzungsformeln: Kaiser, Paul Klaus-Peter, Boheme im „Arbeiter und Bauernstaat“ Offizialkultur und künstlerische Gegenkultur im DDR-Staatssozialismus, Berlin 2007, 377-394 51 Strafgesetzbuch der Deutschen Demokratischen Republik §220 – StGB, Berlin(Ost) 1988 52 Breski, Jürgen in: Comrade Couture. Ein Traum in Erdbeerfolie, Regie Marco Willms, Polyband 009, 24.30-25:25 53 Interview der Autoren vom 09.01.2015. 54 Interview der Autoren vom 09.01.2015. 55 von Wild, Frieda WIR vs. ICH Kollektive künstlerische Ansätze in Ostberlin in den 1980er Jahren. Podiumsdiskussion in der STAATSGALERIE Prenzlauer Berg, Berlin den 23.05.2013 #00:20:47 2# 56 Vgl. Kaiser 2007 57 Interview der Autoren vom 09.01.2015 57 Doan, Laura, Fashioning Sapphism: the Origin of a Modern English Lesbian Culture, insbesondere Kapitel drei, Outraging the Decencies of Nature? Uniformed Female Bodies, New York 2001 58 Vgl. Dennert, Gabriele/Leidinger, Christiane/Rauchut, Franziska (Hrsg.), In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben. Berlin 2007 59 Eine ausführliche Auseinandersetzung mit lesbischen Lebensgeschichten in der DDR leisten Karstädt, Christina/von Zitzewitz, Anette, ...viel zuviel verschwiegen. Eine historische Dokumentation von Lebensgeschichten lesbischer Frauen in der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1996 60 Warum wir so gefährlich waren. Geschichte eines inoffiziellen Gedenkensì ist eine studentische Filmproduktion, realisiert am Kulturwissenschaftlichen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin 2006, 50 Minuten 61 Kenawi, Samirah, Die Ersten werden die Letzten sein. Thesen zur Lesbenbewegung in der DDR, in: Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) Landesverband Sachsen-Anhalt und Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt (Hrsg.), Lesben und Schwule in der DDR, Tagungsdokumentation, Halle 2008, S. 57–66 62 Ich bedanke mich beim EWA e.V. Frauenzentrum in Berlin für die Nutzung ihrer Räume für dieses Gespräch. 63 Vgl. zum Sprachgebrauch von Ñrassistischì das Positionspapier der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, online Ressource: Zuletzt besucht am 11.03.2015 64 Für die beratenden und ermutigenden Rückmeldungen und ihre Unterstützung im Herstellen von Kontakten danke ich besonders Barbara Hoyer aus der Begine - Treffpunkt und Kultur für Frauen e.V. und Konstanze ÑKonnyì Gerhard, die mein Gesuch auf veröffentlichte. 65 Esposito, Elena, Vom Modell zur Mode. Medien und Formen der Nachahmung, in: Soziale Systeme. Zeitschrift für soziologische Theorie, H.1, Jg.9, 2003, S. 88-104 66 Kaschuba, Wolfgang, Mythos oder Eigensinn? ‚Volkskultur‘ zwischen Volkskunde und Sozialgeschichte, in: Jeggle, Utz u.a. (Hrsg.), Volkskultur in der Moderne. Probleme und Perspektiven empirischer Kulturforschung, Reinbek 1986, S. 469-507, hier S. 479 67 Vgl. zur Debatte: Kuhn, Gerd/Ludwig, Andreas (Hrsg.), Alltag und soziales Gedächtnis. Die DDRObjektkultur und ihre Musealisierung, Hamburg 1997; Sabrow, Martin/Eckert, Rainer/Flacke, Monika u.a. (Hrsg.), Wohin treibt die DDR-Erinnerung? Dokumente einer Debatte, Göttingen 2007 68 Deutscher Bundestag Drucksache 16/9875: Fortschreibung der Gedenkstättenkonzeption des Bundes „Verantwortung wahrnehmen, Aufarbeitung verstärken, Gedenken vertiefen“, Berlin 19.06.2008 69 Köstering, Susanne, Alltagsgeschichte der DDR in aktuellen Ausstellungen, in: Deutschland Archiv (2007) 2, S. 306-312 70 Zürndorf, Irmgard, Vitrine oder Wühltisch? Zur Objektkultur der DDR-Geschichte im Museum, in: Hammerstein, Katrin/Scheunemann, Jan (Hrsg.), Die Musealisierung der DDR. Wege, Möglichkeiten und Grenzen der Darstellung von Zeitgeschichte in stadt- und regionalgeschichtlichen Museen. Berlin 2012, S. 96-109, hier S. 105

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Wir danken für die Zusammenarbeit folgenden Institutionen und Personen: DDR- Museum Berlin Haus der Geschichte Lutherstadt Wittenberg Museum Europäische Kulturen/Staatliche Museen zu Berlin Modemuseum Schloss Meyenburg Kunstarchiv Beeskow Dr. Mathias Bertram Ulrike Brummundt Christiane Buck Bettina Dziggel Kristina Geisler Barbara Hollop Rotraud Hornig Prof. Dr. Wolfgang Jacobeit Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba Marinka Körzendörfer Josefine Edle von Krepl Sandra Lechelt Dorothea Melis Dr. Dagmar Neuland-Kitzerow Dagmar Oehler Dr. Christel Panzig Robert Rückel Gertraude und Ralf Schwagerus Ursula Stefke Franziska Swars Waltraud Teichmann Ganz besonders danken wir Norbert Günther als Gestalter für alle Hilfe und dafür, dass wir reichlich von seinem GUTEN RAT im Umgang mit unserem GUTEN STOFF lernen durften.

Haus der Geschichte Lutherstadt Wittenberg

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